Die Barbarazweige als Liebesorakel

Am Barbaratag sind die Mädchen am Zug:
In der Nacht werden nach altem Brauch Zweige vom Kirschbaum abgeschnitten und jedes Zweiglein mit dem Namen der Verehrer versehen. Derjenige wird Bräutigam, dessen Zweig als erster erblüht. Die Blüten sollten allerdings bis zum Weihnachtstag aufgebrochen sein, ansonsten gilt das Mädchen als "unkeusch".
Rein phänologisch betrachtet, ist die Zeitspanne vom 4. Dezember bis zu Weihnachten genau auf das Aufblühen der Kirschzweige abgestimmt.
Falls der Zweig wirklich nicht erblüht, ist am Gerücht etwas dran - oder die Temperatur hat einfach nicht gepaßt!

 

GEORGIRITT      Ein Zeitungsbericht von 1883

Am Morgen des 24. April, am Gedächtnistage des ritterlichen Heiligen St. Georg, herrscht reges, sonst ungewohntes Treiben im Schlosse und auf den Gassen des Dorfes. Von jedem Hofe der eigenen und der benachbarten Pfarreien entsendet der Bauer mindestens ein Gespann, denn der priesterliche Segen, den sie empfangen, bringt dem gesamten Roßstall Heil auf ein Jahr und darum hat sich der Bauer selbst auf das Roß geschwungen und neben ihm reitet auf dem Handpferd der Sprosse des Hauses. Auch zu Wagen und zu Fuß strömen Gäste in hellen Scharen herbei. 
Unterdessen werden im inneren Schloßhofe die Hauptpersonen des Festzuges gerüstet. Nur zwei Teilnehmern ist der Sattel gestattet: dem Burgkaplan ein englischer, zur größeren Bequemlichkeit des hochwürdigen Herrn, und dem heiligen Georg ein imitierter altdeutscher, der Kostümtreue wegen.
Ist alles fertig, so verlassen die genannten Hauptpersonen den inneren Schloßhof und der Zug setzt sich vom äußeren aus unter Trompetenfanfaren und dem Geläute der Kirchenglocken in Bewegung. Es wird etwa acht Uhr sein. Ohne Lärm und Rufen, schier lautlos ordnet sich jeder in die Reihe, kein Kommando ertönt: alles regelt das Herkommen, der "Brauch", der mächtigste Gebieter des zäh am Alten hängenden Bauern; auch die Abstellung der nötigen Schimmel wird nicht angeordnet, weil als selbstverständlich gilt, daß jeder Besitzer eines geeigneten Tieres dasselbe freiwillig zur Verfügung stellt. So macht sich alles ohne Befehl in ruhigem Gange. Stolz sitzen die schmucken Burschen im Sattel, lustig flattern die Standarten mit den Landesfarben in ihren Händen; es folgt die Musik.

KARNEVAL     

Der lustige Prinz Karneval ist ins Land gezogen und die Städter, wie auch die Landbewohner tun das Möglichste, ihn nach ihrer Art zu huldigen. Seine Macht heischt von denen, die ihm zu dienen geneigt sind, je nach den Verhältnissen auch besondere Opfer. In den Großstädten werden ihm Kunst und Gewerbe dienstbar; die Huldigungen, welche ihm zugedacht sind, nehmen immer mehr zu in Bezug auf Großartigkeit der Veranstaltungen und an Geldaufwände; was nur Kostbares an Gewändern, Geschmeiden und Ziergegenständen erzeugt wird, findet ihm zu Ehren Verwendund; er beherrscht während der ihm verstatteten Regierungszeit die Mode, sowie die künstlerische und gewerbliche Produktion.  Seine Feste werden zu Ereignissen, die in den Städtechroniken einen dauernden Platz finden; er besteuert seine Untertanen ohne Gnade; manche bereichern sich in seinem Dienste, viele richten sich ihm zuliebe zu Grunde.
So weit reicht seine Macht auf dem Lande nicht, wenngleich man ihn dort durchaus nicht verleugnet. Seinem Einfluß vermag sich kaum das kleinste Dörflein zu entziehen und je nach der Anlage der Bevölkerung wird der Karneval so fröhlich begangen, als es die örtlichen Verhältnisse ermöglichen. Allerdings kommen dabei nur die drei Faschingstage, Sonntag, Montag und Dienstag und der vor diesen Tagen fallende Donnerstag in Betracht. Letzterer spielt auf dem Lande eine besondere Rolle; man nennt ihn deshalb den "unsinnigen" Donnerstag, und es soll sich an ihm der Unsinn ganz hervorragend entfalten.

Der SEELENZOPF

In Bayer bekommen die Patenkinder nicht an Allerheiligentag, sondern am Allerseelentag vom Tauf- oder Firmpaten einen Seelenzopf oder statt dessen eine Geldspende, die das Stuckgeld heißt. Der Allerseelenzopf ist aus einem dreifach geflochtenen Hefeteig gemacht. Oft auch mit Rosinen und Weinbeeren angereichert. Vermutlich geht dieser Zopf auf ein germanisches Haaropfer zurück.
 

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