Zeitungsschau
Neues im Archiv

Seit der letzten Ausgabe des Störenfrieds sind wieder ist eine Menge spannender Zeitschriften im BWA angekommen. Wie immer können diese zu den Öffnungszeiten am Mittwoch von 17-19 Uhr - oder nach Vereinbarung - dort gelesen werden. Diese Zeitschriftenschau greift sich einzelne Zeitungen heraus, von denen einzelne Ausgaben in loser Folge vorgestellt werden.
Diesmal ähnelt die Zeitschriftenschau eher einem Geburtstagsbericht. Zwei bedeutende Zeitschriften – „Analyse & Kritik“ und die „Graswurzelrevolution“ - haben im Juni ein Fest zu ihrem 30jährigen Bestehen ausgerichtet. Ausserdem ist die „Direkte Aktion - Anarchosyndikalistische Zeitung“ der FAU/IAA 25 Jahre alt geworden. Nicht unerwähnt lassen will ich aber noch Jemanden, der gerade 80 geworden ist, nämlich Georg Kreisler. Ein Interview mit ihm ist in der Zeitschrift Konkret: Politik und Kultur zu finden.


Diesmal gibt es zwar keine Geburtstagsausgabe vom „ak“ wie vor fünf Jahren, dafür aber ein rauschendes Fest. “30 Jahre gilt es zu feiern, den Weg vom Arbeiterkampf bis zum heutigen Titel, die Geschichte vom Kommunistischen Bund bis zum Verein für politische Bildung – Analyse und Kritik. Mit den politischen Bewegtheiten dieses langen Zeitraumes werden wir Euch an diesem Abend verschonen. Statt dessen setzen wir auf die rhythmische Bewegung.” Die Sommerferien stehen bevor und so gibt Ausgabe 463 vom Juni 2002 des „ak“ auf ihrer Titel seite unter der Über schrift „Radikal Campen 2002“ einen Überblick, wo überall in nächster Zeit ein politischer Zelturlaub ansteht. Ausführlich werden einzelne Camps auf mehreren Seiten in der Zeitung vorgestellt. „Analyse & Kritik“ gibt mit ihren verschiedenen Rubriken Antimilitarismus, Antifa, Internationales, Innenpolitik, Kultur, Antirassismus, Wirtschaft & Soziales u.a. einen umfassenden (kritischen) Überblick über politische Themen, die die aktuelle Diskussion bestimmen. Z.B. wird im Zusammenhang mit der Antisemitismusdebatte zwischen der FDP und Mitgliedern des Zentralrats der Juden die Geschichte der FDP genauer unter die Lupe genommen.

Neue Zeiten brauchen neue Zeitungen und neu erschienen ist nun die erste Ausgabe des Halbjahresmagazins „Fantomas“ zur AK. In diesem Heft nimmt die Antiglobalisierungsbewegung einen breiten Raum ein mit Interviews und grundsätzlichen Anmerkungen zur Bewegung. Unter der Überschrift „Warum ‚Puscheln’ herrschaftskritisch ist“ wird die Pink-Silver Bewegung vorgestellt, die versucht durch eine Auflösung der Geschlechterrollen die Herrschaftsverhältnisse anzugreifen.

Auch in der neuen „konkret“ (Heft 7 Juli 2002) wird die Schlammschlacht, mit der die FDP auf Wählerstimmenfang gehen will, thematisiert. Der Rechtsruck in Europa (Jean-Marie Le Pen, die „Dänische Volkspartei“, Liste Pim Fortuyn...) ist ein weiteres Thema. Wie in anderen Zeitschriften auch, nimmt der Krieg gegen den Terror thematisch einen breiteren Raum ein. Neben Analysen der Vorgänge bei den Geheimdiensten um den 11. September herum wird die Privatisierung der Armeen am Beispiel Kolumbien beleuchtet. Nicht nur Gesundheit, Erziehung und Wasser, auch Krieg, Unterdrückung und Terror folgen der neoliberalen Logik - und das mit einem Erfolg, der keineswegs zum Kontrollverlust des Staates über die Armee führt. Im Kulturteil findet sich oben schon erwähntes Interview mit Georg Kreisler. „Kunst kommt von Revolution“ ist die Überschrift des ersten Teils dieses Artikels. Georg Kreisler ist Wiener Komponist, Musiker, Lyriker, Schriftsteller und Sänger, der als Jude im März 38 im alter von 15 Jahren mit seinen Eltern nach Amerika ausgewandert ist.

Die Zeitung „Graswurzelrevolution“ (GWR) spricht eine herzliche Einladung zu ihrer Geburtstagsfeier in Münster aus - getreu dem Motto: „Trau einer über Dreißig“. Ihre Bleiwüsten sind berühmt-berüchtigt und wer sie liest, braucht schon mal ein Fremdwörterlexikon. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb, ist die “Graswurzelrevolution”, die im Juni ihren 30. Geburtstag feiert, Kult. Seit 1972 informiert das anarchistische Monatsblatt über linke Politik im In- und Ausland. In der GWR gibt’s auch ein Interview mit Bernd Drücke, einem von zwei hauptamtlichen Redakteuren der Zeitung. Dieser meint selbst: „Es ist schon ein Wunder, dass die Graswurzelrevolution noch existiert”. Die insgesamt rund 30-köpfige Redaktion ist über die gesamte Republik verstreut. Alle sechs bis acht Wochen trifft man sich, um die Artikel zu besprechen. Der Rest läuft übers Internet. “Wir entscheiden im Konsens, was reinkommt”, erklärt Drücke das basisdemokratische Konzept der Zeitung. Das erfordert oft Stehvermögen in langen Diskussionen. Ist auch nur ein Redaktionsmitglied dagegen, bleibt der Beitrag draußen. Oder man stellt im Heft salomonisch Pro und Contra gegenüber. Aber auch wenn die Graswurzelrevolution hier und da auf Ausgleich bedacht ist: Getreu dem Namen bleiben ihre Ansichten doch radikal. Die Zeitung nimmt kein Blatt vor den Mund. Das jedoch begeistert nicht alle: Der Verfassungsschutz interessiert sich seit geraumer Zeit für den Inhalt. In der Vergangenheit gab es schon eine ganze Reihe von Verfahren gegen die Redaktion. Einige Male beschlagnahmten die Staatsschützer die komplette Auflage, das letzte Mal während des Golfkriegs. Und während des Kosovokriegs 1999 wurde gegen Bernd Drücke ermittelt, weil er in der „Graswurzelrevolution“ deutsche Soldaten zur Fahnenflucht aufgerufen hatte.
In der Sommer-Ausgabe 2002 wird die Antiwahlkampagne vorgestellt, der BUKO ist mit einem Bericht vertreten und unter dem Titel „Bewegung braucht Raum“ wird neues aus der Anti-Atom und HausbesetzerInnenbewegung berichtet.

Schwerpunktthemen der Zeitung „Amos - kritische Blätter aus dem Ruhrgebiet“ (2-2002) sind Rio+10 und Israel/Palästina. Bei den Artikeln zu Rio+10 wird der Agendaprozess in einzelnen Städten beschrieben, auf überregionaler Ebene wird thematisiert, was die „Lokale Agenda21 für Nachhaltigkeit und Demokratie“ bringt („Wegweiser oder Wegelagerer?“). Weiterhin hat der diesjährige Kongress des BUKO, neuerdings mit „Bundeskoordination Internationalismus“ buchstabiert, auch in dieser Zeitschrift seine Spuren hinterlassen. Unter der Überschrift „Nachhaltigkeit: Macht und Globalisierung“ werden Schwerpunkte der Arbeit vorgestellt. Hier wird im Vorfeld der Rio+10 Konferenz, die im August diesen Jahres in Johannesburg stattfinden wird, ein Rückblick auf die letzten zehn Jahre vorgenommen. Hinsichtlich des Israel/Palästina Konflikts wird in einem Artikel eine sehr eindeutige Position zu den Handlungen der israelischen Regierung vorgestellt. Dort ist zu lesen, dass im Rahmen des Kriegs gegen den Terror die Gesellschaft Palästinas systematisch zerstört wird.