Tipps und Tricks

Sammelgebiet Postkrieg
Durchgerutscht
Philatelistische Post
Fälschungen

Sammelgebiet Postkrieg

Das Thema Postkrieg in der Philatelie ist deshalb besonders spannend, weil es wie kein anderes politische und geschichtliche Umstände auf Postsendungen wiederspiegelt. So werden politische Zwistigkeiten auch auf eben diesen Postsendungen ausgetragen indem als politisch empfundene Marken, Stempel und Adressen auf der Postsendung "behandelt" werden (siehe Postkriegsdefinition). Das Thema Postkrieg in der Philatelie ist fast so alt wie die Briefmarke selbst (findet sich doch bereits 1871/72 ein Postkrieg im damals deutsch besetzten Elsass/Lothringen). Postkriege gibt es bis in die allerjüngste Zeit. So gab noch im Jahre 1999 eine französische Marke Anlass zu Postkrieg.

In der Philatelie führt dieses spannende Thema ein Randgebietsdasein. So ist die Sammlerdichte nicht besonders hoch und auch der Begriff "Postkrieg" ist nicht jedem Sammler oder Briefmarkenhändler ein Begriff. Meist wird auch fälschlicherweise angenommen, dass Postkrieg ausschliesslich zwischen der ehemaligen Bundesrepublik und Ostblockstaaten stattfand. Wenn dies auch ein Schwerpunkt im Thema Postkrieg ist. so haben Länder wie Israel, Rhodesien, Guatemala, Türkisch-Zypern, Mongolei und viele andere ebenfalls Postkriege zu "bieten".

An Sammlervereinigungen ist mir keine bekannt, die sich mit den weltweiten Postkriegen beschäftigt. Innerhalb des BDPh ist die Arge Deunot diejenige Arbeitsgemeinschaft, die sich unter anderem mit Postkriegen ab 1948 mit deutscher Beteiligung beschäftigt. Die Forschungsgemeinschaft Berlin im BDPh nimmt sich im besonderen des Berliner Postkrieges an, der integraler Bestandteil der postalischen Entwicklung Berlins 1948/49 ist.

Gezielte Literatur zum Thema Postkrieg gibt es nur wenig. Unverzichtbarer Katalog zum Gebiet ist der "Burhop" von den Autoren Burhop und Heijs in inzwischen 6.Auflage. Ein Buch zum Thema Berliner Postkrieg ist im Jahre 2005 erschienen. Auch zum mehr oder weniger intensiven Rhodesien-Postkrieg gibt es ein älteres aber sehr gut recherchiertes Werk. Ansonsten finden sich im Laufe der Jahrzehnte viele Artikel in den Rundschreiben der angesprochenen Arbeitsgemeinschaften, in denen sich eine Mitgliedschaft für das Sammelgebiet Postkrieg in jedem Fall lohnt.

Durchgerutscht

Jeder Postkrieg, der Beanstandungen von Marken, Stempeln oder Adressen zur Folge hatte, indem diese auf den Postsendungen entsprechend unkenntlich gemacht, zurückgschickt, mit Nachgebühr belegt oder anderweitig auf dem Beleg sichtbar behandelt wurden, führte auch zu entsprechend "durchgerutschten" Belegen. Diese Belegen weisen Marken, Stempel oder Adressen auf, die eigentlich beanstandet wurden, aber, sei es weil der Postkrieg nicht intensiv geführt wurde oder weil die entsprechenden Beförderungsmerkmale einfach übersehen wurden und daher die entsprechende Sendungen unbeanstandet zugestellt wurden. Obwohl diese Belege eigentlich wie "ganz normale" Belege aussehen gehören sie doch in eine Postkriegssammlung, da sie, wie gesagt, eigentlich Teil eines Postkrieges waren. Der Grad der Häufigkeit dieser Belege ist "antiproportional" zur Heftigkeit des geführten Postkrieges. Je intensiver der Postkrieg desto seltener die durchgerutschten Belege.

Ein Beispiel für häufig durchgerutschte Belege sind diejenigen mit mischfrankierten SBZ-Marken, die in Westberlin von Juni 1948 bis Januar 1949 frankaturgültig waren. Ab Mitte September jedoch wurde SBZ-Marken die Frankaturgültigkeit auf Briefen in die Westzonen und ins Ausland über die bestehende Luftbrücke untersagt. Sendungen, die eine Mischfrankatur von Westberliner- und SBZ-Marken aufwiesen waren daher dem Absender zurückzugeben. Allerdings wurde diese Massnahme nur halbherzig verfolgt und so gibt es viele Belege, die in diesem Sinne unbeanstandet durchgerutscht sind. Am anderen Ende der Skala kann man wiederum aus dem Berliner Postkrieg die Westberliner Marken grundsätzlich auf Post nach Ostberlin und in die SBZ aufführen. Sendungen mit diesen Marken wurden von der SBZ während des gesamten Berliner Postkriegs konsequent beanstandet, so dass durchgerutschte Post ziemlich selten ist.

Notopfermarke in die DDR/SBZ
Westberliner Marken im Berliner Postkrieg

Philatelistische Post

Wie kaum ein zweites leidet das Sammelgebiet Postkrieg unter philatelistisch beeinflusster Post. Dabei bildet der Postkrieg um die Marke 20 Jahre Vertreibung der Bundesrepublik eine Art Initialzündung in der Inflation philatelistischer Post bei Postkriegen mit deutschen Marken und Stempeln. Nicht zuletzt sind die variantenreichen Farbübermalungen der DDR dafür ein wesentlicher Grund, liessen sich doch so "attraktive" Postkriegsbelege "herstellen". Davon wurde von privater wie von Händlerseite ausgiebig Gebrauch gemacht. In der Folge sind alle weiteren modernen Postkriege mit deutscher Beteiligung mehr oder weniger stark von philatelistischer Post durchsetzt. Mit diesem Wissen sollte man daher besonders bei den Postkriegen von 1965 bis 1986 besonders genau hinschauen. Dies gilt auch für den rhodesischen Postkrieg, wie den israelisch-palästinensischen Postkrieg.

"Gemachte" Postkriegsbelege zeichnen sich besonders deutlich dann aus, wenn durch fingierte Empfängeradressesn oder Postlagerungen eine Sendungen zurückgeschickt wurde, obwohl der Postkrieg eigentlich eine Weiterleitung an den Empfänger nicht unterbunden hÄtte. So geschehen mit der Marke 20 Jahre Vertreibung, die in der DDR unkenntlich gemacht und die Sendung zugestellt wurde. Solche Belege sind in einer Postkriegssammlung abzulehnen. Sie sind leicht zu erkennen, da sie meist einen Hinweis auf die Zurücksendung aufweisen.

Schon mehr Wissen erfordern die Belege, die von Sammlern oder Händlern als "Massenware" versandt wurden, d.h. es wurde immer wieder derselbe Absender verwendet, sei es handschriftlich oder wie meist erfolgt durch Absenderadressstempel. Man kann sich relativ leicht beim Durchsehen von Postkriegsbelegen auf Briefmarkenausstellungen eine Liste mit notorischen Absenderadressen anlegen, da Händler oftmals Belege mit gleicher Adresse mehrfach im Angebot haben.

Für meine Sammlung gelten folgende Regeln bezogen auf philatelistische Post:
1. Wo immer möglich keine philatelistischen Belege aufnehmen
2. Wo immer möglich vorhandene philatelistische Belege mit Bedarfspost austauschen
3. Philatelistische Belege dort aufnehemn, wo aufgrund der Seltenheit des Postkrieges bzw. der zu erwartenden geringen oder nicht vorhandenen Bedarfspost keine andere Möglichkeit besteht.

Fälschungen

Auch das Thema Fälschungen ist im Sammelgebiet Postkrieg relevant. Im Katalog von Burhop/Heijs werden bereits bekannte Fälschungen beschrieben. Allerdings scheint es doch einiges mehr an Fälschungen zu geben, als dort aufgeführt. Im folgenden Belege, die mögliche oder sichere Fälschungen im Bereich Postkrieg sind. Es geht hier um Aufklärung und darum, dazu beizutragen, beim Kauf von Belegen kritisch zu sein. Dies kann aber nur auf der Grundlage von Wissen im Gebiet geschehen, dazu soll diese Seite ein wenig beitragen. Ich schreibe hier teilweise von möglichen Fälschungen. Wenn jemand etwas gegenteiliges weiss, dann würde ich mich über eine entsprechende Zuschrift freuen.

40 Jahre Grenztruppen der DDR
Berliner U-Bahn
25 Jahre antifaschistischer Schutzwall
Notopfermarke Nachgebühr
Evangelischer Kirchentag 1963