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Kopfschläge und Desinteresse
Das Mädchen, um das es im Nachbarschaftsstreit ging, war im ersten Lebensjahr ein sehr ruhiges und genügsames Kind. Es schrie selten. Die Eltern
waren mit ihrem sanften kleinen Wesen sehr glücklich. Erst nach etwa eineinhalb Jahren wunderten sie sich darüber, dass ihre Tochter gelegentlich mit ihrem Kopf auf den Boden oder gegen die Wand schlug. Sorgen
machten sie sich deswegen nicht. Sie hielten es für eine der typischen kindlichen Verhaltensweisen, mit der erst einmal alles ausprobiert und fleißig Erfahrungen gesammelt werden. Wenn sich Schmerzen einstellten,
nahmen sie an, würde sie auch diese Gewohnheit ablegen. Sie wunderten sich auch, dass sich ihre Tochter für manche Dinge offenbar überhaupt nicht interessierte - nicht für einen riesigen roten Ball, der an ihr
vorbeirollte und auch nicht für andere Kinder, die gelegentlich zu Besuch waren. Sie zeigte auch niemals mit dem Fingerchen auf irgend etwas, was ihre Aufmerksamkeit erregte. Sie interessierte sich eben für andere
Dinge und Vorgänge, glaubten die Eltern. Aber es war anders.
Verhaltensauffälligkeiten
Das Mädchen war gerade zwei Jahre alt geworden, als ihr Arzt bei einer Routineuntersuchung feststellte, dass sie ihre Umgebung nicht so
wahrnimmt, wie andere Kinder in ihrem Alter. Außerdem meinte er, schon zu diesem Zeitpunkt einen Entwicklungsrückstand feststellen zu können. Er empfahl einen Besuch bei Kinderpsychologen. Von nun an beschleunigten
sich die Ereignisse. Das Mädchen zeigte immer mehr außergewöhnliche Verhaltensweisen. So zum Beispiel geriet sie in ihr fremden Umgebungen sehr schnell in Panik und wehrte sich wütend. Bei einem Versuch, ein EEG
anzufertigen, schlug sie um sich, brüllte und riss sie in der ärztlichen Praxis fast die wertvollen Geräte um. Von der Kinderkrippe kamen Signale, dass mit der Kleinen etwas nicht stimme. Die Eltern bemühten einen
Spezialisten nach dem anderen. Und in der Wohnung nahmen die Kopfschläge an Heftigkeit zu. Sie erreichten eine Stärke, dass den Eltern bange wurde: Sie befürchteten, dass ihre Tochter bleibende Schäden an Kopf und
Gehirn davontragen könnte. Im Dezember 2000 griffen sie ein und steckten das Mädchen bei solchen Attacken immer so lange in ihr Gitterbett, bis sie sich beruhigt hatte.
Zunehmende Sorgen
Einige Wochen lang griff die Maßnahme. Dann - im Januar 2001 - begann die Kleine, sich mit Trampeln abzureagieren. Zu diesem Zeitpunkt
war sie noch nicht einmal 2 Jahre und 5 Monate alt. Freunde und Bekannte erzählten den Eltern, dass sie sich jedenfalls über die Zahl und Häufigkeit solcher Vorfälle keine Sorgen machen müssten. Laute
Lebensäußerungen seien auch bei ganz normalen Kindern an der Tagesordnung. Dennoch versuchten sie ihr Möglichstes, ihre Tochter in diesen Momenten zu beruhigen - selbst dann, wenn es unter pädagogischen
Gesichtspunkten vielleicht besser gewesen wäre, sie gewähren zu lassen. Ihnen war klar, dass sie in einer hellhörigen Stadtwohnung leben und auch Rücksicht auf Mitbewohner genommen werden muss. Diese Bemühungen
wurden nicht honoriert: Schon wenige Tage später bekamen sie die aggressiven Reaktionen der unter ihnen lebenden Nachbarn zu spüren, die gegen Heizungen und Wände schlugen. Damit begann der Streit.
Schwierige Diagnose
Nun hatten die Eltern zweierlei Sorgen. Die Anfeindungen aus der Nachbarwohnung und die Probleme ihrer Tochter. Vor allem wegen ihr
hatte eine Odyssee begonnen, denn es wurde immer deutlicher, dass ihr Verhalten den Verdacht rechtfertigte, sie sei Autistin. Allerdings wollte das zu diesem Zeitpunkt noch niemand eindeutig diagnostizieren. Vieles
sprach dafür, aber bestimmte Verhaltensweisen von anderen, für Kleinkinder typischen oder auch nur möglichen zu trennen, ist in diesem Alter sehr schwierig - für Eltern eine sehr problematische Phase: Sie werden von
Sorgen umgetrieben und suchen Hilfe, bekommen sie aber erst einmal nicht in adäquater Weise, weil die Diagnose noch nicht eindeutig sein kann. So fühlen sie sich oft allein gelassen - ohne Orientierung und immer auf
der - teilweise verzweifelten - Suche nach Möglichkeiten, mit solch einem Kind angemessen umzugehen.
Hier sollten Sie sich informieren
Autismus Therapie Ambulanz LiNie - hilfe für das autistische kind Vereinigung zur Förderung autistischer Menschen
Wenn Sie sich in einer ähnlichen Lage befinden, mangelt es Ihnen vielleicht an einem Erfahrungsaustausch oder an Informationen. Sie
sollten nicht müde werde, Fachleute zu befragen: Ärzte, Therapeuten und Psychologen. Auch wenn sie keine Wunder bewirken können: Es hilft Ihnen vielleicht, Verhaltensweisen Ihres Kindes besser zu
verstehen und den Umgang mit ihm zu erleichtern. Was aber ebenso wichtig sein kann, ist der Austausch mit anderen Betroffenen. Die folgende Website dürfte den
wohl umfassendsten Überblick über Autismus liefern, der gegenwärtig möglich ist. Das könnte für Sie ein Ausgangspunkt für Ihre Suche nach Informationen, Rat oder
Hilfe sein. Folgenden Links können Sie gleich auf der Startseite nachgehen:
Was ist Autismus? - Fortbildungsangebote - Literatur - Lieder über Autismus -
Beiträge autistischer oder dem Autismus nahe stehenden Autoren - Erfahrungsberichte - Mailing-Listen - Autismus-Forum - Selbsthilfe im Internet - Autismus-Newsletter - Aktuelles - Links und Adressen.
Hier geht's zur Startseite: http://www.autismus-online.de/
Und scheuen Sie sich nicht, im Forum zu fragen - selbst wenn Ihnen Zweifel noch so
belanglos erscheinen. Dort lesen und schreiben sehr viele hilfsbereite Menschen mit.
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