Krieg als langfristige Zerstörung von Lebensgrundlagen
Generell, egal ob die Menschen in Österreich die NATO-Bomardements gegen
Jugoslawien unterstützten oder dagegen auftraten, bestreitet niemand die
schweren Schäden, die das Bombardement der jugoslawischen Industrie und
Infrastruktur zugefügt hat. Aber dies stellt nicht die einzige Folge der
NATO-Bomben dar. Die Bomben verursachten auch eine ökologische Katastrophe, die
nicht nur die Bundesrepublik Jugoslawien, sondern die gesamte Region in
Mitleidenschaft zog. In sehr geringem Ausmaß sogar Österreich.
Dieser Artikel versucht einige Änderungen in der ökologischen Situation in
Jugoslawien aufzuzeigen und die Menschen hierzulande an einen weniger bekannten
Aspekt des NATO-Bombardements auf das tägliche Leben in der Bundesrepublik
Jugoslawien zu erinnern.
Brennende Raffinerien
Eine der bestbekannten Geschichten über die ökologischen Schäden, ist jene
über die Öl-Raffinerien. Es gibt in Jugoslawien zwei Öl-Raffinerien, in Pancevo
und Novi Sad. Novi Sad ist die drittgrößte Stadt des Landes und Pancevo liegt
nur 19 km von der Hauptstadt Belgrad entfernt. Alle beide Städte liegen an der
Donau und beide Raffinerien wurden während des Krieges bombardiert. Die Folge
davon waren Großbrände, die gewaltige Wolken mit toxischem Rauch verursachten.
Relativ viel Öl wurde auch in die Donau gespühlt und sorgte dort für ein
Massensterben unter der Flußfauna.
Da ich während des Bombardements in Belgrad war, weiß ich nciht genau wie in
Novi Sad und Pancevo auf cen toxischen Rauch reagiert wurde, aber nach dem
Bombardement der Raffinerie in Pancevo, wurden in Belgrad alle BewohnerInnen
gewarnt die Fenster zu öffnen und angewiesen das Radio einzuschalten, da
dieWolken sich in Richtung Belgrad bewegen könnten. Die Reinigung der Donau
wurde durch die weiteren Bombardements erschwert.
Die NATO bombardierte die Raffinerien jedoch nicht nur einmal um sie in
Brand zu setzen,sondern bombardierten sie ständig, speziell in Novi Sad. Einmal
waren fünf oder sechs Raketenangriffe auf die Raffinerie von Novi Sad, jeweils
im Abstand von ca. einer Stunde.
Praktisch bedeutete dies, daß die Rettungsmannschaften und Feuerwehren
getroffen werden sollten, die die Verwundeten aus der Raffinerie trugen. Ich
kann mich erinnern an mindestens sieben verschiedenen Tagen von Bombardements
der Raffinerie in Novi Sad gehört zu haben.
Ich weiß nicht ob irgend jemand die Verschmutzung der Donau nach diesen
Bombardements gemessen hat, jedenfalls wurden solche Ergebnisse nie
veröffentlicht. Viele große Städte flußabwärts - auch in Rumänien, Bulgarien
und vielleicht sogar in der Ukraine - hängen in ihrer Wasserversorgung von der
Donau ab
Die NATO versuchte auch alle Benzinlager außerhalb der Raffinerien zu
treffen um zu "sehen wie gut serbische Panzer ohne Benzin
funktionieren." Natürlich verursachte jedes zerstörte Benzinlager ebenso
toxischen Rauch. Als etwa eine Rakete das Benzinlager im belgrader Vorort
Zeleznik traf, wurden alle BewohnerInnen von Zeleznik und Zarkovo evakuiert und
alle anderen BewohnerInnen Belgrads dazu aufgefordert ihre Fenster zu
schließen.
Normalerweise werden während der Bombardements die Fenster geöffnet um
Verkletzungen durch in Kleinstscherben zerlegte Fenster die der Druck in die
Zimmer jagt zu verhindern. Der Großteil der Verletzungen die die BewohnerInnen
Sarajewos während des Bosnsichen Krieges erlitten kam durch solche zerschmetterten
Fenster zustande. Bei geöffneten Fenstern können die Druckwellen der Bomben
hingegen weniger anrichten.
Die von den USA propagierte Strategie des ÖL-Embargos - obwohl sie Milosevic
teuer kam - war in jedem Krieg in dem sie bisher angewandt wurde unwirksam, da
Nachbarregierung - in diesem Fall das NATO-Mitgleid Ungarn - immer Willens sind
für entsprechende Preise Benzin und alle anderen Ölprodukte und das
boykottierte Land zu schmuggeln.
Ich kann mich an Jugopetrol-Tankwagen erinnern die noch eine Woche nach der
Verhängung des Embargos in Rumänien gefilmt wurden. Auch über andere
Schmugglerwege - etwa die Donau - konnte mit Bestechung der Grenzbeamten immer
Öl und Benzin eingeführt werden. Das einzige Resultat des Embargos war, daß
Benzin und Öl für die einfache Bevölkerung extrem teuer wurde. Die Regierung
gab zwar Bezugsscheine aus die nicht verkauft werden durften, aber es gab zu
wenige Tankstellen an denen überhaupt noch Benzin erhältlich war. Nur zwei
große staatliche Ölkonzerne hatten Importgenehmigungen. Die kleinen
Geschäftsleute konnten nur überleben, wenn sie regierungsfreundlich waren und
die richtigen Leute bestachen. Wenn also das Öl-Embargo nur die Folge hatte,
daß sich die Benzinpreise erhöhten und das ökonomische Monopol der Milosevic-Clique
ausgebaut werden konnte, könnte sich die NATO wohl nur damit rechtfertigen, daß
die besten Geheimdienste der Welt keine Ahnung über die Situation hatten.
Bombardierung der chemischen Industrie
Ich erwähnte zuvor die Verschmutzung der Gewässer. Eine weiter Ursache für
diese Vergiftung der Flüsse bildete das Bombardement der chemischen Industrie
und von Lagerstätten gefährlicher Chemikalien. Vor denn NATO-Angriffen war das
wichtigste Zentrum der chemischen Industrie in Jugoslawien im bereits erwähnten
Pancevo. In Pancevo bombardierte die NATO eine Reihe verschiedener
Industrieanlagen und -depots, die entweder mit gefährlichen Substanzen arbeiten
oder diese lagern. Die jugoslawischen Medien berichteten aufgrund der Zensur
relativ wenig darüber. In Wirklichkeit hätte die Verseuchung von Pancevo zur
Evakuierung der Bevölkerung führen müssen. So eine Evakuierungsverordnung wurde
auch tatsächlich für einen Tag von der Jugoslawischen Armee ausgeführt, aber
schon am nächsten Tag wurde Order erlassen, daß jedeR zurückkehren könne. Die
meisten BewohnerInnen der Stadt hatten keine andere Möglichkeit und kein Geld
irgendwo unterzukommen.
Ich las im Internet einen Artikel eines Journalisten welcher im Juli oder
August nach dem Bombardement in Pancevo war.Er befrage die Fischer, welche ihm
die Auskunft erteilten, daß die wenigen Fische die sie lebend fingen
durchscheinend und von rötlicher oder gelblicher Farbe waren mit Augen
"boulging, like the eyes of junkies". Sein Führer brachte ihn zu
einigen Chemiefabriken bei denen eine Reihe unmarkierter und unbewachter Becken
mit Chemikalien herumstanden, die meisten davon mit einer gelben Farbe. Der
Artikel führt weiters aus, daß über der Stadt ein seltsamer Gestank gelegen
hätte, den die Bevölkerung sonst nicht gewohnt wäre.
Durch Pancevo fließt nicht nur die Donau, sondern auch zwei kleinere Flüsse
die direkt mit dem Grundwasserspiegel verbunden sind. Aus all dem läßt sich
schließen, daß giftige Chemikalien in die Flüße und in das Grundwasser gekommen
sind, ein Grundwasser das zigtausende Menschen mit Trinkwasser versorg und eine
große Zahl bedrohter Tier- und Pflanzenarten enthielt.
Giftgas in den Flüßen
Ebenso in die Donau gigen die Chemikalien der "Prva Iskra - Baric"
- Fabrik im Vorort Baric, 20 Kilometer südwestlich von Belgrad. In der Fabrik
wurde Giftgas der Jugoslawischen Armee gelagert. Einer der Lagerbehälter wurde
eines Nachts bombardiert oder eine Rakete wurde ganz in die Nähe des Behälters
geschossen um Panic auszulösen und einige Techniker und Feuerwehrmänner mit dem
Giftgas zu konterminieren. Wenn der Wind wie üblich in Richtung Belgrad gelasen
hätte und der Tank direkt getroffen worden wäre, hätte das Giftgas direkt die
Stadt erreichen können und die Hälfte der 1 Million BewohnerInnen Belgrads
töten oder zumindest schwer vergiften können. Eine ähnliche Taktik - giftige
Chemielager zu bombardieren - wurde auch in Pancevo angewendet.
Das Leck in den Behältern von Baric wurde noch in der Nacht des
Bombardements repariert, aber die dortigen Arbeiter entscheiden, daß es
wesentlich sicherer wäre die ganzen Kampfstoffe in den Fluß Save zu pumpen.
Dabei liegt 15 km flußabwärts die Pumpstation die Belgrad mit Trinkwasser
versorgt und weiter 5 km später fließt die Save in die Donau. Die Chemie die in
die Save gepumpt wurde konnte durch den Geschmack oder Geruch des Wassers nicht
festgestellt werden und es war auch nicht möglich das Wasser zu reinigen. Die
wichtigen Personen wurden gewarnt und es wurde ihnen auch erlaubt ihre engsten
FreundInnen und Familien zu warnen das Wasser für eine Woche lang nicht mehr zu
trinken und sich nicht damit zu waschen. Sie wurden angewiesen Mineralwasser
dazu zu benützen. Die einfache Bevölkerung wurde jedoch nicht informiert und
wußte nicht was für Wasser sie da trank. All das hat sich in der zweiten Hälfte
des Mai ereignet. Was ich von Leuten mit Haustieren gehört habe, haben die
meisten Hunde mit großen Schmerzen überlegt, aber alle Leute die Vögel oder
Fische hielten berichteten, daß diese innerhalb einer Woche starben. Die
gehaltenen Fische starben alle nachdem ihr Wasser gewechselt worden war. Zwei
Bekannte von mir mit empfindlicheren Mägen hatten die ganze Woche über
Magenschmerzen. Wenige Tage nach dem Ende dieser Woche veröffentlichte die
regierende Partei eine Studie, daß keine Verseuchung des Wassers in Belgrad
festzustellen sei. Die Meßdaten dazu wurden genau nach dieser einwächigen Frist
genommen.
Der größte Fluß Jugoslawiens ist die Donau, der zweite die Save, der dritte
die Morava, die durch den Zusammenfluß der westlichen und östlichen Morava
gebildet wird. An der westlichen Morava liegt die kleine Stadt Lucani, zwischen
Uzice und Cacak. Auch in Lucani wurde die Industrie bombardiert was auch hier
zum Austritt von Chemikalien in den Fluß führte. Ich weiß, daß einige Menschn
in den Dörfern entlang der westlichen Morava starben nachdem sie sonst völlig
sauberes Wasser getrunken hatten. Nach diesen Toten gingen einige Offizielle
herum um die Dorfbevölkerung zu warnen das Wasser zu trinken. Meine Großmutter
hat einen Bauernhof in einem solchen Dorf in der Nähe des Flußes und auch sie
wurde so gewarnt.
Wetter
Für ihr Bombardement verwendete die NATO sehr viele lasergesteuerte
Waffensysteme und Sateliteninformationen. Die Zielgenauigkeit der
lasergesteuerten Waffen ist bei Regen und Nebel stark reduziert. Dies ist unter
Umständen einer der Gründe warum nicht bereits im Oktober 1998 mit dem
Bombardement Jugoslawiens begonnen wurde obwohl die NATO-Representanten ständig
damit drohten.
Es verwundert bei der Lektüre der Invasionspläne wie viel Wert auf das
Wetter gelegt wird. Aber die NATO wußte, daß Jugoslawien in den Achzigerjahren
nicht nur ein wichtiger Waffenexporteur war, sondern auch eine starke Armee
besaß die das blockfreie Land eisern sowohl gegen Gefahren der NATO wie des
Warschauer Paktes verteidigte.
Die NATO verstand, daß sie gutes Wetter für einen befriedigenden Sieg über
Jugoslawien benötigte. Aber durch den Rauch und Smoke der Bomben war das Wetter
ganz entgegen der üblichen Wetterlage während dieser Jahreszeit ständig
bewölkt. Die NATO schossen Gegenstände aus Silber und einigen anderen
Materialien in die Wolken um diese zum regnen zu bringen. Bisher ist jedoch
nicht genau bekannt was für Technik dabei wirklich angewandt wurde und die NATO
weigert sich darüber Auskünfte zu erteilen.
Eine andere Ursache der Wetterveränderungen stellt die Tatsache dar, daß
ständig NATO-Flugzeuge über Jugoslawien flogen und Tonnen an Treibstoffe in die
Athmosphäre bliesen. Dadurch entstand über dem Balkan ein eigenes Ozon-Loch,
das sich angeblich in Richtung Nordwesten bewegt, also in Richtung Österreich
und die EU.
Im späten Mai und in der ersten Hälfte des Juni konnte ich ein sehr
seltsames Wetter beobachten. Es existierten nicht nur die unüblichen
Hochwolken, sondern ebenso ständige Lichtblitze im bewölkten Himmel.
Normalerweise wenn es um Belgrad blitzt kann ich diese sehen oder zumindest
erraten wo sie gerade sind. Aber diese Lichtblitze sahen nicht aus wie normale
Blitze. Mindestens vier mal kann ich mich erinnern, daß diese Lichtblitze aus
einem undefinierten Platz kamen. Mindestens der halbe Himmen wurde von diesem
Lichtblitzen erfüllt. Die eizige logische Erklärung dafür wäre, daß sehr starke
Blitze von weit her kamen, aber dann wäre der Donner nicht so stark gewesen.
Vielfach kam es außerdem zu Ausfällen der Radioübertragung. Den Großteil des
August verbrachte ich aber in Rumänien auf dem Ecotopia-Camp wo ich auch die
Wetterveränderungen in den Nachbarstaaten Jugoslawiens beobachten konnte.
Uran-Geschosse
Die NATO verwendete während ihres Bombardements ständig Depleted Uranium
(DU)-Geschosse aus abgereichertem Uran. Solche DU-Geschosse werden nicht
verwendet weil sie das beste Material für panzerbrechende Waffen,...
darstellen, sondern weil sie es den Atomkraftwerken erlauben auch noch ihren nuklearen
Müll den eigenen Staaten zu verkaufen, anstatt für die Entsorgung des Mülles zu
bezahlen.
Atomkraftwerke benützen angereichertes Uran für ihren Betrieb.
Abgereichertes Uran ist ein Nebenprodukt dieser Anreicherung, mit anderen
Worten: unnützer Abfall der irgendwo gelagert werden muß. Die Art der
Entsorgung als DU-Geschosse bedeutet, daß mit jedem DU-Geschoß gefährliche
radioaktive Partikel in den Boden, die Luft und das Wasser gelangen.
In größerem Ausmaß wurden DU-Gschoße bisher in den Kriegen der NATO gegen
den Iraq und Jugoslawien eingesetzt. Im Iraq konnten zuerst die Folgen der
DU-Geschosse nicht leicht erkannt werden. Nach den DU-Explosionen wurden die
mikroskopisch kleinen radioaktiven Partikel in den Wind, das
Wasser,...getragen. Über den Boden gelangten sie in die Nahrungsmittel und über
die Flüße und das Grundwasser in das Trinkwasser der Menschen. Die Konsequenzen
daraus sind noch immer unabsehbar. Wie wir aus Hiroshima, Nagasaki und
Tschernobyl gelernt haben, zeigen sich die wirklichen Schäden erst nach einer
Generation. Seit dem US-Bombardement gegen den Iraq hat sich der Anteil an
Krebskranken unter der Bevölkerung des Iraq insbesondere unter den Kindern
massiv vergrößert.
Ich kann mich noch an die Fotos erinnern die mir ein DU-Experte am Ecotopia-Camp
diesen Sommer gezeigt hat, speziell zwei Fotos von Kindern die solche
radioaktiven Partikel irgendwie in der Körper aufgenommen haben. Eines der
Kinder hatte einen großen Tumor im Magen mit einem rot infizierten Punkt an der
Stelle an der sich der Partikel befand.
Gegen Jugoslawien - inclusive des Kosov@ - setzten die Luftwaffen der
NATO-Staaten mehr DU-Geschosse ein als sie zählen können. Jemand erwähnte etwas
von etwa 37.000 DU-Sprengköpfen. Auf Anfragen bei US-Offiziellen wurde
geantwortet, daß diese Waffen ständig benutzt würden und niemand mitzählen
würde.
Die jugoslwische Bevölkerung wußte zwar während des Krieges über die
Verwendung der DU-Geschosse, wurde aber über die Konsequenzen völlig im Dunklen
gelassen.
Um die Verseuchung des Landes festzustellen ließ die jugoslawische Regierung
ein UN-Team in das Land, welche zwar erhöhte Beta- und Gammastrahlung messen
konnte, diese aber als "tolerierbar" einschätzte. Die Alphastrahlung,
welche bei DU-Waffen den größten Anteil der freigesetzten Radioaktivität
ausmachen wurden jedoch nicht gemessen. Die selbe UN-Kommission hatte bereits
zuvor die chemische Verseuchung als "Tolerierbar" bezeichnet, obwohl
einige Chemikalien in der zehnfachen Konzentration der von der UNO definierten
Grenze der Gesundheitsgefährdung gemessen wurden.
Auch die Fauna Jugoslawiens wurde von diesem Krieg in Mitleidenschaft
gezogen. Wie jeder Zooangestellte in Belgrad bestätigen kann machten die Bomben
Tiere verrückt. Wildlebende Tiere flohen zu tausenden aus Jugoslawien und
insbesondere aus dem Kosov@.
Quo vadis Jugoslawien?
Das Ölembargo für Jugoslawien tut sein übriges. Die größte Stadt
Jugoslawiens, Belgrad ist nicht im Programm "Energie für Demokratie"
und bekommt damit auch im Winter keine Heizmaterialien, kein Öl, kein Benzin.
Das NATO-Bombardement zerstörte das Fernwärmeheizkraftwerk, das fast die Hälfte
der Stadt mit Wärem versorgte. Offiziell ist Belgrad nicht im Programm weil es
von der Serbischen Erneuerungsbewegung Vuk Draskovics regiert wird, welche
Milisevic unterstütze. Dann stellt sich allerdings die Frage warum der Westen
Draskovic immer noch als Oppositionsführer betrachtet. In Wirklichkeit hatten
viel mehr BelgraderInnen für die sogenannte "demokratische
Opposition" gestimmt, als etwa in Pirot , das sich auf der Liste der
Öllieferungen des Westens befindet. Dahinter steht der Gedanke die Bevölkerung
zur Wahl prowestlicher Parteien zu bewegen. Es ist jedoch eine Illusion, daß
die Bevölkerung nachdem die NATO das ganze Land zerbombt hat ausgerechnet jene
Parteien unterstützen soll, die von jenen unterstützt werden die das Land zuvor
zusammengebombt haben.
Aber unter Umständen ist es gar nicht so ein einheitlicher Wusch des Westens
Milisevic loszuwerden. Schließlich stellt seine Existenz den besten Grund dar
offizielle und inoffizielle EU-US-Protektorate wie Bosnien, Kosov@ oder
Mazedonien in der Region besetzt zu behalten. Viel wahrscheinlicher ist eine
langfristige neuerliche Eskalation der Konflikte in der Region, etwa in
Montenegro wo Milosevic bereits ihm ergebene Paramilitärs ausrüsten läßt. NATO
und Milosevic gemeinsam könnten hier einen neuerlichen Krieg produzieren.
Kriege werden benötigt da die US-Regierung noch lange nicht alle
DU-Geschosse verbraucht hat. Eine Änderung der Regierung in Belgrad und eine
erneute Verlagerung des Interventionsspielplatzes vom Balkan in den Mittleren
Osten würde eine Beruhigung des Balkan erlauben, ist zur Zeit aber
unwahrscheinlich. Die USA haben schon einmal gezeigt, daß sie einen destabilisierten
Balkan wollen, da sie Milosevics Machtergreifung voll unterstützt haben, ganz
so wie jene Saddam Husseins im Iraq.
Logischer wäre ein neuerlicher Krieg in Montenegro und dann könnten später
auch noch SeparatistInnen in der Vojvodina mit Geld und Waffen unterstützt
werden.
Mihajlo Acimovic
Nähere Infos zu den ökologischen Zerstörungen im Zuge des NATO-Bombardements
Jugoslawiens sind im Internet unter zu finden.