Spassguerilla

Hier wieder ein paar Beispiele aus der Rubrik „Spassguerilla“, die wir dem gleichnamigen Buch (Unrast-Verlag Münster 2001, EUR 14,00) entnommen haben.



Vorladung zum „Staatsbürgerschaftstest“ für Deutsche
Mit fingierten Briefen wurden deutsche Bürger in der Stadt und im Umland zu einem „Staatsbürgerschaftstest“ aufgefordert. Die mit der Überschrift „An alle Haushalte“ versehenen Schreiben waren mehrere Tagen im Umlauf. Am Wochenende haben sich mehrere Personen, die solche Blätter in ihren Briefkästen fanden, an die Behörden gewandt.
Die kopierten Briefe sind mit dem Wappen der Stadt versehen. Das „Einwohnermeldeamt“ wird als Absender angegeben.

Laut dem Schreiben führt das Bundesland angeblich „eine Erhebung zur Feststellung der durchschnittlichen Kenntnisse der deutschen Sprache, Kultur und Gesellschaft durch“. Das Innenministerium habe die Kommunen beauftragt, entsprechende Befragungen zu organisieren. Dafür gebe es einen „Staatsbürgerschaftstest“. Zu einer „persönlichen Befragung“ und einem weiteren Test, bei dem das Verständnis eines Zeitungsartikels geprüft werde, sollen sich die Angeschriebenen morgen im „Einwohnermeldeamt“ einfinden. Weiter heißt es:
„Sollte die Befragung ergeben, daß Ihre staatsbürgerlichen Kenntnisse sich als ungenügend erweisen, sieht sich die Staatsregierung dazu gezwungen, Ihre Staatsbürgerschaft vorübergehend einzuziehen. Zur Wiedererlangung derselben ist eine Nachschulung zu besuchen.“

Bei dem „Staatsbürgerschaftstest“ auf der Rückseite werden zwölf Fragen gestellt. Unter anderem soll beantwortet werden, wann die Bundesrepublik Deutschland gegründet wurde, wie viele Bundesländer es gibt oder woraus das Zitat „Gott mit dir du Land der Bayern“ stammt.


„Pizza-Krieg gegen Ausländerchef“
Die gefälschte Speisekarte von „Pizza Schiffmann“. Den Lieferdienst gibt es nicht. Unbekannte wollen dem Leiter des Erlanger Ausländeramts, Günter Schiffmann (46), eins auswischen. Tag und Nacht klingelt sein Telefon. Alle wollen Pizza bei ihm bestellen. Doch Günter Schiffmann (46) hat keinen Lieferservice.

Er ist Leiter des Erlanger Ausländeramts und wird seit Tagen massiv belästigt. Die Frage ist: Wer hat die Speisekarte „Pizza Schiffmann“ gedruckt und überall an Schiffmanns Wohnort Höchstadt verteilt? Leckere Sachen zu Schleuderpreisen stehen da drauf. Pizza für 4,99 Mark. Erdinger Weizen für nur 1,50 Mark. Diese Karte ist eine Fälschung! Günter Schiffmanns Privattelefon steht seit Tagen nicht mehr still. 500 Anrufe allein in den ersten Tagen. Ganz Höchstadt will bei ihm billig Pizza bestellen. Besonders schön, auf der Karte wird auch eine „Schnelligkeitsgarantie“ gegeben: „Sprechen Sie ihre Bestellung auf unseren Anrufbeantworter und wir garantieren eine Lieferzeit von 20 Minuten - sonst erhalten Sie „gratis eine Flasche Wein!“. Schiffmann: „Da rufen dann nach einer Stunde die Leute noch mal an und sind stinksauer. Wo jetzt gefälligst die Pizza bleibt - und den Gratiswein soll ich gleich mitbringen!“


1980 – zehn Jahre zu früh:
“Wiedervereinigung! Jubel, Jubel, Jubel!”
Im Sommer neunzehnhundertachzig erfuhren überraschte Deutsche an den Kiosken der Adria-Touristenstädte eine sensationelle Neuigkeit. In dicken Lettern prangte auf einer täuschend echt aussehenden Bild-Zeitung: “Wiedervereinigung! Jubel, Jubel, Jubel!” Etwas kleiner dann: “Schmidt geheim mit Honecker”, “Die Bombe platzte auf der Wartburg” und: “Unglaubliche: Schmidt und Honecker weinten!” Mit diesem in 30.000 Exemplaren verbreiteten Fake sorgte die Zeitung “Il Male” für einigen Wirbel. Einige deutsche Touris am Teutonengrill packten Hals über Kopf ihre Zelte ein und fuhren schnurstracks in Richtung Berlin. Groß war das Erstaunen, als dort noch immer Grenzkontrollen stattfanden, und anscheinend gingen bei der Bild-Zeitung einige Beschwerden ein. Da soll noch mal jemand sagen, die Bild-Leser würden ihrer Zeitung nicht glauben, oder anders ausgedrückt: “Bild-Leser wissen (nicht immer) mehr”. Nur schade, dass dasselbe Späßchen beim zweiten Mal, zehn Jahre später, nicht als Fälschung aufgeflogen ist.


Die Presseerklärung des Satiremagazins TITANIC vom 07.06.2002 geben wir hiermit im Wortlaut wieder – ein aktueller Beitrag zum Thema „Spassguerilla“ - auch wenn einem das Lachen manchmal doch im Halse Stecken bleibt...

„Am 5. Juni waren acht TITANIC-Redakteure mit einem gelben GUIDOMOBIL in Thüringen unterwegs und bauten FDP-Stände in Stadtlengsfeld und Eisenach auf. Neben Eierlikör (”18 plus x Prozent“) wurden drei antisemitisch-spaßorientierte FDP-Wahlplakate präsentiert:
1.) ”Deutsche wehrt Euch! Wählt FDP!“
2.) Friedman mit rotem Kreuz (Aufschrift: ”Gib endlich Friedman!“) über dem Mund: ”FDP - Judenfrei und Spaß dabei!“
3.) Pornobild: Peter Bond mit nackter Cornelia Pieper: ”FDP - Die (liberale) SpaSSpartei!“

In Eisenach kam der FDP-Kreis-Vorsitzende Klaus Schneider dazu, erklärte den TITANIC-Redakteuren, daß Möllemanns Einsatz der FDP in Thüringen Stimmen bringe, und ließ sich vor GUIDOMOBIL und Friedman-Plakat beim Händeschütteln fotografieren.
Die Auswertung der ausgelegten Fragebögen ergab, daß rund 50 % der befragten Thüringer dafür sind, ”Friedman in sein Heimatland zurückzuschicken“. (Zitate: ”Die haben doch jetzt einen Staat da unten.“ ”Zurück in die Türkei!“)

Die Jungen Liberalen aus Eisenach wollen Anzeige erstatten wegen Verleumdung. TITANIC-Chefredakteur Martin Sonneborn: ”Sollten wir die Empfindungen sensibler Mitbürger verletzt haben, möchte ich mich bei diesen entschuldigen. Michel Friedman ist davon natürlich ausgenommen.