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Schrift

Schriftsysteme

Gegenstandsschrift

Erste und ursprünglichste Vorstufe zu eigentlichen Schrift, bei welcher Gegenstände verschiedenster Art zu Mitteilungszwecken oder Eigentumsbezeichnungen verwendet wurden:
- Kerbhölzer: in Holzscheite wurde die Anzahl geschuldeter Geldeinheiten eingekerbt und diese danach gespaltet, so dass sowohl der Gläubiger als auch der Schuldner eine Hälfte an sich nehmen konnten. Durch Aneinanderpassen konnten so jederzeit die beiden richtig zueinander passenden Teile erkannt werden ("Etwas auf dem Kerbholz tragen").

Kerbholz, 30.000 v. Chr.  

- Botenstäbe: Übermittlung bestimmter Bedeutungsinhalte mittels eingekerbter Stäbe
- Knotenschnüre: die Quipus der Inkas, ein Geflecht von Schnüren, dessen Farben, Art und Anzahl der Knoten Mitteilungen ergaben.
- Muschelgürtel: Wampum der nordamerikanischen Indianer, der durch die unterschiedliche Zusammenfügung und Farbe von Muschelteilchen Botschaften transportierte.
- Gegenstandsbriefe: Aroko westafrikanischer Eingeborenenstämme, bei welchem die Art, Anzahl und Lage der aufgereihten Muscheln Mitteilungen in sich bargen.
 

Bilderschrift
Eine wesentliche Weiterentwicklung der Schrift ist die Bilderschrift, bei der Sachverhalte durch Bilder übermittelt werden, ohne dass dabei eine Verbindung zu den Lauten der gesprochenen Sprache besteht:
- Piktographie: ein Bild (Piktogramm) versinnbildlicht den Gegenstand, den es auch darstellt. Höhlenbilder in Spanien und Südfrankreich, die aus der Jüngeren Altsteinzeit stammen und etwa 20.000 Jahre alt sind.
Felsmalerei in Lascaux, 13.000 v. Chr.
- Ideographie (Ideenschrift): das Bild (Ideogramm) stellt jetzt nicht nur den Gegenstand dar, sondern bezeichnet eine zusätzlich damit verbundene Idee oder Aussage. Bebilderte Erzählungen der Indianer und Eskimos, aber auch in Afrika und Ozeanien.


Wortschrift
Schriften, bei denen jeweils ein Bildzeichen für ein ganz bestimmtes Wort steht. Aus ökonomischen Gründen vereinfachte, stilisierte sich die äußere Form der Bildzeichen immer mehr und machte eine Phonetisierung notwendig. Die Zeichen entfernten sich immer mehr vom ursprünglichen Lautkomplex und wurden auch für ähnliche klingende, homonyme Lautfolgen verwendet; die Wortbildschrift entwickelte sich zu einer Wortlautschrift.
- Ägyptische Hieroglyphen:  Der Name Hieroglyphen stammt von den Griechen (‛ιερός = heilig, γλύφειν
= einmeißeln), die in den Bildzeichen die Weisheit der zauberkundigen ägyptischen Priester wähnten. Nach ägyptischem Mythos wurde die Erfindung der Schrift dem Gott Thot zugeschrieben, der als Gott der Schreibkunst, der Wissenschaft und des Mondes galt. Seine heiligen Tiere waren der Ibis und der Mantelpavian, seine Attribute die Schreibtafel und der Griffel.
 

Die um 2900 v. Chr. entstandenen ersten Hieroglyphen waren anfänglich eine reine Wortbildschrift, die vorrangig als Grabinschrift in Stein gemeißelt wurde. Ihre   variierende Schreibrichtung kann nur daran erkannt werden, dass alle Menschen- und Tierbildzeichen immer zum Zeilenanfang blicken. Die Schrift umfasst ca. 700 Zeichen, die sich in drei Arten unterscheiden:
         Wortzeichen: Darstellung des jeweiligen Dinges ohne Rücksicht auf die
                             Aussprache.
         Determinative: stumme Deutezeichen, die ohne ausgesprochen zu werden,
                             hinter gleich aussehende Bildzeichen gesetzt wurden, um
                             verschiedene Bedeutungen auszudrücken (
Hieroglyphe + 
                                    Determinative "Mann" = "Schreiber"
) 
         Wortlautzeichen: phonetische ein-, zwei- oder dreisilbige Zeichen für ähnlich
                             klingende Ausdrücke mit aber völlig andersartigem sachlichen
                             Begriff  (vgl. im Deutsche: Segen - sägen)
Eine Ausnahme in der Schreibung bildeten die Königsnamen, die nicht mit Wortbildzeichen festgehalten werden konnten, sondern aus einzelnen Wortlautzeichen zusammengesetzt wurden. Um sie gegenüber den Ideogrammen sichtbar abzugrenzen, wurden diese Zeichen mit einer Linie in Kartuschenform umfasst. Diese stilisierte Linienform einer sich in in den Schwanz beißenden Schlange versinnbildlicht das "Nie-Enden", die Ewigkeit, und den Schutz gegen das Böse. Mit Hilfe des 1799 während des napoleonischen Feldzuges gefundenen Steines von Rosette aus dem Jahre 196 v. Chr., der ein Dekret König Ptolomäus in altägyptischer Hieroglyphen-, in neuägyptischer demotischer sowie griechischer Schrift beinhaltete, gelang es 1822 dem Franzosen Jean Francois Champollion die Hieroglyphen endlich zu entziffern, indem er die von Kartuschen umrandeten Hieroglyphen mit den griechischen Buchstaben verglich.

   trilinquider Stein von Rosette                                                                                                                  Ptolemaio

Im Laufe der Jahrtausende hat sich der Duktus der Zeichen von den in Stein gemeißelten, bildhaften Hieroglyphen über die auf Papyrus geschriebene hieratische
(‛ιερός = heilig) Buchschrift der Priester bis hin zur stark abgekürzten, stenographieähnlichen Schrift des täglichen Lebens, der demotischen Schrift (θήμος = Volk) verändert.
 
                    Hieroglyphen                                                    Hieratisch                                                     Demotisch    
  
 
- Keilschrift: Wortbildschrift der Sumerer um ca. 3500 v. Chr. in Mesapotamien, dem Zwischenstromland zwischen Euphrat und Tigris. Die ursprünglich mit dem Meißel in Stein gehauenen Zeichen wurden mit dem semitischen Eindringen der aus der syrischen Wüste kommenden Akkader (Babylonier) um 2500 v. Chr. durch mit einem Griffel in Tontafeln gedrückte Keilschriftformen ersetzt. Die typischen Keilformen entstanden durch den schräg zur Schreibfläche gehaltenen Griffel. Nach dem Eindrücken der Zeichen in den weichen Ton wurden die Tontafeln gebrannt.
Tontäfelchen mit Griffeln

Die Schrift, die ursprünglich 300 Zeichen kannte, wurde von oben nach unten geschrieben und unterschied zwischen Wortzeichen, Determinativen und Lautzeichen.
Im Laufe der Jahrtausende veränderte die Schrift stark ihr Aussehen: beginnend von den sumerischen Ideogrammen über die akkadischen und babylonischen Zeichen bis hin zur assyrischen Keilschrift.
 
                   Sumerisch                                     Akkadisch                                                               Babylonisch

                                                    
- Chinesische Schrift: Die um 2650 v. Chr. angeblich von Thsan-ke, dem Minister des gelben Kaisers, entwickelte Wortschrift wird auch heuet noch, nur formal verändert, verwendet. Nach wie vor reiht die chinesische Sprache Wort an Wort und kennt keine Abwandlung, so dass lediglich die Satzstellung erkennen lässt, um welche Wortart es sich handelt. Ursprünglich wurde mit einem Holzstylus auf Bambusstäbchen oder Holztäfelchen geschrieben, später mit einer Rohrfeder auf Seide und schließlich seit dem 2. Jh. n. Chr. mit einem Haarpinsel auf Papier.
Palmblattbuch     
                   
Die anfänglich Anzahl von 540 Bildzeichen beträgt heute ca. 60000, wobei allerdings für das Alltagsleben ca. 2000 Zeichen ausreichend sind.

Für das veränderte Aussehen der chinesischen Schriftzeichen von den alten Bildzeichen bis zu den heutigen abstrakten Zeichen sind die verschiedenen Schreibgeräte und Beschreibstoffe, aber auch die Erfindung des Bücherdrucks mittels Holztafeln um 500 n. Chr. verantwortlich.

   Orakelknochen, 2000 v. Chr.          Alte Schrift Ku-wen                 Siegelschrift, 800 v. Chr.                  Grasschrift, 650 n. Chr.

- Silbenschrift:
                    Indische Schrift (Devangari)
                    Japanische Schrift (Katakana)


- Buchstabenschrift:

                    Phönikische Konsonantenschrift
 



Schriftformen (Schriftarten, Fonts)


- Alt-Griechisch: 800 v. (Griechisch)
  

- Capitalis romana: 1. Jahrhundert n. (Römisch)
kapitale     

- Uncialis: 200 (Frühchristentum)
        

- Karolingische Minuskel:  800 (Romanik)
  

- Textura: 1200 (Gotik)
     


- Humanistische Kursive: 1450 (Renaissance)
       


- Schwabacher: 1472
   


- Fraktur:  1517 (Barock)
Glasværk  

- Klassizistische Antiqua: 1790 (Klassizismus)
  Klassizistische Antiqua

- Egyptienne: 1815
 

- Italienne: 1821
  

- Grotesk (Blockschrift): 1832 (Bauhaus)
  

- Deutsche Schreibschrift (Kurrent): 1915
 

- Lateinische Schreibschrift: 1941
 
  

DIN-Klassifizierung (DIN 16518)
Gruppe I:    Venezianische Renaissance-Antiqua
Gruppe II:
   Französische Renaissance-Antiqua
Gruppe III:
 
Barock-Antiqua
Gruppe IV:
 
  Klassizistische Antiqua
Gruppe V:
  
  Serifenbetonte Linear-Antiqua
Gruppe VI:
  
Serifenlose Linear-Antiqua
Gruppe VII:
 
Antiqua-Varianten
Gruppe VIII:
Schreibschriften
Gruppe IX:
 
  Handschriftliche Antiqua
Gruppe X:
  
Gebrochene Schriften
Gruppe XI:
  
Fremde Schriften

Schriftmischen
Möglichst nicht mehr als zwei Schriftcharaktere mischen !

Gotische
für Renaissance Antiqua
Egyptienne
für Vorklassizistische Antiqua
Schreibschrift
für Renaissance Antiqua
Renaissance Antiqua
nicht mit Klassizistischer Antiqua
Antiqua
nicht für Grotesk
Geschriebene
nicht zu Statischer