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Es war einmal ....
Stein und Wolke oder Sommer in Island
Es war einmal ein hohen Berg, auf dessen Gipfel sitzt ein Stein. Es ist ein sehr stolzer Stein, denn er ist der groesste in der Gegend und sitzt auf dem hoechsten Gipfel. Und da sitzt er schon lange, sehr lange. So ewige Zeiten schon, dass er sich selber nicht mehr erinnern kann, wie es begann. Er ist sehr weise, denkt er, denn seit Jahrtausenden beobachtet er alles um sich herum und ihn trifft jeden Abend der letzte Sonnenstrahl. Heute morgen kam eine kleine Wolke an seinem Berg vorbeigetrieben und machte Rast am Gipfel.Hochmuetig schaute der Stein sie an und sprach: "Was bist du doch bemitleidenswert, Wolke, du wirst hin und her getrieben vom Wind, ohne dich wehren zu koennen, ohne Halt, und wenn der Wind dich nicht verweht, so wird dich die Sonne mit ihren gluehenden Strahlen bald in nichts aufloesen. Sie dagegen mich an, ich sitze hier seit Ewigkeiten, und weder Sonne noch Wind koennen mir etwas anhaben. Und ich sehe alles was um mich herum geschieht. Du bist sehr armselig, Wolke!" "Aber nein, ich bedaure dich, Stein, musst du doch schon seit aller Zeit hier sitzen und stets auf das selbe blicken. Ich aber habe noch gestern abend die Sonne im Ozean versinken sehen, zugeschaut wie das Sternenlicht mit der glitzernden Gischt spielte und wie der Mond die ganze Kueste in Silber verwandelte." Und waehrend die Wolke langsam von dannen getrieben wurde in der brennenden Sonne, fragte sich der Stein, was denn ein Ozean wohl fuer ein unbedeutendes Ding sei.
BIAS
Es war einmal eine Prinzessin, die lebte in einem Käfig aus Regeln. Der hatte keine Tür, aber das war auch nicht nötig, denn die Macht der Gewohnheit hielt ihn fest verschlossen und außerdem hatte der Prinz die Prinzessin überredet, sich häßlich zu kleiden und zu frisieren, so daß auch keinen anderen Prinzen die Lust ankam, sie zu befreien. Eines Tages lud eine Nachbarprinzessin das Prinzenpaar zu einem Fest. Der Prinz aber war zu faul. Da die Prinzessin ihre Freundin lange nicht gesehen hatte, beschloß sie allein zu gehen. Das war ungeheuerlich, aber schließlich gab es keine Käfigtür. Abend rief die Prinzessin den Prinzen an, und bat ihn, sie abzuholen. Der Prinz entgegnete barsch:" Weißt du wie spät es ist? (21.30) Außerdem hab ich eine Pizza im Ofen!" Die Prinzessin bestieg eine Mietdroschke, ließ sich mit dem Kutscher auf ein unziemlich vertrauliches Gespräch ein, und entlohnte ihn am Ende der Heimfahrt königlich aus der gemeinsamen Börse. Der Ausspruch des Prinzen aber wurde später zu einem geflügelten Wort in der Familie der Prinzessin: "Geht nicht, hab gerade eine Pizza im Ofen!" Durch diesen Vorfall ermutigt, schließlich war ihr der Himmel nicht auf den Kopf gefallen, bezog die Prinzessin bald darauf ihr eigenes kleines Schloß. Im gleichen Tempo wie ihr Haar wuchs, befreite sie sich von überflüssigen Regeln, und als es endlich völlig regelwidrig auf ihre Schultern fiel, begegnete ihr ein netter Bürgerlicher. In mondhellen Nächten kann man die beiden manchmal eisessend auf Parkbänken sitzen sehen. Manchmal besucht die Prinzessin sogar eine Kneipe. Dort läßt sie sich ihr Bier mit Diätfanta versetzen. Das widerspricht jeder dort herrschenden Getränkeettikette, und wahrscheinlich schmeckt es ihr deshalb besonders gut. Und wenn sie nicht gestorben ist, bricht sie heute noch jede überflüssige Regel.
ULRIKE
Das Märchen vom Schreiberling
Es war einmal ein armer kleiner Schreiberling, der lebte in einer großen Stadt mit vielen schönen Industrieruinen, wunderbarem Bier und einem phantastischen Fußballstadion. Schon als zarter Knabe, noch jung an Lenzen, träumte er vom Nobelpreis und von der großen weiten Welt der Dichtkunst. Dies jedoch blieb ihm verwehrt, denn schließlich war er nur ein armer kleiner Schreiberling, den niemand kannte, und so schrieb er seine Geschichten, aß sein kärglich Brot und träumte weiter. Eines Tages aber, in einer kalten Dezembernacht, saß er in seinem finsteren Dachkämmerlein vor dem PC und entdeckte dort einen Ort, der wie für ihn geschaffen zu sein schien. Es war ein Café, in welchem sich seine Brüder und Schwestern im Geiste trafen; - ein Hort des geschrieben Wortes, der schönen Künste und der Gelehrsamkeit. Potztausend! dachte da unser armer Schreiberling, sollte auch mir das Glück einmal hold sein? Und ohne lange zu überlegen verließ er sein Dachkämmerlein und zog in die virtuelle Fremde um tüchtig mitzumischen. Kaum angekommen, kam er aus dem Staunen nicht mehr heraus. Was gab es dort nicht alles zu entdecken! Muntere Gestalten bildeten einen bunten Reigen. Ein ChamäLeon gab es dort, das ständig seine Farben wechselte und mit dem arglosen Volke seine derben Späße trieb. Ein Gasthaus gar mit einem der Poesie zugetanen Wirte und einer dichtenden und über alle Maßen trinkfesten Putzfrau. Knochenharte Deutschlehrerinnen fand er vor, blondgelockte Minnesänger, eine Zora, so rot wie ein Granatapfel, ein Geister- und ein Dornröschenschloß und gar manche andere Absonderlichkeit. Von so großer Freude ward da unser Schreiberling erfüllt, daß ihm das Herz im Leibe lachte. Viele Wochen und Monate zogen ins Land - Freunde gingen, neue Freunde kamen, aber unser Schreiberling blieb und betrachtete alles mit großem Wohlgefallen. Es wurde Sommer, und er überließ gar manchen Golddukaten dem bösen Drachen Telekom, um sich sein digitales Glück zu erkaufen. Doch eines Tages meldete sich ein anderer Drache. Er hieß Heike, war eigentlich eine Prinzessin aber manchmal auch ein gar zänkisch Weib, das unser Schreiberling dereinst in einem unachtsamen Moment gefreit hatte (ja ja, lies das ruhig, hihihi). Sie hieß ihn einen Internet-Junkie und einen Ignoranten, und irgendwie hatte sie ja auch recht. Da unser Schreiberling von Natur aus ein sanftmütiges Wesen war, machte er sich jener Heike zuliebe also vom virtuellen Acker, widmete sich von nun an wieder seiner eigentlichen Bestimmung als Drachenbändiger und träumte weiter vom Nobelpreis. Doch wenn ihm nicht das Modem explodiert oder der Bildschirm um die Ohren fliegt, wird er eines Tages wieder auf der Matte stehen und euch alle unter den Tisch saufen.
MARK
Es mag siebenhundert Jahre oder länger her sein, als der letzte Drache im Odenwald getötet wurde und seitdem ging es mit dem Fremdenverkehr und der Gastronomie ständig bergab. Aber wenn man früh aufsteht und nicht zu laut ist, kann man im morgendlichen Dämmer auf einsamen Lichtungen wieder eine interessante Spezies riesiger Tiere beobachten und die einheimischen Wirte fangen schon zaghaft an, ihre Fremdenzimmer zu renovieren und verhandeln wegen günstiger Kredite. Denn nach dem letzten Drachenmord und den schwedischen Kriegern, wie man hier sagt, lag viele Jahre Armut und Abgeschiedenheit über den engen Tälern, das Vieh war an rätselhaften Krankheiten gestorben und man wußte die Kinder nicht mehr zu ernähren, viele wurden nach Amerika verkauft. Doch ein guter Graf, der häufig in Afrika zur Jagd war, wurde von dem Leid seiner Untertanen so ergriffen, daß er mehrere Elefanten in den Odenwald bringen ließ und die armen Leute, die bisher als Tagelöhner und Pfeifenschnitzer ihr karges Brot verdienten, lehrte, wie sich aus Elfenbein herrlicher Schmuck herstellen ließ. Die Odenwälder waren gelehrige Schüler und die Kaufleute, die sich hin und wieder noch hierher verirrten, taten ein übriges und machten das Elfenbein und den Odenwald weithin berühmt. Erstaunlicherweise waren die Elefanten dem odenwälder Winter gewachsen und man kann sie heute fast als endemisch betrachten. Sie leben frei und ihr genauer Bestand ist nicht bekannt. Sie gelten als ungefährlich, wenn sie nicht gereizt werden. Sie stehen unter strengem Naturschutz und man kann sie nicht einmal in Reiseführern finden.
BIGVOGEL
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