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IHR FRÜHLING
Ihre Frühlingsgefühle waren alltäglicher Natur. Sie entdeckte den Staub in den Regalen, der sich über den Winter im Haus, und den Speck, der sich in ihren Hüften eingemietet hatte. Da sie ihre Arbeit als Krankenschwester wegen ihm und den Kindern aufgegeben hatte, sah sie ihre Aufgabe darin, den Staub für die Kinder, und den Speck für ihn zu beseitigen. Pflichtbewußt ging sie ihrer Arbeit nach, sorgte sich aus Gewohnheit oder aus Verlangen nach der Gewohnheit. Abends, wenn die Kinder schon schliefen, und er noch nicht heimgekehrt war, kniete sie über der Toilette, blickte auf ihre tauben Hände, und ließ sich zur Ader. Kam er im ersten Morgengrauen heim, roch sie die Ausdünstungen des Maies in seinem Haar, schmeckte den Blütenstaub fremder Schösse in seinem Kuß. Das war ihr Frühling.
REBECCA HUFEN
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Wenn mir gestern einer gesagt hätte: Du, es ist Frühling! dann hätte ich ihm gestern gesagt: Ja und?
WILLHELM
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Heute morgen habe ich ihn gesehen. Frisch aufgeworfen hatte er sein Hügelchen, er hatte wohl nicht mit mir gerechnet. Streckt seine spitze Schnauze an die frische Morgenluft und versucht Witterung aufzunehmen. Aber er wittert in die falsche Richtung. Der Wind ist mit mir. Er bemerkt mich nicht. Jahrelang quält er mich. Jedes Frühjahr die Ungewissheit, die dann zur Gewissheit wird. Er hat wieder die meisten erwischt. Sie haben ihm wohl geschmeckt. Eins-A Ware aus Holland, Spitzenqualität, nicht billig. Zwiebeln allererster Wahl. Und er hat sie gefressen. Ich hebe die Schaufel, langsam. ich konzentriere mich. Ich vollziehe die Tat im Geiste vor. Es muß mir gelingen. - Ich schlage zu. -Nächstes Jahr werde ich mit der lang ersehnten Blütenpracht belohnt werden.
HERR MEIER
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frühling lass es flattern dein buntes band der sympathie
ich bin leider farbenblind
M C
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Die Tage warm, die Nächte lau, der Eber treibt's mit einer Sau. Es legt Herr Maulwurf, frühlingswach, Frau Maulwurf auf dem Hügel flach.
Die Stute kennt den Hengst nicht wieder! Noch gestern war er brav und bieder, Doch kommt er heute, frühlingsmunter, fast nicht mehr von der Dame runter.
Der Kater fängt sich eine Ratte, kriegt dabei eine Frühlingslatte. Bevor ihr Leben er beendet, hat er sie nochmal kurz geschändet.
Aus Nachbarn Meiers Schlafgemach hört man Gestöhne, "Oooh" und "Aaach", Sie feuert ihren Gatten an: "Lass jucken - es ist Frühling, Mann!"
Der Pfarrer und sein Ministrant geh'n heuer häufig Hand in Hand gemeinsam in die Sakristei zu einer Frühlingsferkelei.
Auch meine Frau hat's Frühlingsfieber! Sprach gestern: "Hör mal zu, mein Lieber, gehab dich wohl! Ich zieh hier aus!" Das tat sie auch, wohnt jetzt bei Klaus.
Hey, Frühling! Und auch ihr: Gefühle! Dass ich mein Bett allein zerwühle Verdank' ich euch und eurem Treiben! Haut ab! Könnt' mir gestohlen bleiben!
HARRY
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Frühlingsgefühl
Wenn Frühling ist und sich alle Vögel auf Nahrungsuche befinden, aus Büschen und Häusernischen - eigentlich allerorten - der hungrige Schrei gierig aufgesperrter Rachen zu vernehmen ist, sitzt sie oft daheim und schaut aus dem Fenster. Selten gibt es dort mehr zu entdecken, als blühende Obstbäume, hohe Grashalme die sich im Wind neigen, weite Weizen- und Rapsfelder, die ein unregelmäßiges Schachbrett aus Gelb und Grün bilden, der einzige Nachbar an der Biotonne oder Unkraut jätend. Einmal in all den Jahren sah sie einen Polizeiwagen, zweimal einen Heißluftballon und ab und zu rollt quietschend eine Kutsche, von zwei Haflingern gezogen, vorbei. Heute geschieht nichts dergleichen. Sie beschließt hinauszugehen und schlüpft in ein Kleid mit weitem Glockenrock, Smokoberteil und Puffärmeln, über und über mit Streublümchen bedruckt, setzt einen Strohhut auf und schlüpft in ihre weißen Turnschuhe. In den Spiegel schaut sie nicht, sie weiß wohl, dass ihr die gewählte Bekleidung nicht steht - und lange braune Locken hat sie auch nicht. Bevor sie das Haus verlässt, späht sie zur Tür hinaus, huscht flink ums Haus herum und läuft in das kleine Wäldchen. Dort am Bach sitzt sie, taucht ihre bloßen Füße und ihre Hände hinein. Läßt die Wellen an ihren Beinen vorbeikräuseln und zwischen ihren Fingern davonfließen. Leise singt sie Frühlingslieder bis es abend wird.
ZORA
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