Die Stadt vor 1945
Der Ort liegt im nördlichen Teil der früheren Markgrafschaft Mähren, die nach dem 1. Weltkrieg mit dem Königreich Böhmen und dem ehemaligen österreichischen Herzogtum Schlesien zur neu gegründeten Tschechoslowakei kam. Er liegt im Gebirgszug „Niederes Gesenke“ südlich der beiden Rautenberge auf 558 m Seehöhe und an der Reichsstraße (später Staatsstraße) zwischen Olmütz und Troppau.
Das Stadtgebiet durchfließen der Reigersdorferbach und der Christdorferbach, die sich noch im verbauten Bereich zur Lobnig verbinden. Die Stadt gehörte zum politischen Bezirk Bärn (vorher Sternberg) und war Hauptort des Gerichtsbezirkes Hof (zuletzt Regierungsbezirk Troppau). 1939 hatte die Stadt 2457 Einwohner. Der katholische Anteil betrug 93%. Die größte Bevölkerungszahl erreichte der Ort 1873 mit 4806 Einwohnern.
Die Stadt war mit einer Lokalbahn mit dem staatl. Eisenbahnnetz verbunden, die 1932 aufgelassen wurde.
Die Bevölkerung fand Beschäftigung:
Gewerbe und Industrie ..................... 52,7 %
Land- und Forstwirtschaft ................ 16,3 %
Selbständige .................................... 13,4 %
Handel und Verkehr .......................... 9,0 %
Öffentlicher Dienst ............................ 7,7 %
Industrie- und Mittelbetriebe:
Seidenfabrik
Seidenbandfabrik
Band- und Litzenfabrik
Strickwarenfabrik
Strickwarenerzeugungsbetriebe
Leinenwarenerzeugungsbetriebe
Möbelerzeugung
Korbwarenerzeugung
Brettsägen, Mühle
Ziegelei, Betonwarenerzeugung
Behörden und Ämter:
Gemeindeamt
Röm. Kath. Pfarramt (Dekanat)
Bezirksgericht
Grundbuchamt
Notariat
Steueramt
Gefällskontrollamt
Eichamtsexpositur
Gendarmeriepostenkommando
Postamt
Kommunale-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen:
Röm. Kath. Pfarrkirche
Kath. Kirche St.Katharina (Friedhofskirche)
Evangel. Luth. Bethaus
Volks- und Bürgerschule
Gewerbl.- und landw. Fortbildungsschule
Kindergarten
Krankenhaus
Gemeindesparkasse
Kino
Volksbücherei (1582 Bände)
Gemeindebücherei (623 Bände)
Freibad
Sportplätze
Städtisches Schlachthaus
Sanitätsdienst
Deutsche Jugendfürsorge
Segelfliegergruppe
Eislaufplatz (Winterbetrieb)
2 Musikkapellen
Spielmannszug
Jugendkapelle und Bands
Musik- und Gesangsvereine
3 Turnvereine
Verschönerungsverein
Theater- und Operettenaufführungen
weitere diverse kulturelle Einrichtungen
Freiwillige Feuerwehr seit 1874
weitere 25 Vereine
10 Genossenschaften
Städtische Wasserleitung
Volksbildung
Bekannte Männer aus Hof
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Ende des 9. Jahrhunderts war in Nordmähren eine unbewohnte Wildnis. Der Sage nach gründeten die polnischen Kaufleute und Brüder Laszka und Emanuel Dworce an der Stelle des Ortes Hof eine befestigte Warenniederlassung am Handelsweg nach Südwesten.
· Nach dem Tod der beiden Kaufleute (929 und 957) baut der Sohn die Niederlassung zu einer „Veste“ aus. 1002 stirbt er und verheiratet vorher seine Tochter mit dem Polen Petsikory. Dieser hält sich eine Truppe aus ausgewählten großen Kriegern (Zelenacky).
· 1050 erobert der Räuberhauptmann Gröffl mit Übermacht die Veste, macht alles nieder und zerstört die inzwischen entstandenen umliegenden Siedlungen.
· Beim Mongolensturm 1241 wird die inzwischen wiederbelebte Siedlung dem Erdboden gleichgemacht.
· Später wurde der Ort wieder aufgebaut. Er gehörte damals zur Herrschaft Sternberg wo Zdislav von Sternberg Grundherr war (1249 – 1262). Es waren deutsche Bergleute die den Auftrag hatten, nach Erz zu schürfen (Spuren von Schutthalden bis in die Neuzeit - Buchhütte = Pochhütte). Mit ihnen kamen deutsche Handwerker und Bauern in das Land. 1410 werden zwei Eisenhämmer in der Gegend urkundlich genannt. 1600 - im Urbar werden jedoch keine Eisenhütten mehr erwähnt.
· 1339 wird Hof erstmals als größerer Ort „Curjia“ (Höfe) mit Pfarrer angeführt.
· 1363 wird der Stadt (civitas) das Privilegium des „Güteranfallsrechtes“ vom Bischof Albert von Schwerin, der Herr von Sternberg war, verliehen.
· 1410 bekommt die Stadt vom neuen Herrn Peter I. von Krawarn-Plumenau das „Meilenrecht“ verliehen. Die Dörfer Christdorf, Rautenberg, Jokersdorf, Heidenpiltsch, Sterneck, Maiwald, Hertzogswald, Reigersdorf und 2 Eisenhämmer an der Mohra kommen dadurch in wirtschaftliche und rechtliche Abhängigkeit der Stadt.
· 1416 wird der Name „Hoff“ in einem Testament des Johannes de Hoff erwähnt. Ein 8 Jahre später ausgestellter Schuldschein an den Olmützer Rat (Hussitenkriege) erwähnt auch einen Michael de Hoff.
· 1430 wurde wahrscheinlich Hof von den Hussitenhorden geplündert und verwüstet.
· 1470 litt Hof, als der Ungarnkönig Mathias Corvinus gegen den Herzog von Troppau zog.
· 1527 verleiht Kaiser Ferdinand I. Hof des Recht zweier Märkte.
· 1550 Erwerb der Vogtei vom Grundherren Wenzel von Berka durch die Stadt.
· 1546 – 1600 Gründung vieler Zünfte – Blütezeit des Handwerkes.
· 1561 Verleihung des Mautrechtes für Straßen und Brücken.
· Das Urbar von 1600 gibt Aufschluss über die Grund- und Zinsverhältnisse, die Bevölkerung der Stadt selbst und die umliegenden Dörfer. Ausschließlich deutsche Bürger- und Flurnamen. Es gab eine geschlossene Mauer mit 3 Toren, Türmen und Graben. Zur Verteidigung der Stadt hatte daheim jeder Bauer und Handwerksmeister eine Sturmhaube und Büchse. Darüber hinaus hatte die Stadt zahlreiche Waffen und Kriegsgerät. Jedermann hatte den „Jedezins“ an die Vogtei zu entrichten.
· Seit 1521 hat die Reformation im Hofer Gebiet eingesetzt. 1620 ordnet Kaiser Ferdinand II. die Gegenreformation an. Durchführung mit Kardinal von Dietrichstein von Olmütz aus. Seit 1630 hat Hof wieder einen katholischen Pfarrer, aber der Protestantismus hält sich hartnäckig. Eine 2.Gegenreformation, die durchgreifend geführt wurde, dauerte von 1667 bis 1669.
· 1635. Grundherr von Münsterberg verleiht den Hofern ein Bündel von freizügigen Privilegien und 1648 den „Branntweinausschank“ zur Tilgung der städtischen Schuldenlast, die im 30 jähr. Krieg entstand.
· In der Zeit des 30-jährigen Krieges (1618 – 1648) wird Hof mehrmals (1624, 1627, 1630, 1641 und 1646) von den Wallensteinern, Dänen und Schweden besetzt und ausgeplündert. Unsägliches Leid trifft die Stadt. Der Ort ist durch Kontributionen (die sowohl an die Besatzungstruppen als auch an die eigenen Kaiserlichen zu leisten sind, Erpressung und Drangsal ausgeplündert und ruiniert, viele Leute verlassen die Stadt. Der Bauernstand ist auf ein Viertel geschrumpft.
· 1663 Türkeneinfall. Ein Brandenburgisches Heer zieht durch Hof zu Hilfe. „Servicegelder“ in beträchtlicher Höhe sind von der Stadt zu leisten.
· 1683 zieht der Polenkönig Sobiesky mit seinem Heer durch Hof als Entsatz zur Türkenbelagerung von Wien. Wieder gab es finanzielle und personelle Lasten. Raub, Plünderung und Kontributionen waren an der Tagesordnung.
· 1692 erhält Silvius Friedrich die Herrschaft, die jetzt „Karlsberger Herrschaft“ heißt.
· 1693 geht sie an Dietrich Heinrich von Strattmann über.
· 1699 wird die Herrschaft von Johann Adam von Liechtenstein erworben und bleibt im Besitz dieses Fürstenhauses zum Segen der Bevölkerung bis zum Ende des 2. Weltkrieges.
· 1705 müssen von der Stadt ausgerüstete Mannschaften gegen Rakoczy (Ungarnaufstand) geschickt werden. Wieder ziehen Truppen durch die Stadt.
· 1735 ziehen russische Truppen an den Rhein, bringen den Ort die üblichen, einhergehenden Lasten und kommen im folgenden Jahr wieder zurück.
· 1740 wird Hof im Schlesischen Krieg Kampfgebiet und hat in der Folge schwerste Lasten zu tragen. Hof ist die einzige Stadt, die in dieser Zeit gebrandschatzt wurde. Als die Preußen die Stadt verließen, hinterließen sie Seuchen (Cholera) und Hungersnot.
· 1745 ertrinken bei einem Unwetter 15 Menschen, alle Feldfrüchte werden vernichtet. Bei der nachher einsetzenden Viehpest sterben 415 Stück Vieh.
· 1751 folgt ein Großbrand, der Kirche, Schule, 16 Groß- und 9 Kleinhäuser zerstört
· Der 7 jährige Krieg (1756 – 1763) erlegt der Stadt Hof erneut schwere Opfer auf.
· 1780 wird die Stadtmauer entfernt und die Innenstadt wird mit den beiden Vorstädten (Troppauer- und Olmützer- Vorstadt) vereinigt.
· Kaiser Josef II. (1756 – 1790) bringt tiefgreifende Erneuerungen (Toleranzpatent – Glaubensfreiheit, Aufhebung der Leibeigenschaft), die sich in Hof sehr positiv auswirkten.
· 1781 besichtigt der Kaiser die fertiggestellte Reichsstraße Olmütz – Troppau und kommt nach Hof.
· 1803 – 1815 (Koalitionskrieg) ziehen russische Truppen durch Hof.
· 1834 vernichtet ein Großbrand fast die ganze Stadt. 13 Personen kommen in den Flammen um. Die Pfarrkirche und das Pfarrhaus lässt Fürst Liechtenstein wieder aufbauen.
· 1848. Aufstand in Wien, der Kaiser flieht in das nahe von Hof liegende Olmütz. Ferdinand dankt ab, Kaiser Franz Josef I. wird in Olmütz gekrönt. Hans Kudlich aus dem nahegelegenen Lobenstein stellt im Parlament den Antrag auf Beseitigung der Robot – Bauernbefreiung.
· Im „Bruderkrieg“ (Österreich – Preußen) 1866, der sich in Böhmen zutrug, ziehen heimkehrende preußische Truppen durch Hof.
· Es folgen ruhigere Zeiten, die Hof einen wirtschaftlichen Aufschwung bringen. 1780 zählt Hof schon 3800 Einwohner. Flachsanbau bringt der Landwirtschaft gutes Einkommen und fördert den Ausbau der Leinen-Hausweberei (2000 Webstühle). Militäraufträge und Export. Das Sprüchlein: „Hof, Bautsch und Bärn sind die größten (Weber) Städt’ in Mähr’n“ war in ganz Österreich bekannt.
· 1898 wurde unter finanzieller Beteiligung der Stadt die Bahnlinie Bärn/Andersdorf – Hof gebaut und somit der Ort an das staatliche Eisenbahnnetz angeschlossen. Schmalspurbahn Bärn/Andersdorf - Hof in Mähren: Schmalspurbahn Bärn-Andersdorf–Hof - Wikipedia
· 1898 wurde auch die Bürgerschule, die erste in der Gegend, 1896 die gewerbliche Fortbildungsschule eröffnet.
· Die industrielle Revolution veränderte im ausklingenden Jahrhundert auch in Hof die Verhältnisse drastisch. Zahlreiche Weberfamilien werden arbeitslos und müssen auswandern, Hof zählt nur mehr 2303 Einwohner.
· 1914 -1918. Der 1. Weltkrieg fordert von der Stadt schwere materielle Opfer und Entbehrungen. 82 Männer sind gefallen, viele verwundet.
· Nach dem Zusammenbruch 1918 entsenden die Sudetendeutschen im Glauben an das vom amerikanischen Präsidenten Wilson proklamierte „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ ihre Abgeordneten in das Wiener Parlament des neuen Reststaates “Deutsch-Österreich“.
· Am 28. Oktober riefen die Tschechen die Tschechoslowakische Republik aus und besetzten etappenweise - noch vor dem Friedensvertrag - gewaltsam die sudetendeutschen Gebiete Böhmens, Mährens und Österr.Schlesiens, wo die österreichische Industrie angesiedelt war, durch tschechisches Militär. Friedliche Proteste wurden blutig niedergeschlagen. Im folgenden Friedensvertrag wurden diese Grenzen von den Alliierten besiegelt.
· Indessen waren von der Stadt gewaltige Anstrengungen unternommen worden, die Infrastruktur des Ortes zu verbessern. So wurde 1914 die Wasserleitung und eine Teilkanalisation errichtet, 1920 ein öffentliches Krankenhaus eröffnet, 1921 der Ort elektrifiziert, 1930 eine moderne Volks- und Bürgerschule seiner Bestimmung übergeben und mehrere Straßenbauten durchgeführt.
· Die einsetzende Wirtschaftskrise in den späten 20er- und den 30er- Jahren, so wie die konsequent nationalistische Minderheitenpolitik (7,4 Millionen Tschechen stehen 3,3 Millionen Deutsche, 2,3 Millionen Slowaken, 1,7 Millionen Ungarn, Ukrainer und Polen gegenüber) schufen im Sudetenland unerträgliche Zustände und bitterste Not. Die Gemeinde bemühte sich das Los der vielen Arbeitslosen vergebens zu lindern. 1937/38 war ihre Zahl bereits auf über 600 angewachsen (bei nicht einmal 2500 Einwohnern!).
· 1938. Im Sommer spitze sich die politische Lage im Sudetenraum, die auf eine deutsche Autonomie drängte, drastisch zu, bis Deutschland in das Geschehen eingriff. Dem internationalen Schiedsspruch im Münchner Abkommen (30. 9. - England, Frankreich, Italien, Deutschland) der die Abtrennung des deutschsprachigen, (altösterreichischen) Sudetengebietes in Böhmen, Mähren und Österr.Schlesien zur Folge hatte, stimmte schließlich auch die tschechische Regierung zu.
· 10. Oktober 1938: Besetzung der Stadt durch deutsche Truppen. Die wirtschaftliche Lage bessert sich in kürzester Zeit. Dies dauerte kaum ein Jahr und der 2. Weltkrieg nahm seinen Anfang. In dieser Zeit musste die Stadt die härtesten Opfer auf sich nehmen. Sie verlor 217 Mitbürger (ca. 10 %).
· Am 5. Mai 1945 (3 Tage vor der allgemeinen Kapitulation der deutschen Truppen) traf unsägliches Leid die Bevölkerung der Stadt. Raub, Mord und Vergewaltigungen waren der Triumph der Sieger und trieben viele Leute in den Selbstmord.
· Den Russen folgten die Tschechen aus dem Landesinneren und holten sich, was noch zu holen war. Der „Narodny Vybor“ übernahm die „Verwaltung“. Männer kamen in ein KZ, die Frauen wurden gequält und schikaniert. Aller Besitz wurde restlos enteignet, die Sparguthaben konfisziert. 200 Gramm Brot war die Tagesration für Deutsche, die eine weiße Armbinde mit einem schwarzen N tragen mussten. Die tschechischen Zuwanderer, die mittellos angereist kamen, konnten sich ihren zukünftigen Besitz unter dem deutschen, enteigneten Eigentum frei wählen.
· 1946 erfolgte die Vertreibung der bisher ansässigen, deutschsprachigen Bevölkerung (ohne Rücksicht auf ihre ehemalige Einstellung und Parteizugehörigkeit) mit 7 Transporten in verschiedene Teile der Deutschen Bundesrepublik. Ein geringer Teil befindet sich auch in Österreich.
In den 50er und
60er Jahren wurden in der Innenstadt alle historischen Gebäude
(außer der Pfarrkirche)
die an die deutsch-österreichische Vergangenheit des Ortes erinnerten,
systematisch und rücksichtslos
zerstört und dafür hässliche Betonbauten
hingestellt.
EIN STÜCK HEIMAT,
EIN ERBE AUS JAHRHUNDERTEN, SEINE SPRACHE,
SEINE KULTUR
WURDEN
FÜR
IMMER
AUSGELÖSCHT.
Die dabei begangenen Verbrechen sind bis auf den heutigen Tag durch die menschenverachtenden Beneš-Dekrete in Tschechien straffrei und juristisch sanktioniert.
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