Das Borderline-Syndrom

Was ist das Borderline-Syndrom, die Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung liegt, wie der Name schon sagt (borderline=Grenze), in etwa zwischen einer Neurose und einer Psychose. Menschen, die an der BS (Borderline-Störung) leiden, zeigen eine Vielfalt von störenden Symptomen. Dazu gehören unter anderem Phobien, Ängste, Depressionen und unangemessene Hyperaktivität. Die "innere Welt" des Borderliners ist wie die Welt eines Kindes in Gut und Bäse aufgeteilt. Dadurch kommt es häufig zu emotionalen "Überfällen". Diese haben jedoch meist nichts mehr mit der vorhandenen Situation zu tun.

Sucht und Essstörungen sind nicht selten schwer erkennbare Folgen dieser "Überfälle" und "Begleitsymptome" der BS. Dazu kommt häufig noch eine gewisse Gleichgültigkeit dem eigenen Ich gegenüber, was oft zur Selbstverletzung oder auch zur Selbsttötung führen kann.

 

Was ist eine Neurose?

Unter einer Neurose wurde früher eine psychische Störung verstanden, die sich durch übertriebene Ängste äußert und bei der von einer lebensgeschichtlichen - psychischen - Verursachung ausgegangen wurde. Sie wurde als Gegenstück zu der Psychose gesehen, bei der körperliche Ursachen vermutet wurden. Inzwischen wurde der Begriff aber zugunsten einer differenzierteren Aufteilung in verschieden Störungsgruppen aufgegeben - zum einen, um den verschiedenen unter "Neurosen" zusammengefassten Störungsbildern besser gerecht zu werden, zum anderen, weil sich die damit verbundenen theoretischen Annahmen (wie die der körperlichen Verursachung) nicht in dieser Form halten ließen. Was die Neurose von der Persönlichkeitsstörung unterscheidet, ist di Tatsache, dass der Betroffene im grossen und ganzen ein "normales" Leben führen kann. Die PS hingegen erstreckt sich auf so weite Bereiche des gefühlsmäßigen Erlebens und der Beziehungsstrukturen, dass sie den Betroffenen in seiner Gesamtheit deutlich beeinträchtigt.

 

Was ist eine Psychose?

Unter einer Psychose versteht man einen krankhaften Geisteszustamd, der durch Wahnerleben und eine veränderte Wahrnehmung der Realität geprägt ist. Dieser Zustand tritt am häufigsten bei der manischen Depression und bei der Schizophrenie auf. Auslöser dafür ist in beiden Fällen eine Fehlreaktion des Gehirns, basierend auf biochemischen Vorgängen. Dies ist allerdings eine Vermutung, weil sich beide Krankheiten mit Medikamenten in den Griff bekommen lassen. Ohne Medikamente tritt die Krankheit meistens wieder auf.

 

Die BS gehört zu den sogenannten "emotinal instabilen Persönlichkeitsstörungen"

Die Betroffenen neigen dazu, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuleben und leiden unter häufigen Stimmungsschwankungen. Ihre Fähigkeit vorauszuplanen ist gering und Ausbrüche intensiven Ärgers können zu explosivem, manchmal gewalttätigem Verhalten führen. Hinzu kommt, dass das eigene Selbstbild und Zielvorstellungen unklar und gestört sind. Ihre Neigung zu intensiven, aber unbeständigen Beziehungen, kann hin und wieder zu emotionalen Krisen mit selbstschädigenden Handlungen führen.

 

Welches sind die typischen Symptome?

Eine BS liegt vermutlich vor, wenn ein Mensch unter 5 fünf der folgenden neun Symptome leidet:

> Unbeständige und unangemessen intensive zwischenmenschliche Beziehungen

> Impulsivität bei potentiell selbstzerstörerischen Verhaltensweisen

> Starke Stimmungsschwankungen

> Häufige und unangemessene Wutausbrüche

> Selbstverletzungen und Suiziddrohungen/-versuche

> Fehlen eines klaren Ichidentitätsgefühls

> Chronische Gefühle von Leere und Langeweile

> Verzweifelte Bemühungen, die reale oder eingebildete Angst vorm Verlassenwerden zu vermeiden

> Streßabhängige paranoide Phantasien oder schwere dissoziative Symptome

 

Krankheitsverlauf

15% aller psychiatrisch stationär behandelten Patienten leiden am Borderline-Syndrom. Der überwiegende Teil sind Frauen. Dies liegt vermutlich daran, dass sexueller Missbrauch und körperliche Misshandlungen häufig bei Borderlinern mit eine Rolle spielen. Die Selbstmordrate liegt bei 8-9%. Häufig auftretende Probleme im Leben eines Borderliners sind: stürmische Partnerschaften, Alkohol- und Drogenmissbrauch, sexuelle Probleme und Probleme am Arbeitsplatz.

 

Ursachen

Als Ursachen einer BS kommen vor allem folgende Faktoren in Frage, wobei bei vielen Borderlinern auch mehrere Ursachen auslösend sein können:

> Entwicklungsstörungen in den ersten drei Lebensjahren (Borderliner lernen nicht, dass eine Person - vor allem die Mütter - gut und böse sein kann, sondern halten diese Züge eines Menschen voneinander getrennt)

> (sexueller) Missbrauch

> Emotionale Vernachlässigung

> Traumatische Erlebnisse

> Konflikte im Jugendalter

 

Therapie

Eine BS kann kaum direkt durch Medikamente behandelt werden. Jedoch werden je nach Intensität der Symptome Lithiumpräparate, Antidepressiva oder gering dosierte Neuroleptika gegeben.

Aus dem Gebiet der psychotherapeutischen Methoden kommen vor allem Verhaltens-, Sozial- und Gruppentherapien zum Einsatz. Ziel dieser Therapien ist ein schrittweises Erlernen von angemessenem Sozialverhalten als Ersatz für gestörtes Verhalten. Wichtig dabei sind die Konstanz hinsichtlich der Bezugspersonen und vorsichtige restrukturierende Maßnahmen im sozialen Umfeld.

Bei der Kommunikation mit Borderlinern hat die sogenannte SET-Kommunikation als hilfreich erwiesen.

 >Support (Unterstützung) - Empathy (Mitgefühl) - Truth (Wahrheit)