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    1. Akt
    1. Szene
    Unbestimmte Tageszeit, Kunstlicht, schlampiges Uniambiente
    Professor Faust, unordentlich gekleidet, ungepflegter Bart + Bauch, vor dem PC
    - Bildschirm. Faust, ein Informatik - und Kommunikationswissenschaftler,
    beklagt larmoyant, daß das wirkliche Leben an ihm vorbeiläuft. Er kann seine
    theoretische Beschlagenheit in Kommunikationsfragen nicht anwenden und
    umsetzen. Er hat keine Freunde, seine Buddies im Netz bleiben anonym, und
    Beziehungen zu Frauen hat er auch nicht.
    Ein fesches weibliches Erstsemester - knallenge Jeans, nabelfreies Top usw. -
    kommt in sein Büro und will eine Studienberatung. Faust ist fahrig und
    unkonzentriert. Er rät der Studentin, sich nicht jahrelang hinter Bildschirmen
    zu verstecken und etwas möglichst Konkretes zu studieren, z. B. Philosophie
    oder Theologie. Studentin verwirrt ab.
    Faust führt Selbstgespräche, ruft am PC Websides zur Partnerschaftssuche auf.
    Er verspricht dem Teufel seine Seele für eine Frau.

    2. Szene
    Anzeigenannahme einer Tageszeitung
    Faust, unsicher und verlegen, steuert auf den als attraktive Inserate -
    Beraterin getarnten Mephistopheles zu. Fausts Inserat hat den Text: "
    Akademiker, 48, 170, 90, NR, NT, gesichertes Einkommen (Beamter), schönes
    Heim, sucht treue Partnerin zwecks Heirat. Alter und Aussehen egal. Jede
    Zuschrift wird beantwortet."
    Mephisto klärt Faust über die Mängel des Texts auf und überredet ihn zur
    folgenden Änderung :" Jung, schön, elitär und reich, warmherzig, einfühlsam
    liebevoll und treu, sucht kongeniale Partnerin. Bildzuschriften erbeten
    unter..." Faust hoffnungsfroh ab.
    Mephistopheles malt sich hämisch aus, welche Katastrophen auf den unbedarften
    Faust warten und wie sehr ihm, dem lebens- und weltfremden Beziehungsforscher,
    das oberflächliche Geschöpf, das auf diese blöde Anzeige anspringt, bald auf
    die Nerven gehen wird.

    2. Akt
    1. Szene
    Nobelitaliener, das übliche Szenevolk. Mephistopheles als hochmütiger Kellner.
    Faust, in Designerklamotten albern auf jugendlich getrimmt, allein am Tisch.
    Gretchen, blond, süß, naiv, kommt herein. Mephisto führt sie höflich an den
    Tisch. Nervosität und Peinlichkeiten auf beiden Seiten. Der Kellner (M.), der
    alle anderen Gäste von oben herab, beinahe unverschämt behandelt, redet Faust
    mit "Dottore " an  und ist ihm gegenüber servil und beflissen. Gretchen ist
    beeindruckt, sieht in Faust den internationalen Wissenschaftsstar. Faust ist
    vom ungewohnten Prosecco, Pinot Grigio und von den Parfumwolken völlig
    benebelt, außerdem versteht er im Lärm kein Wort von dem Unsinn, den Gretchen
    redet.
    Faust und Gretchen verlieben sich ineinander.

    2.Szene
    Schlafzimmer in der Art des Venusbergs
    Faust und Gretchen im Bett paaren sich fröhlich und ausdauernd, aber mit
    stupider Monotonie. Sie stöhnen unablässig, reden aber nix.
    Ein Chor marschiert auf die Bühne: Paarweise erscheinen Gilbert und George,
    Karl Valentin und Lisl Karstadt, Franz - Joseph Strauß und Karl Schiller, Pat
    und Patochon, Susi und Strolch, Dali und Gala, die Dui Baccara und Modern
    Talking, Ariel und Clementine usw.
    Sie besingen in sumseligen Goetheesken Versen die Geschichte und das stetig
    wachsende Glück der Liebenden. Zu Spärenklängen verwandeln sich diese in
    lebendige, auf- und ineinander zappelnde Plasikpuppen: Es sind Jeff Koons und
    Ilona Staller. Beim finalen Orgasmus materialisiert sich Mephistopheles
    schwebend als dämonisch lachende Ektoplasma - Erscheinung. Dann verpufft er zu
    einem goldrosa leuchtenden riesigen Heiligenschein. In seinem Schimmer liegen
    die seelig Ermatteten schlummernd auf zerwühltem Pfühle.

    3. Akt
    Bürgerliches Wohnzimmer. Der Fernseher läuft. In der Ecke ein PC.
    Faust und Grete, korrekt gekleidet, bei alltäglichen Verrichtungen. Kein
    Dialog.
    Mephisto als Nachrichtensprecher liest ungerührt Katastrophenmeldungen,
    anschließend Unterhaltungssendung/Talkshow: Partnerschaft in der Krise.
    Experten und Beispiele, live; der übliche Seelenstriptease, angerichtet und
    ausgeschlachtet von einem schleimigen Moderator (M. at his best!).
    Faust geht an den PC, beginnt geistesabwesend zu häckern. Grete liest Zeitung,
    reißt eine Seite raus. Verstohlen liest sie:" Akademiker, 48, 170, 90, NR, NT,
    gesichertes Einkommen (Beamter)...."
    Sie zieht eine Kostümjacke an und verläßt das Zimmer. Faust bleibt allein vor
    dem Bildschirm sitzen.
    Vorhang

    SfdaLyra


     

    Wenn man JUNG und SCHÖN ist, fühlt man sich - eine gewisse, mit der Schönheit
    möglicherweise genetisch gekoppelte Arroganz vorausgesetzt - meistens auch ein
    wenig ELITÄR. Ein solches Gefühl kann ein Leben natürlich abrUNDen, es
    beREICHern, und ein verschwenderischer Umgang mit dem, was dann häufig als
    WARMHERZIGkeit gedeutet wird, dürfte für so EINen Menschen kein allzu großes
    Problem darstellen.
    FÜHLt man sich jedoch weniger auserwählt, wird man auch schon in jungen Jahren
    sehr schnell einSAM. LIEBE ist dann nur eine Floskel - man redet vielleicht
    darüber, wenn man an der Theke steht und sich VOLLaufen läßt, was natürlich
    nicht gesUND ist, aber geTREU dem Motto: Jeder Mensch hat irgend eine SUCHT,
    KOmpensiert maN auf diese Weise zumindest den ganz großen Weltschmerz.
    Mit teilweise GENIALEN Selbstbetrügereien übernimmt man den PART des
    abgedrehten Einzelgängers, der schon mal einen Blick hinter die Fassaden der
    schönen heilen Welt riskiert hat. Man belügt sich natürlich selbst, wenn man
    sich auf diese Weise als GewinNER ausgibt, aber wen juckt das schon?
    Man BILDet sich ZUdem auch noch ein, sich in intellektuellen SCHRIFTEN
    auszukennen, ERwartet dann teilweise sogar, daß einen die vermeintlichen
    Jünger, die man in der Kneipe um sich geschart hat, anBETEN, aber früher oder
    später geht so ein Leben zwangsläufig den Bach rUNTER...

    Ich weiß nicht genau, wie man Wörter in den Forumsbeiträgen fett schreiben
    kann (ich weiß nur, daß es geht), aber vielleicht kriegst Du's ja hin, damit's
    auch wirklich deutlich wird.

    Mark