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Am
31. März 1990 startete Gotthard Rieger, derzeit bei Radio NÖ, den
Sendebetrieb von Radio CD International auf 101,8 MHz. Aufgrund des
ORF-Monopols musste der Sender von Pressburg aus senden. Das Büro war in
der Hofmoklgasse in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus.
Zu
Beginn gab es noch keinen durchgehenden 24-Stunden-Sendebetrieb, was jedoch
bald geändert wurde. Unter dem Motto „Wir ticken nicht normal“ begannen
alle Sendungen immer 15 Minuten nach der vollen Stunde.
Radio
CD war auch der erste Sender Österreichs, der seinen Hörern unter dem
Motto „Yes we du“ das Du-Wort anbot und so eine ungezwungene und sehr
private Beziehung zu den Hörern erzielte. Die Mitarbeiter und auch die Hörer
waren wie eine große Familie. Man konnte sich mit „seinem“ Radio CD
identifizieren. Ein Umstand, der Radio CD so sympathisch machte und es
angenehm vom Staatsfunk abhob. Daher verzieh man Radio CD auch den einen
oder anderen Fehler, den man dem ORF nie verziehen hätte. Ein Versprecher
hier, ein technisches Problem dort; alles keine Gründe Radio CD untreu zu
werden.
Radio
CD wurde das Leben unnötig schwer gemacht. Bei Pressekonferenzen wurde den
CD-Mitarbeiter immer wieder der Zutritt mit fadenscheinigen Argumenten
verweigert. Auch der ORF scheute keine Mühen, um die Existenz von Radio CD
zu verschleiern. Tauchten Mikrofone von Radio CD in Fernsehkameras des ORF
auf, wurden die bunten CD-Logos mühevoll entfernt.
Das
Musikprogramm war, speziell in den ersten Sendejahren, trotz der begrenzten
finanziellen Mittel, sehr abwechslungsreich. Ein enges, von oben diktiertes,
Musikformat gab es nicht. Die Moderatoren waren gleichzeitig
Nachrichtensprecher, DJ und eben Moderator und spielten des öfteren auch
ihre privaten Platten. Einen Einheitsbrei, wo zu jeder Tages- und Nachtzeit
dieselben Musiktitel gespielt werden, kannte Radio CD nicht. Viele Hörer
hatten Lieblingssendungen, wo noch richtig zugehört wurde und man sich
nicht nur berieseln ließ.
Nach
einer Übersiedelung in die Kaiserstraße in Wien-Neubau gab es nach 3½
Jahren Sendebetrieb im Herbst 1993 den ersten großen Rückschlag. Der
Sender in Pressburg wurde ohne Ankündigung (zumindest nicht an die Hörer)
abgedreht und erst nach Interventionen von Außenminister Dr. Alois Mock
nach fast zwei Wochen Sendepause wieder in Betrieb genommen. Damals
versprach man den Hörern, dass so etwas nie wieder vorkommen werde und
alles Notwendige für einen ungestörten Sendebetrieb veranlasst wurde.
Leider
dauerte der erneute Sendebetrieb nur wenige Wochen. Am 31. Dezember
1993 wurden die Hörer in den Kurzmeldungen über eine erneute drohende
Abschaltung zum Jahreswechsel informiert. Vor den letzten Kurzmeldungen am
Abend war die Stimmung auf einem Tiefpunkt. Manfred Riha verabschiedete sich bei den Hörern und dankte ihnen für ihre Treue.
Radio CD hoffte zwar, dass der Sendebetrieb weiter gehen hätte können,
doch daraus wurde nichts.
Drei
Minuten nach Mitternacht am 1. Jänner 1994 wurde der Sender, noch während
der Donauwalzer erklang, brutal abgedreht. 6½ Monate lang sollte es nur
Rauschen für die Fans geben. Im Februar tauchten zwar Meldungen in den
Printmedien (der ORF verlor kein Wort über den ungeliebten Konkurrenten
Radio CD ) auf, dass Radio CD bald wieder senden werde. Diese Meldung
stellte sich jedoch leider als falsch heraus. Frustrierte Hörer sollen
sogar gemeint haben, dass das Rauschen auf 101,8 MHz allemal besser
sei, als das Programm von Ö 3.
Erst
Mitte Juli 1994 konnte Radio CD auf der neuen Frequenz 96,6 MHz erneut
den Sendebetrieb aufnehmen. Die Freude der vielen Fans war groß. Der
finanzielle Schaden, den Radio CD durch die lange Zwangspause hatte, jedoch
ebenfalls. Im ersten Sendejahr auf 96,6 MHz war das Programm dem des
alten Radio CD noch sehr ähnlich. Danach wurde es jedoch leider durch zwei
Reformen immer mehr dem Mainstream angepasst.
Zum
Schluss, im Jahr 1996, war die Sendungsvielfalt und damit die
abwechslungsreiche Musik Geschichte. Das Programm wurde nicht mehr durch die
Moderatoren bestimmt, sondern der Selector „diktierte“, was gesendet
wurde. Viele Fans hatten daher „ihr“ Radio CD schon einige Zeit vor dem
endgültigen Ende im September 1996 verloren.
So
ging eine einzigartige Geschichte der (ost)österreichischen Privatradioära
zu Ende. Heute erinnert leider nur mehr wenig an diesen genialen Sender. Zum
einen das „Café CD“ und zum anderen das Studio von Radio CD, aus dem
seit April 1998 Radio Energy sendet (beides in der Lugner City, Wien). Hin
und wieder kann man noch auf einem Auto einen „Radio CD“-Aufkleber
erblicken und einige der Moderatoren
auf manchen
Radiostationen hören.
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