Eigentlich sollte man meinen, dass aufgrund der intensiv betriebenen Propaganda des Dritten Reiches auch auf Stempeln und Briefmarken eine stattliche Zahl
von Postkriegsszenarien stattgefunden haben müssten. Realität ist jedoch, dass bis heute nur in wenigen nachgewiesenen Fällen Postkrieg mit
Stempeln des Dritten Reiches bekannt geworden sind. Über Gründe lässt sich nur spekulieren. Sicherlich hat Postkrieg als Mittel der Unterdrückung
politischer Propaganda auf Stempeln und Marken von Postsendungen erst mit dem Viermächtestatus von Berlin und der Berliner Währungsreform ab 1948 sowie dem Ost-West-Konflikt
mit seiner Hochzeit in den 1950er und 60er Jahren so etwas wie Konjunktur gehabt. Auch ist mir unbekannt, ob der Weltpostverein (UPU) bereits zur Zeit des Dritten
Reiches in seinen Statuten eine Aussage über politische Inhalte auf Postsendungen gemacht hatte, auf die sich Länder immer wieder mit entsprechenden Hinweisen auf der Sendung bei
Ablehnung beriefen (z.B. Polen bei Ablehnung der Marke "40 Jahre Heinatvertriebene" 1985).
Die bisher bekannten Postkriege gegen politische Aussagen auf Stempeln des 3. Reiches (Marken-"Postkriege" sind bisher nicht bekannt) betreffen Stempel,
die von der Tschechoslowakei einerseits (1 Stempel) und der Schweiz andererseits (1 Stempel) beanstandet wurden.
Desweiteren sind Maschinenwerbestempel des 3. Reiches auf Kriegsgefangenen- und Interniertenpost bekannt, die allerdings bereits durch die Reichspost oder
deutsche Zensurstellen unkenntlich gemacht wurden in der irrigen Annahme, dass diese Werbestempel von den Alliierten beanstandet werden könnten. Allerdings
handelt es sich hier nicht um Postkrieg.
Der Artikel "Das Ausland und die politische Propaganda der Post im Dritten Reich" beleuchtet das Thema im Detail
17.8.34 Brief von Nürnberg nach Saaz (Tschechoslowakei). Werbestempel "Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg vom 5. mit 10.September 1934" rot unterstrichen. Desweiteren Aufkleber "Nepripustno/Non admis" als Hinweis auf die Unzulässigkeit. Ebenso handschriftlich "Retour Nürnberg".