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von FreundInnen und KollegInnen
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und
es gibt sie doch...
...Unterrichtsrezepte

Entgegen der Meinung vieler meiner
FachleiterInnen
und KollegInnen vertrete ich die Auffassung, dass es
sehr
wohl Unterrichtsrezepte gibt. Damit das Rad
nicht wieder neu erfunden
werden muss, werde ich
an dieser Stelle meine Unterrichtsrezepte
(subjektiv, nicht allgemein gültig und wahrscheinlich
nur für
AnfängerInnen interessant) veröffentlichen.
Nie Leerlauf/Langeweile aufkommen
lassen!
Sobald SchülerInnen
unbeschäftigt sind, fangen sie oft an sich zu ärgern. Statt dessen:
weitere Arbeitsaufträge geben, Heftführung überarbeiten,
Meinungsumfragen, Spiele und Rätsel (z. B. Minimysteries - CUS: Was
ist hier passiert? Die besten Rätselgeschichten von CUS. Eichborn 2002).
Die SchülerInnen reden
lassen!
Die Gefahr besteht immer - LehrerInnen haben oft ein großes
Mitteilungsbedürfnis und reden viel zu viel. Die SchülerInnen werden
entweder unruhig oder ertragen dies gleichmütig. Wann immer es sich
anbietet, sollten sich meiner Meinung nach SchülerInnen selbst dran
nehmen können. Mittels Abfragekarten trauen sich ggf. auch die ruhigsten
SchülerInnen Beiträge zu liefern.
Inszenierung ist alles!
Den langweiligsten Sachverhalte
können SchülerInnen oft etwas abgewinnen, wenn sie mittels
Realmaterialien, Rollenspiele, Bildern dargestellt werden.
- Photosynthesegleichung mittels Realmaterialien darstellen (Zucker,
Wasser, Bild mit ausatmender Figur...)
- Beziehungen zwischen den
einzelnen Figuren in Romanen mittels Fäden (dicke Wollfäden für gute,
feste Beziehungen) gespannt zwischen Stühlen (repräsentieren die Figur)
darstellen lassen, passende Textstellen können auf Klebezettel geschrieben
werden und angeheftet werden
- Fühlsäcke mit zum Unterrichtsinhalt passenden Gegenständen füllen,
Sack durchreichen und Assoziationen seitens der SchülerInnen hierzu
äußern lassen, z. B. Thema Sexualität/Liebe: Taschentuch
(Liebeskummer), Pickelcreme (Pubertät), Telefonnummer (erste Verabredung)
Heftführung mit Pop-ups
vgl. Buck, E.: Bewegter
Religionsunterricht. Göttingen 1999; Buck, E.: Kommt und spielt.
Göttingen 1999
Seitdem ich die beiden Bücher der Autorin gelesen habe, versuche ich zu
allen Unterrichtsinhalten einfache Pop-ups gestalten zu lassen, z. B.
Wendefiguren, Drehscheiben (Themen: Kirchenjahr, Ernährung), aufklappbare
Landschaften und Gucklöcher im Heft. Eine andere Möglichkeit ist die
Gestaltung im Heft mit Realmaterialien in der Art von Collagen, z.B.
getrocknete Blüten (Thema: Schöpfung), Watte und Glitzerfolie (Thema:
Träume und Wünsche). Diese Art Heftführung interessiert selbst
SchülerInnen in der 8. Klasse. Einige - bisher unordentlich geführte
Hefte - wurden mit fast 'Liebe' weiter gestaltet.
Mit guter Laune die Klasse betreten!
SchülerInnen spiegeln einem durch ihr
Verhalten oft die eigene Stimmung wider. Wenn ich ausgeruht und fröhlich in die
Klasse komme, verläuft der Unterricht auch oft in gelöster Stimmung.
Stress und Ärger lässt sich jedoch oft nicht vermeiden. Es gilt also den
Unmut zu äußern, aber nicht in diesem Gefühl zu verbleiben. Statt
dessen kann man einen Trick von Call-Center-MitarbeiterInnen befolgen:
Lächeln aufsetzen (!) und die freundliche Stimme kommt von alleine. Die
Folge ist eine veränderte Reaktion bei den SchülerInnen, was als
Spiegeleffekt auch bei einem selbst ankommt. Dieser Tipp gilt auch für
Elternabende und schwierige Gespräche mit Eltern, KollegInnen und
Vorgesetzen.
Die eigenen Stimme schonen!
Vor dem Sprechen Luft holen. Dies gilt besonders dann bevor man laut
schimpfen 'muss'. Dann langsam wieder leise werden. Generell sollte man
versuchen leise und nur wenig zu sprechen. Wenn der Hals kratzt und man
sich räuspern muss (Zeichen von Überanstrengung), trocken husten, ggf.
etwas trinken und Atemübungen machen. Letztere sind unauffällig und
können beim Anschreiben an die Tafel oder beim Eintragen ins Klassenbuch
gemacht werden: Durch die Nase einatmen und Luft wieder vorsichtig
aushauchen oder die Worte 'Heft' und 'Haft' hauchend und stimmlos
aussprechen.
Gesangsunterricht ist entspannend, führt zu einer tiefen Atmung, wirkt
stimmstärkend und 'therapeutisch' (eine Stunde in der Woche kümmert sich
ein Mensch ausschließlich um dich!).
Strategien
... gegen unruhige SchülerInnen
- bei der Begrüßung immer so
lange warten bis es wirklich leise ist (hier braucht der/die LehrerIn viel
Geduld, die sich oft lohnt)
- Mitteilungen an die SchülerInnen/Arbeitsaufträge
an die Tafel schreiben (selbst die unruhigsten SchülerInnen werden für
die Zeit des Lesens ruhig)
- einem/r SchülerIn etwas
zuflüstern, so dass die anderen es sehen, dies schürt die Neugier und
schafft Aufmerksamkeit
... gegen arbeitsunwillige Schulklassen
- Stationenlernen/Werkstattarbeit/handlungsorientierter
Unterricht/projektorientiertes Lernen: Die Methoden der offenen
Unterrichtsformen sind mein Mittel gegen Arbeitsverweigerung und
Unterrichts-Boykott der gesamten Klasse. Wichtig dabei sind enge Vorgaben,
was Umfang und Zeit der zu bearbeitenden Themen/Aufgaben angeht. Meist
fühlen sich die SchülerInnen ernst genommen und ihre Selbständigkeit
wird herausgefordert. Am Ende der Einheit gebe ich Evaluationsbögen
heraus und bitte die SchülerInnen um ein differenziertes Feed-back über
Inhalt und Methoden der Unterrichtseinheit. Die Ergebnisse werte ich aus,
teile sie den SchülerInnen mit und berücksichtige sie bei meiner
weiteren Unterrichtsplanung. Bis auf sehr wenige Ausnahmen konnte ich
hiermit auch 'schwierige Klassen' 'ans Arbeiten' bekommen.
Dorothea.Wichmann@gmx.de
letzte Änderung: 9.8.2003
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