Die kirchliche Sexualneurose


Mit der Verkündung des christlichen Glaubensbekenntnisses wurde eine Epoche der Sexualfeindlichkeit eingeläutet, wie sie unter allen Weltreligionen einmalig sein dürfte. Während sich die vier Evangelisten noch weitgehend aus der Sache heraushielten, entwickelten spätere "Kirchenväter" eine Morallehre, welche nur kranken oder verwirrten Köpfen entsprungen sein kann und sich eher wie ein Pornokrimi liest. Je unlogischer und unhaltbarer die Thesen wurden, um freudiger wurden sie von späteren Theologengenerationen übernommen, weiter entwickelt, und grossenteils bis zum heutigen Tag vertreten.

Sogar das vermeindliche Sexual- und Triebleben unserer angeblichen Stammeltern (Adam und Eva) wurde nicht verschont, sondern detailliert ausgebreitet und gewichtet, um davon verbindliche Glaubensregeln abzuleiten. Allein dieser Umstand dürfte schon genügen, um am Verstand der damaligen Theologenherrlichkeit zu zweifeln. Was die apostolische Kirche im Laufe der Jahrhunderte zu diesem Thema festgeschrieben hat, füllt ganze Bücherregale und stürzte in der Folge die gesamte Gläubigerschar in unvorstellbare Gewissenskonflikte.


Das "grosse Arbeitsgebiet"

Wer sich erstmals mit dem moraltheologischen Teil der frühkatholischen Kirchengeschichte befasst, kann es anfänglich kaum fassen, dass ausgerechnet von dieser Institution die hintersten und letzten Lustgebiete und Samenreste der menschlichen Sexualität ausgeleuchtet wurden um immer wieder neue Sündenpfuhle zu ergründen. Ausgerechnet das (in klerikalen Kreisen) hochgejubelte "goldene Zeitalter der Theologie" (Scholastik: 11. bis 13. Jahrhundert), brachte die meisten und fatalsten moraltheologischen Entgleisungen hervor.

Bereits in der Genesis des AT glaubte man, die ersten moralische Verfehlungen geortet. zu haben. Nachdem die Eva als verdorbenes und lüsternes Sexbiest erkannt war (u.a. von A. Magnus und Augustinus), eröffnete sich für die Moralisten natürlich ein fast unerschöpfliches Arbeitsfeld. In Ermangelung von frauenfeindlichen Aussagen durch Jesus in den vier Evangelien, durchforsteten die Theologen die Hirtenbriefe und fanden bei Paulus erste verwertbare Ansätze (1. Kor. 11.2 bis 16.). Dass Paulus zu Jesus Zeiten noch als Saulus Jagd auf die Christen gemacht hatte und erst viel später sein persönliches Missionswerk betrieb, war bei der Quellensuche unwichtig, Hauptsache es passte ins Konzept und stammte irgendwo aus der Bibel (siehe auch: Vom Saulus zum Paulus).

Aus dem unübersehbaren Angebot moraltheologischer "Erkenntnisse" möchte ich hier nur einen winzig kleinen, aber repräsentativen Überblick vermitteln.


Adam und Eva

Gregor von Nyssa, (gest.395), verheirateter Bischof, quälte sich mit der Frage, ob Adam und Eva bereits im Paradies Geschlechtsverkehr gehabt hätten. Er kam zum Schluss - dass Nein. Wäre nämlich nicht der Sündenfall dazwischen gekommen, hätten sich die Menschen engelgleich vermehrt und dort gehe es auch ohne. Wie dies vor sich gehe, könne er sich auch nicht vorstellen, aber es sei Tatsache. Diese These wurde von fast allen späteren "Kirchenvätern" übernommen und weiterentwickelt.

Albertus Magnus (gest. 1280) sah das zweifelhafte Vermächtnis der ersten Frau in der Hinterlassenschaft von Begierlichkeit und Verdorbenheit beim geschlechtlichen Akt, sowie der übergrossen Lust bei der Empfängnis.


Maria und Josef

Nicht weniger peinlich berührt die Tatsache, dass sich unzählige Theologengenerationen allen Ernstes über das Intimleben dieses Paares gestritten haben. Dort, wo sich die Evangelisten nicht einmal über den Geburtsort Jesu einig waren - begann einige Jahrhunderte später ein theologischer Wettstreit: Hatte der Josef jemals? Konnte er überhaupt, Wann haben beide? Wie? Wo? Wann? Oder doch nicht? Nachdem der Fall von der "unbefleckten Empfängnis" unter Dach und Fach war (Dogma 1854), war man sich vorerst einmal einig, - Er hatte nicht!


Der Klub der Junggesellen

Im Kanon der christlichen Kirchen findet sich bezeichnenderweise kein Schriftwerk einer weiblichen Autorin. Frauen haben in diesem Business seit jeher nichts verloren, ausser sie können einen heiligmässigen Status vorweisen.

In diesem Geschäft waren (und sind) die "Männer" unter sich und konnten so über unzählige Generationen hinweg ihre Sexualverklemmung ungehindert ausleben. Immer nach dem Motto: "Wenn wir nicht können, sollt auch ihr nicht dürfen". Ihrer krankhaften Lustfeindlichkeit machten die "Kirchenväter" erst einmal Luft, indem sie eine infame Diffamierungskampagne gegen das weibliche Geschlecht in Szene setzten. Nachdem sie "die Sünde" fast ausschliesslich im Bereich der Sexualität geortet hatten, gingen sie systematisch daran, die Frauen in die Kategorie der Genussmittel einzustufen und zudem als Wurzel allen (sexuellen) Übels zu verunglimpfen. Besonders in der Hochscholastik (13. Jahrhundert) erreichte die theologische Frauendiffamierungs-Kampagne einsame Höhepunkte. Der "Nutzwert" der Frauen wurde von den Theologen allerdings schon im ersten Jahrtausend ganz am Schluss der "Skala" angesiedelt.


Homo = Mensch oder Mann

Anlässlich der 2. Synode von Mâcon (585), soll ein Bischof die Frage aufgeworfen haben, ob die Frauen (auf Grund ihrer bescheidenen geistigen Eigenschaften und ihrem geringen Nutzwert als Gebärmaschine), nicht eher der Gattung der Tiere zuzuordnen seien? Natürlich wurde die Frage akademischer gestellt, ich habe sie hier nur auf einen verständlichen Nenner gebracht.

Bekanntlich dienten solche Sitzungen ganz oder teilweise dem heiligen Zweck, sich gegenseitig darin zu bestätigen, dass das weibliche Geschlecht der Kern allen menschlichen Übels sei. Nach der Syode wurde von Gregor von Tuors versucht, der Sache etwas von der Brisanz zu nehmen indem er ergänzte, dass mit dem Zuordnungsbegriff "Homo" natürlich "Mann" und nicht "Mensch" gemeint war.

Dieses Dementi hätte sich Gregor sparen können. Da den Frauen der männliche "Homo"-Status gar nie zugestanden wurde, war die eingangs erwähnte Frage genau so gemeint, wie sie gestellt wurde. Wehement wehrte sich Gregor zudem gegen das Gerücht, wonach im synodalen Gremium darüber diskutiert worden sei, ob Frauen überhaupt eine Seele hätten.


Die Ehe

Kein anderes Glaubensbekenntnis auf dieser Erde hat im Laufe seiner Entwicklung mehr Eheverhinderungsgesetze erlassen. Wenn eine Ehe dann doch den kirchlichen Anforderungen entsprach, begann für die Eheleute ein wahres Spiessrutenlaufen wenn sie sich an alle kirchlich-moralischen Vorgaben zu halten versuchten. Praktisch war dies ohnehin nicht möglich, weil - angefangen beim normalen Zusammenleben bis zum "Gott gewollten" Verkehr alles - aber auch wirklich alles - irgendwie sündhaft und somit meldepflichtig (Beichte) war. Beispiele finden sich weiter unten.

Bedeutende Junggesellen-Theologen gingen soweit, die Ehe als Sünde zu bezeichnen, nur weil der Zeugungsakt mit gewissen Lüsten verbunden ist. Aus dieser fragwürdigen "Erkenntnis" wurde die These abgeleitet, dass sich die Frau beim Zeugungsakt beflecke und somit unrein werde (nicht so der Mann!). Damit war die Unmöglichkeit einer normalen Empfängnis Marias "belegt" - Jesus wäre ja unter diesen Umständen einem unreinen Körper "entsprungen". Aus dieser paranoiden Betrachtungsweise heraus, konstruierte u.a. der hl. Augustinus die "Tatsache" der "unbefleckten Empfängnis".

Schon bei Moses wird die menstruierende Frau als unrein bezeichnet und während der kritischen Tage wie eine Aussätzige behandelt. Diese Anschauung wurde später u.a mit dem Zusatz erweitert, dass die Folgen eines Beischlafes mit einer menstruierenden Frau schwere gesundheitliche Schäden beim Erzeuger und in der Folge vom Teufel besessene, aussätzige, höckrige, blinde, krumme, stumme und blödsinnige Kinder hervorbringen werde (Berthold von Regensburg, Albertus Magnus, Thomas von Aquin).

Kraft ihrer Autorität bestimmten die klerikalen Gesetzgeber auch die Tage des verbotenen Beischlafes, was schlussendlich dazu führte, dass sich Ehepaare nur knapp während eines halben Jahres treffen konnten. Nichtbeachtung wurde mit empfindlichen Strafen geahndet, was mittels der eingeführten Beichtregel auch recht zuverlässig zu kontrollieren war.


Stellungskrieg

Die sexuelle Tyrannisierung ging schliesslich soweit, dass sich die Theologen ausführlich den verschiedenen Stellungen beim Liebesakt annahmen und aus moraltheologischer Sicht zu gewichten begannen. (!)

Dem Luststreben zugrundeliegendes Abweichen von der "Normallage" wurde als Todsünde geahndet. Ein Geschlechtsakt ohne Zeugungsabsicht wird bis heute als schwere Sünde und auf den Coitus interruptus steht ebenfalls die Todsünde. Besonders verwerflich wurde auch empfunden, wenn sich die Frau mal oben befand. Noch verwerflicher aber, wenn sie die "obenliegende" Stellung zur Empfängnisverhütung "missbrauchte", usw. usw.

Kardinal Huguccios (gest. 1210) entwickelte eigene ausgefeilte Theorien zum Geschlechtsverkehr. Sein Kernproblem war: Wie kann der Mann, welcher von der Frau zur ehelichen Pflichtleistung aufgefordert wird, sündlos daraus hervorgehen ?
Sein (stark gekürztes) Fazit: Nachdem die Frau ihre "Wonnen" gehabt hat - hat er sein Glied unverzüglich herauszuziehen und sich zu hüten, zum eigenen Samenerguss zu kommen. Der Ehemann, der nach Heiligkeit strebt, bleibt bei einem solchen ehelichen Akt - weil lustlos - sündlos.

Ein weiterer Erguss von Huguccios:
Wer wüsste nicht, dass das eheliche Beilager niemals ohne die Glut der Unzucht, ohne den Schmutz der Lust stattfindet, wodurch der empfangene Same beschmutzt und verderbt wird.

Anselm von Laon (gest. 1117) brachte es auf den Punkt: "Die Grösse der Lust bestimmt die Grösse der Sünde."


Theologischer Grossmut

Einzelne Theologen übten sich in Grossmut, indem sie den geplagten Eheleuten eine kleine Erleichterung gestatteten: Da die Ehe - wegen gelegentlicher Lustempfindung - an sich schon als Sünde galt, erteilten sie folgenden Ratschlag: "Eheleute können die Sündhaftigkeit ihres Tuns etwas mildern, wenn sie beim ehelichen Verkehr die Lust erdulden, anstatt sie zu geniessen" (!!)

Willhelm von Auxerre (gest. 1231) hält u.a. folgende Variante bereit:
"Wenn ein heiliger Mann seine Frau erkennt und ihm die auftretende Lust verhasst ist, dann ist dieser Verkehr (für ihn) ohne Sünde...


Der Heilige Hieronimus

Der heilige Mönch und Kirchenvater Hieronimus (gest. 420) ist eine der herausragenden "Kirchenfiguren" überhaupt - hat er doch die Bibeltexte ins Lateinische übersetzt und so die "Vulgata" - die Grundlage (Vorlage) aller heutigen Bibeln geschaffen.

Hieronimus war ein fanatischer Verfechter der Theorie von der unbefleckten Empfängnis und ein absoluter Verächter der Ehe. Sein Rezept lautete:
"Es muss etwas Böses sein, eine Frau zu berühren. Wenn nun dennoch dem ehelichen Tun gegenüber Nachsicht geübt wird, so nur, um Schlimmeres zu vermeiden." (??)

oder: "Wer ein zu leidenschaftlicher Liebhaber seiner Frau ist, ist ein Ehebrecher".

Hieronimus schrieb gleich zwei Bücher gegen den "Ketzer" Jovinian, nur weil dieser Marias Unversehrtheit i n der Geburt angezweifelt hatte. Solche geistigen Fehlleistungen kirchlicher Exponeten sind bis in unsere Tage Leitmotiv und katholische Tradition (Johannes Paul II. hat dieses absurde Gedankengut in seiner Generalaudienz vom 8. 10. 80 bekräftigt).


Der Heilige Augustinus

Der Grösste der heiligen Kirchenväter, Augustinus (gest. 430), brachte es fertig, das Christentum mit der Sexualfeindlichkeit zu einer Einheit zu verschmelzen. Er war es, der (das nirgends belegbare) Märchen der ewigen Verdammnis ungetaufter Kinder in die Welt setzte. Sein Verdienst ist auch die verdrehte (und bis heute vertretene) Theorie der Erbsünde, wonach jeder Mensch bereits bei der Geburt mit diesem Makel (Zeugungsakt) behaftet sei. Den Beweis für diese These glaubte er in der Genesis gefunden zu haben - wonach Adam und Eva nach dem Sündenfall schamhaft ihre Geschlechtsteile bedeckt hatten (?).

Wer sich, ob solchem Irrwitz, vom Lachkrampf erholt hat, muss leider zur Kenntnis nehmen, dass die katholische Kirche diese These bis heute uneingeschränkt vertritt. Gerne übernahm Augustinus die Thesen von Gregor von Nyssa bezüglich Adam und Eva und entwickelte überlange Theorien über das Thema "Sex im Paradies".

Nach Augustinus, wird beim Geschlechtsakt die Erbsünde weitergereicht (Befleckung). Von dieser (seiner) These leitet er selbstverständlich ab, dass Jesus zwingend "unbefleckt" gezeugt worden sein muss, da Jesus sündenfrei war.
Noch Fragen ??

Wir haben gelernt:
Mit seinem Tod hat uns Christus von der Erbsünde befreit !

Falsch:
Christus ist am Kreuz gestorben um die Menschheit von einer These zu befreien, welche 400 Jahre nach seinem Tod vom Heiligen Augustinus in die Welt gesetzt wurde.


Als absolute Kapazität bezüglich sexueller Stellungsfragen kommentierte "das Kirchenlicht" Augustinus diese Disziplin buchstäblich aus allen "Blickrichtungen" und bezüglich des Coitus interruptus kam er zu Schluss, dass dieser eine schlimmere Sünde sei als Hurerei und Ehebruch, ja noch schlimmer als der Verkehr mit der eigenen Mutter ...

Er vertrat auch die Meinung, dass der erste Sündenfall im Paradies durchaus vermeidbar gewesen, wenn der Teufel (Schlange) zuerst den Adam angesprochen hätte:
"Der Teufel wandte sich wohlweislich zuerst an den minderen Teil des ersten Menschengeschlechts".

Im Geburtsakt sah auch er den einzigen Daseinszweck des weiblichen Geschlechts. Ausser natürlich, wenn eine Frau jungfräulich blieb und ihr Leben im Kloster verbrachte.

So ganz ohne Erfahrung war der Augustinus natürlich nicht. Seit seinem 16. Lebensjahr hatte er mit einer Tochter zusammengelebt, mit welcher er auch einen Sohn (Adeodatus) zeugte. Später legte er sich eine zweite Geliebte zu, nachdem er die erste "entlassen" hatte.


Albertus Magnus (gest. 1280)

Albertus reiht sich nahtlos in die Gilde der kirchlichen Sexualneurotiker ein. Das erstaunliche ist, dass die Theologen jener Zeit bereits auf einen "Moralschatz" von 1200 Jahren zurückgreifen konnten und ihnen immer noch etwas Neues zu diesem Thema einfallen konnte.

Neben vielen anderen, verbreitete er folgende weltbewegende Erkenntnisse:
  • Je mehr eine Frau sich wehrt, desto mehr verlangt sie danach.
  • Allzuhäufiger Eheverkehr führt zu frühem Altern und Tod.
  • Der Samenausstoss der Frau (??) ist meist mit Orgasmus verbunden.
  • Der Samen der Frau (?) ist wässrig und dünn und nicht zur Fortpflanzung geeignet.
  • Die Formung des männlichen Samens, die immer die vollkommene Mannesform anstrebt, kann durch ungünstige Umstände misslingen, dann entsteht eine Frau.
Albertus beklagte sich darüber, dass man im Beichtstuhl die widerlichsten Dinge über die unmöglichsten Stellungen im Ehebett sehr detailliert zu hören bekomme. Schmunzeln sei erlaubt: Ohne genaueste Hinterfragung wäre Albertus wohl nie zu solchen Informationen gekommen.


Der Heilige Thomas von Aquin (lumen ecclesiae)

Auch Thomas (gest. 1274) betätigte sich als fanatischer Frauenfeind. Als Schüler von Albertus Magnus übernahm er alle frauenverachtenden Thesen seines Vordenkers und fügte, wo immer es ging, noch verschiedenes hinzu. Auch für ihn war die Frau ein Misserfolg der Natur. Ich zitiere hier wahllos einige Entgleisungen dieses "bedeutenden" Kirchenvaters:

  • Weil in den Frauen mehr Wassergehalt ist, darum sind sie leichter durch die Geschlechteslust zu verführen.
  • Der Geschlechtslust zu widerstehen fällt ihnen umso schwerer, als sie weniger Geisteskraft als die Männer besitzen.
  • Die Frau entspricht nicht der ersten Absicht der Natur. Sie ist somit eine Ersatzbildung der Natur, die dann Eintritt, wenn die erste Absicht (die auf Männer abzielt) misslingt.
  • Sie ist ein in der Entwicklung gehemmter Mann.
  • Die Frau ist ausschliesslich zur Zeugung bestimmt.
  • Wegen ihres "Defektes der Vernunft", wie solcher ausser bei Frauen auch bei Geisteskranken offen zutage liegt, ist die Frau auch nicht bei Testamentsangelegenheiten zugelassen.
  • Der Vater ist mehr zu lieben als die Mutter, weil er das aktive Zeugungsprinzip ist (die Mutter das passive).
  • Der Mann hat den edleren Part bei dem ehelichen Akt, und darum ist es natürlich, dass er weniger zu erröten braucht, wenn er die eheliche Pflicht fordert als seine Frau.
  • Auf Grund ihrer defekten Vernunft hat sie die geistige Erziehung der Kinder dem Vater zu überlassen, da er der geistig Führende ist.
  • Weil die Frauen im Zustand der Unterordnung sind, können sie auch keine Priesterweihe empfangen.
Die Grundaussage dieses Schwachsinns stammt allerdings von Albertus Magnus, Thomas hat die Texte nur noch verfeinert.


Fazit

Für das, was da von verklemmten, zöllibatären Moraltheologen und sog. Kirchenvätern über Jahrhunderte hinweg "erarbeitet" und fein säuberlich notiert wurde, haben wir heute ein einfaches Wort: "Pornografie". Den Höhepunkt der Verlogenheit bildet zudem die Tatsache, dass sich einige dieser gestörten Sexualapostel selbst mit einer bis mehreren Frauen umgeben hatten oder verheiratet waren. Zu erwähnen ist noch die Tatsache, dass praktische sämtliche dieser seltsamen Moraralisten heilig gesprochen wurden.

Die Schlussfolgerung, dass das Thema "Sexualität" eines der wichtigsten Anliegen des christlichen Glaubensbekenntnisses ist, ist wahrlich nicht aus der Luft gegriffen.

Was Gott geoffenbart hat, lehrt uns die katholische Kirche. Wir schöpfen also unseren Glauben nicht selbst aus den Glaubensquellen, sondern empfangen ihn aus der Hand der Kirche. (Kat 9)

Aus der Hand der Kirche werden wir diese himmeltraurigen Tatsachen aus der Kirchengeschichte natürlich nie zu hören oder zu lesen bekommen. Katholiken dürfen bekanntlich nur jene Schriften lesen, welche von der Kirche "bewilligt" sind. Dies führt fast zwangsläufig zu der grotesken Situation, dass eine tiefgläubige Katholikin durchaus einen "Heiligen" um Beistand bitten kann, welcher (zu Lebzeiten) die Frauen so ziemlich zum allerletzten Dreck auf diesem Planeten abgestempelt hat.




Beklemmende Aussichten


Die aufgeführten peinlichen Beispiele könnten fast endlos fortgesetzt werden. Die obige Auswahl zeigt aber deutlich auf, aus welcher Geisteshaltung heraus die - zum Teil noch heute gültigen - Glaubenswahrheiten gezimmert wurden. Diese Einstellung erklärt auch die kategorische Verweigerung des weiblichen Pastoralamtes. Solange die offizielle Kirche die Meinung vertritt, dass die Frauen dem Sakralen als etwas Unreines entgegenstehen, wird sich diesbezüglich auch nicht viel ändern.


Das Berufsverbot

Dass die Frau - als sog. "Missgeschick der Natur" - im Kirchenamt keine Chancen hat, wurde bereits gesagt. Dies war dem Klerus jedoch noch zu wenig. Selbst Frauenstimmen in Kirchenchören wurden als Beleidigung des Herrn empfunden und so erhielten die Frauen ab dem 4. Jahrhundert ein absolutes Singverbot in den Kirchen. Die fehlenden Sopranstimmen wurden später durch Kastraten ersetzt. Im "Lexikon für Theologie und Kirche" ist zu lesen: "Das Kastrieren von Knaben zur Erhaltung der Sopran- und Altstimmen wurde besonders im 16. bis. 18. Jahrhundert vorgenommen [..]" Frage: Hat die Verstümmelung von Kindern nicht auch etwas mit der Verletzung der Menschenwürde zu tun? Aber eben: Der Zweck heiligte auch hier die unheiligsten Mittel.

Ab sofort beschränkte sich die Bewegungsfreiheit der Frauen in den Kirchen vom Eingang bis zu den vorderen Sitzreihen, während das andere Geschlecht (weiter vorne und ungestört) seine selbstgemachte Männerreligion zelebrierte. Papst Sixtus V. ging schliesslich noch weiter. Ab dem Jahre 1588 verbot er den Frauen zudem das Singen auf den Bühnen Roms (Theater, Oper, etc.). Ausseritalienische Länder übernahmen dieses Berufsverbot und Papst Innozent XI (gest.1689) verlängerte die Verfügung für das ganze 17. und 18. Jahrhundert. Erst die französische Revolution machte diesem Unsinn ein Ende.

Erst ab 1798 sangen wieder Frauen auf den Bühnen Roms.


.. und kein Ende ?

Den heute immer lauter werdenden Gleichstellungsforderungen der Frauen geht eine - seit Jahrhunderten dauernde - gezielte und infam inszenierte kirchliche Erniedrigungskampagne voraus, deren fragwürdige Inhalte bis zum heutigen Tage vertreten werden. Es klingt deshalb wie Hohn, wenn heutige "Kirchenfürsten" in aller Welt herumreisen und für Menschenrechte und die Menschenwürde plädieren, die sie - in ihrem Einflussgebiet - mit sämtlichen Füssen treten.

Zu Recht beklagen sich viele Frauen über die allgegenwärtige Benachteiligung und Geringschätzung in allen gesellschaftlichen Bereichen. Sie müssen aber auch zur Kenntnis nehmen, dass dieser Umstand "historisch" gewachsen ist und seinen Ursprung in der kirchlichen "Gesetzgebung" hat (nur wissen es die meisten nicht). Aus Rücksicht (oder Angst) wird diese Tatsache bei den zahlreichen Gleichberechtigungsdebatten seltsamerweise nie zur Diskussion gestellt. In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf den Artikel: "Frauen-Ordinariat" hinweisen.

Es gäbe natürlich ein wirksames Mittel um Rom Beine zu machen: Eine Kirchgang und Beichtverweigerung, sowie die Einstellung aller Dienstleistungen, welche von Frauen gegenüber der Kirche erbracht werden und dies solange, bis die Gegenseite zu Konzessionen bereit ist. Angesichts weltweit gähnend leerer Kirchen und vor allem leerer Opferstöcke, müsste selbst der heutige Papst bereits nach kurzer Zeit das Handtuch werfen. Dies würde aber eine globale Frauen-Solidarisierung erfordern. An sowas zu glauben ist leider reine Utopie und das weiss auch der Vatikan.




Ein Vergleich


Im Kapitel Existierte Jesus ? habe ich aufzuzeigen versucht, dass der Sohn Gottes, gemäss der evangelistischen Schreibweise, kaum vorstellbar ist. Das muss aber nicht heissen, dass er nicht trotzdem existiert haben könnte. Tatsache ist aber, dass schon lange vor unserer Zeitrechnung jesusähnliche Lebensläufe (zumindest als Legenden) überliefert sind und einige der daraus entstandenen Glaubensbekenntnisse noch heute praktiziert werden..

Aus einer langen Liste von Beispielen möchte ich deren vier herausgreifen und in Stichworten wiedergeben:

Horus von Ägypten (4200 vor Chr.)


  • Horus wurde von einer Jungfrau am 25. Dezember geboren.
  • Er soll 12 Jünger gehabt haben.
  • Er wurde in einem Grab begraben und ist daraus wieder auferstanden.
  • Bezeichnung:: die Wahrheit, das Licht, der Messias, gesalbter Sohn Gottes, guter Schäfer.
  • Er vollbrachte Wunder und erweckte einen Mann, El-Azar-us, von den Toten.
  • Er bezeichnete sich als "Iusa" (der immerwährende Sohn) von "Ptah" (Vater).

Krischna (der Legende nach gest. 3102 vor Christus, achte Inkarnation von Vhisnu)


  • Krischna wurde von der Jungfrau Devaki (Göttliche) geboren.
  • Man nannte ihn "Schäfergott".
  • Er bezeichnete sich als die zweite Person der Dreieinigkeit.
  • Er vollbrachte Wunder und Wunderheilungen.
  • Er stieg auf in den Himmel.

Mithra (altpersischer Sonnengott)


Der Mithras-Mysterienkult war eine reine Männer-, bzw. Soldatenreligion, welche aus Persien kam und um 29 vor Chr. vom römischen Heer übernommen wurde. Ausgehend vom nahen Osten, breitete sich dieser Kult schnell über ganz Europa aus. Mithras-Anhänger war bekanntlich auch Kaiser Konstantin (288-337), der Leiter des ersten ökumenischen Konzil zu Nicäa (325).

  • Mithra wurde von einer Jungfrau am 25. Dezember geboren.
  • Er galt als grosser herumreisender Lehrer und Meister.
  • Man nannte ihn "den guten Schäfer".
  • Man bezeichnete ihn als: der Weise, die Wahrheit, das Licht, der Erlöser, der Heiland, der Messias.
  • Seine Symbole waren der Löwe und das Lamm.
  • Sein heiliger Tag war der Sonntag (der Tag Gottes).
  • Höchster Feiertag: unser heutiges Osterfest.
  • 12 Jünger sollen ihn begleitet haben.
  • Er tat Wunder und vollbrachte Wunderheilungen.
  • Er wurde in einem Grab begraben wo er nach drei Tagen wieder auferstand.
  • Seine Auferstehung wurde jedes Jahr gefeiert.

Buddha (563 vor Christus)


Obwohl Siddhärta Gautama in Kapilawastu (Himalaja) hochoffiziell als Prinz das Licht der Welt erblickte, wurde er in späteren Legenden das "Opfer" einer Jungfrauengeburt.

  • Buddha wurde von der Jungfrau Maya geboren.
  • Mit 29 Jahren begann seine missionarische Tätigkeit.
  • Er vollbrachte Wunder und Wunderheilungen.
  • Man bezeichnete ihn als "guten Schäfer".
  • Er zog als Wanderprediger durchs Land.
  • Von ihm ist mindestens eine Bergpredigt überliefert (Predigt von Benares).
  • Buddha umgab sich mit einer Schar von Jüngern.
  • In den buddhistischen Schriften wird von 77 Wundern berichtet.
  • Er führte öffentliche Streitgespräche mit Brahmanen und Asketen.
  • Nach seinem Tod (80jährig), stieg er auf in den Himmel, bzw. ins "Nirvăna".


Resumé:

- Bei allem Respekt: Warum mussten seit jeher meistens Jungfrauen dranglauben ?

- Interessant ist auch die Zahl 12, welche in vielen dieser Legenden erscheint.

- Horus hat den "El-Azar-us" von Tode auferweckt. In unserem Bekenntnis heisst der Mann "Lazarus".

Man könnte fast sagen: "Alles schon dagewesen" !

Ist es auch!
Im Kapitel "Das kirchliche Umfeld", werde ich unter: Das Geheimnis der Jungfrau die entsprechende Erklärung liefern.


Je mehr Licht man in die Kirchengeschichte bringt, desto dunkler wird"s.
(Heinrich Wiesner, dt. Aphoristiker, 1925)




Die nachapostolische Zeit


Die Christianisierung

Die ersten Christen betrachteten sich noch nicht als Lehrmeister des Weltkreises, der ohne Christentum der ewigen Verdammnis anheim fallen werde. Der Anspruch - die einzige wahre Vertretung Gottes auf Erden zu sein - wurde erst im Laufe der späteren Jahrhunderte entwickelt und schliesslich wesentlichen Teilen der übrigen Menschheit mit wenig zimperlichen Mitteln beigebracht.

Gerne verweist die römische Kirche auf die stattliche Zahl ihrer ca. 900 Millionen Mitglieder und betrachtet dies als weitere Bestätigung ihrer "unfehlbaren" Lehre und ihres Anspruches, die einzig seligmachende Kirche zu sein. Tunlichst unterschlägt sie dabei die Umstände, welche zu diesem Mitgliederbestand führten.

Auf diese Weise legte die Kirche ihre Keimlinge aus und konnte sich - mit dem natürlichen Fortpflanzungstrieb ihrer Schützlinge rechnend - auf eine reiche Ernte freuen.




Die untaugliche Entschuldigung


Als besonderes Ereignis des katholischen Jubiläumsjahres 2000, hatte sich Papst Johannes Paul II einen ganz besonderen Höhepunkt einfallen lassen. Am 12. März 2000 gedachte er, die Welt öffentlich um Entschuldigung zu bitten, für alle Erniedrigungen, Verbrechen und Gräuel, welche die Menschheit im Laufe der Jahrhunderte durch die katholische Kirche hatte erdulden müssen. Die Erwartungen an das historische Mea Culpa war entsprechend hoch. Erwartete man doch endlich ein klares, kirchliches Schuldbekenntnis z.B. im Bezug auf die Kreuzzüge, der Inquisition, dem Antisemitismus und andere Formen der Gewaltanwendung und Diskriminierung (z.B. der Frauen) durch die Kirche.

Jahrelang hatte Johannes Paul auf das Schuldbekenntnis gedrungen, er ganz persönlich hatte es gewollt - und gegen erhebliche innerkirchliche Kritik schliesslich durchgesetzt. Ernüchterung machte sich allerdings breit als bekannt wurde, dass ausgerechnet der oberste Glaubenshüter und erzkonservative Kurienkardinal Joseph Ratzinger an die Spitze der sieben köpfigen, internationalen Theologenkommission berufen wurde, welche ganze drei Jahre brauchte um schliesslich ein 40 seitiges Papierchen zustande zu bringen. Ernüchterung deshalb, weil hinlänglich bekannt ist, dass Ratzinger zu jenem Teil der römischen Kurie gehört, welche seit jeher die Heiligkeit der Kirche über sämtliche moralischen Bedenken stellt. So liess er schon frühzeitig verlauten, dass es eine "spektakuläre Selbstgeisselung" nicht geben werde.

Die Vorausveröffentlichung des Dokumentes liess denn auch die deutliche Handschrift Ratzingers erkennen. Was die tatsächlichen Fehltritte der Kirche im Einzelnen betrifft, sucht man vergebens nach klaren Stichworten. Vielmehr verbergen sich zwischen unzähligen Bibelzitaten schwammige Begriffe, wie (frei zitiert): Was einzelne Christen in der Vergangenheit getan haben, entsprach nicht in allen Teilen dem Willen des Herrn...
Welche Christen das waren will das Dokument nicht sagen, man hätte ja ehemalige "Berufskollegen" zitieren müssen. Bezeichnend ist auch das Schlusswort, wonach sich die Kirche mit der "Bitte um Vergebung" nicht an Menschen wendet, sondern an Gott. Die Erwartungen waren deshalb ziemlich gedämpft, aber trotzdem: Niemals zuvor war ein Papst bereit gewesen, ein derartiges Reuebekenntnis anzukündigen und nach dem feierlichen Gottesdienst am ersten Fastensonntag im Petersdom war es dann soweit:

Tatsächlich fiel die «Vergebungsbitte» etwas umfassender aus als zuvor befürchtet. Nicht nur um die «Sünden der Vergangenheit» ging es. Ausführlich prangerte der alte Mann auch die Verfehlungen der Gegenwart an, nannte die Diskriminierung der Frau beim Namen, wobei er allerdings zu bemerken vergass, dass gerade der Kirche eine wesentliche Mitschuld an diesem Umstand zukommt. Er verurteilte Rassenhass, mangelnden Einsatz für Hungernde, Verfolgte und Gefangene und einiges mehr.

Zugeständnisse bezüglich den dunkelsten Kapiteln der Kirchengeschichte (Inquisition, Kreuzzüge, Ketzerverbrennungen, etc) brachte der Papst nicht über die Lippen. Hier bediente er sich der Vorlage Ratzingers, welche die Schuld wortreich dem Fussvolk in die Schuhe schiebt: "Im manchen Zeiten der Geschichte haben die Christen bisweilen Methoden der Intoleranz zugelassen. Indem sie dem großen Gebot der Liebe nicht folgten, haben sie das Antlitz der Kirche (...) entstellt". Die Schlussfolgerung, dass es die seinerzeitige höchste Kurie war die "das Antlitz der Kirche entstellte", blieb den Zuhörern überlassen.

Auch der Holocaust blieb unerwähnt. Das öffentliche Schweigen des damaligen Papstes Pius XII. zur Judenvernichtung der Nazis ist bis heute ein peinliches Problem der Kirche. Doch mochte Johannes Paul an diesem Sonntag auch diese Dinge nicht direkt beim Namen nennen: "Wir sind zutiefst betrübt über das Verhalten aller, die im Laufe der Geschichte deine Söhne und Töchter leiden ließen. Wir bitten um Verzeihung und wollen uns dafür einsetzen, dass echte Brüderlichkeit herrsche mit dem Volk des Bundes."

Das diesbezügliche Schweigen des Papstes hatte seinen tieferen Grund wahrscheinlich darin, dass ausgerechnet Pius XII. zur dieser Zeit auf der Seligsprechungsliste steht. Hätte der Pontifex nämlich Papst Pius XII. erwähnt, wäre er wohl nicht um die Nennung eines weiteren schwarzen Schafes der Neuzeit herum gekommen, Papst Pius IX. Dieser reaktionäre Kirchenfürst liess 1850 die Mauern des römischen Gettos wieder aufbauen, verbot den Juden jeglichen Grundbesitz und setzte den Talmud auf den Index der verbotenen Bücher.

Pikantes Detail: Papst Johannes Paul II hat am 3. September 2000 diesen Pius IX. Selig gesprochen.


Fazit

Der Umstand, dass sich der höchste kirchliche Würdenträger nach bald 2000 Jahren zu diesem Schritt durchringen konnte, muss als aussergewöhnliche Leistung anerkannt werden. Dass dies aber nur im Ansatz gelang liegt in der Natur der Institution, welche bekanntlich ihre unfehlbaren Anweisungen bislang immer direkt vom Höchsten persönlich empfangen zu haben glaubte und sich somit gar keiner Schuld bewusst sein dürfte.

Wir können davon ausgehen, dass das Mea Culpa vom 12. März 2000 keine Nachwirkungen zeitigen dürfte und dass das medienwirksame Kostümfest mit viel Weihrauch und Gloria sehr bald der Vergessenheit anheim fallen wird.



  Fortsetzung 

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