TierRECHTSbewegung
Tierrechte sind modern geworden. Von
autonomen VeganerInnen über die für vier Pfoten Spendende Oma bis zum
militanten Antisemiten hat sich in den letzten Jahren eine Volksfront für die
Tiere herausgebildet die - besieht mensch ihre Inhalte genauer - durchaus auch
als Tier-Rechts-Bewegung bezeichnet werden kann.
Dabei soll es in diesem Artikel keineswegs
um die real vorhandenen katastrophalen Zustände in der industrialisierten
Landwirtschaft gehen. Diese zu kritisieren und zu bekämpfen sind auch wir
angetreten. Und diese sollen mit diesem Artikel auf keinen Fall gerechtfertigt,
verharmlost oder relativiert werden. Was hingegen sehr wohl geschehen soll ist
eine Beleuchtung der ideologischen Positionen vieler - aber sicher nicht aller
- Gruppierungen die sich für Tierrechte engangieren.
Peter Singer
Einer der ideologischen Väter der modernen
TierRECHTSbewegung ist der australische Moralphilosoph Peter Singer. In seinem
Standardwerk "Animal Libaration - Die Befreiung der Tiere" gibt er
als "aktive und wirkungsvoll arbeitende Organisationen [...] die den
Tierbefreiungsstandpunkt unterstützen u. a. die Adressen der Animal Liberation
Front, der British Union for the Abolition of Vivisection, der Vegan Society,
des Österreichers Dr. Helmut F. Kaplan sowie von Animal Peace und PETA aus
Deutschland an.
Für Singers Idee den Menschenaffen
Menschenrechte zuzugestehen - das "great ape projekt" - wirbt die
GAMS, die Fakultätsgruppe der GRAS (Grüne und Alternative StudentInnen) an der
medizinischen Fakultät Wien. Die feministische Zeitschrift EMMA ist Singer
ebenso zugetan wie die zwischenzeitlich eingestellte anarchistische Zeitschrift
"Toleranzgrenze" aus Wien. Sie zitierte Singer 1994 in einem Artikel
mit dem Titel "Über Menschen und andere Tiere", stimmte darin
inhaltlich mit seinem "Antispezizismus" überein, verschwieg aber
gleichzeitig seine Folgerungen für die Euthanasie. (T.ERROR, 1994: 18)
Was sind aber nun diese Positionen Peter
Singers?
Singer geht grundsätzlich von einem
"Antispezizismus" aus, das heißt er sieht keinen grundsätzlichen
Unterschied zwischen "Menschen und anderen Tieren". Gruppierungen die
an der Unterscheidung zwischen Mensch und Tier festhalten setzt er mit
RassistInnen gleich und bedenkt sie mit dem beschimpfend gemeinten Ausdruck
"Spezizisten".
Singer: "Wir können mit Berechtigung
annehmen, daß bestimmte Lebewesen Merkmale aufweisen, die ihr Leben wertvoller
machen als das anderer Lebewesen. Aber mit Sicherheit wird es einige
nichtmenschliche Tiere geben, deren Leben - nach welchem Maßstab auch immer -
mehr Wert haben als das Leben einiger Menschen. Ein Schimpanse, ein Hund oder
ein Schwein beispielsweise dürfte einen höheren Grad an Selbstbewußtheit
aufweisen und eine größere Fähigkeit für Sinnvolle Beziehungen zu anderen
besitzen als ein geistig schwerbehindertes Kleinkind oder ein Mensch im Stadium
fortgeschrittener Senilität. Wenn wir also das Recht auf Leben auf diese Eigenschaften
gründen, müssen wir diesen Tieren ein genauso großes, wenn nicht sogar größeres
Lebensrecht zugestehen als solchen geistig behinderten oder senilen
Menschen." (SINGER,1975, 1996: 53)
Mit der hier skizzierten Negierung jedes
Unterschieds zwischen Mensch und Tier kommt Singer in seinem Klassiker der
TierRECHTlerInnen auch bald zu dem Schluß, daß es zwar unter normalen Umständen
das Leben des Menschen gerettet werden sollte, "wenn wir vor die
Entscheidung gestellt wären, entweder einen Menschen oder ein anderes Tier zu
retten. Aber es sind auch Fälle denkbar, in denen das Gegenteil richtig wäre,
weil der betreffende Mensch nicht über die Fähigkeiten eines normalen Menschen
verfügt." (SINGER, 1975, 1996: 55)
Singer gesteht all jenen Menschen denen er "Personenstatus"
zukommen läßt - die also nicht "schwerbehindert" sind den agressiven
Anspruch auf Selbstverwirklichung zu. Ganz als Ethik des Kapitalismus gedacht
ist es so für ihn nur allzu richtig wenn sich der Stärkere mit allen möglichen
Methoden durchsetzen kann.
Als Anhänger eines Utilitarismus - der
Nützlichkeitsphilosophie Jeremy Benthams (1748-1832) - ist für Singer nur
"das größtmögliche Maß an Zufriedenheit für die maximale Zahl von
Personen" (BIERL, 1996: 48) ausschlaggebend.
Menschen die der "Maximierung von
Glück" im Wege stehen und etwa als "behinderte" Neugeborene von
der Gesellschaft versorgt werden müssen gibt Singer so zum Abschuß frei. Der so
moralisch argumentierende TierRECHTler outet sich schnell als Euthanasiebefürworter:
"Nehmen wir an, es sei, was manchmal
vorkommt, ein Kind mit einem massiven, nicht zu behebenden Hirnschaden geboren
worden. Der Hirnschaden ist so schwer, daß das Kind solange es lebt nur
dahinvegetieren wird, unfähig zu sprechen, andere Leute zu erkennen, unabhängig
von anderen etwas zu tun, oder zu einem Bewußtsein seiner selbst zu gelangen.
Die Eltern des Neugeborenen begreifen, daß keine Hoffnung darauf besteht, daß
sich der Zustand des Kindes jemals verbessern könnte, und sind weder selbst
willens, die Tausende von Dollar auszugeben, die eine angemessene Pflege des
Kindes jährlich kosten würde, noch wollen sie es vom Staat fordern. Sie bitten
den Arzt, das Kind schmerzlos zu töten. [...]Erwachsene Schimpansen, Hunde,
Schweine und Mitglieder vieler anderer Arten sind in ihrer Fähigkeit, sich auf
andere zu beziehen, unabhängig zu agieren, sich ihrer selbst bewußt zu sein und
jeder anderen Fähigkeit, von der man sinnvoll behaupten könnte, daß sie dem
Leben Qualität verleiht, dam hirngeschädigten Neugeborenen weit überlegen.
Selbst bei der besten nur möglichen Pflege können manche geistig
schwerstgeschädigten Säuglinge niemals den Intelligenzgrad eines Hundes
erreichen. [...]"
Singer ist nur ein - allerdings ein sehr
wichtiges - Beispiel dafür zu welch menschenverachtenden Schlüssen die
Negierung des Unterschieds zwischen Menschen und Tieren führen kann. Die
Konsequenzen aus Singers mörderischem Gedankengut ist die Vernichtung all jener
Menschen die nicht "produktiv" sind: "Behinderte", Alte,
Schwache, Kranke,... . Der Tierschützer Singer wird zum Herr über Leben und Tod
von Menschen, oder wie es Ernst Klee in seiner Absage an die Veranstalter des
Heidelberger Kongreßes mit Peter Singer sagte: "Wer das Lebensrecht
Behinderter in Frage stellt, ist potentiell auch ihr Mörder. [...] Angesehene
Wissenschaftler nutzten die NS-Zeit, ohne lästige Tabus
"Menschenmaterial" beforschen, verbrauchen, töten, sezieren zu
können." (KLEE, 1996)
Animal Liberation Front
Was sich bei Singer als Theorie manifestiert
hat jedoch auch Auswirkungen in den Bewegungen die sich den Tierrechten
verschrieben haben.
Die sich durch ihre Aktionen direkter
Tierbefreiung in der Autonomen Szene großer Beliebtheit erfreuenden
"Animal Liberation Front" (ALF) setzt sich zwar teilweise tatsächlich
aus Menschen zusammen die einen linken Hintergrund haben, die Positionen als
Organisation unterscheiden sich jedoch wenig von denen Singers. Sie werden zwar
selten so deutlich formuliert und so konsequent zu Ende gedacht aber die
Negierung des Unterschieds von Mensch und Tier ist auch hier deutlich zu
bemerken. Die
Italienische Schwesterorganisation der britischen ALF, das "Comitado
Liberazione Animale" (CLA) definiert sich selbst etwa als "una
associazione senza scopo di lucro che si batte contra la vivisezione e contra
ogni forma die sfruttamento e violenza inflitta sullúomo, sugli altri animali e
sulla natura." (eine nicht
gewinnorientierte Assoziation gegen Tierversuche, gegen jede Form von
Ausbeutung und Gewalt gegen Menschen, sowie jede andere Tierart und die Natur)
(Flugblatt des CLA vom 15.5.1995).
Antisemitismus
Insbesondere in stark antisemitisch
geprägten Staaten wie Österreich oder Deutschland haben sich in weiten Teilen
der TierRECHTSbewegung auch andere Aspekte rechsextremen und faschistischen
Gedankengutes breitgemacht.
Neben Singers "modernem"
Ökofaschismus ist hier der alte Antisemitismus und eine teilweise diffuse
Ausländer- und Islamfeindlichkeit weit verbreitet. Max O. Bruckers Blatt
"Der Gesundheitsberater" wettert immer wieder gegen das - wie es in
einer Schlagzeile heißt - "betäubungslose Schächten der Tiere". Der
Autor des Artikels "Das betäubungslose Schächten der Tiere - Kulthandlung
im 20. Jahrhundert?", Dr. Werner Hartinger ist Vorstand im "Verein
Ärzte gegen Tierversuche e.V." und diskutierte in dieser Funktion bei
einer Veranstaltungsreihe der VHS Braunschweig im Februar 1997 mit Dr. Helmut
F. Kaplan und VertreterInnen der den Holocaust relativierenden Animal Peace
(AP) (SCHAAF, 1997: 27)
Hartinger beschreibt dabei die
Schlachtmethode gläubiger Juden und Muslime als einziges Horrorszenario.
Während in der Realität beim Schächten mit einem einzigen Schnitt eines
scharfen Messers sowohl die Hauptschlagader, die Luft- und Speiseröhre wie die
Nervenbahnen im Hals des Tieres durchtrennt werden und das Schlachttier
keineswegs mehr Schmerz spürt als ein "christlich" geschlachtetes
Tier - ja meist sogar wesentlich weniger Streß und Schmerz durchmachen muß als
in den Massenschlachthöfen der Gegenwart - schreibt Hartinger von einem bis zu
dreizehnminütigen "Todesringen", von schmerzvollen Schnittstellen und
Atemnot. Er spricht von einer "Lobby der Tierquäler" die im
"deutschsprachigen (!) Raum" der EU das Schächten "als
Religionsvorschrift und Kulthandlung" propagierten (SCHAAF, 1997: 27).
Verein gegen Tierfabriken (VgT)
Auch der Österreichische "Verein gegen
Tierfabriken" des ORF-Talkshowstars Dr. Franz-Josef Plank hat das
"ausnahmslose Verbot des Schächtens " zu einem seiner Ziele erhoben
und beschreibt dieses gleich wieder bessern Wissens mit den stark verkürzenden
und bewußt manipulativen Worten "(=Schlachten ohne vorhergehende
Betäubung)" (PLANK, 1994: 30)
Wie viele andere Tierschutzgruppen auch,
verharmlost der "Verein gegen Tierfabriken" mit Begriffen wie
"Hühner-KZ" immer wieder die Schoa und verwischt damit bewußt den
Unterschied zwischen einer zugegeben grausamen Nahrungsmittelproduktion und der
industriellen Massenvernichtung von Menschen. Folgerichtig wird dann der
Schlachtung am Schlachthof für Franz-Joseph Plank überhaupt gleich zum "Holocaust"
(PLANK 1994: 22).
Die Schwesterorganisation des VgT in der
Schweiz - ebenfalls "Verein gegen Tierfabriken" genannt" wurde
aufgrund ihrer antisemitischen Hetze sogar schon nach dem Schweizer
Antirassismusgesetz verurteilt und forderte in der Folge die Aufhebung
desselben. (HOMEPAGE des VgT)
Die Österreichische Sektion machte hingegen
zuletzt mit ihrem Vorgehen gegen die Orgien-Mysterien-Spiele des
Aktionskünstlers Hermann Nietsch im August dieses Jahres von sich reden. In
einer Pressekonferenz forderte der Rechtsanwalt der Gruppierung Herrmann
Nietsch in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher einzuliefern
(......).
Verbündete fand der Verein gegen
Tierfabriken trotzdem immer wieder in der Ökologiebewegung und in Teilen der
Linken. Die Grünen machten schon mehrfach gemeinsame Aktionen mit dem VgT. Das
linke Szenelokal TU-Club lud den VgT für einen Infostand auf ein gemeinsames
Anti-EU-Fest verschiedener linker Gruppen zum Auftakt des Österreichischen
EU-Vorsitzes ein.
Zum Protest gegen Nietschs Mysterienspiel
wurde auch die prominente Ehegattin eines führenden Front National-Politikers,
das gealterte Ex-Sex-Symbol Brigitte Bardot eingeflogen. Die Tierschützerin die
bei jeder Gelegenheit vor der drohenden Überflutung Frankreichs durch grausam
im Hinterhof schlachtende Moslems warnt, vertrat auch in ihrem Interview das
sie der Zeitschrift NEWS gab ganz offen ihre Kunstignoranz und ihr antimodernes
Weltbild. Auf die Frage ob sie sich für Nietsch interessiere antworte BB:
"Bis gestern beim Frühstück habe ich
noch nie von diesem gefährlichen Verrückten gehört. Ich habe vielleicht schnell
reagiert! Ich bin ja schon hier! Ich bin für Kunst mit Großbuchstaben. Die
Avantgarde ist für mich nicht immer Kunst: Das muß eine kostbare Sache sein,
schwierig zu machen. Kunst muß man studiert haben. Nicht irgendwas irgendwie
tun, damit es "modern" ist. Alles Moderne ist sowieso
abscheulich."
Auf die Frage "Mögens Sie die
Menschen?" antwortete sie ebenso offen mit "Nur jene, die Tiere
lieben."
Faschistische Kontinuitäten
Hinter all diesen Versuchen einerseits das
Schächten als besonders grausame Schlachtmethode zu verdammen und andererseits
mit einer Gleichsetzung des Tierleides in Legebatterien und anderen Formen
industrieller Landwirtschaft mit der industriellen Massenvernichtung von
Menschen in der Schoa gleichzusetzen steht ein offener oder verdeckter
Antisemitismus, der die ach so armen Tierchen zum Vehikel für rechtsextreme und
faschistische Ideen machen soll.
Bereits die NSDAP arbeitete mit Teilen der
TierRECHTSbewegung eng zusammen. In der NSDAP sammelten sich unter anderem auch
AnhängerInnen biologisch-dynamischen Landbaus und TierschützerInnen. Das
NS-Schächtverbot von 1933 stieß so auch auf die ungeteilte Zustimmung fast
aller Tierschutzgruppen. Im 1996 erschienen Buch von Peter Köpf "Ein Herz
für Tiere? Über die radikale Tierrechtsbewegung" ist unter anderem zu
lesen wie der alte Parteigenosse (1920), Ehrenmitglied des Weimarer
Tierschutzvereines und Professor an der tierärztlichen Hochschule München dem
NS-Schächtverbot nachtrauerte:
"Erst der SA und SS war es zu
verdanken, daß den Juden das Schächtmesser aus der Hand genommen wurde. Der
Nationalsozialismus hat auch den Tierschutz auf seine Fahnen geschrieben,
deutsche Sitten müssen wieder herrschen. [...] Mit dem Blutkult der Juden ist
endgültig Schluß zu machen."
Wie er denken offensichtlich auch einige
Guppierungen in der TierRECHTSbewegung.
Thomas Schmidinger
BIERL, Peter: Spezizismus oder wie das Töten von Menschen leichter wird, in: ÖkolinX 23, Sommer 1996, S48-49
KLEE, Ernst: Absage an die Veranstalter des Heidelberger Kongreßes, 15.2.1996
PLANK, Franz-Josef: Fleisch-ein Stück Lebenskraft?, 1994, Verein gegen Tierfabriken, Rekawinkel
SCHAAF, Tamara: Antisemitische Tierschützer, in: ÖkolinX 26, Sommer 1996, S27-28
SINGER, Peter: Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere", 1975, Hamburg 1996;
T.ERROR: Über Menschen und andere Tiere, in: Toleranzgrenze, April 1994, S18-20