Der Mythos der nationalen Befreiung
In der hiesigen Linken ist es spätestens seit der Hochphase der
antiimperialistischen Bewegungen hierzulande modern die Nationalismen in
"gute" und "böse" einzuteilen und sich auf die Seite der
"guten" Befreiungsnationalismen zu stellen.
Egal ob es sich dabei um den kurdischen Nationalismus handelt, oder um jenen
der Volksfront zur Befreiung Palästinas, Nationalismen die noch nicht an die
Macht gelangt sind werden von der bewegungsmarxistischen Linken unterstützt.
Dies gilt natürlich nicht für solche Nationalismen die sich der Unterstützung
durch die NATP erfreuen können wie jener der UCK im Kosovo, sehr wohl aber für
jene die den antiimperialistischen Risiko-Spielchen gegen die USA eingesetzt
werden könnten.
progressiver Nationalismus?
Dabei behaupten die UnterstützerInnen, daß diese
"Befreiungsnationalismen" progressiv wären und gehen oft so weit, daß
sie selbst Regime wie das iraqische unterstützen, wenn es nur einmal gegen die
USA gerichtet ist. Daß die Opfer dieser Nationalismen diese gar nicht so lustig
finden wie ihre österreichischen UnterstützerInnen zeigte nicht zuletzt das
jüngste Volksstimmefest als es zu Auseinandersetzungen zwischen der Iraqischen
KP und den Internationalen Solidaritätsforum kam, welches die Fahne jenes
Bath-Regimes gehißt hatte unter dem die iraqische KP ebenso physisch vernichtet
worden war die die KurdInnen in Halabja.
Auch der angeblich so progressive Nationalismus der PKK zeigte schon lange
vor der Verhaftung und Kapitulation Abdullah Öcalans sein wares Gesicht.
Bereits Monate vorher schwörte er allen sozialistischen Ideen seiner früheren
Jahre ab. Übrig blieb ein völkischer Nationalismus der bereits seit Jahren auch
immer wieder mit antisemitischen Einschlägen versehen ist und sich seit der
Verhaftung des großen Führers der PKK nur noch in Unterwürfigkeit gegenüber dem
militärisch stärkeren türkischen Nationalismus äußert.
antiimperialistische Solidarität
Natürlich kann es auch "Nationale Befreiungsbewegungen" geben die
auch durchaus progressive Inhalte vertreten. Schließlich waren im Zuge des
Kampfes gegen den Kolonialismus und Imperialismus Europas und der USA auch
besonders viele Linke auf der Suche nach einer eigenen nationalen Identität der
Opfer dieses Kolonialismus in Afrika oder Lateinamerika. Ein solcher
Nationalismus folgt dann zwar immer noch einem falschen, europäischen Konzept,
ist aber sicher noch lange nicht mit einem deutschen oder österreichischen
Nationalismus gleichzusetzen.
Solche "progressive NationalistInnen" sind dann aber nicht wegen
ihres Nationalismus, sondern höchsten trotz ihres Nationalismus als fortschrittliche
Kräfte anzuerkennen.
Eine kritische Solidarität mit diesen Bewegungen ist sicherlich möglich, von
einer kritiklosen Verehrung solcher Gruppen haben aber weder sie selbst etwas
noch ihre UnterstützerInnen. "Kritische Solidarität" kann durchaus
den gemeinsamen Kampf für gemeinsame Ziele beinhalten, muß aber auch erlauben
dort Kritik üben zu können wo Kritik zu üben ist.
Um solche Kritik zu verunmöglichen sind insbesondere von den
österreichischen UnterstützerInnen verschiedenster Nationalismen aus dem
Trikont immer wieder die Behauptungen aufgestellt worden, daß eine
antinationale Kritik an Befreiungsbewegungen eurozentristisch und rassistisch
wäre. Als Beispiel werden immer wieder einige Argumente der NationalistInnen
selbst herangezogen und behauptet, daß diese die Meinung "des
Trikont" wären und EuropäerInnen diese nicht zu kritisieren hätten. In
Wirklichkeit gibt es jedoch im Trikont genauso linke Gruppierungen die sich
gegen jeden Nationalismus wenden und gerade in den verschiedenen MigrantInnengruppen
in Wien findet auch immer wieder Kritik an Nationalismus statt. "Die
PalästinenserInnen" oder "die KurdInnen" gibt es eben
ebensowenig wie irgendwelche anderen homogenen "Völker".
Und da ist es eben sinnvoller mit jenen eine enge Zusammenarbeit zu pflegen
die als revolutionäre Linke auch eine Kritik an der Nation üben als mit
NationalistInnen aus dem Trikont, die nicht allein schon deshalb gute
NationalistInnen werden, weil sie arabische, kurdische oder afrikanische
NationalistInnen sind.
Petra Meier