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Aus Streit wird Rechtsstreit
In den ersten Monaten blieben die Eltern zurückhaltend. Sie beschränkten sich darauf, der Vermieterin die gesundheitlichen Probleme ihrer Tochter zu erklären. Sie versuchten alles menschenmögliche, um Lärm zu reduzieren oder ganz zu verhindern. Sie stellten Behauptungen der Nachbarin richtig. Sie schalteten erst dann einen Rechtsanwalt ein, als sie mit Strafanzeige bedroht wurden. Es half nichts: Der Druck wurde erhöht. Spätestens dann, als wegen der Probleme nur noch zwei Anwälte miteinander korrespondierten, lag der Fall nicht mehr in ihren Händen - im Gegenteil: Äußerste Umsicht war geboten. Als Laien waren sie es nicht gewohnt, jede Handlung und jedes Wort juristisch abzuwägen. Sie wollten nicht Gefahr laufen, Angriffsflächen für einen nur darauf wartenden Juristen zu bieten. Die Folge: Haarsträubende und ermüdende Auseinandersetzungen zwischen dem Rechtsanwalt, der die Interessen der Familie vertrat und dem anwaltlichen Interessenvertreter und Lebenspartner der Nachbarin.
Von Nachbarn zu Nachbarn
Als die Angelegenheit und damit auch das tägliche “Kleinklein” im Sommer 2001 erledigt schienen, wollten die Eltern es sich nehmen
lassen, ihren Nachbarn ein paar grundsätzliche Überlegungen mitzuteilen. In ihren Augen waren diese Mieter zu aggressiv geworden und zu weit gegangen, zu großen Druck hatten sie ausgeübt. Nun, da sie mit Entspannung
rechneten, hielten sie den Zeitpunkt für gekommen, ihre Sicht der Dinge auch ohne juristische Formalitäten darzulegen - sozusagen von Nachbarn zu Nachbarn. Der Vater nahm sich vor, in ruhigen Stunden einen Brief zu
verfassen, in dem nicht unzählige Einzelereignisse richtiggestellt werden sollten, sondern die gesamte Geschichte zu bewerten war. Allerdings stellte sich heraus, dass die Probleme bis dahin sehr viel Energie
gekostet hatten: Der Brief wurde zwar begonnen, aber er blieb liegen.
Klage und letztes persönliches Wort
Anfang Oktober dann die böse Überraschung: Dem Mädchen, dem Vater und der Mutter
wurde die Unterlassungsklage ihrer Nachbarin zugestellt. Nun drängte die Zeit. Der Vater stellte den begonnenen Brief fertig. Ihm schien wichtig, die aus seiner Sicht wahre Absicht der Nachbarn und ihre absurde Vorgehensweise gegen ein Kleinkind herausarbeiten - auch im Hinblick auf die Bewertung durch einen Richter.
Es wurde ein langer Brief - die letzte persönliche Äußerung, die es zwischen den Nachbarn gab. Er enthielt viele Gesichtspunkte, die zwar
juristisch nicht zu verwerten waren, wohl aber moralisch. Der Vater richtete ihn an den Nachbarn - als Bewohner und nicht in seiner Funktion als Rechtsanwalt. Er zeichnet recht gut
nach, wie sich die Probleme langsam verschärft hatten und dass hinter ihnen offenbar zwei unvereinbare Auffassungen darüber standen, wie das Leben in einem Mietshaus zu gestalten ist. Ein Klick auf die Schaltfläche,
und Sie sehen den Text.
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