Tagebuch einer defekten
Retina IIIc:
Sie funktionierte bis zu dem Tage wunderbar, bis ich auf
den Einfall kam, den Selbstauslöser zu benutzen.
Danach tat sich gar nichts mehr. Guter Rat war teuer,
oder im Usenet. Zufällig war im de.rec.fotografie
eine Diskussion zu gerade dem Thema. Den Hinweis,
den Winfried Büchsenschütz zum Thema dort
schrieb, möchte ich wiedergeben:
From:Winfried=?ISO-8859-1?Q?B=FCchsensch=FCtz?=
Subject: Re: Retina III C und Zeiss Ikon Novar
Anastigmat
Newsgroups: de.rec.fotografie
Date: 28 Dec
2001 09:07:12 +0200
"Reparatur eines Zentralverschlusses der Retina:
Also erstmal zur Retina: Frontlinse durch Linksdrehen
aus der Fassung nehmen. Darunter ist ein dünner
schwarzer Ring, der durch einige winzige Schräubchen
fest gehalten wird. Dieselben rausschrauben und gleich in
ein Filmdöschen, sonst sind sie weg! Die Position
des Ringes mit einem kleinen Kratzer markieren (er kann
in mehreren Positionen wieder festgeschraubt werden, hat
aber nur Einfluss auf die Leichtgängigkeit des
Zeitenrings). Dann den ganzen Ring gegen den
Uhrzeigersinn abschrauben. Anschließend kannst Du
die Verschlußabdeckung abnehmen. Dann kommt eine
große Scheibe, die wild verschlungene Nuten
trägt (und außen die Zeitenskala), diese auch
vorsichtig abheben (keine Angst, es springt Dir nix
entgegen). Der Blendeneinstellhebel ist dabei etwas im
Weg. Wenn Du Dich nicht traust, kannst Du die Scheibe mit
den Nuten auch drauflassen, dann kommst Du allerdings
links unten an das taschenuhrähnliche Gebilde, das
Hemmwerk des
Selbstauslösers, nicht so gut dran. Beträufele
es mit ein paar Tropfen Feuerzeugbenzin (Schlecker, DM
2,29). Bevor Du es wieder in Gang setzt, Verschluß
wieder provisorisch zusammenbauen aufpassen, dass
die Stiftchen, die in die Nuten
der Steuerscheibe greifen, alle in den Nuten sitzen
(evtl. vorsichtig nachschieben). Den
Verschlußdeckel mußt Du noch nicht aufsetzen,
aber den Haltering vorsichtig wieder aufsetzen und soweit
festdrehen, dass der Zeiteinstellring nur wenig
Spiel hat. Und dann nochmal den Selbstauslöser in
Gang setzen. Das provisorische Zusammenbauen ist
notwendig, da bei der Retina der Verschluß
über einen Zahnkranz aufgezogen wird, der nur lose
aufgelegt ist, und der Dir evtl. beim
Verschlußablauf entgegenspringt (ist aber auch
nicht so schwer, ihn wieder zu positionieren).
Du kannst auch versuchen, etwas Benzin durch die
Öffnung für den Selbstauslöserhebel
einzuträufeln, manchmal hilft das auch schon.
Könnte auch bei der Nettar helfen.
Bis demnächst, Winfried
Büchsenschütz"
Das war genau das, was ich brauchte!!! Sofort an die
Arbeit gemacht. Doch leider gings damit nicht so leicht.
Beim Zusammenbau konnte ich ein Hebelchen nicht richtig
einsetzen! Habe mich also in die Diskussion
eingeklinkt:
Path: uni-berlin.de!213.254.33.10!not-for-mail
From: (Wolfgang Bruesehaber)
Newsgroups: de.rec.fotografie
"Hallo an alle,
habe mich getraut!! Meine Retina IIIc hat nach
Betätigung des Selbstauslösers dieselben
Macken. Habe nun alles so getan (fast) wie hier
beschrieben. Nun kann ich die Kamera wieder spannen,aber
beim Auslösen tut sich nichts. Was tun??
Oben links am Verschluß ist ein kleines Hebelchen
mit Haltefeder abgefallen, den ich dann wohl falsch
aufgesetzt habe.
Wer kann mir weiterhelfen, Winfried? ....
WolfgangB"
<P>From:Winfried=?ISO-8859-1?Q?B=FCchsensch=FCtz?=
Subject: Re: Retina III C und Zeiss Ikon Novar
Anastigmat
Newsgroups: de.rec.fotografie
Date: 30 Dec 2001 08:56:21 +0200
>Oben links am Verschluß ist ein kleines
Hebelchen mit Haltefeder abgefallen, den ich dann wohl
falsch aufgesetzt habe.
>Wer kann mir weiterhelfen, Winfried?
"Du meinst wahrscheinlich 'im Verschluß'? Ich kann
mich schwach erinnern, dass es bei mir ähnlich
war, das ist glaub ich ein rechtwinklig abgebogenes
Hebelchen mit einer Haarnadelfeder, das mit dem
Auslösemechanismus zu tun hat. Bei mir war die
Feder irgendwie abgerutscht, und dann tat sich erstmal
auch nix mehr.
Wenn es das ist, kann ich ja mal meinen Verschluß
noch mal aufmachen und nachsehen, wie es
reinmuß.
Winfried Büchsenschütz"
Path: uni-berlin.de!213.254.33.10!not-for-mail
From: (Wolfgang Bruesehaber)
Newsgroups: de.rec.fotografie
"Hallo Winfried,
genauso wie Du es beschrieben hast, ist es. Es wäre
sehr nett, wenn Du mir weiterhelfen würdest
WolfgangB"
From:Winfried=?ISO-8859-1?Q?B=FCchsensch=FCtz?=
Subject: Re: Retina III C und Zeiss Ikon Novar
Anastigmat
Newsgroups: de.rec.fotografie
"Never change a running system... hab aber trotzdem die
weniger schöne meiner beiden IIc aufgemacht.
Also: es geht vermutlich um einen dreiarmigen Hebel, der
auf einem Stift direkt unterhalb des nach außen
führenden Auslösehebels gelagert ist.
Das stufenförmig abgewinkelte Teil zeigt nach unten
(zum Kameraboden), die Abwinkelung geht zum Boden des
Verschlusses. Der am Ende etwas abgeschrägte Arm
geht nach links und liegt auf einem Nocken des teilweise
verzahnten Innenrings. Der auf einer Seite abgerundete
Teil liegt direkt vor einer kleinen ausgesparten Ecke des
Auslösehebels.
Die Schenkelfeder drückt mit ihrem abgebogenen Ende
gegen das stufenförmig abgewinkelte Teil und mit dem
anderen Ende gegen einen kurzen Stift, der zwischen dem
Lagerstift des Hebels und dem Auslösehebel liegt.
Sie muß so angeordnet werden, dass sie den
dreiarmigen Hebel im Uhrzeigersinn bewegt, d.h. das
abgeschrägte Ende gegen die Nocke des Innenringes
drückt. Diese Feder wieder reinzukriegen war
ziemlich fummelig.
Das ganze Hebelchen ist aber mehr für das
Blockieren des Auslösers nach dem Auslösen
verantwortlich, d.h. der Verschluß sollte auch ganz
ohne es funktionieren (der Auslöser lässt
sich dann aber nach dem korrekten Auslösen weiter
durchdrücken). Wichtig ist auch die korrekte
Position des Innenringes. Nach dem Auslösen des
Verschlusses sollte der letzte Zahn des Zahnsegmentes der
Spannwelle (rechts oben) genau in der letzten
Zahnlücke der Innenringverzahnung sitzen, nach dem
Aufziehen sollte der vorletzte Zahn des Zahnsegmentes
gerade so in die vorletzte Zahnlücke eingreifen
(nicht vollständig).
Beim finalen Aufsetzen der Steuerscheibe (die mit den
vielen Nuten und Ausbrüchen) müssen alle
kleinen Stiftchen des Hemmwerkes (zwei Stifte ganz
rechts, ein nach oben gebogener Hebel unten zwischen
Verschluß- und Selbstauslöserhemmwerk)
innerhalb der Aussparungen liegen UND auch das
aufgebogene Teil des sichelförmigen Hebels, der
unter dem Auslösehebel links oben liegt.
Und zum Schluß die Gretchenfrage: steht das
Zählwerk zufällig auf 1? Dann ist die Kamera
nämlich total blockiert, aber da Du sie wohl schon
genutzt hast, ist das wohl klar. Dem Anbieter meiner
zweiten IIc war das nicht klar, deswegen hat er sie als
'blockiert' angeboten....
Und was haben wir daraus gelernt? Verschlüsse
gehören bei der Behandlung stets in Rückenlage.
Es springt zwar nix raus, aber manches ist lose eingelegt
(wie ich erstmalig bei einem Prontor-Verschluß
erlebte, zum Glück lag aber noch ne andere Kamera
mit dem gleichen Verschluß zum Nachgucken rum).
Winfried Büchsenschütz (heute erstmalig seine
Rheinmetall-Weltax mit selbstgebauter 6x4,5-Maske
ausgeführt habend)"
Path: uni-berlin.de!213.254.33.10!not-for-mail
From:(Wolfgang Bruesehaber)
Newsgroups: de.rec.fotografie
"Hurraaaaa! Sie (die Retina IIIc) ist Dank der Hilfe
von Winfried wieder in Ordnung. Vielen Dank!
Was lehrt mich (uns?) das, probiere
an einer alten unbekannten Retina niemals den
Selbstauslöser aus!!
WolfgangB"
<P>From:Winfried=?ISO-8859-1?Q?B=FCchsensch=FCtz?=
Subject: Re: Retina III C und Zeiss Ikon Novar
Anastigmat
Newsgroups: de.rec.fotografie
" Ja, die Dinger klemmen häufig... und dann funzt
leider nix mehr. Bei Selbstauslösern mit separatem
Spannhebel sollte man ihn erstmal nur teilweise spannen und
kucken, ob er sauber zurückläuft, bevor man in
die Vollen geht. Bei den späteren Synchro-Compur- und
Prontor-SVS-Verschlüssen geht das leider nicht mehr,
da wird der Selbstauslöser immer mitgespannt.
Winfried Büchsenschütz"
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