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DER Lindwurm aus Klagenfurt "Steinernes Produkt geflügelter Phantasien", von F. H. Ucik
Lindwürmer auch anderswo alles über Lindwürmer, von Franz-Josef Lindwurm
der Klagenfurter Lindwurm (in englischer Sprache) und
die etwas andere Drachen-Seite, beides von J. Georg Friebe


Lindwurm

Steinernes Produkt geflügelter Phantasien

Die Klagenfurter und ihre Drachenträume: 
Wie man sich aus dem Fund eines Tierschädels das Wappentier der Landeshauptstadt zusammenreimte.

hier>>>Hier geht es zur Lindwurm-Foto-Seite

Das älteste erhaltene Siegel der Stadt Klagenfurt aus dem Jahr 1287 zeigt vor einem hohen Turm ein phantastisches Wesen mit Flügeln, womit man offensichtlich an eine uralte Überlieferung von Drachen anknüpfte. 

Klagenfurter Wappen

Die Drachen verübten viele schreckliche Gewalttaten, so dass sie zum Symbol des Bösen und der Gefahr wurden. Der griechische Held Herakles tötete die neunköpfige Hydra-Schlange, in der germanischen Sage tötete Siegfried den Drachen Fafner und Donar (Thor) die Midgard-Schlange, während in der angelsächsischen Beowolf-Sage der Held im Kampf mit einem Drachen fällt. In dieser geistigen Umwelt ist vermutlich - neben anderen alpenländischen Drachensagen - auch die Überlieferung vom Lindwurm entstanden.

Vergleicht man die verschiedenen Darstellungen von Drachen und Lindwürmern, so gibt es trotz vieler Unterschiede und Variationen im Detail doch wesentliche Übereinstimmungen. Gemeinsam sind allen ein reptilartiges Aussehen und eine schuppige, fast undurchdringliche Haut. Sie haben meist ein Maul voll spitzer Zähne und häutige Flügel - woher letztere wohl kommen? Vielleicht aus der häufigen Gleichsetzung von Drachen mit dem geflügelten Teufel! Die Drachen hausen meist in Sümpfen, Seen oder unheimlichen Höhlen und wurden bei uns vielfach mit Wasserkatastrophen und anderem Unheil in Verbindung gebracht. Auf vielen alten Darstellungen ähneln sie mehr oder weniger den Saurierrekonstruktionen, wobei diese unsere Phantasie so beflügelnden Urzeittiere freilich erst seit etwa 200 Jahren gezielt ausgegraben werden.
 

Wollhaarnashorn-Kopf Als man dann in diesem geistigen Umfeld, in dem die Existenz von Drachen als erwiesene Tatsache feststand, am Zollfeld (angeblich in der sogenannten Lindwurmgrube nahe St. Michael) den großen Schädel eines unbekannten Tieres fand, da war man sicher: Das konnte nur der Kopf des sagenhaften Klagenfurter Lindwurms sein!

Im Triumph wurde er im Rathaus an einer eisernen Kette aufgehängt. Meist wird als Fundjahr 1335 angegeben (dies wird in der letzten Zeit bezweifelt und als Lesefehler statt 1535 oder 1555 interpretiert). Weiters soll die Lindwurmgrube erst durch die systematischen Grabungen nach Virunum im Verlauf des 16. Jh. entstanden sein. Tatsächlich begannen die systematischen Grabungen im Bereich dieser alten Stadt erst im ausgehenden 18. Jh., und sie führten auch nicht zur Entstehung so großer und tiefer Gruben.

Aber vielleicht wurde durch den Schädelfund die alte Drachenüberlieferung zu jener Sage konkretisiert, die uns Georg Graber in seinen Sammlungen überliefert hat:

Als der Kärntner Fürst von der Karnburg gebot, da hausten Ur und Eber in der weiten Ebene vom Wörthersee bis zur Drau. Zuzeiten, bei bösem Wetter hörte man ein dumpfes Geheul, ein fürchterliches Knurren . . . In kurzer Zeit stand auf der höchsten Stelle am Rande des Sumpfes ein fester Turm da. "Wer es wagt", sprach der Fürst zum Volke, "mit List oder Gewalt sich des Ungetüms zu bemächtigen, dem sei der Turm und reicher Lohn." Bald zog ein mutiges Häuflein von Knechten hin zum Streite. Ein feister Stier ward an einer Kette festgemacht und ein gewaltiger Widerhaken daran befestigt. Bald brauste es auf in dem Sumpfe, wie ein Pfeil hervor schießt ein scheußlicher Wurm, geflügelt und panzerbedeckt, seine Krallen packen das Tier und sein Rachen öffnet sich, um den Raub zu verschlingen. Da fasst den weichen Gaumen das gekrümmte Eisen. Die Knechte springen rasch hervor, und mit eisernen Keulen gelingt es ihnen, das Ungeheuer zu erlegen. Am Ort des Drachenkampfes entstand mit der Zeit ein friedliches Dörfchen an der Stelle der späteren Stadt Klagenfurt.

Im Jahr 1514 verwüstete eine schwere Feuersbrunst das Städtchen, das bereits 1511 ein heftiges Erdbeben arg mitgenommen hatte. Der Wiederaufbau schleppte sich aus Geldmangel derart dahin, dass Kaiser Maximilian I. das Interesse an der verarmten Stadt verlor und sie 1518 den Ständen übergab. Verständlicherweise wollten die selbstbewussten Stände auch dem sagenhaften Wappentier ihrer Stadt ein Denkmal setzen.
 

Als in einem Steinbruch am Kreuzbergl ein ungewöhnlich großer kompakter Gesteinsblock anfiel, konnte der 1582 oder 1583 vermutlich damit beauftragte Klagenfurter Bildhauer Ulrich Vogelsang mit der Gestaltung des gewaltigen Lindwurms beginnen, der nach seinem Tode (1590) von seinem Bruder Andreas fertiggestellt wurde. Die Steinfigur schleppte man in einem festlichen Umzug ins Zentrum der neuen Stadt, auf den heutigen Neuen Platz. Der etwa siebeneinhalb Meter lange und mehr als neun Tonnen schwere "Lindwurm" wurde im Stil des Manierismus vermutlich als Kombination der damals bekannten Drachenvorstellungen gestaltet, wobei für die Gestaltung des Schädels der im Rathaus verwahrte angebliche Drachenkopf als Vorlage genommen wurde. 1624 wurde der Lindwurm in den neuen Auslaufbrunnen einbezogen, und seit 1634 droht der dem Untier gegenübergestellte antike Drachentöter Herkules, gestaltet von Michael Hönel, mit geschwungener Keule 
(siehe Grußkarte, unten). 

Das sensible Hinterteil rechts - ohne Herkules!

Brunnenfigur

lindwurm

Vor 160 Jahren wurden die Klagenfurter aus ihren stolzen Drachenträumen gerissen! Im Jahr 1840 kam der Grazer Professor Franz Unger nach Klagenfurt, um sich den berühmten Schädel anzusehen. Er erkannte, dass der Kopf keinesfalls von einem Lindwurm stammen könne, sondern der Rest eines eiszeitlichen Nashorns sein müsse. Diese an die Kälte gut angepassten Tiere waren auch in Kärnten offenbar recht häufig, wie relativ zahlreiche Funde beweisen.
 

klgft32_kl.jpg Ungeachtet aller neuen Erkenntnisse macht aber der Lindwurm auf Häferln, Vasen, Tellern und als Nachbildung in Keramik und Schokolade (Traditionshaus Musil) sowie auf Briefmarken(siehe links), Poststempeln und Postkarten (virtuelle Postkarte von Klagenfurt siehe rechts) weiterhin millionenfach Werbung für Klagenfurt.  Grusskarte

hier>>>Aktuelle Fotos vom "LINTE" sind schwer zu erstellen, da eine freie Ansicht oft wegen der fast ständigen Verhüttelung des Neuen Platzes nicht möglich ist 
(siehe z.B. Wo ist der Lindwurm?, Bretterbuden, "Hütteldorf" sorgt wieder für Ärger der Kleinen Zeitung).

Obiger Beitrag stammt
von Friedrich H. Ucik

Originalartikel
Klagenfurter Lindwurm
erschienen in der Kleinen Zeitung

Kleine Online

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mailto:lindwurm@carinthia.com     Juni, 2000