MAI - die Perfektionierung des
kapitalistischen Systems
Was ist das MAI?
Das MAI (=Multilaterales Abkommen über Investitionen)
ist ein Abkommen, welches seit Mai 1995 - also seit mehr als 3 Jahren - in der
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der die
29 reichsten Industrieländer (auch Österreich!) angehören, verhandelt wird. Die
Ziele des MAI sind laut OECD der Schutz und die Liberalisierung ausländischer
Direktinvestitionen (ADI) sowie ein verpflichtender
Streitbeilegungsmechanismus. Was das im Endeffekt bedeutet, wird im folgenden
behandelt werden.
Da das MAI bis vor wenigen Monaten im Geheimen verhandelt wurde und auch
heute noch die wenigsten davon wissen, liegt bisher wenig Literatur über dieses
Thema vor. Nun kommt das erste deutschsprachiges Buch zu diesem Thema mit dem
Titel "Lizenz zum Plündern. Das Multilaterale Abkommen über Investitionen
>MAI<. Globalisierung der Konzernherrschaft und was wir dagegen tun
können" von Maria Mies und Claudia von Werlhof auf den Markt. Da in diesem
Artikel nicht einmal die Grundzüge dieses Themas behandelt werden können, wird
der/die Interessierte im genannten Buch oder auch in der Broschüre der Grünen
Bildungswerkstatt Tirol (MAI "Freibrief für die Multis") genauere
Informationen dazu erhalten.
Die wichtigsten Freiheiten, die multilateralen Konzernen durch das MAI
genehmigt werden sollen, lauten wie folgt:
Was bedeutet das MAI für uns?
Die oben angeführten Rechte der Multis sind im Prinzip nur die Fortführung
der neoliberalen Wirtschaftspolitik, die durch Wirtschaftsverträge und
Freihandelszonen wie EU, NAFTA, GATT schon massiv gefördert wurde und wird. Sie
bedeuten eine weit massivere Einschränkung der Souveränität der Nationalstaaten
als das bisher der Fall war. Dazu ein Beispiel:
Würde nach Unterzeichnung des MAI ein Nationalstaat ein Umwelt- oder
Konsumentenschutzgesetz erlassen, das einem bestimmten Konzern schadet (und das
würde so ein Gesetz wohl immer!), so hätte der Konzern das Recht, die Regierung
beispielsweise wegen Rufschädigung zu verklagen. Die Folge wäre, daß nicht mehr
der die Politik über Sozial- und Umweltstandards entscheiden würde, sondern die
Qualität der Anwälte der multilateralen Konzerne.
Diese Angelegenheit fällt unter den Begriff
"Streitbeilegungsmechanismus", welcher benötigt wird, um die
Pflichten, die durch die Unterzeichnung des MAI eingegangen werden (von
Staaten, Investoren bekommen ja keine Pflichten auferlegt) durchzusetzen. Dabei
gibt es zwei verschiedene Streitschlichtungsverfahren: einerseits Verfahren
zwischen zwei Staaten (wie es auch in der WTO besteht), und andererseits
Verfahren zwischen Investor und Staat. Damit erhalten private Unternehmen
erstmals das Recht, in dieser Größenordnung Staaten vor einem Gericht ihrer
Wahl auf Einhaltung der MAI-Bestimmung und/oder auf Schadenersatz zu klagen.
Ein umgekehrtes Klagerecht etwa von Bürgerinitiativen, Gemeinden, Regierungen
gegenüber Multis besteht nicht!
Anhand dieses Beispiels sehen wir, wie weitreichende Folgen schon ein
einziger Punkt des MAI haben kann. Die Deregulierung der Wirtschaft hätte in
einem solchen Rahmen noch weit größere soziale und umweltpolitische Folgen als
das schon heute der Fall ist. Es wäre schon einer der letzten Schritte zu einer
nur leistungsorientierten Gesellschaft, in der für Demokratie, Selbstbestimmung
und soziale Gerechtigkeit kein Platz ist.
MAI am Ende?
Nach massiven Protesten gegen das MAI verließ nun Frankreich die
Verhandlungen. Vorerst scheinen die Proteste der vierschiedensten
Organisationen also etwas bewirkt zu haben.
Angesichts des Scheiterns ist die OECD - die die Verhandlungen koordiniert -
plötzlich bereit auch Bestimmungen zum Beschäftigten- und Umweltschutz in den
Vertrag aufzunehmen um das Projekt doch noch über die Bühne zu bringen. Ob dies
gelingen wird wird wohl nicht zuletzt an weiteren Protestmaßnahmen liegen.
Das MAI ist nur der Gipfel einer Pyramide, und es wird nicht ausreichen, nur
gegen diesen vorzugehen. Es ist notwendig, kapitalistische Werte wie Leistung,
Konkurrenzdenken, wirtschaftlichen Fortschritt und das Recht des Stärkeren
grundsätzlich zu hinterfragen und mit diesem Hintergrund Alternativen
vorzuschlagen.
Gerd Schmidinger