Der Tag, als Gerhard Schröder kam

Es gab mal ein bekanntes Lied, da sang eine Frau mit weinerlicher Stimme: “Am Tag, als Conny Kramer starb und alle Menschen weinten”. Nun ja, als unser Bundeskanzler nach Magdeburg kam, war das Interesse doch eher verhalten. An so einem schönen Tag wäre das Alex Wirtschaftslieblingauch ohne den ehemaligen Linksaußen der Jusos (Schröder war in seiner Jugend, die schon sehr lange her sein muss, ein entschiedener Gegner der NATO) rappelvoll gewesen. Rechnet man noch die engagierten Gehirnakrobaten der Jungen Union und den “Schmutz” weg, dann sind eigentlich nur sehr wenig Menschen wegen Schröder gekommen. Die meisten kamen entweder trotz oder gegen Gerhard.

Zahlreich vertreten waren auch wieder einmal die jungen, mit Grünzeug und Barett ausstaffierten Halbstarken. Ihr Interesse war so groß, dass sie es nicht lassen konnten, allein während des Kanzlers Vortrag mit fünf Kameras aus ebenso vielen Perspektiven Erinnerungsvideos für die Enkel zu drehen. “Ich war dabei”, werden sie einmal stolz verkünden und vielleicht auch ein Buch darüber schreiben.

Was unser Kabinettschef erzählt hat, ist mir leider nicht mehr präsent; ich bin einfach zu intellektuell, um mir meinen Kopf mit Worthülsen zuzukleistern. Was ich mir allerdings sehr gut gemerkt habe, war sein Bekenntnis zur Sauberkeit. Nur ein sauberer und ordentlicher Mensch bemerkt es, wenn irgendwo Schmutz liegt. Wer aber Menschen als Schmutz bezeichnet, drückt dadurch eine Geisteshaltung aus, die nicht mehr mit Art. 1 GG vereinbar ist. Entweder Gerhard Schröder kennt die Verfassung nicht, auf die er einen Amtseid geleistet hat, dann wäre er ein lausiger Jurist, ein ungebildeter Mensch und überhaupt kein Staatsmann oder ihm ist die Würde des Menschen nichts wert.

Wer sich als besonders gesetzestreu geriert, aber dann Sprache so gebraucht, wie sie jeder gute Rassist, Diktator oder Fanatiker auch verwendet, ist nicht nur unehrlich, sondern ein gemeingefährlicher geistiger Brandstifter. Das war nicht einfach nur eine Entgleisung, er hat es so gemeint, wie er es gesagt hat.

Trotzdem hat aber auch dieses Ereignis eine gute Seite. Dem Schmutz sei gesagt: Ihr habt mit einfachen Mitteln eine ziemliche Wirkung erreicht. Einen erfahrenen, smarten Politiker, der überaus eitel und arrogant ist, so aus der Fassung zu bringen, ist schon eine reife Leistung. Der Mann wird sich sehr geärgert haben, sonst reagiert man nicht so unbeherrscht. Es zeigt, dass selbst ein scheinbar unangreifbarer Repräsentant der BRD menschliche Schwächen hat und sich durch seine eigene Dummheit entlarvt. Anscheinend war die gesamte Sache so peinlich, dass nicht einmal die Volksstimme, die dem CDU-nahen Verleger Bauer gehört, über Schröders Besuch berichtete. Volltreffer!!! Es bleibt zu hoffen, daß Magdeburg in Zukunft von ähnlichen Besuchen verschont bleibt, denn diese Stadt hat schon genug Ärger mit ihrem eigenen politischen Kasperletheater.