Die Demo
Eine Glosse

Da habe ich mich an einem kalten Dezembernachmittag doch noch aufgemacht um an der Abschlußveranstaltung der Demo „Stoppt den Krieg und gegen Demokratieabbau“ teilzunehmen. Ein vielversprechendes Motto dachte ich mir und die Liste der dazu Aufrufenden war ebenso vielversprechend. Breit gefächert, von Jugendverbänden über Linke Parteien bis hin zu Vertretern der PDS und der evangelischen Kirche.
Schon seit den Mittagsstunden war die Demo im Gange und verursachte laut lokaler Radiomedien eine erhebliche Verkehrsbehinderung im innerstädtischen Bereich. Da mußte was großes im Gange sein. Tausende demonstrieren in der Innenstadt dachte ich mir und trollte los zum Magdeburger Bahnhofsvorplatz, denn dabei wollte ich nicht abseits stehen. Ich erwartete so etwas wie ein Treffen der Generationen, endlich vereint im Kampf gegen den unseligen Krieg und für den Erhalt demokratischer Grundrechte und für eine menschengerechte Bildungs-, Gesundheits-und Arbeitspolitik.

So stand ich voller Erwartung am Bahnhof und harrte der Dinge. Da traf auch schon die Vorhut der Demonstranten ein, laut für die „internationale Solidarität“ skandierend und sich mit aufreizenden Trommelklängen begleitend. Jugend voran. Die Stimmung war großartig, ich sah so manches Bier in die Kehlen fließen und Hunde bellen. Auch Kinder waren dabei. Und in Erwartung einer großen Menschenmenge wurde mir warm ums Herz und die Hände und Füße vergaßen zu frieren. Doch dabei blieb es dann auch. Ungefähr 200 Vertreter der Jungen Generation mit einigen wenigen Vertretern aus dem älteren Semester. Das waren alle. Gefolgt von einer auffallend kleinen Schar Grüner, ich meine Polizisten. Gefehlt haben vor allem die Vertreter der etablierten Organisationen und namhafte Einzelvertreter, die den Aufruf zur Demo mit unterzeichnet haben. Keine großen Reden, keine Anprangerung von Kriegspolitik und Demokratieabbau, keine Wendezeit.

Was noch folgte, waren eine hintergründige Ansprache zu den Ursachen des derzeitigen Feldzuges der militärisch- industriellen Supermacht USA und ein Plädoyer für den von der Todesstrafe bedrohten afro-amerikanischen Journalisten Abu Jamal, gewürzt mit Liedern eines wie zufällig anwesenden anarchistischen Chansonniers.

Dann war Schicht und alles ging auseinander. Die einen zum Rockkonzert oder zur Party, ich trollte mich nach Hause und träumte von einer anderen Welt, später sah ich in der Glotze dann die Sience-Fiction-Seifen-Oper:
„Star Trek - Treffen der Generationen“ ...