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 muttertag

MUTTERTAG


     
    Nachdem meine liebe Mutti
    mich geweckt hat,
    die schmutzige Wäsche von heute nacht entsorgt hat,
    mir das Frühstück serviert hat,
    den Tisch schön wieder abgeräumt hat,
    gespült hat,
    habe ich sie ganz lieb gebeten,
    doch die Küchentür zuzumachen,
    damit ich sie beim Arbeiten nicht störe.
    Mutti, hab ich noch schnell gesagt,

    Mutti, gell,
    heut hast du einen schönen Muttertag.

    WILHELM



     

    Mudderdach!

    Hey Muddaa,
    isses scho Daach?
    Oder isses noch Nacht?
    Hab i die Augen grad zugemacht?
    Hey Muddaa,
    hasse Esse schon da?
    Komm i verschlafe un tränig zu Tische, hurra.
    Hey Muddaa,
    was tuste koche am Feiertag?
    Wuensch mir nenn Braten und frische Salat!

    Hey Muddaaaaaa,

    wo isse denn hingegangen?

    DORNROESCHEN



     

    Muttertag

    Wer joggt da so spät durch Nacht und Wind?
    Es ist die Mutter mit ihrem Kind;
    sie hat das Balg wohl in dem Buggy
    Sie faßt ihn sicher, sie ist schon ganz groggy.

    Meine Tochter, was machst du fürn langes Gesicht?
    Siehst, Mutter, du den Aldi noch nicht?
    Den Aldi mit Weintrauben schon ganz reif?
    Meine Tochter, das ist nur der erste Nebelschweif.

    Der Mutter grauset’s, sie joggt jetzt geschwind,
    sie führt im Buggy das lechzende Kind
    erreicht den Laden mit Müh und Not;
    der Aldi ist zu, die Mutter sieht rot.

    Ihr muß das geschehen vor Muttertag,
    wo sie ihre Mami doch herzlich mag
    sie wollt ihr kaufen die Trauben ganz reif
    jetzt wird’s im Genicke ihr schon reichlich steif.

    Oh Mutter, so ruft noch das kleine Kind
    was kriegt nun die Omi? Schieß doch innen Wind.
    Sie hat nun von allem die Schnauze voll
    und findet ihr quäkendes Balg richtig toll.

    Sie schreit nun das proppere Mädchen an
    was soll ich denn machen, oh Mann oh Mann
    da kommt die Erleuchtung der Gatte naht
    einen Blumenstrauß stramm an der Hosennaht.

    Den Strauß wird die Oma von mir morgen kriegen
    ich werde auf breiter Front bei ihr siegen
    nicht Schwestern noch Brüder gewinnen die Schlacht
    Der Sieg um das Erbe ist nun gemacht.

    Die Mutter, so plötzlich gerettet und auch der Vater
    freuen sich nun und vielleicht auch spater.
    Der Kombi in greifbare Näh ist gerückt
    Zweidrittel Familie ist hellauf entzückt.

    Die Tochter im Buggy jedoch wird ganz still
    wer sagt denn, daß ich nen Kombi will
    ne fünfte Barbi, das war mein Traum
    jetzt bleibt dafür wieder kein Raum.

    Sie heult und sie zetert ganz fürchterlich
    die Mutter, die wird jetzt ganz ärgerlich
    dem Buggy gibt schwungvoll sie einen Stoß
    jetzt sind sie die Sorgen endlich los.

    Kein Streit um den Kombi, der ist jetzt passe
    im Kabrio wird’s gehen längs die Allee
    das Balg hat gestört die Zweisamkeit
    jetzt ist sie für Männe wieder bereit.

    Der Muttertag doch noch ein Freudentag ist
    Ach Mutter, ach Mutter wie lieb du doch bist
    bevors bei dir heißt: ich werde nun sterben
    schreibts auf du, daß wir dich beerben.
     

    HERR MEIER


     

    Muttertag
    Ich nahm ihre Haende ganz sacht,
    diese rauhen, rissigen, alten,
    in mein jungen, wohlgepflegten.
    Sie zitterten leise in froher Erwartung.
    Meine Kehle war trocken, kein Wort wollte raus.
    Ich sah in ihre Augen,
    tiefe Quellen der unendlichen Liebe.
    Eine Traene zog einsam ihre Spur und sie laechelte als ich fluesternd
    sagte:
    "Ich liebe dich".

    DORNROESCHEN zum Zweiten



     

    Mütter

    Mutter
    Geist in mir
    gefangen
    wir ineinander.

    Mutter
    bin auch ich
    gefangen
    mit meiner Brut.

    Mütter
    in uns allen
    gefangen
    wohl oder übel?

    ELAN

     


     

    auf dem kamin im wohnzimmer
    - warum stehen fotos von verstorbenen immer auf dem kamin? -steht ein rahmen aus holz. schlicht, infach und doch etwas besonderes. so wie sie für mich immer war, schlicht, einfach und doch etwas esonderes. das graue, fast schon weisse haar steht ihr immer noch gut nach all den jahren. aus ihren klaren, harten augen schaut sie mich durch ihre zu grosse brille an. manchmal fühle ich mich beobachtet, denn von welcher ecke ich auch zu ihr hinschaue, ihre augen sind auf mich gerichtet. als wollte sie mir mit ihrem leicht geneigten kopf und dem ein wenig hochgezogenen mundwinkel etwas sagen. jedesmal wenn ich beginne zu erahnen, was sie sagen möchte, wende ich mich ab und beginne vor mir wegzulaufen. auch am sonntag wird sie da sein, wie jeden tag, aber niemand mehr wird ihr selbsgepflückte blumen bringen, niemand mehr wird heimlich in der morgenfrühe in die küche schleichen, um das frühstück zu machen mit all den dingen, die sie in der nacht zuvor schon bereit gelegt hatte, damit nichts schiefgehen konnte. am sonntag werde ich nicht da sein. seit sie weg ist fühle ich jeden tag ein stück muttertag. es wird endlich zeit, dass ich zuhöre und beginne abschied zu nehmen.

    LIGHT-HOUSE

     


     

    Liebe Mutter,

    Mir ist es meistens gut gegangen,
    auch wenn Du dachtest,
    es geht mir wirklich Scheiße,
    auch dann.

    Warst ziemlich tolerant,
    obwohl Du weder meine Musik,
    noch meine Freunde,
    noch sonstwas mochtest.

    Du selbst hast auch nichts ausgelassen,
    standest immer in der ersten Reihe,
    warst immer und allzeit bereit
    und fähig, nichts auszulassen.

    Jetzt bist Du krank und fühlst Dich leer,
    interssierst Dich für nichts von dem, was ich so tue,
    läßt Deine Schulden von mir bezahlen,
    und ich schenke Dir diese Blumen.

    MARK