Kurzmeldungen

Das revolutionäre Bewußtsein in der BRD nimmt zu
So stellte Professorin Noelle in der FAZ vom 29. 1. 2003 fest, daß noch vor drei Monaten noch 35 %, jetzt im Januar aber schon 48 % der folgenden Aussage zustimmten:
„Ich bin fest überzeugt, daß unsere Gesellschaft unaufhaltsam auf eine ganz große Krise zusteuert. Mit den derzeitigen politischen Möglichkeiten können wir dieses Problem nicht lösen. Das schaffen wir nur, wenn wir unser politisches System grundlegend ändern.“


Mit Tränengas für Vertrauen
Am 22.1.03 wurde durch Unbekannte eine mit einer Zündvorrichtung versehene brisante Mischung aus Tränengas und Rauch etc. in der WEF-Empfangshalle am Flughafen Zürich-Kloten deponiert, um „den Damen und Herren vom WEF einen würdigen Empfang zu bereiten”. Drei Tage später ist während der Anti-WEF-Demo im Morosoni Schweizerhof Hotel, wohin sich der Schweizer Bundesrat zurückzog, eine ähnliche Mischung hochgegangen.
Wir zitieren hier aus der Erklärung:

“WEISST DU, WIEVIELE STERNE STEHEN AM HOHEN HIMMELSZELT?
Die Stars des Kapitals wollen in der Alpenwelt von
Davos Vertrauen schaffen in die „freie
Marktwirtschaft“, den „freien Handel“
und das „freie Unternehmen“.
Sie sind die Stars dieses Systems...
WEISST DU, WIEVIEL BOMBEN GEHEN FÜR
DAS ERDÖL DIESER WELT?

...das die Welt mit Bomben und Krieg
unter sich aufteilt und aus seiner
Krise keinen anderen Ausweg weiss.
Diesen Damen und Herren in den friedlichen Schweizer
Bergen ein wenig Tränenwasser in die Augen
und ein wenig Angst in das Herz zu jagen, ist in
der jetzigen Lage unsere Art, Vertrauen zu schaffen
in unsere eigenen Kräfte, in den antikapitalistischen Kampf
einer weltweiten Bewegung und in die Perspektive
einer Zukunft ohne Ausbeutung und Unterdrückung.
Wipe out WEF!


Pathetischer Kommentar
zur jüngst erfolgten Verleihung des Erich-Mühsam-Preises der Lübecker Erich-Mühsam-Gesellschaft an die Berliner Junge Welt.
Ich hör’ es knarren. Die Gebeine des ollen Mühsam krümmen sich im Grab. Schon zu Lebzeiten von den eigenen anarchistischen Genossen nicht verstanden. Nach der Räterepublik von Sozialdemokraten ins Zuchthaus verfrachtet. Dort von kommunistischen Mitläufern malträtiert. Im KZ von Faschisten bestialisch ermordet. Später von Realsozialisten als Namensgeber einer ihrer Kasernen mißbraucht. Dann von Sozialdemokraten mit schlechtem Gewissen in die deutsche Vereinsmeierei gezwängt. Und jetzt schachern sich ehemalige Stalinisten gegenseitig den Mühsam-Preis der Sozis zu. Jute Nacht, oller Erich, schlaf schön. Vielleicht kommt mal wieder EINER wie DU, der die Kraft hat an den Grundfesten des Staates zu rütteln. Und vielleicht kommt mal die Zeit, in der du nicht mehr mißverstanden und mißbraucht wirst. bösgreg

P. S. Literaturtip: Erich Mühsam »Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat - Was ist kommunistischer Anarchismus?«


Aktion umsonst Einkaufen
In Rom fand kürzlich eine große „Free- Shopping“- Aktion mit 200 Teilnehmern in einem großen Supermarkt statt, der der Agnelli-Familie gehört, die hauptverantwortlich für die FIAT-Krise ist.
Es war eine Aktion in Robin Hood Manier. Aktivisten brachten Aufkleber an, auf denen stand, dass die Agnellis jetzt Produkte mit 100% Rabatt verkaufen würden. Gleichzeitig erklärten sie den Einkaufenden mit Videos und Lautsprechern den Sinn der Aktion und die Beziehung zwischen FIAT-Krise und den argentinischen Global Action Days.
Viele der Kunden und auch Supermarktangestellte solidarisierten sich mit dem Gedanken der Aktion und nahmen in einigen Fällen sogar aktiv teil.
Einige Stunden lang wurde umsonst eingekauft, mit Töpfen und Pfannen aus der Küchenabteilung Lärm gemacht und agitiert. Die Aktivisten schlugen den Angestellten des Supermarktes vor, eine Einkaufswagen voll als symbolische Spende zu den streikenden FIAT-Arbeitern zu bringen und veranstalteten während der Verhandlungen mitten im Supermarkt ein Picknick. Schließlich entschlossen sich die Angestellten, das Chaos zu beenden (es waren über 5000 Leute im Supermarkt!) und ließen die Leute mit etlichen vollen Einkaufswagen ziehen.
Diese konnten auch unbehelligt an den draußen aufmarschierten 30 Bereitschaftspolizisten mit den enteigneten Waren vorbeiziehen und begaben sich dann damit nach Cassino, zu den streikenden FIAT-Arbeitern. Vor der argentinischen Botschaft gingen die Proteste weiter, mit Tanz, Videopräsentationen und Flugblattverteilung.


Die Jugend von heute
Es gibt noch Hoffnung. Von den großen Medien unbemerkt fanden sich am 14.03.2003 ca. 300 Schülerinnen und Schüler auf dem Gelände der IGS „Willy Brandt“ in Stadtfeld in Magdeburg zu einer Anti-Kriegs-Kundgebung zusammen. Mit Transparenten wurde auf das Anliegen in einer einstündigen Aktion aufmerksam gemacht. Da die Veranstaltung offenbar völlig planlos und chaotisch vorbereitet war und gleichzeitig an keiner anderen Schule Kundgebungen durchgeführt wurden, blieb die Aktion isoliert und wirkungslos. Ihren Hintern haben sie hoch gekriegt, aber ihr Hirn hatte wohl noch Ferien.


Widerstand in Amiland
Eine sogenannte Radical Youth Brigade ist am 18.1. gegen das US-Militär aktiv geworden. Sie startete ihre erste Aktion einer geplanten Reihe von Präventivschlägen gegen die militärische Nachwuchswerbung in den Schulen in Portland. Die Fenster der Rekrutierungsbüros der US-Armee in der 13. Strasse und am Broadway wurden entglast und in der Nähe „No war but the classwar“ Graffities gesprüht. Sie erklärte, dass die rassistische militärische Nachwuchswerbung und der Armutsdruck praktisch Ausdruck des Krieges gegen die Jugend in den Communities sei.


Kreuzungsblockade
Als Reaktion auf die Tatsache, dass zu Jahresbeginn in Sachsen-Anhalt 4 obdachlose Menschen innerhalb von 2 Tagen erfroren sind, protestierten in Magdeburg am 9.1. rund 40 Menschen auf dem Olvenstedter Platz. Sie besetzten eine Kreuzung und versuchten, ihr Anliegen mit Sprechchören zum Ausdruck zu bringen.
Die Reaktion der MagdeburgerInnen kam erwartet: man beschwerte sich über die Verkehrsbehinderung. Die Protestierer aus Autonomen Gruppen Magdeburgs verweisen auf die Tatsache, dass allein in Magdeburg 30.000 Wohnungen leer stünden, während etwa 160 Menschen ohne Obdach sind. Sie forderten die Behörden auf, den Betroffenen leerstehende Wohnungen zur Verfügung zu stellen.


Gegendemo
Am 18.1. hatten die Nazis anlässlich des Jahrestages der Zerstörung Magdeburgs zum „Gedenkmarsch“ durch Stadtfeld aufgerufen. Aus Protest dagegen hatte das „Antifaschistische Aktionsbündnis zu einer Gegendemonstration aufgerufen, die, von einem
starken Polizeiaufgebot begleitet, dann Stadtfeld führte.


Protest gegen Kürzungen
Rund 4000 Menschen demonstrierten am 22.1. in Magdeburg lautstark gegen die geplanten (und inzwischen beschlossenen) Einschnitte bei Kinderbetreuung und Jugendförderung.


Böttcher-Gedenken
Am 08.02.03, dem 6. Todestag des von Nazis erschlagenen Punks Frank Böttcher, gingen in Magdeburg wieder rund 150 Leute auf die Strasse. Neben dem Gedenken war auch ein Anliegen der DemonstrantInnen, den sich in jüngster Zeit wieder häufenden Übergriffen von Nazis in Stadtfeld entgegenzutreten. Im Anschluß an die Demo wurde am Grab Frank Böttchers auf dem Westfriedhof ein Kranz niedergelegt.
Mit der Räumung der Ulrike und der Kriminalisierung der linken Szene mit Hilfe des 129a-Verfahrens scheinen auch die Nazis wieder Morgenluft zu verspüren. Am gleichen Tage erdreisteten sie sich, eine „Spontan“-Demo gegen „linke Gewalt“ durchzuführen.


Gegen städtische Streichkonzerte
Am 1.3. demonstrierten in Magdeburg knapp hundert Jugendliche gegen die geplante Schliessung von Jugendklubs.
Am 6.3. protestierten rund hundert Kinder und Erwachsene gegen die existenzbedrohende Streichung von Zuschüssen der Stadt für das Kinderfilmstudio in Magdeburg-Olvenstedt.


Irakischer Oppositioneller in der Zora
Das „Bündnis für ein gewaltfreies Halberstadt“ veranstaltete Ende Januar im Jugendzentrum „Zora“ in Halberstadt, einen Info-Abend über den Irak. Zentraler Punkt dieser Veranstaltung, war ein Podiumsgespräch mit einem irakischen Oppositionellen (Name d. Red. bekannt), welcher derzeit in Halberstadt weilt. Er machte deutlich, dass er von einem sozialistischen System in seinem Lande überzeugt sei, es allerdings nicht in Verbindung mit dem diktatorischen System von Saddam Hussein sehe. Für den letzten Golfkrieg machte er gleichermaßen ihn und die damalige amerikanische Führung dafür verantwortlich. Erschreckend bildhaft beschrieb er deren Folgen für die Zivilbevölkerung, welche bis heute andauern würden. Immer wieder warnte er vor den noch schlimmeren Folgen eines zweiten Krieges. Und das sein Land Massenvernichtungswaffen besitze, wäre für ihn eine Lüge westlicher Politiker. „Hussein müsse verschwinden, nicht aber um den Preis eines Krieges gegen unser Volk“, so sagte er weiter.


Transpi an einer Buckauer SchuleAntikriegsaktionen in MD
Auch in Magdeburg gab und gibt es zahlreiche Aktionen gegen den Krieg. Neben den regelmäßigen Mahnwachen und Montags-Kundgebungen gegen den Krieg, mit jeweils ein paar hundert TeilnehmerInnen haben immer wieder kommunale Einrichtungen, aber auch mancher Verein gegen den Krieg mobil gemacht. Die meisten Schulen haben auf Initiative eines Schülerrates weiße Fahnen aus den Fenstern gehängt, im Theater gibt es Sondervorstellungen gegen den Krieg, und die Bäcker verkaufen »friedliche Amerikaner« mit CND-Emblem. Auch der OB will nicht abseits stehen und hängt sich schon mal ein weißes Fähnchen ans Jackett. In der „Volksstimme“ wird - im Gegensatz zu den Kriegen mit deutscher Beteiligung - recht ausführlich noch über die kleinste Aktion - auch aus den umliegenden Kleinstädten - berichtet und fast täglich kriegskritische Leserbriefe veröffentlicht.
Am Montag vor dem Kriegsbeginn gab‘s die erste „Grossdemo“ gegen den Krieg - organisiert vom Friedensbündnis (PDS, DGB, MLPD, Kirchens...). Mit 1500 Leuten war die Beteiligung für hiesige Verhältnisse auch recht gross. Am Tag X gab es eine etwas kleinere Demo - nicht zuletzt auf Grund des Terminchaos im Vorfeld (mal wurde der Beginn auf 17, mal auf 18 Uhr datiert). Dennoch sind wieder rund 1000 Leute (vor allem SchülerInnen) zusammengekommen, um ihrer Wut gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen.


Die „Zweite Generation“...
...ist eine internationale Gruppe, die im Sinne der Erinnerung und des Gedenkens an die Opfer, für die Dokumentation und die Vermittlung der Geschichte des KZ-Außenlagers von Buchenwald seit 5 Jahren an der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge arbeitet.
Nach 2002 möchte die „Zweite Generation“ nun mit einer weiteren Aktion am authentischen Ort der Leiden die Erinnerung an die Opfer des KZ Langenstein-Zwieberge unterstützen. Bis zu den „Tagen der Begegnung 2003“ will die Gruppe Jugendliche, aber natürlich auch Erwachsene ansprechen, sich an diesem Projekt zu beteiligen. Die neue Aktion 2003 soll symbolisieren, wie viele Menschen zum gleichen Zeitpunkt im KZ Langenstein-Zwieberge inhaftiert waren.
Zweimal täglich waren die KZ-Häftlinge gezwungen, auf dem Appellplatz anzutreten, deshalb wurde der ehemaligen Appellplatz für die Aktion ausgewählt. 5160 Menschen aus 23 Ländern standen am 18. Februar 1945 auf diesem Platz. Die höchste Anzahl von Gefangenen in Langenstein-Zwieberge war erreicht.
Bis zu den „Tagen der Begegnung 2003“ sollen 5160 weiße Bänder in den jeweiligen Muttersprachen der KZ-Häftlinge mit dem Satz beschrieben werden: „Dies ist ein Mensch.“ Diesen Satz hat der italienische Überlebende von Auschwitz , der Dichter Primo Levi, als Antwort auf die menschenunwürdige Behandlung der KZ-Insassen durch die Nationalsozialisten geprägt.
Am 11. April 2003 sollen die letzten Stäbe in die Erde gesteckt werden. Parallel dazu werden symbolisch Namen von Opfern des KZ Zwieberge verlesen