Ein bisschen Kulturgeschichte


Die 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts waren geprägt vom Aufstand unserer Jugend (Studentenunruhen in Deutschland, "Globus"-Krawalle 1968 in Zürich). Die Demonstranten waren nicht mehr gewillt die konservativen und patriarchalisch geprägten An- und Einsichten ihrer Väter kritiklos hinzunehmen. Für die ältere Generation war dies zumindest ein Schock und eine ganz neue Erfahrung. Notgedrungen musste sie sich in vielen Bereichen den Forderungen der Jugend fügen.

Neu war dieses Phänomen des "Alles-in-Frage-Stellens" keineswegs. Bereits vor einem halben Jahrtausend kennzeichnete dieser Geist eine ganze Epoche: die der Renaissance.
Die Rebellion richtete sich zu jener Zeit auch gegen die höchste Autorität des mittelalterlichen Europas - die Kirche. Diese Institution hatte sich gegen Ende des 15. Jahrhunderts bereits meilenweit von ihren Ursprüngen entfernt. Der Kirchenstaat war ein italienischer Staat wie jeder andere und der Papst ein italienischer Fürst wie viele andere. Das Hauptanliegen dieser Fürstenpäpste waren nicht die Anliegen der Kirche, sondern die Vermehrung ihrer Ländereien und die Anhäufung von Schätzen. Die Päpste hatte wohl alle Macht, aber religiösen Respekt konnten diese Lebemänner kaum mehr erwarten. 1492-1503 residierte zum Beispiel Papst Alexander VI aus dem Hause Borgia. Wie viele andere, hatte auch er seinen Papsttitel käuflich erworben. Er hielt sich Mätressen, zeugte uneheliche Kinder und sagte nach seiner erkauften Amtseinsetzung: "Gott hat uns das Papsttum verliehen, lasst uns es geniessen".

Der Missbrauch kirchlicher Macht war keineswegs neu und Kritiker hatten es äusserst schwer, etwas dagegen zu unternehmen. Wer seinen Latz zu weit aufriss, landete - unter Mitwirkung der heiligen Inquisition und dem Segen des hl.Geistes - auf dem Scheiterhaufen. Zu lukrativ war für die Kirche der Handel mit päpstlichen Ämtern, dem Ablasshandel und die käufliche Vergebung der Sünden.

Wer einen Ablasszettel kaufte, schöpfte aus dem Gnadenüberschuss und reduzierte sich damit die Zeit im Fegfeuer(!!). Als Papst Leo X für den Neubau der Peterskirche dringend Geld brauchte beschaffte er sich dieses hauptsächlich durch einen schwunghaften Ablasshandel. Der Heiligkeit des Pontifikates tat dies keinen Abbruch - solche Geschäfte gehörten mittlerweile überall zur klerikalen Routine.

Da war die Zeit des Martin Luther (1483-1546) reif. Der streng gläubige Doktor der Theologie, konnte diesem Treiben nicht mehr zusehen und suchte den Dialog mit dem Papst. Die Antwort aus Rom war 1520 eine Bulle und anschliessend die Exkommunikation. Was blieb da Luther anderes übrig, als seine Thesen "im Eigenverlag" auf den Markt zu bringen. Schnell fand er breite Unterstützung im Volk und bald auch würdige Mitstreiter (Zwingli aus Zürich und Calvin aus Genf).



Big Brother oder "Überwachung total"


1984 machte ein Bestseller von John Orwell von sich reden: "Der grosse Bruder". Die Geschichte handelt von einem lückenlos überwachten Staat. Am Arbeitsplatz, im Wohn- und Schlafzimmer, sogar auf dem stillen Örtchen hat die Obrigkeit bei allen Staatsbürgern Fernsehkameras montiert. Rund um die Uhr kontrolliert die Zentrale alle Verrichtungen und Tätigkeiten auch des hinterletzten Bürgers. Die Überwachung ist Total und bei Fehlverhalten oder Abweichung von der Norm winken drakonische Strafen. Motto: Der grosse Bruder sieht alles.

Den Stoff zu dieser Story hat vielleicht Rom geliefert. Seit Hunderten von Jahren wird nämlich in der heiligen katholischen Kirche eine Frühform der totalen Überwachung praktiziert. Anlässlich des Konzils von Trient 1566, wurde die Einführung eines perfiden Kontrollsystems beschlossen, welches den klerikalen Einblick in sämtliche, auch noch so intimen Bereiche und sogar Gedanken der Gläubigen bis heute möglich macht: Die Beichte. Und damit der Feedback auch zuverlässig funktioniert, wird im sog. Beichtspiegel detailliert vorgegeben, was die Kirche, in welchen zeitlichen Abständen, von Jedem und Jeder wissen will.

"Unbelasteten" Lesern möchte ich empfehlen, den Beichtspiegel aufmerksam durchzulesen. Das Dokument ist Bestandteil des Katechismus (Canisi) des Bistums Basel. Er wurde 1947 für die 5. bis 7. Klasse herausgegeben, hatte aber genauso für alle Erwachsenen Geltung.


Der Gipfel kirchlicher Neugier

Wo leitet der Klerus das Recht her, derart unverschämt die persönlichen, privaten und intimen Bereiche und Gefühle seiner "Gläubigen" auszuhorchen?

Warum müssen wir beichten ?
Wir müssen beichten, weil Christus es so will
(Kat.263)

Mitnichten - in keinem der vier Evangelien bin ich auf den konkreten Begriff der Beichte gestossen, dort ist dafür umsomehr von Busse die Rede, und das ist bekanntlich nicht dasselbe. Den Katechismustrategen dürfte es nicht besser ergangen sein, denn erst in der Apostelgeschichte wurden sie fündig:

"Viele Gläubige kamen und bekannten, was sie getan hatten" (Apg.19.18).

Diese Zeile wurde über 70 Jahre nach Christi Geburt geschrieben (Briefwechsel zwischen Lukas und Theophilius in Rom) und der Autor (Lukas) ist dem Jesus nie persönlich begegnet. Mit diesem Satz wird aber die biblisch fundierte Notwendigkeit der Beichte begründet.

Es fällt auf, dass Beichtfragen, die auch nur im geringsten mit Sexualität zu tun haben, peinlich genau und ausführlich hinterfragt werden (müssen). Sexuelle Empfindungen sind doch das natürlichste auf der Welt. Wenn aber ein pupertierender Jüngling von einem anregenden Traum aufwacht und darüber nachdenkt, hat er sich schon versündigt (wenn er katholisch ist). Dieses Thema wird uns später nochmals beschäftigen.

Nach katholischer "Gesetzgebung" ist somit nahezu alles Sünde was Freude macht. Demnach müssten wir unaufhörlich - in religiöser Verzückung - mit reumütig zu Boden gerichtetem Blick gen Himmel schauen. Wer kann das schon?

Die alleinseligmachende Kirche verspricht uns den Himmel wenn wir ständig Busse tun und unsere Sünden bereuen und beichten. Ich frage: "Welche Sünden?" Kann ein rechtschaffener, ehrlicher und gütiger Mensch, der sein Leben lang für seine Mitmenschen sein bestes gab nur in den Himmel kommen, wenn er gut gebeichtet hat? Das ist sicher nicht im Sinne unseres Erfinders.


Ein Rückblick

Bereits in der Sekundarschule stellte ich eine massive Religionsverdrossenheit bei einigen meiner Schulkameraden fest. Der Grund war klar. Die Jugend wurde geradezu gezwungen, sich permanent mit dem Glauben zu beschäftigen. Schon frühmorgens wurde zur Schulmesse befohlen. Die Schule wurde mit Gebeten begonnen und beendet. Abends stand vielfach eine Andacht auf dem Programm und der Sonntag gehörte ebenfalls der Kirche. Neben einer Messe war da immer noch die Christenlehre zu besuchen.
Wehe, wenn sich ein Kind auf seinem, zuweilen mehr als zweistündigen, Schulweg (zur Schulmesse) verspätete oder im Schnee stecken blieb. Wehe, wenn es abends eine Andacht oder Sonntags eine befohlene Messe vergass. In jedem Falle drohten hochnotpeinliche Verhöre und in vermeintlich krassen Fällen auch entsprechende Strafen.

Tagtäglich mehrmals das gleiche oder ähnliche (befohlene) Prozedere, das stumpfte ab und erzeugte bei einigen meiner Kameraden Aggressionen gegen dieses Diktat. Über Religion wurde nicht gesprochen - Religion wurde diktiert und damit pasta. Was aus der schwarzen Ecke kam war die unverrückbare Wahrheit und duldete keinen Widerspruch. So knallhart waren damals die Bräuche - sie sind es zum Teil da und dort heute noch. Wenigstens auf der untersten Stufe der klerikalen Hierarchie, macht sich glücklicherweise eine zaghafte Öffnung und auch Dialogbereitschaft bemerkbar. Auf dieser Stufe hat man erkannt, dass Gottes Schäfchen denken gelernt haben und nicht mehr alles als gottbefohlen hinzunehmen gewillt sind.

Eine Kirche, welche sich immer noch desselben Vokabulars bedienen muss wie weiland ihre Apostel vor 2000 Jahren, kann meines Erachtens nicht mehr mithalten. Diese Kirche hat es in 20 Jahrhunderten nicht fertiggebracht, den ständig wandelnden Anforderungen und Bedürfnissen ihrer Gläubigen Rechnung zu tragen. Im Gegenteil, sie hat sich mit unzähligen Konzilsbeschlüssen und Dekreten derart eingekapselt, dass sie den Kontakt zur Aussenwelt und zum tatsächlichen Leben weitgehend verloren hat.

Die zahlreichen Reisen heutiger Päpste können an dieser Situation auch nicht viel ändern, da diese Ausflüge weniger der Weiterbildung als der Selbstdarstellung dienen. In behäbiger Selbstgefälligkeit behauptet diese Institution, ihren Lehrauftrag von Gott persönlich empfangen zu haben, deshalb ist in dieser Kirche alles heilig. Geschichtlich führt ihr Ursprung tatsächlich auf die Apostel zurück. Damit hat sich's aber. Was die römische Kirche in den zwei verflossenen Jahrtausenden aus diesem Erbe gemacht hat, dürfte ihre Begründer nicht besonders freuen.




Die Organisation


Der Papst

Definition: (lat. papa=Vater) Bischof von Rom, nach kath. Lehre Stellvertreter Christi und Nachfolger Petri; Oberhaupt der kath. Kirche, oberster kirchl. Lehrer, Gesetzgeber, Richter, steht über allen Bischöfen und Gläubigen; weltl. Oberhaupt der Vatikanstadt. Ist unfehlbar, wenn er eine Glaubens- und Sittenlehre als von Gott geoffenbart erklärt. Wahl durch die Kardinäle (bis 80jährig) im Konklave.


Päpste, Fürsten, Politiker und Kriegsherren

Nachdem die ersten Päpste auf dem Parkett der Geschichte erschienen waren, begann diese Spezies die Weltgeschichte wie ein roter (bzw. schwarzer) Faden zu durchziehen. Wer nun glaubt, dass sich diese (angeblich von Christus eingesetzten) obersten Kirchenväter in schöner Harmonie abgelöst und sich , in tiefster Demut vor dem Herrn, ausschliesslich den anvertrauten Gläubigen angenommen hätten, sieht sich bitter enttäuscht.

Kaum hatte sich das Amt des Papstes etabliert, begann ein unsägliches Theater um Macht und Einfluss. Der Herrschaftsanspruch gipfelte sogar in der Forderung, dass sich alle weltliche Gewalt dem Papst unterwerfen müsse. Neben dem Anspruch der Unfehlbarkeit begannen sie sich noch einer weiteren Waffe zu bedienen: dem "Kirchenbann". Nicht genehme weltliche Herrscher oder andere Prominente wurden kurzerhand mit dem Kirchenbann belegt. Im Laufe der Jahrhunderte mischte sich der Klerus immer mehr in die Politik ein. Er verband sich mit willfährigen Kaisern, salbte kaiserliche Häupter, verkuppelte blaublütiges Blut und dies immer im unchristlichen Bestreben, die eigenen Ländereien zu vergrössern, das eigene Vermögen zu mehren und ganz nebenbei, die kirchliche Gesetzgebung besser an den Mann zu bringen.

Die päpstliche Machtfülle führte zwangsläufig zu internen Streitereien. Möchtegern-Oberhirten kürten sich zu Gegenpäpsten. Päpste führten Kriege oder waren zumindest für solche verantwortlich. Päpste vermehrten sich, so dass gelegentlich gleich mehrere "Potifexe" am regieren waren. Päpste lieferten sich blutige Machtkämpfe und brachten sich gegenseitig auch mal um (oder liessen umbringen).

Das Machtmonopol des Vatikans, führte schliesslich zu einer unvorstellbaren klerikalen Dekadenz. Die Hofhaltung unterschied sich kaum mehr von derjenigen weltlicher Fürsten. Schliesslich waren Päpste auch Fürsten - Kirchenfürsten. Ihr Einflussbereich und Vermögen waren aber bereits bedeutend grösser als dasjenige von so manchem weltlichen Herrscher. Dies erklärt auch ihre Forderung, nach Unterstellung jeglicher weltlichen Macht unter die Fittiche Roms. Schliesslich lief auch das sittliche Leben am päpstlichen Hofe völlig aus dem Ruder, indem man die Bräuche der weltlichen Höfe übernahm. Mätressenhaltung, uneheliche Kinder und vieles mehr, wovon die gläubige Hammelherde kaum zu träumen wagte, bestimmte die Freizeit der fürstlichen Kirchenobrigkeit. Diese und weitere unschöne Umstände führten schliesslich zu einer weiteren Kirchenabspaltung, der Reformation (siehe oben).


Eine peinliche Schlagzeile

Theodora, die Witwe des verhassten römischen Senators Theophylakt, schien um 914 des Witwendaseins müde und öffnete grosszügig ihr Schlafzimmer für Adel und Klerus. Unterstützt wurde sie dabei von ihren zwei Töchtern Marozia und Theodora, die ebenfalls über einladende Schlafgemächer verfügten. Nun begann ein fröhliches Treiben und ein stetes Kommen und Gehen. Schliesslich hatte die Theodora den Klerus derart in der Hand, dass ihr Liebhaber sogar zum Papst gewählt wurde. Diese unrühmliche Epoche ist als "Pornokratie" in die Geschichtsbücher eingegangen.


Es gab auch gute Päpste

Es wäre natürlich ungerecht, wenn ich wirklich gerechte und gütiger Päpste (aus der Sicht der Gläubigen) nicht auch erwähnen würde, dabei habe ich allerdings nicht unbedingt den Pontifex der Jahrtausendwende im Auge. Aber Oberhirten wie Gregor der Grosse oder Johannes XXIII. waren Musterbeispiele dafür, wie man einer Weltkirche als guter und beispielhafter "Hirte" vorstehen kann.


Die Wesenheit Christi

Mir ist keine andere Weltreligion bekannt, in welcher derart lang, heftig und peinlich um die Wesenheit des jeweiligen "Gnadenspenders" gestritten wurde. Durch die ungenauen und widersprüchlichen Aufzeichnungen der Evangelisten sahen sich die Nachfolger Christi zu den wildesten Spekulationen veranlasst. Jede neu erfundene Spielart fand ihre Anhänger und wurde von diesen derart verbissen verteidigt, dass Glaubenskämpfe vorprogrammiert waren. Schliesslich führten die Streitereien zur Glaubensspaltung in die West- und Ostkirche (Schisma, 484). Bevor ich eine (unvollständige) chronologische Aufzählung einiger Streitpunkte zum Besten gebe, müssen drei Begriffe geklärt werden:


Kleine Chronologie eines Glaubensstreites

318 Kirchenstreit um die Gottgleichheit oder Gottähnlichkeit Christi. Arius, Presbyter von Alexandreia bestreitet Lehre von der Homoisdios, d.h. Gottgleichheit Christi, wird abgesetzt und aus der Christengemeinschaft verstossen. Athanasius, Kirchenchenvater, ab 328 Bischof von Alexandreia, vertritt die Wesensgleichheit zwischen Gott und Christus.
325 1. ökumenisches Kirchenkonzil zu Nicaea (in Bithynien) v. Constantin einberufen zur Beseitigung des arianisch-athanasianischen Kirchenstreites. Nicaeisches Glaubensbekenntnis nimmt die Glaubenssätze des Athanasius als Glaubensgrundlage. (Gottgleichheit Christi). Arius wird verbannt.
337 Arianisch-athanasianischer Kirchenstreit zwischen Athanasius von Alexandreia und dem Bischof von Konstantinopel. Athanasius wird verbannt.
350 Kirchensynoden von Rom und Antiocheia. Römischer Bischof verteidigt athanasian. Lehre.
353 Verschärfung des arianisch-athanasianischen Kirchenstreites. Der arianisch gesinnte Constantin besiegt den athaniasisch gesinnten Franken Mahnentius.
355 Morgenländische Kirchenlehrer beschäftigen sich mit spekulativen Fragen nach der Gottheit Christi, Dreieinigkeit und der göttlichen und menschlichen Natur Christi.
381 2. ökumenisches Konzil: Bestätigung der Dreieinigkeit (athaniasische Lehre)
429 Fortdauer des christologischen Streites v. Kyrillos von Alexandreia, Diodoros v. Tarsos, Nestorius, Patriarchen v. Konstantinopel um die Entstehung Christi und sein Verwandtschaftsverhältnis zu Maria , seiner Mutter.
415 Dogmatische Streitigkeiten über Verbindung und Verhältnis der göttlichen und menschlichen Natur Christi.
418 Die Schule von Antiochien glaubt an ein Fürsichsein der menschlichen Natur Christi, "bei dem die Einheit gelöst erschien" (Lehre des Nestorius Bischof von Konstantinopel, Nestroianer)
418 Schule von Alexandreia sucht eine Erklärung der Natur Christi als Gottessohn (Logos). Die menschliche Natur Christi geht in der Gottheit unter.
431 3. ökumenischen Kirchenkonzil: Kyrillos von Alexandreia gegen Lehre des Nestorius, Patriarchen v. Konstantinopel. (menschliches und göttliches Wesen Christi/ unterschiedliche Natur Marias). Nestorius wird abgesetzt und verbannt.
451 4. ökumenisches Konzil zu Chalkedon (Bosporus), verkündet untrennbare Vereinigung der göttlichen und menschlichen Natur Christi Gleichstellung von Patriarchen von Konstantinopel und römischem Papst.
482 Henotikon, von Kaiser Zeno erlassenen Vereinigungsformel zur Verständigung mit den Monophysiten, vermehrt den dogmatischen Streit und führt nach dem Schisma zur Bildung von eigenen Monophysitengemeinden.
484 Schisma, dogmatische Spaltung der der Kirche in Ost- und Westkirche.
625 Papst Honorius I. (625-638) einigt sich mit Sergius, Patriarch v. Konstantinopel über die Auslegung der Wesenheit Christi. Zwei Naturen ein Wille.
638 Ekthesis (Auslegung). Kaiser Herakleios I. verkündet monotheletische Lehre von der Doppelnatur Christi, um den Monophysitenstreit zu beenden.
639 Papst Severinus (639-40) verdammt die monotheletische Lehre der Ekthesis.
648 Ekthesis durch kaiserl. Typos (Formel) aufgehoben. Konstans II. verbietet monotheletische Streitdiskussionen.
649 Papst Martin I. (649-53) verflucht auf Synode zu Rom die Ekthesis und die Typos des Konstans.
682 6. ökumenisches Konzil von Konstantinopel, verdammt den Monotheletismus.
685 Wiederaufleben der Religionskämpfe um die Doppelnatur und doppelte Willenskraft Christi.
und so weiter ......

Die Frage sei erlaubt, was von einer Weltreligion zu halten ist, über deren fundamentalste "Wahrheit" derart lange und verbissen gestritten werden musste?


Die Eucharistie

Beim letzten Abendmahl nahm Jesus Brot, dankte, segnete es, brach es und gab es seinen Jüngern mit den Worten. "Nehmet hin und esst, das ist mein Leib... ähnliches geschah auch mit dem Wein.
Diese Worte waren unzweifelhaft symbolisch gemeint und jederman war klar, was damit gemeint war. Im ersten Jahrtausend wurde diese Botschaft auch als Symbol der Gemeinschaft mit Jesu verstanden und praktiziert. Sogar der "grosse" Augustinus (gest. 430) bediente sich der Worte Jesu, wobei er die Heiligkeit der Handlung zweifellos in der Symbolik verstand.

Was hat Jesus beim letzten Abenmal getan ?
Er hat Brot und Wein in seinen Leib und sein Blut verwandelt.
(Kat.227)

Erst in der Zeit des Pontifikats Innozent III. (1198-1216), beschloss die Kirche das Dogma der Transsubstantiation. Der Lehre also, wonach sich während der Messe Brot und Wein tatsächlich in Christi Fleisch und Blut verwandeln sollen. Was also erst im zweiten Jahrtausend dogmatisiert wurde, wird in der Glaubenslehre bis zurück in die apostolischen Anfänge als Tatsache dargestellt.

Jesus suchte das einfache Volk - er setzte sich zu ihnen, sprach und ass mit ihnen. Dabei trank er sicher nicht aus goldenen Kelchen. Ihm spielte es keine Rolle, welchen Glauben seine jeweiligen Tischgenossen und -innen hatten. Für ihn waren es einfach Menschen. Das war Eucharistie in Reinkultur.

Was aber hat die römische Kirche daraus gemacht? Das "Abendmahl" mit dem Herrn ist nur den geweihten katholischen Priestern vorbehalten. Priesterinnen sind in diesem Laden unerwünscht. Aus Distanz dürfen die Gläubigen zuschauen, wie sich der Priester mit Christus verköstigt und ganz am Schluss - das Geschirr ist bereits wieder sauber und abgeräumt - kriegen sie dann noch einige Brosamen vom Tisch des Herrn. Aber nicht alle - Protestanten, Juden, Muslime und was sonst noch alles an d e n (oder einen) Herrn glaubt, haben da nichts verloren. Nicht einmal die gläubige Katholikin, welche von einer unglücklichen Ehe geschieden wurde.


  Fortsetzung 

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