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Aus der Ortschronik (Josef Hofstädter) 

Noch vor fünf Jahren erfolgte bei uns die Getreideernte durch Schnitter, später durch Mähmaschinen. Die Ernte begann Ende Juni. Das abgeschnittene Getreide wurde gebündelt und in Mandeln1 auf den Äckern in mehreren Haufen gelagert. Dort machte es eine Nachreife durch und trocknete ganz aus. Erst nach Wochen wurde es dann entweder in die Scheunen oder auf den Anger geführt, wo es in große Tristen aufgestapelt wurde. Die Bauern schlossen sich zu Druschkompanien zusammen, die in erster Linie ihre eigene Fechsung2 droschen und sich nachher auf Lohndrusch umstellten. Es gab in unserer Gemeinde mehrere solche Druschgesellschaften, die mit Dampfmaschinen arbeiteten. Im ganzen Monat August hörte man vom frühen Morgen bis spät abends das auf- und abschwellende Summen der Dreschmaschinen, sah man die schwer beladenen Pferdefuhrwerke mit den prall gefüllten Getreidesäcken in die Gehöfte zu den Schüttkammern fahren. Kinder jeden Alters saßen auf den Säcken, denn es war dort gut zu sitzen und jeder Druschplatz wimmelte von der jungen Schar. Erntezeit und Druschzeit war eine fröhliche Zeit. Die Schnitter, Druschleute, Maschinisten und Heizer verdienten gut und beschafften bei dieser Arbeit fürs ganze Jahr das tägliche Brot für ihre Familie.

Diese schwere, doch fröhliche und romantische Zeit ist nun entgültig vorbei. Die Mähdrescher besorgen fachlich und ohne Romantik die Ernte und den Drusch der Fechsung. Flinke Traktoren bringen auf gummibereiften Wagen das Erntegut ins Haus oder in die Lagerhäuser. Mit der Umstellung auf die neue Erntemethode ist aber ein neues Problem aufgetaucht. Das so geerntete Getreide ist nicht vollkommen trocken und in diesem Zustand nicht lagerfähig. Der Bauer musste daher seine Fechsung im Hof oder in der Scheune auf Plachen3 aufbereiten und so lange umschaufeln, bis sie trocken war oder sie ehebaldigst einem Lagerhaus oder Fruchthändler zum Kauf anbieten.

1 Garben, Büscheln
2 das geerntete Getreide
3 große Planen

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