Es war einmal... Sommer 1959, es war ein extrem heißer Sommer, ich erinnere mich oft an die Worte meines Vaters (Gott hab ihn selig!). Es war das Jahr, in dem "seine Westfalia" westdeutscher Meister wurde. Einen Monat später wurde ich geboren.
Er hatte immer so einen merkwürdigen Glanz in den Augen, die Stimme klang fast andächtig, wenn er mir von damals erzählte. Auch die ganze pucklige Verwandschaft war noch voll in Extase, wenn sie über ihre Helden sprach. Man wollte mir klarmachen das der wahre Ruhrpottfussball in Herne seine Hochzeit zelebrierte.

Diese Euphorie war für mich als kleines Kind nicht wirklich nachvollziehbar.

Mein erstes Interesse für den Fussball entwickelte ich während der Schulzeit. Da ich relativ groß geraten bin, verbrachte ich die meiste Zeit natürlich ....im Tor. Stetige Misserfolge entfernten mich aber vom aktiven Geschehen, besser wars!

Was soll ich sagen,ich war ein lausiger Fussballer. Da war der Typ ( Lutz Gerresheim), dem ich öfters an meiner Schule begegnete, doch wesentlich talentierter. Viele Jahre später bestätigte Lutz meinen Verdacht in der 2. Bundesliga.
Noch spielte der SCW die Regionalliga West rauf und runter.Ab und an verfolgte ich die raren Spielberichte im TV.
Anscheinend fehlen mir die " aktiven Pöhlgene " meiner Verwandschaft.
Mutters entfernter Verwandter, war sehr erfolgreich als Kicker bei den " Gelbschwatten " aus Dortmund, später dann sogar Trainer beim BVB. Der Sohn, meines im Krieg vermissten Onkels, kickte mittlerweile mit Heinz Höher und Konsorten beim VFL Bochum, in der Regionalliga West.

Ich spielte lieber Klavier.

Wenn Vater morgens die WAZ las, konnte ich es kaum erwarten den Sportteil von ihm in die Hand gedrückt zu bekommen. Sein zögerliches Verhalten, mir doch endlich mal die SCW Seite rüberzuschieben, hatte schon was rituelles. Mittlerweile sah es so ziemlich nach Aufstieg in die 2. Bundesliga aus, die " Lokomotive Westfalia Herne " lief auf Volldampf. Kein Wunder, wurde der Motor doch von nun an mit Goldin Kraftstoff geschmiert.
Ich war in der Lehre, hatte endlich Knete für ne Spiegelreflexkamera und ein 400mm Tele.
Viel geknipst hab ich damit nicht.(wenn, dann meist am Schloss).
Da stand ich mit meinem 400ter Rohr gleich neben dem Fernsehturm, beim Versuch ein anständiges Foto von Jochen Abel beim Torschuss zu machen. Die meisten Bilder waren das Entwickeln nicht wert, ständig vor Aufregung... verwackelt! Später hab ich mir nen Winder für die Kamera gekauft, hat auch nix genutzt, damit hab ich ganze Serien verwackelt. Kein Wunder, die Stimmung am Schloss brodelte, tausende jubelnde Herner füllten regelmässig das Stadion. Gespannt schaute ich mir dann Abends mit Vater im Fernsehen die Berichterstattungen an.

Traumhafter Fussball verzückte eine ganze Stadt!

Goldbach kaufte exellente Spieler nach, eine Mannschaft war zurück auf dem Weg in die Fussballspitze .Dafür tankte ich sein olles Benzin und fuhr damit zu diversen Auswärtspielen, Ehrensache! Beim 2.Bundesliga Derby gegen den DSC Wanne-Eickel musste man sich als Goldintanker mit internen Interessenkonflikten plagen, soll man sie nun ein wenig mögen ?.. da Goldbach in Wanne seinen Firmensitz hatte ;)

Eine Stadt begann sich zu erinnern, es roch wieder nach großem Fussball, der SCW - reanimiert! Kämpferisch, nach vorne spielend, präsentierte sich der wiederauferstandene SCW.

Bis zum bitteren Ende!

O.K.der Abgang war so hammerhart, weniger erwähnenswert. Goldbach weg - Lizenzentzug - Katastrophe (auch der FC.St.Pauli verlor seine im gleichen Jahr!). Mir ist aufgefallen, daß beide Vereine bei gleichem Punktestand die Lizenz verloren haben,wenn das mal keine Verschwörung war ;)

Fakt war, die Westfalia tauchte ab ins Amateurlager. Das Revier hatte brachial einen seiner Leistungsträger im Bereich Profifussball verloren. Herne trauerte.

Hier endet meine Geschichte schon,ich zog beruflich nach Berlin. Das Internet bietet mir ungeahnte Möglichkeiten trotz der Entfernung "am Ball " zu bleiben!

!VIVA WESTFALIA!


GummiGonZo


Fußball
Vierundvierzig Beine rasen durch die Gegend ohne Ziel, und weil sie so rasen müssen, nennt man das ein Rasenspiel.
Rechts und links stehn zwei Gestelle, je ein Spieler steht davor. Hält den Ball er,
ist ein Held er, hält er nicht, schreit man:
"Du Toooor!"
Fußball spielt man meistens immer mit der unteren Figur. Mit dem Kopf, obwohl's erlaubt ist, spielt man ihn ganz selten nur
Heinz Erhardt


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