Kleine Blickschule in Sachen Videoüberwachung


Ein Grund, warum nur wenige die ständig zunehmende Überwachung von der Allge- meinheit genutzter Räume wahrnehmen, ist die breite Unkenntnis, wie die Kameras eigentlich aussehen und wo sie überall hängen.
Es folgen 8 Lektionen, um tagtäglich auf Gängen durch die Stadt neue Kameras zu entdecken.

Lektion 1
Zu Beginn sucht mensch sich am besten einen Raum, wo die Überwachung explizit ausgeschildert ist. Hier versuche man durch konzentriertes Herumschauen, die Kameras zu entdecken.
Wenn dies jedoch nicht zum gewünschten Erfolg führt, muss es nicht am ungeschulten Auge liegen. Nein, im Gegensatz zur Auffassung der meisten DatenschützerInnen, sind Warnschilder nicht notwendige Information, sondern selbst schon Teil der Abschreckung und Einschüchterung. Manche ÜberwacherInnen begnügen sich im Vertrauen auf vorrauseilenden Gehorsam mit dieser Wirkung.

 

Lektion 2
Bei PförtnerInnen, VerkäuferInnen und ähnlichen Sicherheitspersonal zeigen Monitore an: "Hier wird überwacht!" Mitunter lassen sich hier schon die Anzahl der Kameras ablesen: Anzahl der Monitore, Bildschirmaufteilung, Überblendungen.


 

Lektion 3
Auf Straßen hängen Kameras meist in der Höhe der ersten und zweiten Etage an den Häuserfassaden. Polizeikameras bilden dabei oft eine Ausnahme. Sie sind meist sehr weit oben auf Dächern ( z.B. Roßplatz, Connewitzer Kreuz) oder kurz unter dem Dachfirst (z.B. Martin-Luther-Ring) installiert. Mitunter sind auch Mäste von Straßenlaternen beliebte Orte für Kameras (z.B. Willi-Brandt-Platz).



Foto: Polizeikamera am Roßplatz

Lektion 4
Bisher konnten wir sechs Typen von Kameras ausfindig machen, deren Kenntnis das Entdecken von Kameras wesentlich erleichtert. Natürlich treten diese Typen noch in unzähligen Variationen auf.


 

<Typ 1>
Die beliebte Außenkamera, mit wetterfestem Gehäuse und Vorrichtung zur Montage an Fassaden. Mitunter ist das Gehäuse mit einer Heizung versehen, um Kondenswasser zu vermeiden. In Großbritannien sieht man sie oft mit Scheibenwischern.



<Typ 2>
Das so genannte Dome-Modell ist perfekt zur Installation an den Decken, weshalb es besonders beliebt bei Installation in Innenräumen ist.  Es fügt sich meist unauffällig ins Ensemble der Decke ein, ist um 360 Grad schwenkbar, meist farbig und hochauflösend. Vermehrt treten sie in Kaufhäusern und Passagen auf. Man findet sie aber auch an senkrechten Wänden (z.B. am Eingang der Mädlerpassage, Auerbachskeller).


Domekamera im Foyer der Universitätsbibliothek

<Typ 3>
ist der Dome-Kamera verwandt und findet immer mehr Verbreitung in unseren Straßen. Der Vorteil ist, dass mensch unbedachter Weise denken könnte, es wäre eine Straßenlaterne. Weitere Vorteile: Rundumblick und bessere Auflösung.


Kamera im Shoppingcenter Petersbogen

<Typ 4>
Webcams sind besonders bei privaten ÜberwacherInnen beliebt. Billig und vom eignen Computer aus zu betreiben. Diese Sorte tummelt sich in kleinen Läden, Computerpools (z.B. an der Uni). Mitunter verirren sich einige Exemplare auf die Straße, z.B. an der Ecke des Novotel-Hotels in der Goethestraße.



<Typ 5>
Getarnte Kamera: Da eine gute Kamera heute nicht mehr größer ist als ein Zwei-Centstück, sind der Tarnung keine Grenzen gesetzt. Käufliche Tarnungen finden sich z. B. als Bewegungsmelder, Brandmelder, Uhr und Kugelschreiber.  Ein in Kaufhäusern beliebtes Exemplar ist eine silberne Halbkugel, die mensch für Dekoration halten könnte.



<Typ 6>
Schließlich gibt es noch Attrappen (so genannte Dummys), also Gehäuse ohne Kamera, die auf den bloßen Abschreckungseffekt vertrauen.



Lektion 5
An folgenden Orten kann man mit hoher Sicherheit mit Kameras rechnen kann. Allgemein ist die höchste Ballung in der Innenstadt zu erwarten, dabei sind die Räume des Konsums besondere Knotenpunkte: Einkaufspassagen, Kaufhäuser, Banken, Mobil- telefongeschäfte, Supermärkte – dort besonders an den Alkoholregalen.


 

Lektion 6
Orte polizeilicher Überwachung sind schwieriger zu beschreiben, da sie eng mit den soziologischen und ökonomischen Gegebenheiten der Stadt zusammenhängen. Meist handelt es sich um Plätze in der Innenstadt, an denen sich Personengruppen treffen oder trafen, von deren Präsenz die Stadt einen Imageschaden befürchtet: z. B. die Drogen- szene, BettlerInnen, HütchenspielerInnen, TrinkerInnen.

 

Lektion 7
Außerhalb der Innenstädte häufen sich Kameras an Parkplätzen, Parkhäusern, Banken, Betriebsgrundstücken und Immobilien, denen man das Vermögen der NutzerInnen ansieht.


Gesellschaft für eine lustigere Gegenwart   www.leipziger-kamera.cjb.net