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GARTENZWERG


    „Glaube mir, er ist der Quasimodo unserer Hochkultur!" Großvater zog triumphierend den Schleim in der Nase hoch; damit hatte er keine Probleme. „Versteckt er nicht seinen Buckel hinter der gedrungenen Gestalt und humpelt mit seinem geschickt getarnten Pferdefuß durch die blühenden Landschaften, nachts, enn keiner sieht, daß er laufen kann?" Großvater schob einen unanständigen Rülpser nach. „Er läutet die Hinrichtung jeglicher Kultur ein, dieser Glöckner! Er schleicht sich unbemerkt in prachtvolle Gärten und erobert, hat er einmal Fuß gefaßt, das angrenzende Terrain in partisanenhafter Manier. Steht da, als könne er sich nicht bewegen!" Großvater nahm seine Pfeife vom Tisch und klopfte sie aus. „Er ist ein IM, der unbemerkt und unverdächtigt sein Unwesen treibt. Wer kommt schon auf die Idee, hinter ihm DIE Weltverschwörung zu suchen? Aber, so ist es! Steigt nicht aus seiner Pfeife schwefelgelb der Rauch auf? Hast du sie nicht gesehen die Freimaurerkelle in seiner Hand, getarnt als allerlei Gartengerät? Leuchtet er nicht mit seiner Laterne in der Hand die letzten Schlupfwinkel unserer Kultur aus? Zerrt er nicht alles ans Licht, was besser verborgen bliebe?" Großvater kratzte sich ungeniert zwischen den Beinen. „Wem gräbt er denn mit seiner Schaufel das Grab, wessen Grab glättet er bis zur Unkenntlichkeit mit seiner Harke? Wen hat er denn an seiner Angel, die er in die Teiche hält?" Großvater schnippte mit den Fingern Tabakreste vom Tisch. „Und mit dem Besen in der Hand, wohin schiebt er den Dreck, den er selbst aufgewirbelt hat?!
    Angestrengt hatte es ihn. Er nahm seine Zipfelmütze ab, wischte sich den Schweiß von der Stirn, der auf seine rote Knollennase getropft war, stopfte sich sein Pfeifchen neu, bevor er die Flamme seiner Laterne etwas höher drehte.

    WILLHELM


    Gartenzwerg I: der Grundgute.

    "Das ist aber eine nette Kerlchen."
    Sie hatte ihn nicht kommen hören und drehte sich verblüfft um. Was sie da sah gefiel ihr. Ein warmes Gesicht, das sich lächelnd über ihren Gartenzaun beugte, trotz der Sommerhitze in einen verknitterten Anzug gekleidet. An den Aufschlägen seiner Hose klebten noch Reste von kurzgeschnittenem Gras, als habe er eben seinen Rasen gemäht. Ob er neu war? Oder arbeitete er hier nur?  Sie erhob sich und wischte unbeholfen die erdigen Hände an ihrer Schürze ab.
    "Danke." Ihr Lächeln war  ungewohnt in ihrem Gesicht.
    "Hat er auch eine Namen?"
    Sie schüttelte den Kopf.
    "Ich gebe Meine immer Namen. Warten sie. Mikail?"
    "Ich hab´ ihn erst gestern gekauft." Sie schwiegen, und das fand sie schade. "Er kriegt noch Einen. Einen Namen meine ich. Aber Michel ist schon der mit der Schubkarre."
    "Ein Pech." Aber er lachte. "Ich finde, er sieht aus genau wie eine Mischa."
    Ihr fiel nichts mehr zu sagen ein. Aber es schien ihm nichts auszumachen, er lehnte weiterhin in der Hitze an ihrem Zaun und sah beständig und freundlich aus. Es tat ihr gut. Es gab nicht viele freundliche Menschen in ihrem Leben seit Manfreds Tod.
    "Ich weiss noch nicht, wo ich ihn hinstellen soll." bot sie leise an.
    "Oh, aber er steht da doch ganz wundervoll. Finde ich."
    Sie warf einen Blick zurück.
    "Na ja, im Augenblick Aber wissen Sie, die Primeln sind fast verblüht, und später sollen Tagetes in das Beet, die stehen schon hinter dem Haus." Sie schluckte, plötzlich nervös. Sie hatte ihm nicht widersprechen wollen. "Das würde sich dann beissen, farblich meine ich. Er hat so einen Rosa-Stich im Gesicht, und Tagetes sind eben orange.. Ich meine, das... "Eine leichte Röte kroch über ihren Nacken nach oben.  "Vielleicht haben sie Recht."
    "Nein. Nein, das habbe ich nicht gewusst. Mit Tagetes geht das nicht. Sonnenblumen waren schön, finden Sie nicht? Aber dann kann man die Auge nicht sehen, das ware traurig. Sie schauen so....verschmirzt? aus."
    Ein Sonnenblumenfeld. Sie sah ihn an, und dann den Zwerg. Er hatte Recht, es waren die Augen. Diese lebendigen, fröhlichen Augen, die sie gleich in ihren Bann gezogen hatten, die sie bewogen hatten, ihn sofort zu kaufen, obwohl sie eigentlich mit der Rente kaum hinkam. Vorher war es ihr nicht bewusst gewesen. Und Sonnenblumen. Eigentlich mochte sie grosse Blumen nicht. Aber der Gedanke. Sonnenblumen. Gross und gelb, so gross, dass man darin verschwinden könnte.
    Hitze überspülte sie wie eine Welle. Und ohne an ihre erdverschmutzten Knie zu denken, und bevor sie sich über ihre Dreistigkeit wundern konnte, fragte sie:
    "Wollen Sie nicht einen Moment hereinkommen und eine Limonade mit mir trinken? Es ist so heiss hier in der Sonne."

    IT


    Vorschlag A:

    Der Gartenzwerg der Gartenzwerg
    der geht nur in der Nacht ans Werk
    er baggert lautlos baggert schnell
    und wenn er fertig ist, ist`s  hell

    Des Gartenzwerges holder Garten
    kennt kein "auf den Frühling warten"
    schon winden sich im Winter leise
    die Ranken hübsch auf ihre Weise

    Der Gartenzwerg, der Gartenzwerg
    der schaufelt aus Kompost  `nen Berg
    und faulig Wärme steigt gen Himmel
    und in der Tiefe mehrt sich Schimmel.

    Am Tage, ja da sieht man`s Zwergel
    ganz unbeweglich steh`n
    auf einem Hügel feuten Mergel
    und sanfte Gartenbrisen weh`n.
     

    Vorschlag B Limmerick

    Ich kannte mal einen Gartenzwerg
    der ging nur im Nebel und nachts ans Werk
    er buddelte Schächte
    und gar nicht mal schlechte
    doch stolpernd fiel er über`n sandigen Berg

    Vorschlag C

    Eine Träne fiel auf das Rosenbeet. Ok, es war keine Träne, nur ein Regentropfen, der ihm von der Gipsmütze gefallen war. aber sie war genau an seiner Stirn herabgelaufen, hatte sein Auge gestreift und versickerte nun in der dunklen Erde. Seine Hand war erhoben und seine Finger umklammerten einen grünen Rechen. Er hatte noch nie damit gearbeitet, noch niemals die Hand gesenkt. Er hätte auf den Hund schlagen können, der ihn gestern einfach so angepißt hatte. Einfach so! Frechheit. Die gelbe Flüssigkeit war ihm an der Seite heruntergelaufen und es hätte bestimmt gestunken, wenn er hätte riechen können. Der Regen tat gut, so als wenn er ihn reinwaschen würde. Schuld - da war sie wieder, stumme Begleiterin seiner Tage. Er hatte Morle getötet. Sein Rechen war in sie gedrungen - durch sie hindurch, auf der anderen Seite wieder heraus. Sie fauchte so lange, bis das pulsieren des Blutes aufhörte und sich die Rippen unter ihrem Fell nicht mehr hoben noch senkten. Frau Antpöhler war aus dem Haus gelaufen und hatte geschrien: "Morle Morle!!!" doch geändert hatte es nichts. Die Katze war mausetot. Er war ein Mörder. Der Mörder-gartenzwerg aus der Sauerlandstraße Nr.36. Frau Antpöhler hatte seinen Rechen nicht aus Morle rausziehen können. Da musste Jochen von nebenan kommen. Jochen spritze ihn samt Rechen mit dem Gartenschlauch ab und flüsterte ihm zu: " Klasse Zwerg, das Viech wollte ich auch schon längst ersäufen." Er hatte sich zum Komplizen Jochen`s gemacht.
    Gut, Morle HATTE ab und an des nachts vor Jochens Fenster miaut, als ob man Baldrian auf seine Fensterbank geschüttet hatte. aber das war kein Grund.Morle HATTE den Gartenzwerg des öfteren bedroht indem sie sich die Bartstoppeln an seinem Rechen rieb aber war das ein Grund sich nach vorne fallen zu lassen und die Katze zu töten?

    ESMERALDA


    Der Schlüssel im Schloss. Er kam nach Hause. Sie legte ihr Buch beiseite,  stand auf, fuhr mit den Händen über den Rock, nahm die Gießkanne zur  Hand und wartete blumenwässernd auf seine Begrüßung. Die Pflanzen standen vor der großen Glasfront, durch die man auf den Garten sehen konnte. Ein kleines Rechteck eigenes Grün, mit exakt gezirkelten Beeten, umgeben von einer schulterhohen Hecke, einsehbar von Nachbarn die sie nicht mochte.

    Was machte er so lange im Flur? Sollte sie ihm entgegengehen? Nein. Sie blickte auf die Töpfe. Zuviel gegossen. Sie stellte die Kanne ab und drehte sich um. Ihr Blick glitt über die Ledergarnitur in schwarz und den Schrank, Eiche hell. Alles sehr gepflegt - konnte sie mit sich zufrieden sein?

    „Hallo, mein Liebling. Hier bin ich. Guten Abend." „Schön, daß Du zu Hause bist. Wie war Dein Tag?" „Naja, es geht. Sieh‘ mal, was ich mitgebracht habe." Er hob ein in braunes Packpapier gewickeltes Ding hoch, ihr vor die Nase und grinste sie an, wie ein kleiner Junge, der eine besonders scheußliche Kröte gefangen hatte. „Was ist es? Zeig‘ her!" Behutsam entfernte er das Papier ... etwas rotes lugte hervor: es war ... ein Gartenzwerg.

    Sie schnappte nach Luft, hielt den Atem, das Lächeln fror fest. Ihr Blick wanderte hoch zu seinem Gesicht. Er grinste immer noch. „Was meinst Du? Wo stellen wir ihn hin? Neben das Petunienbeet?" „Ich weiß nicht recht ...", atemlos und schwach kamen die Worte aus ihr. „Ja, vielleicht ..." Er nickte und trug seinen Zwerg in den Garten hinaus.

    Es war sein Ernst. Keine Scherze - nein. Er wollte wirklich dieses Ding in ihren Garten stellen. Sie stand im Raum und sah ihm dabei zu, wie er seinen Zwerg placierte. Wie hatte es nur soweit kommen können? Früher waren sie doch aktiv gewesen in der Studentenbewegung, hatten gegen die bürgerlichen Spießer gekämpft und jetzt: Haus und Garten, nett und adrett und einen Gartenzwerg dazu.

    Sie hatte ihn geliebt, nein, sie liebte ihn noch.

    Sie ging in den Garten hinaus. Auf dem Terrassentisch lag ein Hammer. Sie nahm ihn. Ihr Mann kniete neben dem Gartenzwerg. Sie hob den Hammer und schlug zu.

    INNAN