Die Gesellschaft «Russland-Deutschland»
(Entstehungsgeschichte und weitere Hintergrundinformationen)
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Die Gesellschaft «Russland-Deutschland» entsprang den gesellschaftlichen Organisationen, die in den 20er Jahren den Grundstein für organisierte Zusammenarbeit der sowjetischen Öffentlichkeit mit den Gesellschaften für kulturmäßige Annäherung, den Vereinen „der Freunde des Neuen Russlands“ und weiteren Einrichtungen im Ausland legten. Damals war es wohl keinem bewußt, was für eine gewaltige Sache von den gesellschaftlichen Organisationen angepackt wird, indem eine unikale und einmalige Chance für gegenseitige Kontakte und Austauschaktionen geboten wurde. Ein besonderes Augenmerk galt dabei dem gegenseitigen Meinungsaustausch zwischen Sowjetrussland und den anderen Staaten auf dem Gebiet von Theater und Film, Literatur und Kunst.



Gebaeude des ehemaligen Verbandes der Sowjetischen Freundschaftsgesellschaften - SSOD - Foto des Webmasters
Die frühere Zentrale des Verbandes der sowjetischen Freundschaftsgesellschaften (SSOD). Die Gesellschaft "Russland-Deutschland" ist, wie seinerzeit die Gesellschaft "UdSSR-Bundesrepublik", in diesem Haus untergebracht.

Am 30.März 1922 wurde in Moskau eine gesellschaftliche Vereinigung  sowjetischer Intellektueller – die Gesellschaft für russisch-deutsche Zusammenarbeit – ins Leben gerufen. Unter Ziffer 1 in deren Satzung hieß es, die Gesellschaft sei gegründet, um freundschaftliche Beziehungen zwischen den Öffentlichkeitskreisen Deutschlands und Russlands zu knüpfen, objektive Informationen über die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der beiden Länder zu verbreiten sowie normale Bedingungen für die Kooperation in Wissenshaft und Technik, Kultur, Handel und Industrie zu sichern.

Am 1.Juni 1923 wurde in Berlin die deutsche Gesellschaft „der Freunde des Neuen Russlands“ gegründet. Es war die erste Vereinigung im Ausland, die für Kulturannäherung mit der UdSSR eintrat. Darauf folgten massenweise Gründungen ähnlicher Vereine in anderen Ländern. An der Spitze der genannten Gesellschaft standen Prominente aus Kultur und Wissenschaft, die später zu Nobelpreisträgern wurden: der Schriftsteller Thomas Mann, der Gelehrte Albert Einstein, die Plastikerin und Grafikerin Käthe Kollwitz, viele weitere namhafte deutsche Intellektuelle.

Die dauerhafte deutsch-russische Gemeinschaft erwies sich fester als die Desasters des 20. Jahrhunderts. Auch wenn es uns wegen schrecklicher Verbrechen des durch den deutschen Faschismus entfesselten Krieges schwerfällt, die greuelhaften Erinnerungen und psychologischen Überlagerungen der Kriegszeit aus unserem Bewußtsein wegzudrängen, wird immer stärker der Wunsch, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen und die Standpunkte voneinander  verstehen zu lernen.

Der routinierte Diplomat und weltberühmte Deutschlandexperte Valentin Falin machte einmal folgendes Statement: „Die Spaltung Deutschlands und Europas war abgeleitet von der Atomkernspaltung. Sie war nicht etwa Vorbote des „kalten Krieges“, sondern deren Emission und zugleich ein Nährmedium für die Kultivierung von Feindschaft und Angst“.

Die am 16.Januar 1992 gegründete Gesellschaft «Russland-Deutschland» ist Nachfolger und Bewahrer der guten Traditionen der Gesellschaft «UdSSR-Bundesrepublik Deutschland». Diese wiederum war im November 1972 entstanden: bald nach dem Inkrafttreten des bekannten Moskauer Vertrages, der dazu beigetragen hat, eine rechtliche Grundlage für die Festigung und den Ausbau der positiven Wandlungen in den bilateralen Beziehungen zwischen unseren Ländern zu schaffen.

Die Gesellschaft «Russland-Deutschland» schrieb auf ihre Fahnen die gute Nachbarschaft, Partnerschaft, Zusammenarbeit und konstruktive gegenseitige Verständigung.

Im September 1999 wurde die Gesellschaft als internationale Vereinigung beim Justizministerium der Russischen Föderation eingetragen, während in Deutschland in der Stadt Norden (Niedersachsen) deren Struktrureinheit operiert, die auf der Grundlage der „West-Ost“-Gesellschaft der Region Ems-Jade als Vertretung nach deutschem Recht errichtet worden ist.

Als eine selbstverwaltete und eigenfinanzierte nichtkommerzielle Einrichtung praktiziert die Gesellschaft solche Arbeitsformen und –methoden, die den heutigen Realitäten des sozialökonomischen und kulturellen Lebens in Russland und insbesondere den veränderten Rahmenbedingungen für die Tätigkeit von gesellschaftlichen Organisationen entsprechen. Die Gesellschaft, deren Mitglieder und Teilnehmer plädierten für die Anbahnung und Aufrechterhaltung eines umfassenden Dialogs zwischen der Öffentlichkeit Deutschlands und Russlands, für das Zusammenwirken im Interesse des kontinuierlichen Ausbaus von Verbindungen im Bereich von Kultur, Information, Wirtschaft, Wissenschaft, Umweltschutz, Bildung und Sport, insbesondere von Kontakten zwischen den Belegschaften von Betrieben,  Unternehmen und Organisationen sowie  zwischen Privatpersonen.

Das oberste Leitungsgremium der Gesellschaft ist die Konferenz. In der Zeit zwischen den Konferenzen werden die Geschäfte von einem in offener Abstimmung gewählten Vorstand geführt, wobei das Prinzip der regelmäßigen Erneuerung der Vorstandszusammensetzung gilt. Als ständiges Leitungsgremium mit Rechtspersönlichleit operiert im Namen der Gesellschaft das Vorstandspräsidium.

Seit 1988 ist Präsident der Gesellschaft ordentliches Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAN) Jurij Andrejewitsch OSSIPJAN - namhafter Physikforscher, Gründer und ständiger Leiter des RAN-Forschungsinstituts für Festkörper-Physik, Vorsitzender des Komitees der russischen Wissenschaftler für Abrüstung und gegen nukleare Gefahr, Held der Sozialistischen Arbeit, Ehrenmitglied bzw. Ehrendoktor zahlreicher ausländischer Akademien und Universitäten.

Mitglieder der Gesellschaft können  nicht nur Staatsbürger Russlands, sondern auch Deutschlands und anderer Staaten werden, soweit sie die Ziele der Gesellschaft und deren konkrete Aktionen befürworten. Seit 1997 werden den Gesellschaftsmitgliedern, die natürliche Personen sind, individuelle Mitgliedsausweise ausgehändigt.

Der Gesellschaft gehören namhafte Germanistikwissenschaftler sowie Vertreter diverser Berufe an:  Politik- und Wirtschaftswissenschaftler, Diplomaten, Soziologen, Journalisten, Lehrer, Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Kunst sowie Vertreter von staatlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Einrichtungen. Unter den Mitgliedern und Teilnehmern an deren internationalen Kontakten findet man recht verschiedene Einrichtungen, Akademien und Universitäten, Hochschulen und Forschunsginstitute, Museen, Unternehmen und Joint-Ventures, Fachhochschulen, Gymnasien und Schulen, so daß die Durchführung von Aktivitäten mit einer breiten öffentlichen Resonanz ermöglicht wird. Dazu gehören: die Deutschredaktion des Allrussischen Senders „Stimme Russlands“, die Gesellschaft „Snanije“ („Wissen“), das Institut für Europa-Studien der Russischen Akademie der Wissenschaften, die Akademie für Arbeit und soziale Beziehungen, die Vereinigung für geschäftliche Zusammenarbeit mit der BRD, das Polytechnische Museum, die Moskauer Technische Universität „N.E.Bauman“, das Moskauer Glühlampenwerk, die Offene Aktiengesellschaft Textilfabrik „Trjochgornaja Manufaktura“, der Internationale Fonds für Wissenschaft,  Kultur und Wirtschaft, das Institut für Regionale Wirtschaftsstudien und viele andere. Die Zahl der Mitglieder, Teilnehmer und Partner der Gesellschaft nimmt ständig zu.

Im Rahmen der Gesellschaft besteht eine Jugendsektion, der Jugendliche unterschiedlichster Stufen angehören (Hochschulabsolventen, Studenten, Schüler, Gymnasiasten).

Unter den deutschen Partnern, mit denen regelmäßige Kontakte gepflegt werden, seien hier die „West-Ost“-Gesellschaft (Ems/Jade), die Deutsch-russische Gesellschaft in Münster sowie weitere Regionalgesellschaften zur Förderung der Beziehungen zu Russland in den Bundesländern Bayern, Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen genannt. Vorrangige Bedeutung gilt den Kontakten zu  Stadträten bundesdeutscher Städte, die ihrerseits Partnerschaftsbeziehungen zu russischen Städten unterhalten, als auch zu den deutschen Bildungszentren, politischen und gesellschaftlichen Stiftungen.

Die Gesellschaft kann im Rahmen ihrer täglichen Arbeit an Hilfs-, Kultur-, Aufklärungs- und Bildungsprojekten und -programmen mitwirken, deren Finanzierung aus dem Föderal- oder den Kommunalhaushalten bzw. aus anderen Quellen erfolgt.

Gemeinsam mit Teilnehmern an den internationalen Kontakten und Partnern veranstaltet die Gesellschaft regelmäßig verschiedene Konferenzen, Rundtisch-Gespräche, internationale Foren und Abendtreffs und ist bestrebt, all jene unter ihren Fittichen zu vereinen, die an ersprießlichen Deutschland-Kontakten interessiert sind.



Haus der Freundschaft in Moskau - quasi portugiesisches Schloss - Foto des Webmasters
Das Haus der Freundschaft, erbaut im eklektischen Stil
eines portugiesischen Schlosses - eine traditionsreiche Begegnungsstätte.


Die Highlights in der Tätigkeit der Gesellschaft «Russland-Deutschland»  (1998-2000):

- die Jahrestreffen „Geschäftsbeziehungen Ost-West“ in Torgau (Bundesland Sachsen); finden seit April 1996 statt in Kooperation mit der Vereinigung für geschäftliche Zusammenarbeit mit der BRD (Ost-West-Verein) und dem russischen Beratungsunternehmen „Image-Kontakt“. Das turnusmäßige Geschäftstreffen 2000 fand im Rahmen der Jubiläumsveranstaltungen anläßlich des 55.Jahrestages des Zusammentreffens der sowjetischen und amerikanischen Allierten an der Elbe statt;

- die Entsendung nach Deutschland von Teams russischer Spezialisten sowie von Vertretern der einzelnen Regionen Russlands zur Teilnahme an Workshops (gemeinsam mit dem Moskauer Institut für moderne Geschäftspraxis und der Sächsischen Management-Akademie Dresden). Für dieses Jahr sind Informationsreisen sowie ein Workschop „Technologie des 21. Jahrhunderts“ mit dem Besuch der EXPO-2000 in Hannover geplant;

- das Rundtisch-Gespräch „Die Rolle des Staates bei der Formierung der Wirtschaftsstrategie“ (gemeinsam mit der Moskauer Verbindungsstelle der Fritz-Ebert-Stiftung und dem Institut für Europa-Studien der Russischen Akademie der Wissenschaften, 1998);

- die Konferenz „Russland und Deutschland auf dem Wege zur antitotalitären Verständigung“ (gemeinsam mit dem Institut für Universalgeschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften und dem Zentrum für europäische Integration, Bonn, 1998);

- das 100jährige Jubiläum von Erich Maria Remarque unter Mitwirkung namhafter russischer Übersetzer seiner Werke (1998);

- die Konferenz „Russland-Deutschland: Probleme und Richtungen der Sozialpolitik in einer sich transformierenden Gesellschaft“ (gemeinsam mit dem Institut für sozialökonomische Fragen der Weltbevölkerung der Russischen Akademie der Wissenschaften, der Körber-Stftung und der Deutschen Gesellschaft für Außenpolitik, 1998);

- die Teilnahme an den Bayerns Wirtschaftstagen in Moskau (1998);

- die Tagung „Sklavenarbeit unter Nazismus. Ausbeuter und Opfer.“ (gemeinsam mit der RF-Stiftung für gegenseitige Verständigung und Versöhnung, 1999);

- die  Teilnahme an der internationalen Fachtagung „Weltraumnutzung und Ethik“ in Darmstadt (gemeinsam mit dem Friedensforum) sowie die Treffen in Mutlangen (1999);

- literarisch-musikalische Soires zum 250.Geburtstag J.W.Goethes (1999);

- das Rundtischgespräch „50 Jahre des Grundgesetzes der BRD: Föderalismus und parlamentarische Demokratie“ unter Mitwirkung des stellvertretenden Vorsitzenden der Hanns-Seidel-Stiftung Frau Ursula Männle (1999);

- das Treffen deutscher und russischer Forscher auf dem Gebiet der Grundlagen- und angewandten Physik anläßlich des 10. Jahrestages der Zusammenarbeit zwischen Darmstadt und Moskau (1999);

- die Präsentationen des Buches von Valentin Falin - seinerzeit UdSSR-Botschafter in der BRD - „Ohne Vorbehalte“ („Bjes ßkidok na obstojateljstwa“) sowie der russischen Edition des Buches von Hans Modrow - Mitglied am Europarlament,  Ex-Ministerpräsident der DDR und Ehrenmitglied der PDS – mit dem Titel „Die Perestrika. Wie ich sie sehe“;  die Treffen mit den Autoren der beiden Bücher (gemeinsam mit den Verlagen „Rjespublika“, „Sowrjemennik“ („Zeitgenosse“) und Meshdunarodnyje Otnoschenija“ („Internationale Beziehungen“), 1999);

- das Treffen mit dem Generaldirektor der Firma Knauf Herrn Hainer Gamm zum Thema „Die Erfahrungen der sechjährigen Investitionstätigkeit der deutschen Firma Knauf in den Betrieben der russischen Bauindustrie“, 1999;

- das Treffen von deutschen und russischen Lehrern zum Thema „Einstellung zum Schulbildungssystem“ (1999).

Die Gesellschaft «Russland-Deutschland» erweist ihren Mitgliedern und Teilnehmern an den internationalen Kontakten Beratungshilfe und Unterstützung bei Visabeschaffung für Deutschlandreisen, hilft bei der Initiierung von nötigen Einladungen für die Besuche in der Russischen Föderation, organisiert für deutsche Delegationen exklusive Besichtigungen bei der Russischen Raumflugsteuerzentrale in Koroljow sowie beim Kosmonauten-Ausbildungszentrum „Juri Gagarin“ im Sternenstädtchen bei Moskau.

Zu den nächsten Plänen der Gesellschaft gehören die Veranstaltungen zum Thema „Russland-Deutschland: 55 Jahre im Frieden“ (zum Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg), die Aktivitäten im Rahmen des Bach-Jahres (zum 250.Todestag des großen Komponisten), anläßlich des 10.Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung sowie die Jubiläumsfeierlichkeiten anläßlich des 75.Jahrestages der Entstehung in Russland (damals UdSSR) der gesellschaftlichen Bewegung für Freundschaft mit den Völkern anderer Staaten.

Die Anschrift der Gesellschaft: 103885 Moskau, ul. Wosdwishenka, 14,
Bau 2, Tel.: (007-095)290 14 21, Fax:(007-095)290 55 87
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Aus dem Russischen übersetzt von Juri N. Novikov,
Ex-Sekretär der Gesellschaft UdSSR-BRD (1981-1985)
E-Post: ego@topmail.de, ego@online.ru


Praesident der bayerischen Gesellschaft zur Foerderung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion Erwin Essl und Sekretaer der Gesellschaft UdSSR-Bundesrepublik Juri Novikov, Moskau 1982

Präsident der bayerischen Gesellschaft zur Förderung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion Erwin Essl und Sekretär der Gesellschaft UdSSR-Bundesrepublik
Juri Novikov, Moskau 1982
Kontaktaufnahme auch über den Autor dieser Webseite,
Ex-Sekretär der Gesellschaft UdSSR-BRD und Dipl.-Dolmetscher Juri Novikov

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Zuletzt geändert am 22-Oct-2000