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Ungeachtet dieser Tatsache bezweifelt die Chronik, daß eine solche Reise
wirklich stattgefunden hat. Schriftliche Belege über die Reise oder die
Vollmacht des Papstes finden sich heute nicht mehr; wohl jedoch der
Briefwechsel Pfarrer Brauns mit seinem Bischof, in dem dieser nicht zuletzt
die Herkunft der Reliquien anzweifelt. Eigentlicher Grund für diesen etwas
groben Briefwechsel war aber, daß sich die Pfarrherren der Umgebung
beim Bischof beschwerten, weil ihre eigenen Gotteshäuser plötzlich leer
blieben. Die Gläubigen pilgerten viel lieber nach St. Radegund, schließlich
wurde bald von ersten Wundern und den besonderen Fähigkeiten des
Pfarrer Braun berichtet. Ohne Zweifel muß Pfarrer Braun auch eine
beachtliche Geschäftstüchtigkeit nachgesagt werden; Pilger wurden mit
Musik und Glockengeläute empfangen, selbst kleinere Souvenirs wurden
verkauft. Schließlich ließ Pfarrer Braun nicht nur Kapellen, sondern auch ein
Gasthaus zur Unterkunft der Wallfahrer errichten. Die Vorwürfe des
Bischofs und seiner Kollegen wies Pfarrer Braun aber mit großer
Deutlichkeit zurück, sodaß er es fortan mit seinem Vorgesetzten alles
andere als einfach hatte. Als Pfarrer Braun 1775 beim Bau einer an die
Heiligen Stiege angeschlossenen Kirche "Zum Heiligen Kreuz" ein wenig
über den Pfarrgrund hinausgebaut hatte, fand die Kirchenobrigkeit darin
endlich den Grund, Pfarrer Braun seiner Dienste zu entheben. Nach dem
Weggang Pfarrer Brauns begann der Kalvarienberg allmählich zu verfallen;
wenig später taten die Reformen Joseph II. ein weiteres. In dieser Zeit
dürften viele der von Chronisten erwähnten Votivtafeln verschwunden sein.
Wer versucht, den Kalvarienberg in seiner
Gesamtheit zu ergründen, gerät also
unweigerlich in den Zwiespalt, der sich
zwischen den Berichten der frommen
Legende und der zweifelnderen Historikern
auftut. Doch wenn manche Dokumente
vernichtet wurden und somit heute nicht mehr
auffindbar sind, muß das noch nicht
bedeuten, daß die Schilderungen nicht doch
den Tatsachen entsprechen können. Erst wo
das Wissen aufhört, setzt der Glaube ein -
und nur der Glaube der Menschen hat den
Kalvarienberg bis heute erhalten.

Doch zurück zur Geschichte: nach einigen Jahrzehnten des Stillstandes
begannen sich aber doch wieder Wallfahrer am Kalvarienberg einzufinden.
Nachdem das Kirchenprojekt Pfarrer Brauns nicht realisiert wurde, ließ
Pfarrer Georg Prem im Jahre 1802 an Stelle der ersten Kapelle eine "Kirche
zum gegeißelten Heiland" errichten. Auch den nachfolgenden Pfarrherren
war der Kalvarienberg durchaus ein Anliegen; Pfarrer Haas ließ um 1830
den Kalvarienberg erstmals renovieren und kaufte auch eine Reihe neuer
Figuren für die Kalvarienbergkirche, die Heilige Stiege und für die Kapellen,
die vom Pischelsdorfer Bildhauer Matthias Rath gefertigt wurden.
Durch die Spuren der
Zeit, aber auch durch
frühere, immer wieder
notwendig gewordenen
Renovierungsarbeiten
verschwand viel von den
ursprünglichen Arbeiten;
vor allem die
Außenfresken des
"Maler-Michls" sind nur
noch in Fragmenten
erhalten.
Doch über die Jahrhunderte haben sich immer wieder Idealisten gefunden,
denen die Erhaltung dieses Glaubensdenkmales ein persönliches Anliegen
war. Seit 1972 übernimmt der "Verein zur Rettung und Erhaltung des
Kalvarienberges St. Radegund" diese Aufgabe. Unermüdlich sind viele
ehrenamtliche Helfer unterwegs - es werden Kapellen und Gebäude
trockengelegt, Schindeldeckungen und Holzzäune erneuert, Figuren und
Malereien restauriert, die Anlage gereinigt, gepflegt, die Wege ausgemäht,
usw...
Damit dieses Glaubensdenkmal
auch für die Zukunft erhalten bleiben
kann, ist der Verein natürlich auf
Spenden angewiesen. Die
Opferstöcke in der
Kalvarienbergkirche und bei der
Heiligen Stiege kommen der
Erhaltung des Kalvarienberges
zugute; ebenso gibt es die
Möglichkeit, Spenden auf das
Konto 1.006.733 bei der
Raiffeisenbank St. Radegund (BLZ
38055) einzuzahlen. Wir danken für
Ihre Unterstützung!
Der Vorstand des Kalvarienbergvereines: Kassier
R. Leitner, Obmann G. Terler, Schriftführer A.
Maigl (v.l.n.r.)
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2005 - Verein zur Rettung und Erhaltung des Kalvarienberges im Kurort St. Radegund
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