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 joghurt

 

    Joghurt/Bilanz/Bindehaut


    bindehaut

    Den Kopf hoch aus den Schultern erhoben. Ein Stolz, der die Bindehäute unserer Augen verbrannte und uns in ungelenke Zwerge verwandelte die nicht wussten, wohin mit ihren Händen.
    Mache starrten, unverholen , die Augen aus Glas. Das waren die Jungen, die nichts zu verlieren hatten ausser ihrer Unschuld. Es waren noch Kinder.
    Wir dagegen boten ihr unsere Rücken dar, lehnten am Tresen, fühlten die Weichheit und Härte in unseren Hüften. Wir lachten zu laut. Und nie,niemals sahen wir in diese Ecke.
    Die Luft war immer heiss.
    Ihre Hände, die auf ihren leicht geöffneten Schenkeln lagen, waren braun wie unsere. Und doch lag in ihrem Lachen eine klirrende Verachtung, die uns ihre Unererreichbarkeit und unsere Unzulänglichkeit schmerzhaft bewusst machten.
    Wir hassten sie dafür.
    Und nicht einer, nicht einer, der nicht seine Seele, seinen Schwanz und sein letztes Geld gegeben hätte, um sie zu haben.
    Die Alten rührten in ihren Kaffeetassen und lächelten ihr wehmütiges Lächeln.

    IT


    Joghurt

    Ihr Gesicht war braun und weit. Über den grossflächigen Zügen lag eineBescheidenheit, die in krasssem Kontrast stand zu ihrer Brust, die wartend unter dem weiten Hemd schwankte. Jedesmal wenn sie sich vorbeugte vertiefte sich der Schatten auf dieser dünnen Haut.  Ihr Schweiss hatte begonnen, sich zu kleinen Tropfen zusammenzuziehen; baldwürden sie sich  lösen und verschwinden, verschwinden.
    Seine feuchten Lippen wölbten sich dem Löffel entgegen, der ihn fütterte. Er liess einen Faden aus Spucke und Joghurt von seinen Mundwinkeln herablaufen, tauschte willig die Demütigung seines sabbernden Anblicks gegen den sanften Druck des Metalls. Berühre mich. Er hatte keine Erektionen mehr: vorbei.
    Wenn sie ihn umbettete oder seine Windeln wechselte, sein Blick in distanzierter Verzweiflung in die Laken gekrallt, dann lag sein Penis auf den fahlen Schenkeln wie ein rohes Stück Fleisch.
    Einmal nur, einmal. Ein. Mal.
    Selbst seine Schreie blieben stumm.

    IT


    Keiner streichelt meine Pobacken wie Du.
    Du Lump.
    Ich kann nicht ohne Dich sein,
    weil Du meinen Körper an Deinen schweißt.
    Bindehaut.

    ESMERALDA


    "Ich ziehe zwischen Deinen Brüsten Bilanz", sagte er, holte Luft, legte seine Lippen auf ihr Dekolleté und ließ pustend einen unzweideutigen Ton erklingen. "Ich habe nun die letzten Monate mit Dir verbracht und ich denke, wir sollten Schluß machen". Sie blickte ihn an und hatte die Lippen zu einem lautlosen "Oh" geformt. "Schau nicht so, Juanita! Das macht mich ganz krank!"  Er bewegte sich auf ihr, wie er es gerne hatte und überlegte, ob sie es zum Abschied noch einmal miteinander treiben sollten. Einmal noch. Vielleicht sollte er sie wieder mit Erdbeerjoghurt beklecksen und ablecken, wie Silvester 98, als er völlig betrunken war und sie sämtliche Tabus gebrochen hatten. Aber nein. Es konnte nicht so weitergehen. "Jetzt guck nicht so! Mein Entschluss steht fest, Juanita."  Er stand auf, drehte sie auf den Bauch und zog den Stöpsel raus. "Pffffffffffffffffffffffffffffffffffft"

    ESMERALDA


    Vögelein

    Hektische Betriebsamkeit im Großraumbüro der BILANZbuchhaltung, die jedes Jahr um diese Zeit einem Taubenschlag gleicht. Papiere flattern jedesmal auf, wenn die Türflügel auf- und zuschwingen um die kopflos herumeilenden Federhalter hindurchzulassen, die zwitschernd und schnatternd die Überflieger in ihren abgeteilten Plexiglaskäfigen  mit Papier versorgen, auf das das Chaos noch größer werde. Einer dieser Überflieger, stolziert gerade wie ein Pfau, vor seiner neuen Sekretärin auf und ab, deren, durch eine BINDEHAUTENTZÜNDUNG verschleierter Blick, ihn vers- und betört. Da kommt ihm der fetthaltige Bürzel gerade recht, der geduckt mit einem Bündel Inventurergebnisse, sich den Schmalz auspressend vor ihm steht und gleich entsprechend zurechtgestutzt wird, um der begehrten
    Henne die Hackordnung zu demonstrieren.
    Diese wünscht sich seufzend, diesen stolzen Gockel bei der Stange halten zu können, während sie andächtig ihren JOGHURT löffelt. Was ihn entzückt und seine Blut in Wallung bringt, und nicht nur sein Ego anschwellen läßt. Wie ein Vogelkleks landet plötzlich aus geöffneten, da schwatzhaften Schnabel, ein wenig Joghurt im Ausschnitt des süßen Täubchens. Was nun folgt, kann sich wohl jeder Erwachsene denken und den Kindern will ich es nicht erklären, also schließe ich hier mit den abschließenden Worten des leitenden Angestellten der Heimtier Handels KG und Co GmbH, ornithologische Abt.: "Sie sind wirklich gut zu Vögeln."

    ELAN