Kleiner Politkrimi
mit großen Gestalten der deutschen Bankgeschichte

Nur durch Zufall, also dadurch, daß ich auf dem diesjährigen Antifa-Workcamp(2001) in Weimar war (wo die Magdeburger Fraktion mit 3 Mann nicht gerade sonderlich präsent war), traf ich auf die Ausstellung ”Deutsche Banken- eine Kriminalgeschichte”. Der Titel an sich war schon verheißungsvoll und dadurch, daß sie von solchen namenhaften Zeitungen wie der ”jungen Welt” unterstützt wurde, war mein Interesse recht schnell geweckt.

Bert Brecht fragte einst :”Was ist ein Bankraub gegen die Gründung einer Bank?” In der Ausstellung wurde die Frage mit einem klaren ”nichts!” beantwortet. Nach dem 2. Weltkrieg trug die von der amerikanischen Besatzungsmacht eingesetzte Finanzbehörde allerlei aufschlußreiches Material über die Deutsche aber auch über die Dresdner Bank zusammen. So entstand der OMGUS-Report (OMGUS heißt Office of Military Government US- Zone). Die Informationen der Ausstellung stammen zum größten Teil aus dieser Akte aber auch aus den den Initiatoren der Ausstellung zugänglichen Teile des Archivs der Deutschen Bank (D.B.).

Die Ausstellung steigt in die Geschichte der Deutschen Bank erst mit dem Machtantritt der Nazis 1933 ein. Ein wichtiger Fakt wird außenvor gelassen: Es gab schon vor der ”Machtergreifung” Teile der D.B., die sich für die Nazis einsetzten. Sie erhofften sich zum einen eine erhöhte Darlehensnachfrage von Seiten bestimmter Konzerne und andererseits erhöhte Profite der Konzerne, an denen sie mit Aktien beteiligt war. Denn Hitler versprach Krieg, das bedeutete Rüstungsanleihen seitens des Staates und erhöhte Rüstungsproduktion auf der Konzernseite, das versprach erhöhte Profite. Zudem sollte die Arbeiterbewegung ausgeschaltet werden, so daß niemand mehr die Ausbeutung der Arbeiter stören würde, was wiederum erhöhten Profit einbrächte. Dieses Interesse der Banken an den Nazis wird von den Ausstellern leider nicht betrachtet. Die Geschichte der Ausstellung beginnt also erst mit der Kristallnacht 1938. Die D.B. förderte die systematische Enteignung der Juden mindestens passiv, indem sie das geraubte Eigentum in ihren Besitz nahm. Es wäre jedoch blauäugig zu glauben, daß ein Großunternehmen wie die D.B., hat sie ein Mittel zur Bereicherung gefunden, nicht auch ihre Kraft darauf setzt, daß dieses Mittel auch angewendet wird. Man kann also davon ausgehen, daß die D.B., wenn auch heute vielleicht nicht mehr nachweisbar, sich für die Enteignung der Juden eingesetzt hat. Denn dadurch, daß sich die D.B. mit den Faschisten durchaus gut verstand, fiel in ihre Hände ein recht großer Anteil des jüdischen Besitzes. Und als den ermordeten Opfern des Dritten Reiches in den KZ die Goldzähne gezogen wurden, wurden letztere von der Degussa zu Goldbarren geschmolzenen und gingen von dort aus an die D.B.. Die deutsche Kriegswirtschaft war teilweise abhängig von Waren aus dem Ausland. Um diese einzukaufen, benötigte sie ausländische Devisen. Mit dem Gold tauschte die D.B. diese Devisen ein und verkaufte sie weiter an die Wirtschaft.

Die D.B. darf keinesfalls nur als Unternehmen angesehen werden, das seinen Profit lediglich daraus zieht, daß es von seinen Anlegern Geld zu einem niedrigen Zinssatz ausleiht, um es mit einem höheren Zinssatz an seine Gläubiger zu verleihen. Die D.B. hatte und hat in Großkonzernen größere Beteiligungen oder sogar Aktienmehrheiten. Zur Nazizeit stellten die Köpfe der D.B. 172 Aufsichtsratsvorsitzende bzw. Stellvertreter derselben. So fand man die D.B.im Daimler-Benz - Konzern oder in der IG Farben wieder. Der OMGUS-Report spricht daher von der D.B. als einer Zentrale der wirtschaftlichen Macht.
So konnte die Bank die Produktion ”ihrer” Konzerne rechtzeitig in die Kriegsproduktion umwandeln. So geschah dies beim Daimler-Benz -Konzern. Er versechsfachte von 1933 bis 1938 seine Profite. Natürlich fällt für den, der dabei die Aktienmehrheit besitzt, eine gute Dividende ab. Schon hier trug die D.B. auf ihre Weise zum Krieg bei und verdiente an ihm. Dies war jedoch nur eine Möglichkeit der Profitmacherrei mit Hilfe des Krieges. Um den Krieg zu finanzieren, mußte der Staat bei der D.B. Kredite aufnehmen. Doch sollte der Krieg der D.B. noch viel mehr nutzen.

Während der Nazizeit war Hermann Josef Abs Vorstandssprecher des Finanzkonzerns und wohl der einflußreichste Mann der D.B. nach innen und nach außen hin. Er war Aufsichtsratsvorsitzender von 12 Konzernen, wo wieder der Filz von Bank(en) und Wirtschaft deutlich wird. Als ein Zwangsarbeiterlager. Die Menschen, die ihre Arbeitskraft verloren hatten, wurden von dort aus direkt in die Gaskammern gebracht. Der Aufbau des Vernichtungslagers wurde mit Krediten der D.B. finanziert. Man konnte also sehen, daß die Deutsche Bank (Wobei die Mitschuld anderer Banken wie der Dresdner Bank keinesfalls geleugnet werden soll, doch der Schwerpunkt der Ausstellung lag thematisch eindeutig auf der D.B.) bei fast allen Verbrechen des Hitlerfaschismus ihre Hände mit im Spiel hatte. Ja, sie kann durchaus als Nutznießerin, des 2. WK., der Terrorisierung und Ausschaltung der Arbeiterbewegung, der Vernichtung der Juden und der Zwangsarbeit
angesehen werden. Sie konnte durch die Nazis die führende Stellung in Europa Während des 2.WK. erobern. Das OMGUS erkannte 1946 die Mitschuld der D.B. am Krieg und den Kriegsverbrechen. Es forderte die Zerschlagung des Konzerns und die Bestrafung der Köpfe der Banken. Niemand der Finanzgrößen des Dritten Reiches mußte jemals eine Strafe absitzen. Sie wurden zwar teilweise verurteilt, wie z.B. H.J.Abs (15J.Zwangsarbeit), doch nie in Vollzugsanstalten eingeliefert oder sie wurden nach sehr kurzer Zeit wieder freigelassen. Stattgefunden hat jedoch die Zerschlagung der D.B. in zehn einzelne Banken. Das war 1949. 1952 waren von den zehn noch drei Banken vorhanden und 1957 stand die Deutsche Bank wieder allein da. Auch die Köpfe blieben dieselben, Hermann Josef Abs hatte auch 1957 wieder alle wichtigen internen und externen Funktionen des Konzerns inne. Und war er vor 1945 enger finanzpolitischer Berater Hitlers, so freundete er sich jetzt mit Adenauer an und hatte auch dieses Amt bald wieder inne. Im Jahr 1960 sitzt er wieder in 24 Aufsichtsräten u.a. von Daimler-Benz und Leiter der Auslandszentrale der Bank sorgte er für eine rücksichtslose Annexionspolitik im Zuge der Eroberungen der Nazis.

Den deutschen Soldaten folgten die deutschen Banken, an ihrer Spitze die D.B. und die Dresdner Bank. Die D.B. hatte jedoch eine bessere Beziehung zu den Nazis. Deshalb konnte sie an den Siegen der Wehrmacht weitaus umfangreicher profitieren als die Dresdner Bank. Die Dresdener Bank beschwerte sich 1943 über die rücksichtslosen Plünderungen seitens der D.B. in den besetzten sowjetischen Gebieten (nach dem Motto: ”die lassen uns ja nichts übrig”). Die Beschwerde nützte nicht viel. Währen die deutschen Soldaten an der Front mordeten und gemordet wurden, nahm die D.B. im Hinterland die ausländischen Banken in Ihren Besitz. Nach der Annexion Österreichs wurde der Credit-Bankverein Wien von ihr geschluckt. Die ”Bank Union Prag” erlitt dasselbe Schicksal, wobei der D.B. ihre Verbindungen zu den Tschechischen Faschisten nutzten. Als das ”Dritte Reich” seine größte Ausdehnung erreicht, ist die D.B. die größte europäische Bank. Als in Frankreich, Belgien und Holland die Juden enteignet wurden, floß ihr Eigentum der D.B. zu. Auch an der Zwangsarbeit und letztendlich auch am Völkermord wurde kräftig verdient. Die Betriebe, die Zwangsarbeiter beschäftigten, konnten damit zweifellos ihre Profite steigern.

Damit stiegen die Dividenden der Aktionäre. Durch die Jahresberichte konnte es den Vorstandsmitgliedern aus der D.B. nicht verborgen bleiben, daß in den Unternehmen Zwangsarbeiter beschäftigt wurden, ja daß größere Konzerne wie Daimler-Benz oder BMW betriebseigene Zwangsarbeiterlager von der SS bewachen ließ. In Auschwitz errichtete die IG-Farben, deren Vorstandsmitglied H.J. Abs war, neben dem Vernichtungslager eigene Ghemiefabriken und der Lufthansa. Er war bis 1967 Vorstandssprecher und von 1967 bis 1976 Aufsichtsratsvorsitzender der D.B.. Er leitete die Marshallplangelder an die Spitze der Kreditanstalt für Wiederaufbau und ließ ”seine” Bank zu der Größe heranwachsen, bei der es wieder lohnenswert erscheint, andere Finanzmärkte zu erobern. 1985 betrug das Geschäftsvolumen der D.B. 237,2 Mrd.DM, 1996 hat es die Billiardengrenze überschritten. Damals war sie die weltweit viertgrößte Bank. Die Fusion mit der US-amerikanischen ”Bankers Trust” vor wenigen Jahren könnte sie bereits und einen Platz weiter nach oben gebracht haben.

Wenn irgendwo in einem Betrieb, in dem eine Bank Aktien oder Aktienmehrheiten besitzt, mehr Profit gemacht wird, fließt ein Teil davon als Dividende in ihre Taschen. Da auch eine Bank nur den Zweck der Profitmacherrei hat, wird sie jede Möglichkeit der Profitmacherrei auch ausnutzen. Sie wird jede Lohnsenkung unterstützen, sie wird begeistert in die Hände klatschen, wenn der Staat die Lohnnebenkosten beseitigen will und gibt es Steuern, die man sparen kann, sie findet das Schlupfloch oder sie hinterzieht sie. Man kann diesen Zweck auch deutlich erkennen, wenn man die Lage der Beschäftigten der deutschen Banken betrachtet. Obwohl die Banken ihre Profite allein 1996 versechsfacht haben, wurden tausende Arbeitsplätze wegrationalisiert. Die verbleibenden Angestellten leiden -wie kann man es ihnen verdenken? - unter Höchstleistungsdruck. Die Folgen davon sind oftmals gesundheitliche Probleme. Begründet wird das Ganze dann mit ”erhöhtem Wettbewerbsdruck”. Wettbewerbsdruck- das heißt nichts weiter als: ”Geld wollen wir sehen! Soviel, wie es nur geht und egal, welche Opfer dafür gebracht werden!”.

Ich konnte in der Ausstellung sehen, daß diejenigen, bei denen die Ursache des Zweiten und wahrscheinlich auch des ersten Weltkrieges zu suchen ist, weil sie zu den wenigen Nutznießern der Kriege gehörten, immer noch fest im Sattel sitzen, wenn nicht sogar noch fester als je zuvor, denn vor der Naziherrschaft gab es eine starke Arbeiterbewegung, die heute verschwunden zu sein scheint. Die Grundlagen ihrer Macht blieben unangetastet, die Regierungen und Regierungsformen wechselten, doch sie trieben und treiben ihr Spiel weiter. Fragt sich: Wie lange noch?

P.S.