
Antiimp, Antideutsch, Antimensch
Menschen morden ist okay, so lange nur das Dogma stimmt?!
Der Konflikt zwischen Israel und den
Palästinensern schaukelt sich seit Beginn der zweiten Intifada (arabisch für Aufstand) immer weiter hoch. Auf palästinensischer Seite tobt zudem ein gnadenloser
Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Widerstandsgruppen. Schon zuvor (vgl. Störenfried 09/02, 11/03) beschäftigte sich der Störenfried mit der Reaktion der deutschen Linken auf diesen Konflikt. Anlass war, dass oftmals erschreckend vereinfachend und parolenhaft über den Krieg schwadroniert wurde und wird und inzwischen überall dogmatische Kämpfe zwischen Antideutschen und Antiimperialisten so verbissen geführt werden, dass man meinen könnte, es ginge gar nicht mehr um die Menschen im so genannten heiligen Land, sondern um Rechthaberei und Selbstdarstellung. Nachdem die Diskussion nun seit etwa fünf Jahren heftig geführt wird, hat das selbst der hiesige Verfassungsschutz endlich bemerkt und berichtet. Allerdings nicht aufgrund eigener Erkenntnisse, sondern, wie sollte es anders sein, sie mussten bei anderen Diensten abschreiben. Aber zurück zum Thema. Kritik an der israelischen Politik ist absolut legitim. Auch Selbstverteidigung hat ihre
Grenzen. Diese werden inzwischen selbstverständlich und regelmäßig überschritten und in der israelischen Gesellschaft wird der Hass auf alles Arabische langsam zur
Staatsdoktrin. Darunter leiden ironischer Weise inzwischen auch in der israelischen Armee dienende Drusen. Die Selbstverständlichkeit, mit der Palästinenser
enteignet, vertrieben, festgenommen oder ermordet werden, ist klassischer Rassismus. Das sehen auch israelische Offiziere, Friedensaktivisten und sogar manche
Politiker so. Aus weiter Ferne, hier in Deutschland, ist es natürlich einfach, den moralischen Zeigefinger zu erheben. Das
klammheimliche Bedürfnis, sich endlich auch mal entrüsten zu dürfen und nicht zum Volk der Richter und Henker gehören zu müssen, treibt dann eigenartige Blüten. Da
rennen einige mit Symbolen von Staaten und Gruppen herum, die Israel vernichten wollen. Israels wird dabei auch gerne als Judenstaat bezeichnet, seine Bewohner
häufig pauschal als Zionisten. Was unterscheidet jemanden, der sich mit Antisemiten solidarisiert und solchen verallgemeinernden Rassismus nachplappert eigentlich
noch von Nazis und Faschisten?
Militärisch scheint der Konflikt unlösbar zu sein. Die israelische Armee ist den Kämpfern aus Palästina technisch
und taktisch meilenweit überlegen. Da aber selbst Israels Sicherheitsdienste keine absolute Kontrolle über Palästina erlangen können, werden sie auch immer wieder
mit Anschlägen rechnen müssen. Der endgültige Sieg und die totale Kontrolle bleiben unerreichbare Ziele. Die einzige denkbare Option für das israelische Militär
wäre eine totale Abschottung bzw. die Vertreibung der Palästinenser aus Gaza und Westbank. Beides wird in Ansätzen schon überlegt und aktiv umgesetzt. Folgende Alternative steht auch noch zur Debatte: Statt sich die allgemeine Gewaltgeilheit einer der beiden Seiten schönzureden und mit komplizierten theoretischen Konstrukten selbstgerecht zu legitimieren, sollten sich die antideutschen, antiimperialisitischen, anti-was-auch-immer-Dogmatiker vielleicht überlegen, ob sich die Verneigung vor Menschenverachtung und Hass wirklich mit emanzipatorischen Idealen vertragen. |
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