Mexiko: 2000 Militärpolizisten stürmen die
Uni, doch der Streik geht weiter
-mary-
Im Morgengrauen des 6. Februar 2000, der 292. Tag des Streiks der
StudentInnen der Öffentlichen Universität Mexikos (UNAM - Universidad
Nacional Autónoma de México), saßen 998 StudentInnen im Gefängnis. Die
Militärpolizei (Policía Federal Preventiva) hatte mit Einverständnis des
Rektors de la Fuente die Autonomie der UNAM verletzt und den Uni-Campus
gestürmt, um dem Streik ein für alle mal ein Ende zu bereiten. Dachten sie.
Doch die Streikenden ließen sich nicht einschüchtern: der Streik geht weiter,
und verhandelt wird erst dann wieder, wenn auch die restlichen noch
inhaftierten über 300 StudentInnen freigelassen werden.
Auslöser des Streiks im März 1999 waren erneute Vorstöße der
Universitätsdirektion rund um Rektor Barnés in Sachen Erhöhung der
Studiengebühren im Zuge der grasierenden Privatisierungswelle. Barnés dankte
bereits am 12. November ab. Doch auch sein Nachfolger, der von Präsident
Zedillo mittels des berühmten "dedaso" erwählte Priist De la
Fuente, zeigte sich bis jetzt nicht bereit, auf den Forderungskatalog des
Streikrates der StudentInnen (CGH — Consejo General de Huelga)
einzugehen. Indes mehrten sich seit Ende Dezember die Repressalien gegen die
Streikenden. Am 28. 12. wurde eine Gruppe von StudentInnen als
"Drogendealer" festgenommen, als sie Streikparolen auf Wände des
Universitätscampus malten. Am Tag darauf wurde ein Student innerhalb des Campus
ermordet. Am selben Abend wurde eine Studentin, die gerade eine Veranstaltung
der Streikenden besucht hatte, vergewaltigt und angeschossen. Die Anwälte, die
die StudentInnen vertreten, erhalten ständig Morddrohungen. Die StudentInnen
des CGH fordern die Universitätsdirektion sowie die Regierung auf, diesen Krieg
niedriger Intensität gegen sie sofort zu beenden und die 6 Punkte ihres
Forderungskataloges umzusetzen:
·
Abschaffung der Studiengebühren
·
Demokratisierung der Strukturen der UNAM
·
Beendigung der Repression und keinerlei Sanktionen für
die am Streik beteiligten StudentInnen
·
Abschaffung des repressiven Polizei- und
Spitzelapparates innerhalb der UNAM
·
Abschaffung der Modifizierungen der
Inskriptionsregulierung vom Juni 1997
·
Abschaffung der Studieneingangsprüfung
·
Seit dem 6. Februar kommt eine 7.Forderung hinzu:
Freilassung aller Gefangenen
Die StudentInnen der CGH solidarisieren sich in ihren Stellungnahmen
mit der Lehrergewerkschaft CNTE, der EZLN, und weiteren Teilen der
Volksbewegung, wie z.B. die Bauernorganisationen in Guerero. Die Regierung
rechtfertigt die Stürmung der Uni u.a. damit, daß die Streikbewegung sich in
ein "Staatsproblem" verwandelt hätte, da sie mit
nicht-universitären sozialen Organisationen paktiere.
Die Strategie des Staatsterrorismus ist vielseitig. Zum einem inszenierte
man eine Umfrage, in der nur 40% der Uni-Angehörigen teilnahmen und verwendete
dann die Ergebnisse, die ein Ende des Streiks forderten, als Grund für die
represiven Maßnahmen. Immer wieder versuchten Provokateure, die Treffen
zwischen CHG und Streik-GegenerInnen zu stören. Der Spitzelapparat innerhalb
der Uni wird ständig ausgebaut.
Am 1. Februar 2000 kam es zu einer neuerlichen Eskalation der staatlichen
Repression gegen die Streikenden, als nach offensichtlich geplanten
Provokationen seitens einer Gruppe von Spitzeln, die Militärpolizei und
Aufstandsbekämpfungstruppen den Campus stürmten, mehrere StudentInnen schwer
verletzten und 250 Streikende festnahmen. Die Anklage lautet auf Terrorismus,
Aufruhr (motín), Raub, Körperverletzung und Sachbeschädigung. Gegen
weitere 430 Streikende gibt es Haftbefehle. Der Rektor De La Fuente rief die
Staatsgewalt dazu auf, ihn bei der Räumung "seiner" Universität zu
unterstützen, was dann ja am 6. Februar passierte. Auch die Medien berichten im
Interesse der Regierung und der Universitätsdirektion und setzen alles daran,
die streikenden StudentInnen als "TerroristinInnen" hinzustellen.
Nach der brutalen Räumung der UNAM am 6.2. wurden Bilder von angeblichen
Marihuanapflanzungen und Waffenarsenalen auf dem Campus gesendet.
Doch die über 100.000 Menschen, die am 9.2. in Mexiko D.F. in einem
beeindruckenden Protestmarsch ins Zentrum der Stadt wanderten, konnten wohl
auch sie nicht überzeugen. Die Nachrichten sprachen von knapp 1.500 Teilnehmern
und schalteten dann auf eine Musik-Doku um. (kommt uns bekannt vor!). Sogar der
sozialdemokratischen PRD (Partido de la Revolución Democrática) ging es zuweit
und nachdem sie sich immer wieder von den "ultras" der CHG
distanziert und ein Ende des Streiks gefordert hatten (z.B. der PRD-Abgeordnete
Gilberto López y Rivas bei seinem Wien-Besuch im Jänner...), solidarisierten
auch sie sich mit den Streikenden.
Das CGH bittet die internationale Solidarität um Protestaktionen vor den
mexikanischen Botschaften in aller Welt. (Türkenstr.15, 1090 Wien Tel:310 73 83
Fax: 310 73 87)
Die umfangreiche Homepage des CGH beinhaltet u.a. auch die ersten 5
Stellungnahmen auf englisch:
www.geocities.com/Baja/Mesa/9813
Ihre e-mail-Adresse lautet: cgh@ciencias.dyn.cheapnet.net
Weitere Dokumente dazu in der red zapatista: www.pangea.org/ellokal/chiapas