EHRENBÜRGER DER STADT HOF IN MÄHREN

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Der Titel eines Ehrenbürgers wird von Universitäten, vorwiegend aber von Gemeinden an Bürger, die sich in besonderer Weise um sie verdient gemacht haben, verliehen.

Nach den Aufzeichnungen der Hofer Chronik hatte das Städtchen 15 Ehrenbürger, die in alphabetischer Reihenfolge nachstehend angeführt sind:
  

(Durch Anklicken des Namens gelangt man zum Kapitel über die gewünschte Person)

Name

Beruf

Verleihung

Czech Wilhelm

Polizeikommissär, Gemeinderat

1913

Dr. Freisler Wilhelm

Landtagsabgeordneter, Advokat

1913

Gerlich Josef

Kaufmann, Bürgermeister

1919

Dr. Hartel Wilhelm, Ritter von

Minister, Univ. Professor, Wissenschaftler

1891

Jahn Wilhelm

Hofoperndirektor

1889

Katz Otto

Fabrikseigentümer

1936 ?

Kuhn Emil

Bezirksschulinspektor

1908

Liechtenstein Johann II., Fürst von und zu

regierender Fürst

1901

Dr. Masaryk Th. G.

Altpräsident

?

Johann Nischelwitzer

Bezirkshauptmann

1896

Polzer Karl

Fabrikant

1906

Preis Josef

Distriktsarzt

1913

Dr. Promber Adolf

Landtagsabgeordneter

1897

Raab Franz

Weberfaktor, „Armenvater“ der Gemeinde

1914

Wiesenburg Adolf, Edler von Hochsee

Industrieller

1908

         Der erste Ehrenbürgertitel wurde im Jahr 1889 an Hofoperndirektor Wilhelm Jahn, der letzte 193?   an den bekannten Fabriksbesitzer Otto Katz verliehen. Es ist vielleicht auch bezeichnend, daß diese Art einer besonderen Ehrung in einer wirtschaftlich extrem schlechten Zeit, im vorigen Jahrhundert, den Anfang nahm. Das Aufkommen der Leinenindustrie verdrängte die in Hof stark verbreitete Handweberei und verursachte eine bedrückende Arbeitslosigkeit. Viele Bürger waren gezwungen, auszuwandern. Die Bevölkerungsanzahl ging zurück. Die Stadtväter bemühten sich um die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Versorgung der Armen und Arbeitslosen wurden zum Problem. Denn eine Sozialversicherung und öffentliche Sozialleistungen im heutigen Sinn gab es damals noch nicht. Nicht immer ist es klar ersichtlich, was die Stadtväter zur Verleihung der Ehrenbürgerrechte bewogen hat. Denn nicht alle „großen Söhne“ der Stadt, die zum Ansehen des Gemeinwesens und dessen Bekanntheit im Kaiserreich beigetragen haben, wurden auch gleich Ehrenbürger. Hof war in der Monarchie trotz seiner geringen Einwohnerzahl, relativ gut bekannt und sicher haben eine Reihe bekannter Persönlichkeiten, deren Geburtsort Hof war, mit zur Publizität beigetragen. Auffallend jedoch ist, daß diese Personen auch meistens größere Geldbeträge an die Gemeinde selbst, oder deren Armen zufließen ließen. So hat z.B. Dr. Wilhelm Ritter von Hartel der Stadt einen namhaften Geldbetrag für einen Fond gespendet, dessen Zinserträge zweckgebunden für die Armen des Ortes bestimmt waren. Soweit die Ehrenbürger Politiker oder entsprechend einflußreiche Verwaltungsbeamte waren, wurde ihr überdurchschnittliches Engagement für die Anliegen der Stadt Hof mit dem Ehrenbürgerrecht honoriert. Nur drei Söhnen der Gemeinde, nämlich Wilhelm Czech, Josef Gerlich und Franz Raab wurde der Titel durch direkte, vorbildliche Arbeit in der Gemeinde zuteil und es spricht wohl dafür, daß diese Bürger Außerordentliches zum Gemeinwohl geleistet haben mußten, um in die Liste der Ehrenbürger, neben Fürst Liechtenstein oder Ritter von Hartel, eingereiht zu werden.

Darüber hinaus hat man nach den vier Ehrenbürgern Johann II. von und zu Liechtenstein, Dr. Wilhelm Ritter von Hartel, Hofoperndirektor Wilhelm Jahn und  den Landtagsabgeordneten Dr. Promber im Jahr 1913 auch Straßenzüge der Stadt benannt.                               

         Die meisten Hoferinnen und Hofer werden nur wenig über die Ehrenbürger der Stadt wissen. Ich habe es mir daher zur Aufgabe gemacht, nach der vorhandenen Möglichkeit einschlägige Unterlagen zu sammeln, um mehr über die Träger des Titels, den ihnen unsere Heimatstadt verliehen hatte, zu erfahren .

 

Dr. Wilhelm Ritter von Hartel

Dr. Wilhelm August von Hartel wurde am 28. Mai 1839 im Haus Herrengasse (später Hartelgasse) Nr. 16 in Hof in Mähren geboren. Er war das einzige Kind der Eheleute Johann und Josepha Hartel, geb. Effinger. Josef Hartel war Webermeister, später städtischer Rechnungsführer in Hof und Hausbesitzer. Er war ein überaus wissenshungriger Mann, der sein Bildungsniveau durch Reisen und ständige Lektüre weit über die Verhältnisse in seiner Heimat hinaus, erweitert hatte. Josepha war die Tochter eines Offiziers aus Rottweil am Neckar, der anfangs in Diensten Napoleons stand, dann in die österreichische Armee übertrat und an allen Kämpfen gegen Frankreich teilnahm. Er kam dann als Tabakverleger nach Hof, wo er 1855 starb. Wilhelm genoß als einziges Kind eine sorgfältige Erziehung im bescheidenen Elternhaus, wo er auch in den Gegenständen der Volksschule und der ersten Gymnasialklasse unterrichtet wurde. Die Volksschul-Abschlußprüfung legte er mit vorzüglichem Erfolg in der Piaristen-Hauptschule zu Altwasser ab. Den Stoff der ersten Klasse Gymnasium erlernte er unter der Obhut des Hofer Kooperators Josef Morawetz, der übrigens dem jungen Wilhelm jedes Talent zum Studium  absprach. Trotzdem, und auf die guten Externistenzeugnisse des Sohnes vertrauend, schickte ihn der Vater im Herbst 1852 unter finanziellen Opfern an das Gymnasium in Troppau. Aus dem folgenden Schriftwechsel geht hervor, daß zwischen Sohn und Eltern, obwohl damals für Kinder das förmliche „Sie“ als Anrede gebraucht werden mußte, eine innige, herzliche Bindung bestand. Seinen Lebensunterhalt besserte er mit Nachhilfestunden auf. Schon frühzeitig ist Hartel bemüht, sein Wissen und Können unentwegt über den Gymnasialunterricht weit hinaus zu erweitern. So lernt er zusätzlich Tschechisch, Italienisch und Französisch, nimmt Turnunterricht und Unterricht in Schwimmen und Stenographie. Er singt in Chören und spielt Flöte. Bei seinen Mitschülern ist er ungemein beliebt und wird häufig zu vornehmen Familien eingeladen. Dadurch wird sein gesellschaftlicher Horizont entsprechend erweitert. Das alles aber bringt er neben seiner Verpflichtung als Hauslehrer fertig, die er für seine materielle Sicherung unbedingt braucht. 1855 stirbt seine Mutter an „Nervenfieber“, wie es heißt, was für den überaus strebsamen, sensiblen Schüler ein schwerer Schlag war. Ein Augenleiden und häufige Migräneanfälle, die er zeitlebens nicht mehr verliert, beeinträchtigen ihn zwar, vermögen seinen Studieneifer aber nicht zu mindern. Vom Herbst dieses Jahres an besuchte er das Kleinseitener Gymnasium in Prag. Er folgte seinem Lieblingslehrer in Troppau Karl Holzinger, der selbst Prager war und eine Berufung an das Prager Gymnasium bekommen hatte. Hier hatte er auch Prof. Karl Schenkl als Latein- und Griechischlehrer, der später an der Universität Wien sein Kollege werden sollte. Auch in Prag wird er durch zähen Fleiß Klassenbester, ist unter den Kameraden sehr beliebt und viele Adelige, wie Graf Ferdinand Chottek zählen zu seinen Freunden. So gewinnt er schon in seinen Gymnasialjahren eine gewisse gesellschaftliche Gewandtheit. Auch bei den Lehrern ist er geschätzt und wird vielfach gefördert. Früh schon beschäftigt sich Wilhelm Hartel mit dem Problem der Berufswahl. Sein Interesse gilt zunächst der Philosophie und der Geschichte und er steht der Philologie nicht gerade begeistert gegenüber. Aber seine Professoren Schenkl und Kvičala haben vermutlich seine Sinneswandlung beeinflußt. Ihm schwebte zunächst eine Lehrstelle an einem Gymnasium, später aber die akademische Laufbahn vor. 1859 bestand Wilhelm Hartel die Matura mit Auszeichnung und immatrikulierte kurz darauf an der Universität Wien, wo er sich der klassischen Philologie widmete. Hartel fiel bald wegen seiner außerordentlichen philologischen Begabung, seinem umfassenden Wissen und enormen Fleiß auf und wurde von seinen Professoren Hermann Bonitz, Emanuel Hoffmann und Johann Vahlen sehr gefördert. Er bekleidete auch Funktionen im Studienbetrieb und war Mitbegründer der Studentenverbindung „Silesia“.

Von besonderer Bedeutung während des Studiums war für Hartel die polnische Mäzenatenfamilie der Grafen Lanckorońsky, die er durch Professor Bonitz kennenlernte. Die Familie gewährte ihm ein anregungsreiches Heim, wo er Erzieher und Lehrer, später aber auch der Freund des jungen Grafen wurde. Nun hatte er die materielle Sicherheit, die er für sein Studium brauchte. Hier gewann er Kontakt zu maßgeblichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der k. u. k. Monarchie und machte mit dem jungen Grafen Reisen nach Deutschland, Frankreich, Belgien, Schweiz, Griechenland, Italien, Ägypten, Palästina, Syrien und in die Türkei.

Der berufliche Aufstieg von Dr. Hartel ging rasch vor sich.  1863 wurde er nach einer vorzüglichen Prüfung für das Lehramt in Latein und Griechisch für Gymnasien approbiert. 1864 erhielt er in den Rigorosen zum Doktorat die besten Zeugnisse über sein Wissen und Können ausgestellt. Gleichzeitig erscheint seine erste wissenschaftliche Arbeit: „Untersuchungen über die Entstehung der Odyssee“. Es folgen „Homerische Studien“ und „Kritische Beiträge zu Livius“. Obwohl die akademische Laufbahn jetzt bereits vorgezeichnet war, übernimmt er für drei Semester eine Lehrerstelle am Wiener Akademischen Gymnasium. Im Jahr 1866 hielt er aber schon, nach vorzüglicher Erfüllung der Habilitierungsvorschrift, seine ersten Vorlesungen als Privatdozent. 1870 wurde er Extraordinarius und zum Mitglied der Prüfungskommission für Gymnasiallehrer bestellt. Bald darauf folgte eine philologische Leistung ersten Ranges für die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften: Die Herausgabe der Werke des Cyprianus (latein. Kirchenvater). In Anerkennung seines Wirkens wurde er zu Jahresbeginn 1869,  noch nicht 30 Jahre alt, zum außerordentlichen Professor ernannt.

Im selben Jahr heiratet Dr. Hartel Flora Spatzler, die Tochter einer alten Apothekerfamilie aus Jägerndorf. Die Mütter der Vermählten waren Jugendfreundinnen gewesen. Flora war eine musisch begabte, feinsinnige, fürsorgliche Gattin und Mutter, die von allen verehrt und geachtet wurde. Flora Hartel starb ein Jahr vor ihrem Mann. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor. Der Älteste, Karl, und der Jüngste, Wilhelm, wurden hohe Ministerialbeamte. Der mittlere Knabe hatte ebenfalls den Namen Wilhelm und starb bei seinem Großvater als dreijähriges Kind während eines Aufenthaltes in Hof.

Dr. Hartels Karriere ging unaufhaltsam weiter. 1871 wurde er korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften, 1872 ordentlicher Professor an der Universität Wien. 1875 wird er schließlich wirkliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften. In der Folge wartete eine Fülle von wissenschaftlichen und Verwaltungsaufgaben auf Hartel. In den Studienjahren 1874/75 und 1875/76 war er Dekan der philosophischen Fakultät. 1882 bis 1885 war er Senator und im Studienjahr 1890/91 Rektor der Universität. Sein Wohlwollen für die studierende Jugend kam in dieser Zeit besonders zum Ausdruck. In all den Jahren findet der unermüdlich Schaffende auch noch Zeit für viele wissenschaftliche Arbeiten in seinem Fach, aber auch auf Gebieten, die ihm ferner lagen, was für die Vielseitigkeit des Gelehrten spricht. Daneben machte er noch Reisen, vorwiegend 1874 (mit Adolf Exner) nach Griechenland, Ägypten, Palästina, Syrien, Kleinasien und Türkei und 1884 nach Rhodos. Hartel zählte bereits zur internationalen Spitze von Gelehrten und das Ausland streckte die Fühler nach ihm aus. Die Berufungen an die Universitäten Halle (1875), Göttingen (1883) und Heidelberg (1886) schlug er aber alle ab, um seiner Heimat Österreich zu dienen. 1883 verlieh ihm Kaiser Franz Josef den erblichen Adelstitel „Ritter von Hartel“  und später (1886) den Titel  Hofrat. 1891 erhält er die Berufung zum ständigen Mitglied des österreichischen Herrenhauses (Vertretung des Adels in der Reichsregierung) auf Lebenszeit. Er schloß sich der Verfassungspartei an und wurde Mitglied der Parteileitung. Von 1891 bis 1896 bekleidete er auch das Amt des Direktors der Hofbibliothek. Damit erfuhr seine akademische Lehrtätigkeit eine gewisse Einschränkung. Auch hier ging Dr. Hartel mit der ihm eigenen Sorgfalt und Gründlichkeit an seine Aufgabe und führte viele Reformen durch. 1893 verleiht ihm Kaiser Franz Josef die höchste Auszeichnung, die in Österreich an Wissenschaftler verliehen werden kann, das Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft, nachdem er schon vorher mit dem Orden der Eisernen Krone III.Klasse (1882) ausgezeichnet wurde. 1896 erwarteten ihm neue Aufgaben. Damit schied Hartel nach 30 jähriger Tätigkeit aus der Universität Wien. Bei der Abschiedsaudienz überreichte ihm Kaiser Franz Josef die Insignien des Leopoldsordens. Damals war er wirkliches Mitglied des deutschen archäologischen Instituts, korrespondierendes Mitglied der preußischen und der königlich-bayerischen Akademie, Ehrenmitglied der Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen, korrespondierendes Mitglied der Akademie Berlin und der Real Academia de la historia in Madrid, so wie Ehrenmitglied der ungarischen philologischen Gesellschaft.

Dr. Hartel machte sich auf dem Gebiet des Unterrichtswesens schon während seiner Tätigkeit an der Universität einen Namen und wurde von Unterrichtsminister Freiherrn von Gautsch bereits damals zur Mitwirkung bei Maßnahmen zur Unterrichtsverwaltung herangezogen. Am 20. Jänner 1896 wurde er zum Sektionschef im Ministerium für Kultus und Unterricht ernannt. Sein Ausscheiden aus der akademischen Lehrtätigkeit war Anlaß zahlreicher Ehrungen. Unter anderem bekam er eine künstlerisch gestaltete Ehrenmedaille, im Direktionszimmer der philologischen Fakultät wurde eine, vom Bildhauer Leisek geschaffene Büste Hartels aufgestellt und ihm ein von 52 seiner Schüler verfaßter Festband überreicht. Dr. Hartels Übertritt in die Beamtenlaufbahn war der Beginn eines neuen, an Ehren und Erfolgen reichen Lebensabschnittes. Dr. Hartel war eine von humanistischem Geist geprägte, wohlwollende Persönlichkeit. Seine vornehme, weltmännische Einstellung, sein scharfer, praktischer Verstand, seine ausgeglichene, ruhige Wesensart, seine umfassende Kenntnis des Bildungswesens, sein rastloser Arbeitseifer und seine große, allgemeine Beliebtheit, kamen ihm im neuen Wirkungsbereich sehr zustatten. Im Juli 1897 wurde er mit dem Orden der Eisernen Krone II.Klasse ausgezeichnet und im November des selben Jahres zum Geheimrat ernannt. Nachdem er als Sektionschef das Ressort Hoch- und Mittelschulwesen vier Jahre lang innehatte, erfolgte am 2. Oktober 1899 seine Berufung als Unterrichtsminister in das Kabinett des Grafen Clary. Seine Ernennung als ein Philologe war insofern ein Novum, weil bisher dieser Posten traditionsgemäß ausschließlich nur mit Juristen besetzt wurde. Als Clary am 21. Dezember 1899 zurücktrat, übernahm er wieder die Stelle als Sektionschef, die er vorher innehatte. Aber schon am 21. Jänner 1900 trat Hartel wieder als Unterrichtsminister in das neue Kabinett Ernest von Koerber ein. Als Ende 1904 nach dem Rücktritt Koerbers Freiherr von Gautsch zum zweitenmal Ministerpräsident wurde, blieb er bis zum 11. September 1905 Minister, wo er dann in den Ruhestand ging.

Als Unterrichtsminister hat Dr. Hartel viele Aufgaben bewältigt. Gymnasien wurden gefördert, bei Realschulen der Lehrplan verbessert, die Berechtigung erweitert und den Gymnasien gleichgestellt. Bezeichnend für seinen Weitblick und seine Toleranz (als Philologe) war, daß  er die Technischen Hochschulen besonders förderte (Musterinstitut für Elektrotechnik Wien), das lange schon angestrebte Doktorat gewährte und eine Rangerhöhung der Hochschule für Bodenkultur erwirkte. Durch verschiedene Reformen im höheren Bildungswesen für Mädchen und Erweiterung der Frauenberufe durch Zulassung zum Universitätsstudium, wurde er den Forderungen der Zeit gerecht. Seine besondere Fürsorge galt auch dem kaufmännischen Fachschulwesen und dem Volksschulwesen. Der Lehrplan für Bürgerschulen wurde revidiert und die Möglichkeit der Erweiterung mit einer vierten Klasse vorgesehen. Eine neue Schul- und Unterrichtsordnung wurden eingeführt. Durch die Schaffung des Kunstrates, die Gründung der modernen Galerie und die Errichtung der Fachschule für Medailleure hat sich der Minister bleibende Verdienste um die Kunst erworben. Junge Künstler förderte er und ließ auch (oft unter harter Kritik) moderner Kunst freien Entfaltungsraum. Er gründete das Österreichische Volkslied-Unternehmen und die Wiener Studien. In der Universität Wien wurden neue Institute (physiologisches Inst.) geschaffen. Der Neubau des Allgemeinen Krankenhauses war eine Großtat Hartels, dem es gelang, das Gewirr von Kompetenzen und bürokratischen Verflechtungen zwischen Landesausschuß, Gemeinde, Ministerien, Statthalterei und Krankenhausfonds zu lösen. Sigmund Exner (Physiologe) sagte damals, Dr. Hartel müßte dafür der Maria Theresienorden verliehen werden, wenn es einen solchen für Zivilisten geben würde. Auch als Sektionschef und Minister hatte Dr. Hartel an der Arbeit der Akademie der Wissenschaften, deren Vizepräsident er war, regen Anteil genommen. Hier sein Wirken aufzuzeigen, würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Auf ihn geht auch die besondere Förderung des archeologischen Instituts, des Vereines Carnuntum (röm. Ausgrabungen in Niederösterreich), des Corpus scriptum de musica, der Denkmäler der Tonkunst in Österreich und die Gründung des literarischen Vereines zurück. 1901 erhielt Dr. Hartel, nachdem er als Minister den Kaiser auf seiner Reise durch Böhmen begleitet hatte, den Orden der Eisernen Krone I.Klasse. Beim Ausscheiden aus dem Staatsdienst wurde ihm vom Kaiser das Großkreuz des Leopolds-Ordens verliehen. Bei der Abschiedsaudienz sagte der wortkarge Kaiser zu ihm: „Ich weiß es, mit welchem Wohlwollen und immer im Sinne der Ausgleichung Sie ihr Amt führten. Es ist ein schweres Amt; es verträgt keine Schroffheit und Sie waren immer auf ihrem Platze. Sie haben immer den größten Takt und die größte Gerechtigkeit entwickelt. Ich habe mit Ihnen wirklich ausgezeichnet gearbeitet,“

Dr. Hartel war in seiner Jugend von  zarter   Gesundheit und brachte es durch körperliche Ertüchtigung und Sport (Schwimmen, Bergwandern, Fechten, Eislaufen, Reiten) bis ins Alter zu einer kräftigen und widerstandsfähigen Natur. Trotz seiner Beleibtheit war er sehr gelenkig. Er erfreute sich, abgesehen von seinem Augenleiden, das später durch Alterszucker zunahm, bester Gesundheit. Im November 1903 erkrankte er ernstlich, so daß an seinem Aufkommen gezweifelt wurde. Er erholte sich aber rasch und versah bald wieder seinen Dienst. In den letzten Lebensjahren war er wohlauf und rüstig. Am 12. Jänner 1907 befiel ihm abends ein heftiges Herzleiden. Am 14. Jänner starb er an Herzschwäche. Am 17. Jänner fand unter ungemein starker Teilnahme das Begräbnis am Hietzinger Friedhof in Wien statt, wo Dr.Hartel an der Seite seiner, ein Jahr vorher verstorbenen Frau, bestattet wurde. Wie im Leben, so wurden Dr. Hartel auch nach seinem Tode eine Unmenge Ehrungen im In- und Ausland zuteil. In seinem Testament bedachte er die Wiener Universität mit einer Stipendienstiftung von 40.000 Kronen für Studenten des akademischen Lehramtes. Seine philologische Bibliothek vermachte er ebenfalls der Universität. Ein Denkmalkomitee aus Vertretern von Staat, Wissenschaft, Kirche und Freunden, Schülern und Verehrern Hartels, ließ in den Arkaden, der „Ruhmeshalle“ der Universität Wien, wo er 30 Jahre als Gelehrter gewirkt hatte, ein ca. 4 Meter hohes Monument aus Kalkstein und Marmor vom Bildhauer Heinrich Scholz errichten. 50 Jahre nach seinem Tod wurde der Akademie der Wissenschaften vom österreichischen Unterrichtsministerium ein Preis gestiftet, der den Namen Dr. Wilhelm von Hartel trägt.

In der Hofer Chronik lesen wir bei den Aufzeichnungen des Jahres 1891:

Dr. Wilhelm Ritter von Hartel, geboren am 29.5.1839 in Hof No.16 (früher Herrengasse),  Direktor der Hofbibliothek und Rektor der Wiener Universität, wurde zum Ehrenbürger der Stadt Hof ernannt.
...........und unter den Berichten des Jahres 1900:

Die Herrengasse wird zum Andenken an seine Exzellenz Dr. Wilhelm Ritter von Hartel, Minister für Kultus und Unterricht, in Hartelgasse umbenannt und an dem Geburtshause des Genannten No.16 in dieser Gasse, eine Gedenktafel angebracht mit folgendem Wortlaute:               

„Geburtshaus Sr. Exzellenz des Herrn Ministers für Cultus und Unterricht Dr. Wilhelm Ritter von Hartel, geboren  am 28. Mai 1839 ihrem Ehrenbürger gewidmet von der Stadtgemeinde Hof 1900.“ 
Dr. Hartel spendete für diese Ehrung 600 Kronen, die in die Hofer Sparkassa eingelegt und wovon die Zinsen jeweils dem Armenfonde zugewiesen wurden.

Dem kleinen Städtchen Hof in Mähren wurde das gütige Schicksal zuteil, eine Reihe berühmter Persönlichkeiten hervorgebracht zu haben. Der größte Sohn des Ortes aber war wohl der hervorragende Mensch Dr. Wilhelm Ritter von Hartel. 

 

Karl Polzer 

Karl Polzer hatte ein bewegtes Leben und wurde über hundert Jahre alt. 1874, als er schon 24 Jahre in Wien lebte, bekam er erst das Wiener Bürgerrecht, auf welches er besonders stolz war. Im Herzen blieb er aber immer auch ein Hofer.Am 23. Oktober 1830  wurde er als jüngstes von acht Kindern des Webereibesitzers Ignatz Polzer in Hof geboren. Ignatz Polzer war übrigens von 1841 bis 1845 Bürgermeister von Hof. Karl erlernte nach seiner Schulausbildung in Hof bei seinem Vater das Weberhandwerk. Ihm hielt es aber nicht im kleinen Städtchen Hof und im väterlichen Betrieb, denn seine große Sehnsucht galt immer schon der Haupt- und Residenzstadt. Mit 20 Jahren kam er dann nach Wien, wo er aber als Webergeselle keine passende Stellung bekam. So versuchte er sein Glück in einer Färberei. Aber auch dort hielt er es nicht lange aus. Damals reifte in ihm ein kühner Plan. Es war die Zeit, wo Wien enorm expandierte. Die schweren Befestigungsanlagen der Stadt wurden abgetragen und die Vorstädte eingegliedert. Es entstand die Ringstraße mit den vielen öffentlichen Gebäuden. Eine nie dagewesene Bautätigkeit war die Folge. Rund um die Heimatstadt Polzers gab es viele Schiefer-Steinbrüche. Dieses Material war den Wiener Dachdeckern unbekannt. Nun wollte der schon immer sehr sozial eingestellte Karl Polzer nicht nur selbst reich werden, sondern auch seinen Landsleuten helfen, indem er den Wiener Dachdeckern und Baustoffhändlern das bisher für sie unbekannte  Material verkaufen wollte. Aber leider hatte er nicht mit der konservativen Haltung dieser Leute gerechnet, welche den inländischen Schiefer glatt ablehnten. Polzer gab aber nicht auf. Kurzerhand wandte er sich selbst den Dachdeckergewerbe zu und siehe da, bald wurde das schöne Schieferdach in Wien ein begehrtes Bild. Der Schieferabsatz florierte, was die Schutthalden in den Steinbrüchen um das Städtchen Hof und Umgebung noch bis in unsere Tage bestätigten. Polzer verlegte auch erstmals die Schiefertafeln nicht auf  eine Vollschalung, sondern auf einen Lattenrost, wofür er ein Patent erhielt.

Die Wiener Volkszeitung wußte in ihrer Ausgabe vom 21. Oktober 1930 zu berichten, daß Karl Polzer noch mit seinen hundert Jahren jedes Haus aufzählen konnte, welches er mit seinem Großbetrieb gedeckt hatte. Dazu gehörten: Die Wiener Staatsoper, der Kursalon, das ehem. Platzkommando, das ehem. Schauspielhaus, den größten Teil aller Ringstraßengebäude, 15 Jahre hindurch alle Gebäude der Kriegsmarine in Pola, alle Stationsgebäude der Hauptbahnlinien, nämlich der Westbahn, der Südbahn und der Aspangbahn, ferner viele Theaterbauten, wie das Stadttheater in Preßburg und das Theater in Szegedin und unzählige Bauten in der gesamten Monarchie. Ein abenteuerliches Erlebnis mußte Karl Polzer auf einer solchen Dienstreise über sich ergehen lassen. In Bosnien, wo es damals noch keine Eisenbahnen gab, mußte er seinen Weg auf einem Ochsenkarren zurücklegen. Während der Fahrt wurde das Gefährt von einer Räuberbande überfallen. Die eintönige Fahrt auf holprigem Weg hatte ihn in den Schlummer geschaukelt. Sein gesunder Schlaf, den er nach seiner Meinung übrigens sein langes Leben verdankte, rettete ihn. Nur das Gepäck fiel den Ganoven zum Opfer, während sie den Schlummernden verschonten.

        1867 war in Paris eine Weltausstellung. Als Karl Polzer diese besuchte, kam ihm wieder eine Idee. Es waren dort alle neuen Errungenschaften der Technik zu bewundern  und vor allem die Anwendung der Dampfkraft fand lebhaften Widerhall. Das brachte ihm auf den Gedanken, in Wien eine „Dampfkraftvermietungsanstalt“ zu eröffnen. Dieses Projekt brachte aber nicht den gewünschten Erfolg. Aber der zähe und strebsame Polzer scheiterte nicht an Mißerfolgen. Zu der Zeit kamen die eisernen Kassen in Mode und versprachen ein gutes Geschäft. Karl Polzer richtete daher in den Räumlichkeiten seiner Dampfkraftvermietungsanstalt eine Kassenproduktion ein und der Erfolg blieb nicht aus. 1871 beschäftigte er bereits 250 Arbeiter.

Für seine Leistung als Wirtschaftstreibender bekam er viele Auszeichnungen. Die Verdienste um die Wiener Weltausstellung 1873 brachten ihm den sehr begehrten Titel eines Hof- Schiefer- und Ziegeldeckers ein. Von den vielen weiteren Ehrungen seinen nur einige aufgeführt: Hof-Kassenfabrikant (doppelter Hoflieferantentitel), Bürger der Stadt Wien, Ehrenmitglied des Gewerbevereines und Kommerzialrat.

Das Dachdeckerunternehmen übernahm später sein Sohn Karl. Die Kassenfabrik wurde mit der bekannten Firma Wertheim vereinigt. In den frei gewordenen Fabriksräumen richtete Karl Polzer eine „Elektrische Kraftvermietungsanstalt“ ein, welche noch in den 30-er Jahren existierte.

Karl Polzer war ein sehr sozial eingestellter Bürger, dem seine Mitmenschen viele Wohltaten zu verdanken hatten. Seine Ideen waren für die damalige Zeit oft geradezu revolutionierend. Er gründete den Ersten Wiener Kindergarten und den Kirchenmusikverein Neumargareten, war Mitbegründer der Lebens- und Aussteuerversicherungsanstalt, der Kaiser-Jubiläumsstiftung zur Unterstützung Gewerbetreibender, des Margaretner Spar- und Vorschußvereines, u.s.w. Polzer bedachte auch immer Gemeinden, die ihm nahe standen, mit größeren finanziellen Zuwendungen. So sorgte er durch viele Jahre in der bei Wien gelegenen Gemeinde Kaltenleutgeben, wo er viele Jahre seine „Sommerfrische“ verbrachte, für die Erhaltung der Kirche.

 Seine Heimatgemeinde Hof, die ihm wiederholte Zuwendungen für gemeinnützige und wohltätige Zwecke verdankte, ernannte ihn 1906 zum Ehrenbürger der Stadt.

   

           Wilhelm Jahn

 

 

Zeitgenössischer Scherenschnitt des dirigierenden Hofoperndirektors W. JahnWilhelm Jahn wurde am 24. November 1835 in Hof/Mähren im Haus Ringplatz Nr.11 (1.Stock) geboren. (Das Haus gehörte später Reinhold und Aurelia Drößler, Schmied und im unteren Stockwerk war das Schuhgeschäft der Firma Baťa untergebracht).

Über Jahns Jugend und Ausbildung zum Musiker und Dirigenten ist weiter nichts bekannt.  Er wird in den 70-er Jahren des vorigen Jahrhunderts als blauäugiger, dicklicher Riese beschrieben, der einen elegant geschnittenen Backenbart trug und mit seiner goldenen Brille einem wohlbeleibten Gymnasial-Professor glich.  Jahn war ein ungemein talentierter und vielseitiger Mensch.  Er hatte im ungarischen Temesvár als Opernsänger und Dirigent gastiert, wo er Fächer aller Stimmlagen sang und im Orchester viele Instrumente selbst spielte.  Weiters hatte er als Kapellmeister die Orchester in den Opernhäusern von Amsterdam, Prag und Wiesbaden geleitet. Dazu kam, daß Wilhelm Jahn ein außergewöhnlich talentierter Regisseur war und große administrative Fähigkeiten besaß. Als die Stelle des Hofoperndirektors in Wien nach Franz Jauner vakant wurde, dachte man zuerst an den großen Wagner-Dirigenten Hans Richter als Nachfolger, der schon seit 1875 in Wien wirkte. Dieser zeigte aber nach seiner früheren Tätigkeit als Operndirektor in Budapest keine administrativen Ambitionen mehr. So fiel durch Betreiben des Professors für Musikgeschichte und Kritikers Dr. Eduard Hanslick die Berufung auf Jahn und die Amtsübergabe erfolgte am 15. Oktober 1880.  Jahn und Richter waren Freunde und diese Freundschaft wirkte sich ungemein segensreich auf das Wiener Opernhaus aus.

Wilhelm Jahns Direktion erreichte in dreifacher Hinsicht Rekorde.  Kein Hofoperndirektor war so lange im Amt wie er - nämlich 17 Jahre.  Keiner hatte so wenig Feinde und Kritiker wie er und schließlich hatte kein Direktor das Repertoire des Hauses so bereichert wie Jahn. Allein von 1888 bis 1896 hat er 10 Opern in Wien für immer heimisch gemacht.  Er brachte unter anderem die Opern von Smetana, Mascagni, Leoncavallo, Massenet, Humperdinck, und Delibes in Wien zu triumphalen Erfolgen.  Johann Strauß öffnete er den Weg in die Oper (Ritter Pazman 1892, Fledermaus 1894). Wilhelm Jahn wird nachgesagt, daß er den Geschmack des Wiener Opernpublikums besonders erkannt hatte. Vielleicht hat er aber den Operngeschmack der Wiener erst geschaffen. Er führte alle Wagner-Opern außer Parsifal, die Bayreuth vorbehalten war, in Wien auf und benötigte dazu keinen einzigen Gastkünstler. 1888 begann eine legendäre Periode der Direktion Jahn, die bis 1896 dauerte und dem Wiener Publikum ein Meisterwerk der Opernliteratur nach dem anderen brachte. Vorher war 1887 das elektrische Licht in die Hofoper eingeleitet worden, was eine völlige Umstellung mit sich brachte.  Man kann sagen, daß es Jahn gelang, die k. k. Hofoper zu einer Stätte von höfischem Luxus und kultivierter Unterhaltung zu machen. Mit dem genialen Hans Richter zur Seite, bleibt Jahns Name mit vielen Opernaufführungen verbunden, die durch seltene Stimmenschönheit, prachtvollen Orchesterklang und erlesene Kostüme vollkommen und unübertrefflich waren.  Neben Hans Richter standen Jahn weitere hervorragende Dirigenten wie Wilhelm Gericke, Johann Fuchs, Franz Doppler, der Balettdirigent Josef Bayer und der Balettregisseur Josef Haßreiter zur Seite.  Jahn verstand es auch, die besten Künstler an die Wiener Oper zu bringen und hatte damit die größten Erfolge. Zu ihnen gehörten Theodor Reichmann, Emil Scaria, Hermann Winkelmann, Berta Ehn, Alois Ander, Marie Renard, Wilhelm Hesch, Ernest van Dyck und Rosa Papier.  Er war ein glänzender Führer und Entdecker von Sängern und Sängerinnen, die er überall aufsuchte und auch fand. Er suchte in den einschlägigen Schulen, in den Theatern der Provinz und auf den Operettenbühnen. Er suchte sogar in Fabriken und Werkstätten. So fand er z.b. Antonia Schläger, später eine beliebte Sängerin, als Arbeiterin in einer Druckerei.

1892 fand im Wiener Prater die Internationale Musik- und Theaterausstellung statt und Jahn verstand es, dieses bedeutende Ereignis entsprechend zu nutzen. Es war gleichsam eine Demonstration der Einheit des Habsburgerreiches auf kulturellem Gebiet. Man konnte dort während der fünf Monate dauernden Veranstaltung italienische Opern gesungen von italienischen Ensembles hören, tschechische Künstler sangen tschechische Opern in ihrer Muttersprache und die Lemberger Oper gastierte mit polnischen Opernwerken. Jahn brachte auch berühmte Gastdirigenten nach Wien.  Diese Veranstaltung brachte die interessantesten Werke in die österreichische Hauptstadt und beeinflußte nachhaltig den Wiener Kunstgeschmack. Jahn inszenierte auch viele Opern persönlich wie Manon, Werther oder Bajazzo.  Man erzählte sich angeregt, wie temperamentvoll und klug dieser dickliche, unförmige Mann jedem Künstler jede Geste vorspielte. Für Paula Mark soll er den Todestanz der Nedda (Bajazzo) erfunden und ihr vorgetanzt haben.

Die Direktion Jahn war auch für heutige Begriffe eine der glanzvollsten Zeiten der Wiener Oper. Kein Direktor hat je wieder ein so vielfältiges, in allen Farben schillerndes Repertoire herausgebracht.  Kein Direktor der Wiener Oper war so allgemein beliebt wie Jahn.  Er erntete fast ausschließlich nur Zustimmung und war wohl neben seinem Nachfolger Gustav Mahler (ebenfalls ein Sudetendeutscher) der erfolgreichste Operndirektor Wiens. Er war ein von Musik besessenes Talent und ein aufrichtiger Freund der Künstler. Er spielte mit seinen Sängern im Kaffeehaus Billard, setzte sich mit ihnen zum Biertisch und teilte mit ihnen die persönlichen Sorgen. Das änderte sich erst in den späteren Lebensjahren, wo er kränkelte und schließlich menschenscheu wurde. Am 8. Oktober 1897 folgte Jahn Gustav Mahler als Direktor der Wiener Hofoper. 1900 starb Wilhelm Jahn in Wien.

Mit Stolz können wir heute von unserem Heimatstädtchen Hof sagen: "Heimat warst du großer Söhne". Einer unter ihren größten war Wilhelm Jahn.

 Die Hofer Chronik berichtet:

In der Ausschußsitzung vom 15. 11. 1888 wurde beschlossen, an dem Geburtshause des Hofoperndirektors Wilhelm Jahn No.11, eine Gedenktafel anzubringen. Am 26. 5. 1889 fand die Enthüllung dieser Gedenktafel statt.  Sie hat folgenden Wortlaut:

Geburtshaus des k. k. Hofoperndirektors Wilhelm Jahn. Gewidmet von der Stadt Hof 1888. Das Festkomitee bestand aus Dr. Wilhelm Fuchsig, Notar, der die Festrede hielt, J.W. Krumpholz, Bürgermeister, Josef Preis, Arzt, Franz Gaßner, Baumeister und Oberlehrer Emil Kuhn. Die Kosten der Feier wurden aus Gemeindemitteln gedeckt.

Damals erschien in der "Österreichischen Volkszeitung " ein Artikel über diese Feier mit einem Bild des Geburtshauses:

Der unbestrittene Geburtsort des Hofoperndirektors Wilhelm Jahn ist die Stadt Hof in Mähren. So hat der verdienstvolle erste Kapellmeister unserer Hofbühne schon bei Lebzeiten sein Monument, welches wir ihm vom Herzen gönnen.  Unser Bild zeigt das Haus, wo die Wiege des Künstlers gestanden. In einer Stube des ersten Stockes hat Direktor Jahn den ersten kräftigen Schrei ausgestoßen.  Das Haus steht auf dem Marktplatze von Hof und trägt die Nummer 11.  Rechts davon ist das Telegraphengebäude und links das Gasthaus "zur Weintraube". Jahn ist also zwischen dem zündenden Funken und einem guten Tropfen auf die Welt gekommen und hat sie Beide bis auf den heutigen Tage in Ehren gehalten.  Erwähnenswert ist, daß es 18 Ortschaften mit dem Namen Hof gibt, - Jahn aber hat sich gerade die Stadt Hof in Mähren für seine Ankunft in die Welt ausgesucht und darum statten ihm nun die wackeren Bürger
von Hof  in so sinniger Weise den dauerhaftesten Dank ab.

                                                                                                                        

Fürst Johann II. von und zu Liechtenstein

                               Die Hofer Chronik berichtet über ihn unter anderem folgendes:

Am 12. 11.1858 trat Fürst Johann II. von Liechtenstein die Regierung an. Die allgemeine Verehrung und Liebe, die diesem hochherzigen Fürsten auf allen jenen Gebieten, die das Glück haben, durch jahrhundertelange Zugehörigkeit zum Hause Liechtenstein seinem Herzen näher zu stehen, entgegengebracht wurden, waren eine Frucht seiner unvergleichlichen Mildtätigkeit. Für alle Zeiten blieb ihm der Ruf eines wahren und echten Menschenfreundes. Auch unserer Stadt Hof hat sich der edle Fürst unzählige Male als Wohltäter bewiesen und sich dadurch unsterbliche Dankbarkeit erworben. Sein Name wird nie vergessen werden.

                        Diese Worte alleine charakterisieren eigentlich schon den außergewöhnlichen Menschen.

        Fürst Johann II. wurde am 5. 10. 1840 auf dem Liechtenstein‘schen Schloß Eisgrub, in Südmähren (früher zu Niederösterreich gehörend), geboren. Sein Vater war Fürst Alois II., seine Mutter war Franziska geb. Gräfin Kinsky. Johann II. genoß eine sorgfältige schulische Ausbildung, besuchte die Universitäten Wien und Bonn, sowie die Technische Hochschule Karlsruhe. Ferner nahm er Sprachunterricht in Englisch, Französisch, Italienisch und Tschechisch. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1858, übernahm er die Regierung des kleinen Fürstentums Liechtenstein und die Verwaltung der, in der Monarchie verstreut liegenden Güter. Sicher war es für den jungen Fürsten nicht einfach, mit 18 Jahren die Nachfolge seines Vaters so früh anzutreten, denn er war noch Student. Das Revolutionsjahr 1848 brachte epochale Umwälzungen mit sich. Die Wandlung von der Feudalherrschaft zu den Einrichtungen der konstitutionellen Monarchie verursachte eine völlig neue politische Ordnung (Grundentlastung, Gemeindegesetz, Gerichtsverfassung usw.), deren Durchführung sich auch im Liechtenstein'schen Besitz entsprechend auswirkte und sich in die Regierungszeit Johann II. hineinzog. Die Liechtensteiner zeigten bislang kein sehr großes Interesse an ihrem Land zwischen Vorarlberg und der Schweiz. Johann II. gab ihm erstmals 1862 eine Verfassung und einen Landtag. Der Fürst war ein sehr gebildeter und weitblickender Mann. Viele Reisen vermittelten ihm fachliches Wissen. Seine Studien beschränkten sich nicht nur auf landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Musterbetriebe, Gartenanlagen und Hochbauten, er interessierte sich auch besonders für soziale Einrichtungen, die er in seinen Betrieben verwirklichte. Der kunstsinnige Mann suchte kunstgewerbliche Institutionen, Museen und Galerien auf und wurde ein Förderer von Kunst und Wissenschaft. Im Wiener Palais Liechtenstein und in seinem Schloß Feldsberg unterhielt er umfangreiche Sammlungen, die er ständig ergänzte. Junge Künstler unterstützte er durch Ankauf ihrer Bilder und förderte den Künstlernachwuchs an der Kunstakademie Wien durch Stipendien. Großzügig schenkte er der Akademie der bildenden Künste, dem Museum der Stadt Wien und der Modernen Galerie unzählige Bilder. Nach dem 1. Weltkrieg beschäftigte er eigens den akademischen Maler Hürden, um nordmährische Motive zu malen. Er unterstützte diverse wissenschaftliche Institute, förderte Forschungsexpeditionen und ermöglichte Publikationen wissenschaftlicher Arbeiten. Die Schlösser Feldsberg und Eisgrub (einschließlich einer Neugestaltung der Gartenanlagen) ließ er großzügig umbauen, die Burg Sternberg renovieren, mit Wasserleitung und elektrischem Licht ausstatten und wohnlich einrichten. In Feldsberg wurde mit seiner Förderung 1895 eine Obst- und Gartenbauschule errichtet, die zur Musteranstalt in der Monarchie wurde. Anschließend wurde ein Institut für Pflanzenzüchtung errichtet, in dem die Mendelschen Erbgesetze praktisch erprobt wurden. Der Fürst war ein leidenschaftlicher Jäger. Vor der Jahrhundertwende baute er sich durch Pacht der, an seine Grundstücke angrenzenden Wälder des Deutschen Ritterordens und die Feldjagden der Nachbargemeinden in unserer Gegend eine große Leibjagd auf. Dazu errichtete er das, den älteren Hofern gut bekannte Jagdschloß in Neuwaltersdorf, das er bei der Wiener Weltausstellung gesehen und erworben hatte. Es war eine schlichte, aber geschmackvolle Stahlblechkonstruktion auf Sandsteinfundamenten. Nur die übliche Jagdsaison von etwa 14 Tagen verbrachte Johann II. mit einem Hofbeamten, dem Koch und einem Leibdiener im Jagdschloß. Im Winter hielt er sich im Wiener Palais auf, im Frühling zog er auf sein Lieblingsschloß Eisgrub. Wenn dort die Gelsenplage durch die benachbarten Gewässer zu groß wurde, übersiedelte er für längere Zeit nach Sternberg, die nur durch den Jagdaufenthalt in Neuwaltersdorf unterbrochen wurde. Der Fürst war unverheiratet. Zu seinen nächsten Verwandten zählte sein Bruder Franz (I.) der sein Nachfolger wurde und 1938 starb. Neben anderen auch Prinz Alois, der ihn häufig besuchte und dessen Frau Elisabeth, die eine Nichte des Kaisers Franz Josef war.

       Johann II. gehörte zu den reichsten Männern Europas, lebte aber selbst bescheiden, bedürfnislos und zurückgezogen. Er hatte stets ein Herz für die anderen. Als Patronatsherr mehrerer Kirchen unserer Gegend und auch von Hof (er war ein frommer Mann), sorgte er für die Erhaltung der Gotteshäuser. Vielen Armen, Alten, Arbeitsunfähigen und Hilfsbedürftigen gewährte er Unterstützung, wenn sie ihn um Hilfe baten. Schon zu Lebzeiten wurde er „Der Gütige“ genannt. Immer schon hatte sich das Fürstenhaus Liechtenstein in Notsituationen hilfsbereit gezeigt. Die Herrschaft Sternberg wurde von den Liechtensteinern 1695, die Herrschaft Karlsberg, die früher Herrschaft Hof hieß und zu der auch die Stadt Hof gehörte, im Jahr 1699 erworben. Seit dieser Zeit wurde viel Gutes getan. Fürst Johann aber hat sicher alle seine Vorgänger mit seiner Hilfsbereitschaft übertroffen. Neben vielen Einzelaktionen wäre die Unterstützung der Stadt in den Jahren 1862/63 zu nennen, wo durch den amerikanischen Bürgerkrieg die Baumwollieferungen gänzlich ausblieben und eine fatale Arbeitslosigkeit ausbrach. 1894 mußte die Stadt unter großen Opfern 23.600 Gulden für den Bau des Bahnanschlusses aufbringen. Der Fürst übernahm davon 6.000 Gulden. 1897 spendete der Fürst die gesamte Neupflasterung der Pfarrkirche, so wie sie heute noch besteht. 1909 spendete er für den Bau des neuen Krankenhauses 3.000 Kronen. 1914 überließ er der Gemeinde ein neues Harmonium für die Friedhofskirche und bezahlte deren Renovierung. Schließlich wurde die Elektrifizierung der Stadt im Jahr 1921 erst durch den Fürsten ermöglicht. Der Strom kam vom Elektrizitätswerk Sternberg und der Fürst gestattete den Anschluß an seine Leitung zum Schloß Neuwaltersdorf. Die trotzdem noch erforderliche Hochspannungsleitung von 14 km subventionierte der Fürst außerdem mit über 56 %. Da die Hofer Glocken im Krieg 1914/18 der Metallsammlung zum Opfer gefallen waren, wurden 1925 neue Glocken angeschafft, für welche der Fürst 3.000 Kronen spendete. Den neuen Schulbau, welcher 1929 begonnen und 1930 vollendet wurde, hatte er noch mit 10.000 Kronen dotiert.

      Am 11. Februar 1929 starb Fürst Johannes II. von und zu Liechtenstein in Feldsberg. Er wurde in der Familiengruft in Wranau bei Brünn beigesetzt. Nach dem Tode des Fürsten zog im Auftrag seines Neffen die fürstliche Güterverwaltung Bilanz über die Wohlfahrtstätigkeit Johann II. Es kamen über 50 Millionen Goldkronen (nicht Kč!) heraus.

      Anmerkung aus der Chronik von Hof aus dem Jahr 1908: „Seine Durchlaucht Fürst Johann II. von und zu Liechtenstein wird aus Anlaß seines 50-jährigen Regierungsjubiläums in Würdigung seiner großen Verdienste um die Stadt Hof, zum Ehrenbürger ernannt.“     

  

Dr. Wilhelm Freisler

        Am 29. Jänner 1906 war Dr. Wilhelm Freisler, Rechtsanwalt aus Neutischen, in den mährischen Landtag (Sitz Brünn) gewählt worden. Er erhielt seine Stimmen vorwiegend von den Landgemeinden. In den Städten Hof Bautsch, Bärn und Stadt Liebau wurde der deutsch­nationale Prof. Dr. Rudolf Sommer gewählt. 1907 und 1908 waren starke Bemühungen der Städte Hof, Bautsch und Stadt Liebau im Gange, um zunächst die Teilung des Verwaltungsbezirkes Sternberg, welchem damals noch dieses Gebiet angehörte, zu verhindern und dann, als diese Bestrebungen vergebens waren, Hof und nicht Bärn zur Bezirkshauptstadt zu machen. Dabei wurde auch Dr. Freisler als Abgeordneter zum Landtag eingeschaltet. Sein Engagement war jedoch ohne Erfolg. Die Stadt Hof hatte übrigens insgesamt 168 Petitionen, Denkschriften und Unterstützungsgesuche an alle möglichen einflußreichen Stellen und Personen (Minister Dr. Ritter von Hartel, Feldmarschall-Leutnant Rummer von Rummershof, alle zuständigen Abgeordneten in Land- und Reichstag) in dieser Angelegenheit gesandt. Dr. Freisler hatte sich immer in besonderer Weise für die Stadt Hof verwendet. 1912 wird Dr. Wilhelm Freisler, Landtagsabgeordneter und Landesausschußbeisitzer in Würdigung und Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt Hof zum Ehrenbürger ernannt.

 

Emil Kuhn

         Emil Kuhn war vom 15.9. 1878 – 30.11. 1904 Lehrer, Oberlehrer und mit der Gründung der Bürgerschule später Direktor an den Schulen in Hof. 1882 übernahm er neben seiner Tätigkeit als Lehrer, die Organistenstelle und die Funktion des Chorleiters, die er bis 1895 innehatte. 1882 wurde auch der Verschönerungsverein gegründet. Obmann war Emil Kuhn und später Landesgerichtsrat Alois Rotter. Die Grünanlage am Villaberg an der Troppauerstraße waren Kuhns Verdienst. Über Antrag des Oberlehrers Kuhn als Obmann des Verschönerungsvereines wurden 1895 auf der Kaiserstraße von der Stadt (südwestliche Ortseinfahrt) bis zu „Postmeisters Kreuz“ Kastanienbäumchen gepflanzt, die bisher in der Stadt unbekannt waren. Später, 1896 wurde über Antrag Emil Kuhns als Obmann des Verschönerungsvereines auch die Anpflanzung von Bäumchen im Stadtgebiet von der Stadtverwaltung beschlossen. Am 15.9. 1895 wurde Kuhn Schuldirektor. Mit Erlaß des Ministeriums für Kultus und Unterricht vom 3.11. 1897 wurde Schuldirektor Emil Kuhn zum Bezirksschulinspektor der deutschen Schulen des Schulbezirkes Sternberg für die restliche Dauer des Schuljahres 1900/1901 und für die folgende Funktionsperiode ernannt.

Die Hofer Chronik berichtet von einem Ereignis, das für das Bildungswesen der Stadt von besonderer Bedeutung war: „Mit Erlaß vom 12.1.1895 Zl.38 teilte der Bezirksschulrat Sternberg mit, daß der hohe k.u.k. Landesschulrat mit Erlaß vom 2.1.1895 Zl.41, die Errichtung einer Knabenbürgerschule mit deutscher Unterrichtssprache zu bewilligen befunden habe und diese Bürgerschule mit der Volksschule unter die gemeinsame Leitung eines Direktors zu stellen ist, so wie eine Direktorstelle und 3 Bürgerschullehrerstellen zu systemisieren seien. Mit der Aktivierung dieser Bürgerschule (zuerst der ersten Klasse) wurde die damalige 6 klassige Volksschule mit 7 Abteilungen zu einer 5 klassigen mit 6 Abteilungen reduziert. Die 1., 2., 3. und 4. Klasse, letztere in zwei Abteilungen getrennt, hatte nun die ersten 5 Schuljahre für beide Geschlechter gemeinsam zu bilden, die 5. hatte nun das 6., 7. und 8. Schuljahr der Mädchen zu enthalten. Der Personalstand der Volksschule wurde mit drei Lehren, einer Lehrerin und drei Unterlehrern festgesetzt. Um die Stelle der Lehrerin bewarb sich als einzige Kompetentin Klara Rödert, Unterlehrerin von hier und erhielt diese Stelle. Um die Direktorstelle bewarb sich als einziger Kompetent Oberlehrer Emil Kuhn.“

        Während der Zeit, wo Emil Kuhn an der Hofer Schule tätig war, bekleidete er auch Funktionen in der Stadtvertretung. So war er bei der Eröffnung der Lokalbahn Bärn /Andersdorf - Hof  beteiligt. Als Emil Kuhn zum Schulinspektor ernannt worden war, übersiedelte er am 21.11. 1904 von seinem Wohnsitz Hof nach Sternberg. An seine Stelle trat Direktor Wenzel Schächer, der von Sternberg kam.

        Emil Kuhn, Bezirksschulinspektor in Sternberg, wurde laut Hofer Chronik „mit Rücksicht auf seine mehr als 20-jährige, verdienstvolle Tätigkeit an den Hofer Schulen als Lehrer, Oberleh­rer und Direktor  der Hofer Bürgerschule, zum Ehrenbürger der Stadt ernannt.“

 

Dr. Adolf Promber

Dr. Adolf Promber war Abgeordneter zum Landtag in Brünn. Durch viele Jahre bemühte sich die Stadt Hof eine Verbindung zu den Städten Bärn und Bautsch und damit zum Eisenbahnnetz zu erlangen. Erst der unermüdliche Einsatz von Dr. Promber führte 1895 dazu, daß der hohe Landesausschuß zum Bahnbau eine Subvention von 40.000 Fl. bewilligte. Die vom Staate geforderte Aufzahlung von 5.500 Fl. wurde von der Gemeinde geleistet, damit der „langersehnte Wunsch der Bevölkerung zur Erreichung einer Eisenbahn endlich erzielt werde“. (Sitzungsprotokoll vom 8.9.1895). Später sollte aber der Anteil der Stadt auf 23.600 Fl. hinaufschnellen. Da die Regierung nur eine schmalspurige Bahn von Bärn-Andersdorf nach Hof bauen wollte, begab sich über Schreiben Dr. Prombers eine Deputation der Gemeindevertretung  zum Ministerium nach Wien, um doch den Bau einer Normalspur-Bahn zu erreichen. Diese Bemühung blieb erfolglos.             
          In der Hofer Chronik findet man für das Jahr 1897 die  Eintragung: „Dr. Adolf Promber wurde wegen seiner vielen Verdienste um die Stadt Hof (Errichtung der Bürgerschule, Bahnbau) zum Ehrenbürger ernannt.“ Unter den Eintragungen des Jahres 1899 steht: „Am 23.2. 1899 starb der für unsere Stadt Hof verdiente Dr. Adolf Promber. Er ist der Intellektuelle Urheber unserer Bürgerschule und hat sich um das Zustandekommen des Bahnbaues Bärn/Andersdorf - Hof die größten Verdienste erworben. Hunderte von Gulden spendete er zu Wohltätigkeitszwecken für Hof, insbesonders für arme Schulkinder.

 

 Bezirkshauptmann Johann Nischelwitzer

Aus der Hofer Chronik kennen wir nur eine einzige Eintragung, nämlich: “Dem aus dem Bezirke scheidenden Bezirkshauptmann Nischelwitzer wird in Anerkennung seiner Verdienste für die Stadt Hof das Ehrenbürgerrecht verliehen.“

  

Adolf Wiesenburg, Edler von Hochsee

       

        Der Name Wiesenburg ist mit Hof durch gravierende Arbeitsbeschaffung für die Bevölkerung verknüpft. In den 40-er und 50-er Jahren des vorigen Jahrhunderts waren in Hof ungefähr 1600 Webstühle in Betrieb. Anfang der 60-er Jahre ging dann der Absatz rapid zurück, es gab fast keine Arbeit. Der einzige Weberfaktor Gröger in Sternberg führte seinen Betrieb weiter. Für diesen arbeiteten die meisten Hofer Weber nur nach Bedarf. Damals wanderten ungefähr 50 Hofer Familien nach Rittersfeld zur Firma Wiesenburg aus. Zu jener Zeit kam der erste Kontakt mit diesem Namen zustande. Später hatte Hof durch die Eröffnung der Bahnlinie Olmütz - Jägerndorf - Troppau (1873) außerdem an Verkehr eingebüßt, denn ein beträchtlicher Teil der Fracht wanderte nun auf dem Schienenwege in die Bestimmungsorte.

DieStadtverwaltung war deshalb bemüht, ein Fabriksunternehmen nach Hof zu bringen,  welches  Bestreben  auch  durch  die

Niederlassung der Firma Wiesenburg  Erfolg  hatte.  Mit  der  Errichtung  der  Wiesenburg’schen Fabrik war der erste Schritt getan worden, um die damals in Hof infolge Arbeitsmangels herrschende Not zu lindern.

Im Jahr 1886 wurde der Firma Wiesenburg die zur Anlage einer Fabrik nötigen Grundstücke und das erforderliche Steinmaterial von der Gemeinde Hof kostenlos zur Verfügung gestellt. Dieses Unternehmen führte in der Gemeinde die Seidenweberei ein und beschäftigte 100 Arbeiter. Es wurde ihr zuerst im Jahr 1880 das Gemeindehaus No.62 (gegenüber der Kirche, später Bürgerschule und zuletzt evangelisches Bethaus) gegen eine jährliche Entschädigung von 250 Fl. auf 5 Jahre überlassen. Außerdem beschäftigte die Firma Arbeiter auf ihren eigenen Stühlen in Privatwohnungen. Im Jahr 1893 arbeitete sie schon in ihrem eigenen Fabriksgebäude, einem ebenerdigen Bau auf dem sogen. Wiesenburgplatz, auf dem vorher der seinerzeitige Brettsägenbesitzer Josef Müller seinen Betrieb hatte. Später gehörte dieses Gebäude, welches die Nummern 276 und 277 trug, dem Tischlermeister Eduard Pietsch sen., der dort eine moderne Tischlerei einrichtete und Möbel, Schuleinrichtungen und dergleichen erzeugte.  

     In den Jahren 1908 -1909 mußten in der Seidenfabrik Wiesenburg Betriebseinschränkungen durchgeführt  werden,  was wieder zur Folge hatte, daß Arbeiter nach Bolkenhain (Preuß.  Schlesien), Rittersfeld und Oberwaltersdorf  (Österreich) auswanderten. Der Fabriksbetrieb der Firma Wiesenburg ging leider im Laufe der Zeit, besonders während des ersten Weltkrieg zum größten Teil, der Rest in der Nachkriegszeit, zugrunde. Im ersten Weltkrieg wurden Rekruten des 32. Infanterieregimentes in die Fabrik Wiesenburg einquartiert. Das Gebäude wurde dann von der Firma Silvet übernommen, die auch die seinerzeitige Spanraft‘sche Fabrik (in der Vogteistraße) ankaufte. 

      Adolf Wiesenburg, Edler von Hochsee, wurde 1908 aus Anlaß seines 70. Geburtstages und weil er stets nach seinen vorhandenen Mitteln bestrebt war, die Gemeinde mit Arbeitsplätzen zu versehen, zum Ehrenbürger von Hof ernannt. Er spendete für diese Ehrung 500 Kronen.


 

Josef Preis

Josef Preis war Gemeinde- und Distriktsarzt in Hof und bekleidete während seiner Tätigkeit auch Funktionen im Gemeindeausschuß, im Ortsschulrat und bei der freiwilligen Feuerwehr.

Die Hofer Chronik berichtet: „Der Hofer Distriktsarzt Josef Preis bekam zufolge Erlasses der Statthalterei Brünn vom 7.2. 1912 in Anerkennung seiner mehr als 40-jährigen treuen und zufriedenstellenden Ausübung der ärztlichen Praxis die Ehrenmedaille, die ihm in Gegenwart der Gemeindevertretung überreicht wurde. Im Jahre 1913 wurde derselbe für sein 40-jähriges Wirken als Arzt in Hof, als langjähriges Mitglied der Gemeindevertretung, des Ortsschulrates, der Feuerwehr etc., sowie in Würdigung der Verdienste, die er sich dadurch  erworben  hat,  zum  Ehrenbürger  von Hof  ernannt.“

 

  Otto Katz

 

        Die Ursprünge der Katz’schen Fabrik in Hof reichen in das Jahr 1911 zurück. Die Hofer Chronik kann dazu Näheres berichten:

        1908 fiel die Schöbelmühle, Bautscherstraße 109, einem Brand zum Opfer. Die Mühle wurde nicht mehr aufgebaut, sondern die Brandstelle später von der Gemeinde erworben. Sie bildete die Grundlage der später errichteten Katzfabrik. Mit Kaufvertrag vom 4.5. 1910 hatte die Stadtgemeinde Hof von der minderjährigen Paula Schöbel die Brandstelle Schöbelmühle um 2000 Kr. gekauft und mit Schenkungsvertrag vom 22.9. 1911 übergab die Gemeinde der Firma Carl Katz, Strumpf- und Wirkwarenerzeugung in Proßnitz diese Brandstelle zur Erbauung einer Fabrik. Im Jahr 1911 wurde dieser Bau aufgeführt, die Kosten des Gebäudes samt Wehranlage betrugen 18.625 Kr. 88 h. Dieser Betrag hatte bei einer eventuellen Nachfolge durch die Gemeinde nach den Vertragsbestimmungen als Übernahmspreis zu gelten. Durch Zubau im Jahre 1914 wurde die Fabrik vergrößert. Die Firma erhielt als Ersatz für Steine und Sand einen Pauschalbetrag von 300 Kr. Und zur Verlegung des Mühlgrabens mit Zementrohren vom Christdorfer Wehr bis zum Hause des Franz Langer No.151 den Betrag von 200 Kr. Mit Kaufvertrag vom 12.6. 1911 erwarb die Fabrik Josef Barth & Comp., Wien VII., Neubaugasse 28. Nach Auszug aus dem Handelsregister Wien vom 18.11. 1919 ging sie in den alleinigen Besitz von Josef Barth über. Laut Zuschlagserteilung vom 16.7. 1925 war dann Otto Katz der Besitzer. Die letzte Vergrößerung durch die Errichtung eines einstöckigen Gebäudes an der Vorderseite erfolgte im Jahr 1928.  Dem Fabrikbesitzer Otto Katz wurde der Eislaufplatz, Parzelle No.  2518, Wiese, samt daran anstoßender Parzelle No. 414/2 Wiese und Bauparzelle 413 Feuerwehrsteigerhaus um 3 Kč für einen Quadratmeter zur Aufführung eines Neubaues bei seiner Fabrik überlassen und der gesamte von Otto Katz an die Gemeinde bezahlte Kaufpreis von 12.285 Kč dem hiesigen Eislaufverein zur Neuanlegung eines Eislaufplatzes zugewendet. Zu diesem Zwecke wurden ihm auch die Grundparzellen No.787, 2724/1, gelegen an der Bahnstraße, unter Vorbehalt des Eigentumsrechtes der Gemeinde und mit grundbücherlicher Intabulierung des Benützungsrechtes überlassen; bei dreijähriger Nichtbenützung zu Eislaufzwecken erhält die Gemeinde wieder das freie Verfügungsrecht hierüber.

            Die Errichtung dieser Fabrik fiel in eine wirtschaftlich sehr schlechte Zeit. Viele Hoferinnen und Hofer verdankten Otto Katz einen Arbeitsplatz. Er wurde deshalb in den 30-er Jahren mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt geehrt. Die Katz’sche Fabrik wurde auch in der ärgsten Krisenzeit der 30-ger Jahre, wo alle anderen Fabriken in Hof den Betrieb eingestellt hatten und es 500 Arbeitslose gab, nie geschlossen. Otto Katz  war jüdischer Abstammung und mußte 1938 leider das Schicksal seines Volkes teilen und wanderte nach Amerika aus.

 

Dr. Thomas G. Masaryk

war der erste Präsident der tschechoslowakischen Republik und maßgeblich an deren Entstehen und die Einverleibung der von Deutschen besiedelten Randgebiete Böhmens und Mährens bzw. der Lostrennung dieser Gebiete von der Republik Deutsch-Österreich gegen den Willen der Bevölkerung beteiligt. Wann und warum Masaryk Ehrenbürger der Stadt wurde, geht aus den Aufzeichnungen nicht näher hervor. Der Akt der Verleihung selbst und eine übliche Begründung findet sich nicht in den Niederschriften. Lediglich daß Masaryk Ehrenbürger von Hof war, findet man im Gemeindegedenkbuch II in der Notiz vom Tod des Altpräsidenten im Jahr 1937.

 

Bürger, die durch direkte Arbeit in der Gemeinde

die Ehrung erlangten.

 Während die Mehrzahl der Hofer Ehrenbürger  keine Gemeindemitglieder waren und die Auszeichnung durch ihre besondere Tätigkeit zum Wohl der Stadt erhielten, galt die besondere Leistung der nachstehend angeführten Ehrenbürger direkt der Hofer Bevölkerung. Ihr Engagement muß wohl eine herausragende Bedeutung für das Gemeinwesen bedeutet haben, wenn sie durch ihr besonderes Verhalten und Hingabe für die Gemeinschaft für würdig befunden wurden, neben Persönlichkeiten höchsten Ranges, in die Ehrenliste eingereiht zu werden.

 

Josef Gerlich

Josef Gerlich wurde am 6. 5. 1850 in Odrau geboren, kam nach Hof und heiratete am 26. 10. 1875 Frau Josefa Langer. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, nämlich Auguste, Louise, Mitzi (starb mit 28 Jahren) Camilla und Johann, der am 27. 12 1876 zur Welt kam. Er war der bekannte Textilkaufmann, der am Ringplatz sein Geschäft hatte. Josef Gerlich war Kaufmann. Er erwarb auch von Leo Neumann die große Landwirtschaft in der Hartelgasse - Ecke Ufergasse, die er im Jahre 1912 an das Ehepaar Mader aus Altliebe, welches das Anwesen bis zur Aussiedlung besaß, verkaufte. Die Äcker zogen sich vom Haus Popek über den späteren Krisenpark bis zur Gundersdorfer Gemeindegrenze und lagen teilweise auch im Gebiet des Galgenberges. Ein kleiner Teil blieb im Besitz der Familie Gerlich, der sogenannte Gerlichberg, wo 1926 im tief liegen Teil an der Spitalstraße der Turnplatz errichtet wurde.

Josef Gerlich wandte sich bald uneigennützig der Kommunalpolitik zu. 1886 wurde er in den Verwaltungsausschuß der Gemeindesparkassa gewählt. 1888 wurde er III.Gemeinderat. 1897  wurde  Josef  Gerlich zum  II. Gemeinderat  und  1901 zum I.Gemeinderat bestellt. Schließlich wurde er bei der Wahl des Stadtvorstandes am 11.8. 1908 Bürgermeister und bekleidete dieses Amt bis zu seinem Tod. Der neue Bezirksschulrat für den Schulbezirk Bärn wurde mit 1.7. 1910 aktiviert, nachdem der neue Bezirk Bärn durch Loslösung aus dem Bezirk Sternberg entstanden war. Mitglied war Josef Gerlich, Bürgermeister von Hof. Bei den Wahlen am  21.2.  1911 wurde  Josef Gerlich  als  Bürgermeister  bestätigt. Am 3.3. 1914 erfolgte eine neuerliche Wiederwahl.

In das Jahr 1909 fällt unter Gerlichs Amtsperiode die Errichtung eines zunächst als Bürgerspital  (Armenhaus)  vorgesehenen Gebäudes in der  Spitalstraße,  das  aber  nach  Fertigstellung 1912 erweitert, und in ein Distriktskrankenhaus umgewidmet wurde. Im Jahr 1914 wurde die Wasserversorgung der Stadt Hof unter der Amtsführung des Bürgermeisters Josef Gerlich gebaut. Schließlich hat der damalige Bürgermeister einen Wehrschild errichten lassen, der durch verschieden gestaffelte Spenden, dementsprechend mit Nägel in Eisen, Silber und Gold von der Bevölkerung beschlagen wurde und damit den Soldaten im Feld geholfen werden sollte. Die Hofer Chronik berichtet: „ ..... hat Bürgermeister Josef Gerlich in patriotischer Begeisterung auf eigene Kosten den Wehrschild herstellen lassen. Er wurde von dem hiesigen Bildhauer Johann Pietsch entworfen und in Holz geschnitzt. Er hat die Form eines Wappens von ungefähr 1 m Höhe. Die Umrandung bildet ein Eichenkranz, am oberen Ende ist der Wahlspruch des Kaisers Franz Josef I.: „Mit vereinten Kräften“ in gotischer Schrift ausgeschnitzt. Die Mitte bildet das Hofer Stadtwappen. 

.... Am 2.11. 1918 hatte sich für den politischen Bezirk Bärn der Volksausschuß des deutschen Nationalrates konstituiert. Vertreter in diesen Ausschuß waren entnommen: 8 aus Bärn, 3 aus Bautsch, je 2 aus Hof und Stadt-Liebau und 9 aus den Landgemeinden, zusammen 24.                                   

Aus Hof wurden der Bürgermeister  Josef  Gerlich  und  Franz  Nissel  gewählt. Herr Bürgermeister Gerlich hatte auch für die arme Bevölkerung immer eine offene Hand. Bei der Gemeindevertretungssitzung am 7. März 1919 wurde der erkrankte Bürgermeister Josef Gerlich wegen seiner außerordentlichen Verdienste um das Wohl der Stadt Hof zum Ehrenbürger ernannt. Am 1. Mai 1919 schloß er nach 12 jähriger Amtstätigkeit als Bürgermeister seine Augen für immer. Die Stadtvertretung widmete ihm einen Kranz mit Schleife mit der Inschrift: „Ihrem verdienstvollen Bürgermeister die dankbare Stadtgemeinde“ und beteiligte sich körperschaftlich an seinem Leichenbegängnisse. Herr Bürgermeister Gerlich hatte während der ganzen Kriegszeit sein Amt als Bürgermeister mit Umsicht und Eifer verwaltet und an allen Sorgen unserer Stadt mitfühlend teilgenommen. Sein Hauptverdienst ist aber der Bau  der  Hofer  Wasserleitung  und  die  Errichtung  des Hofer öffentlichen Krankenhauses,  welche Wohlfahrtseinrichtungen  unserer  Gemeinde  zum   größten  Segen
gereichen.

Frau Josefa Gerlich, Witwe nach dem verstorbenen Bürgermeister  Josef Gerlich, spendete ein neues eisernes Friedhofstor. Die Grabstelle des verstorbenen Bürgermeisters Josef Gerlich wird von der Gemeinde als Ehrengrab 

gewidmet.“

 

  Franz Raab

Franz Raab wurde am 24. 9. 1840 in Hof geboren. Er war verheiratet und aus der Ehe entstammten die vier Kinder Franz, Karl, Heinrich und Josefine. Die Familie des angesehenen Weberfaktors galt als wohlhabend und ließ auch den Kindern eine solide Berufsausbildung genießen, was zu der damaligen schweren Zeit durchaus nicht allgemein üblich war. Die Familie bewohnte das Haus Ufergasse 91, welches später von Frau Appel erworben wurde und in dem sich die Drogerie Ludwig befand. Der älteste Sohn Franz Raabs absolvierte nach einer Gymnasialausbildung die Technische Hochschule in Brünn und wurde Oberbaurat in Linz. Der zweite Sohn wurde 1879 geboren und war der bekannte Sparkassendirektor und Bürgermeister von Hof, Karl Raab. Er war zunächst als Nachfolger im väterlichen Betrieb vorgesehen, trat dann aber 1899 in den Dienst der Stadtgemeinde ein. Der letzte Sohn Heinrich besuchte die Textilfachschule, sollte das Geschäft des Vaters übernehmen, starb aber schon früh. Tochter Josefine heiratete einen Ingenieur, der nach Wien in den Staatsdienst ging und Oberfinanzrat wurde. Im 1.Weltkrieg war er Regimentskommandeur in Bochnia/Gali­zien.

1886 wurde die Hofer Stadtsparkasse gegründet und in den ersten Verwaltungsausschuß Franz Raab gewählt. 1898 wurde die Lokalbahn Bärn/Andersdorf - Hof eröffnet. Im Komitee befand sich auch Franz Raab. 1901 wurde er Gemeindeausschußmitglied.

Die Hofer  Chronik berichtet im Abschnitt des Jahres 1914: Franz Raab wurde in Anerkennung seiner Verdienste um die Gemeinde, da er mehr als 30 Jahre die Stelle eines Armenvaters mit großer Mühe und Opfern bekleidet hat, zum Ehrenbürger ernannt.

Die Persönlichkeit Franz Raab ist untrennbar mit seiner hingebungsvollen Tätigkeit für die Armen der Stadt verbunden. Er wurde deshalb auch als „Armenvater“ bezeichnet und bestritt seine Aufgabe aus religiöser Überzeugung und unter Einsatz seiner eigenen finanziellen Mittel. Am 7.3. 1920 ist er in Hof gestorben.

Seine Enkelin Germa Boehs, geb. Raab, hat ihn in folgender Erinnerung: Er wurde zum Ehrenbürger ernannt und als er starb, kamen den ganzen Tag die Leute an seinen Sarg, um ihn mit Tränen laut zu danken. Er lag da mit seinem stillen, gütigen Gesicht, umrahmt von dem silberweißen Bart. Nicht anders, als ich ihn immer gekannt hatte. Großvater war noch einer von denen, die für andere Verantwortung trugen und sich zu einer vorbildlichen Haltung verpflichtet fühlten.

 

Wilhelm Czech

 Wilhelm Czech, Wirtschaftsbesitzer in Hof, bewohnte das Bürgerhaus am Ringplatz 12 und war mit Antonia Kretschmer verheiratet. Ihr Sohn war der bekannte Lehrer und Bürgermeister Rudolf Czech, welcher 1873 geboren wurde und 1934 starb. Weitere familiäre Angaben stehen leider nicht zur Verfügung. Die übrigen Einzelheiten kann man nur der Hofer Chronik entnehmen.

1873 wurde Wilhelm Czech Mitglied der Gemeindevertretung. 1874 wurde die Hofer freiwillige Feuerwehr gegründet. Dieses Ereignis ist untrennbar mit dem Namen Wilhelm Czech verbunden. 1876 wird Wilhelm Czech  zum I. Gemeinderat bestellt. Die am 14. Jänner 1877 stattgefundene Generalversammlung der Feuerwehr wählte als neuen Kommandanten Herrn Wilhelm Czech, der dieses  Amt bis zu seinem Tode bekleidete und der den Ruf eines äußerst tüchtigen, umsichtigen und arbeitsfreudigen Kommandanten genoß, der die Hofer Feuerwehr aus kleinen Anfängen bis zur Blüte brachte und ihr nicht nur in Hof , sondern auch in der Umgebung großes  Ansehen  verschaffte. 1885 wird er in der Gemeindevertretung zum III. Rat gewählt. 1886 wurde Wilhelm Czech auch in den ersten Verwaltungsausschuß der neu gegründeten Sparkasse berufen.

1888 fand die Wahl der neuen Gemeindevertretung statt, bei welcher Wilhelm Czech wieder gewählt wurde. Er übernahm auch das wichtige Amt des Polizeikommissärs und bekleidete es lange Jahre hindurch. Bei der Gemeinde- vertretungswahl im Jahr 1911 wurde Wilhelm Czech II. Gemeinderat.  1914 erfolgte seine Wiederwahl. Wilhelm Czech wird in diesem Jahr in Würdigung seiner Verdienste um das Gemeinwesen, seiner 40-jährigen Ausübung als Gemeindeausschußmitglied, seiner 37- jährigen Tatigkeit als Gemeinderat, als solcher er auch durch viele Jahre die Stelle eines Polizeikommissärs zur allseitigen Zufriedenheit versah, dann hinsichtlich seiner Verdienste als langjähriger Feuerwehrkommandant (seit 14. Jänner 1877) zum Ehrenbürger ernannt. Der Stadtvorstand wurde auch ermächtigt, ihn für eine allernächste Anerkennung in Antrag zu bringen. Noch einmal wird sein Name in der Chronik erwähnt, als 1913 zwölf Scheunen, darunter die des Wirtschaftsbesitzers Wilhelm Czech, Ringplatz No.12 abbrannte. Am 7.11. 1914  starb  Wilhelm Czech in Hof.

                                                                                                                                                                                                                                                Dipl. Ing. Kurt Beier, im März 1992


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