Zentral-Java

Geografie und Bevölkerung:

Java ist die kleinste der Großen-Sunda-Inseln und liegt zwischen 105° und 115° östlich von Greenwich sowie 6° und 9° südlich des Äquators. Sie ist die Hauptinsel Indonesiens mit der Hauptstadt Jakarta. Auf ihr leben die meisten Indonesier (über 120 Mio.) und daher hat Java auch die höchste Bevölkerungsdichte des Inselstaates. Die meisten Bewohner Javas sind Moslems, jedoch sind auch Christen sowie Buddhisten in kleiner Zahl anzutreffen.
Markt auf Java Geprägt wird die Insel durch ihre vielen Vulkane, von denen einige zu den aktivsten Vulkanen der Erde gehören. Java ist die vulkanreichste Insel der Welt. Durch die häufigen Vulkanausbrüche wird der Boden der Insel auf natürliche Weise gedüngt. Deshalb zählen die Böden auf Java zu den ertragreichsten Anbauflächen. Nur durch diesen Umstand konnte und kann auf Java eine überdurchschnittliche Bevölkerungsdichte existieren.
Zu den wichtigsten Agrarprodukten zählt der Reis, der auf künstlich bewässerten Feldern angebaut wird. An den Berghängen findet man die charakteristischen Reisterrassen, die schon in historischer Zeit angelegt wurden. Bei guten klimatischen Bedingungen sind drei Ernten im Jahr möglich. Auch heute noch lebt der überwiegende Teil der javanischen Bevölkerung vom Reisanbau, auch wenn die Regierung die Industrialisierung in den letzten Jahren stärker gefördert hat.

Sprache:

Neben einigen regionalen Sprachen wird auf Java hauptsächlich die indonesische Staatssprache Bahasa Indonesia gesprochen. Diese Sprache wurde 1945 zur Staatssprache erklärt, da es notwendig war in dem großen Inselreich, in dem über 200 unterschiedliche Sprachen gesprochen wurden, eine einheitliche Amtssprache einzuführen. Nur in wenigen Regionen beherrschen neben den Alten auch noch Teile der jüngeren Bevölkerung die traditionelle javanische Sprache. Dieser Verlust der alten Sprachen wird in ganz Indonesien noch zusätzlich durch den Tourismus gefördert, da es für einen Indonesier notwendig ist zumindest Englisch einigermaßen zu beherrschen, wenn er mit Touristen Geschäfte machen will.
Als Tourist sollte man sich jedoch bemühen wenigstens einige Redewendungen in der Staatssprache Bahasa Indonesia zu erlernen, da diese Sprache recht einfach strukturiert ist und somit schnell erlernt werden kann. Zudem ist ein Tourist, der zumindest versucht die Landessprache zu sprechen, meist willkommener als ein Tourist, der die Einheimischen zwingt in seiner Sprache mit ihm zu sprechen.

Religion und Tempel:

Prambanan Die alten javanischen Religionen Hinduismus und Buddhismus sind heute auf Java nicht mehr anzutreffen. Nur noch die rekonstruierten Tempelanlagen aus der klassischen Zeit Javas erinnern noch an die Zeit als diese Religionen fast ganz Indonesien beeinflussten.
Zu den wichtigsten Tempeln gehören die beiden zum Weltkulturerbe gezählten Tempelanlagen von Prambanan und Borobudur, die beide in Zentraljava liegen und von der Provinzhauptstadt Yogyakarta gut erreichbar sind.
Heute ist der Islam auf Java die dominierende Religion.

Feste und Feiern:

Durch den starken Einfluss des Islam auf Java ist das wichtigste Fest in Indonesien der Ramadan. Insbesondere das Ende dieses Fastenmonats wird ausgiebig gefeiert. Es gehört zur Tradition, dass an diesen Tagen die Verwandtschaft besucht wird, ähnlich, wie es in Europa üblich ist, zu Weihnachten und Ostern seine Eltern und Verwandten zu besuchen.
Daneben ist der Unabhängigkeitstag, der am 17. August begangen wird, einer der wenigen staatlichen Feiertage.

Musik und Tanz:

Das klassische indonesische Orchester, welches in Bali und in Java verbreitet ist, ist das Gamelan. (Gamelan ist eine Gattungsbezeichnung ähnlich wie in der westlichen Welt Orchester.) kleines Gamelan-Orchester Ein vollständiges Gamelan besteht aus dreißig bis fünfundsiebzig Instrumenten und wird von bis zu dreißig Musikern gespielt. Bei Theater- und Schattenspielaufführungen wird jedoch meist mit einem wesentlich kleineren Gamelan gespielt, so dass auch schon mal drei Musiker ausreichen.
Ein Gamelan setzt sich aus melodieführenden Instrumenten, die die Kernmelodie in einer streng rhythmischen Form spielen, umspielenden Instrumenten, interpunktierenden und rhythmisierenden Instrumenten sowie freimelodiösen Instrumenten zusammen. Zu den melodieführenden Instrumenten gehören gender - Mettallophone mit Bambusresonatoren - und das bonang, ein lang ausklingendes Kesselgongspiel. Saron - kurztönende Mettallophone - und gambang - Xylophone - bilden die umspielenden Instrumente. Als interpunktierende Instrumente werden Gong und Kesselgong eingesetzt. Die Aufgabe der Rhythmusinstrumente übernehmen kendangs - Trommeln - kendang gending - die Haupttrommel - sowie die kendang ciblon, eine kleinere Trommel. Über all dem schweben die freimelodischen Instrumente Spaltflöte und rebab, eine zweisaitige Geige. Jedes Gamelan ist anders gestimmt, wobei zwei Haupttonarten slendro, ein Fünf-Ton System in temperierter Stimmung und pelog, ein Sieben-Ton-System mit Ganz- und Halbtönen überwiegen.
Der Ursprung der Gamelan-Musik ist auf dem asiatischen Kontinent, insbesondere in Indien und China, zu suchen. Entsprechend fremd klingt die Gamelan-Musik für unsere Ohren.

Tänzer bei Ramayana-Aufführung Das indonesische Theater ist Tanz, Gesang und Pantomime zugleich. Der Inhalt eines Stücks ist für einen Indonesier von geringerem Interesse, da er die klassischen Stücke Barong, Ramayana, Legong, Jalon Arang, Kejak und Baris, um nur die wichtigsten zu nennen, meist kennt. So kommt es auch vor dass eine Aufführung mitten im Stück beginnt.
Wichtig sind hingegen die Genauigkeit und der Ausdruck des Tänzers. Dabei hat jede Bewegung und Gebärde eine eigene Bedeutung die dem Balinesen wohl bekannt ist. So kann der Tänzer bzw. die Tänzerin durch unterschiedliche Fuß- oder Handbewegungen, die Art wie er oder sie auf dem Boden kauert, wie sie ihr Kleid rafft oder auch durch die Kopfhaltung unterschiedliche Stimmungen und Gefühle ausdrücken. Besonders wichtig ist die Sprache der Augen. So kann ein stechender Blick mit weit aufgerissenen Augen einen Gegner erschrecken oder ein Augenaufschlag ein trauriges Gesicht vortäuschen.
Tänzerin bei Ramayana-Aufführung Jede Rolle in den traditionellen Stücken hat eine festgelegte Art der Darstellung, an die sich alle Tänzer halten. Nur die Rolle des Spaßmachers, der oft als Höfling oder Diener auftritt, wird frei interpretiert. Die Stücke selber sind jedoch nicht so fest vorgegeben, so dass jede Truppe ihre eigene Interpretation der traditionellen Dramen darbietet. Es werden manchmal auch neue Episoden hinzuerfunden.
Begleitet wird die Vorstellung immer vom Gamelan, welches vom Trommler mit seiner kendang geleitet wird. Der Trommler gibt nicht nur den Rhythmus an, sondern gibt durch Kopfbewegungen oder Augenaufschlag auch den anderen Musiker ihren Einsatz bzw. ein Zeichen zum Tempowechsel vor.


Touristisch interessante Orte in Zentral-Java:

Prambanan Prambanan und Borobudur sind die wichtigsten historischen Bauwerke in Zentral-Java. Beide gehören zum Weltkulturerbe und wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts aus den verbliebenen Resten teilweise rekonstruiert. Dabei wurden fehlende Steine durch neues Material der gleichen Art ersetzt, jedoch die fehlenden Reliefs und Verzierungen nicht nachgemacht. Somit kann jeder sofort erkennen was noch original erhalten ist und welche Teile ersetzt werden mussten.

Borobudur Der Prambanan-Tempelkomplex ist die größte und somit auch wichtigste hinduistische Tempelanlage auf Java. Sie liegt etwa 15 km nordöstlich von Yogyakarta und ist von dort aus ebenso leicht erreichbar wie der etwa 25 km nordwestlich liegende buddhistische Borobudur. Für beide Tempelanlagen sollte man sich mindestens je einen halben Tag Zeit nehmen. Zudem liegen in der Nähe des Borobudur noch weitere interessante Tempel zu denen sich ein kurzer Abstecher lohnt.

Vogelmarkt in Yogyakarta Der Vogelmarkt in Yogyakarta ist ebenso wie der Gewürzmarkt einen Besuch Wert und sie liegen nicht weit vom Königspalast entfernt.

Königspalast (Kraton) in Yogyakarta Der Königspalast (Kraton) von Yogyakarta ist für Touristen zugänglich und liegt recht zentral in der Stadt. Der König von Yogyakarta hat heute keine offizielle Funktion mehr, ist bei der Bevölkerung Yogyas jedoch sehr beliebt. Er zählte zu den wenigen fortschrittlich gesinnten Herrschern, die nach der indonesischen Unabhängigkeit freiwillig auf ihre Macht verzichteten und sich mehr um das Wohlergehen der Bevölkerung als um ihre eigenen Interessen kümmerten.

Batikwerkstadt Eine Batikwerkstatt sowie eine Holzschnitzwerkstatt und eine Schattenspiel-(Wayang-)vorstellung sollte jeder Tourist in Yogyakarta besuchen. Häufig liegt in der Nähe der von Touristen frequentierten Schattenspielvorstellungen auch eine Werkstatt in der die hergestellt und auch verkauft werden. Die traditionellen Wayang-Figuren werden aus Rinderhäuten hergestellt, die durch gespaltene Bambusstäbe gehalten werden. Die flachen Lederpuppen sind vielfach durchbrochen und werden in traditionellen Farben bemalt.

Schattenspiel Entgegen der in Europa weit verbreiteten Vorstellung das Schattenspiel würde von der Rückseite einer Leinwand betrachtet, ist die eigentlich wichtige Seite diejenige, auf der neben dem Dalang - dem Schattenspieler - auch das Gamelan-Orchester sitzt. Diese Vorderseite, von der aus man die bemalten Figuren vor dem Vorhang betrachten kann, ist jedoch den Männer vorbehalten. Die Frauen müssen hinter dem Vorhang Platz nehmen und sehen daher die Wayang-Vorführung so wie wir es uns vorstellen.
Weil es einfach schöner aussah habe ich jedoch auch einige Aufnahmen von der Damenseite aus gemacht.

Dieng Plateau Das Dieng-Plateau liegt im Norden Zentraljavas und ist eine vulkanische Hochfläche mit einer Ausdehnung von ca. 1800 mal 900 Metern und einer Höhe von 2000 Metern über Normal-Null. Durch seine Höhenlage ist die Temperatur auch im Sommer angenehm, es kann sogar manchmal etwas kühl werden. Auf jeden Fall sollte regenfeste Kleidung im Gepäck sein wenn man das Dieng-Plateau mit seinen Tempeln besucht, da das Wetter auf dem Hochplateau sehr schnell umschlagen kann.
Die ältesten urkundlich belegten Tempel des Dieng-Plateaus wurden im 9. Jahrhundert erbaut, jedoch existierten schon zu dieser Zeit Siedlungen und Tempelanlagen, da das Dieng-Plateau wahrscheinlich schon in neolithischer Zeit besiedelt war. Heute sind nur noch acht kleinere Candis erhalten, da die meisten durch Vulkanausbrüche und Nutzung als Steinbrüche zerstört wurden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden noch etwa 40 Tempel gezählt.
In der Nähe der Tempel kann man auch eine aktive vulkanische Fläche besuchen, die von heißen Schwefelquellen und kleinen Schlammvulkanen übersät ist.