FPÖ und Europa
Die vermeintlichen "Sanktionen" der EU-Staaten gegen die österreichische Bundesregierung wurden von der FPÖ genutzt um eine EU-Kritik von Rechts zu etablieren, die seither in der österreichischen Bevölkerung auf regen Zuspruch stößt. Den Hintergrund dazu bildet eine lange und Widersprüchliche Geschichte eines Europadiskurses der „neuen“ und „alten“ Rechten.
In der Europapolitik der FPÖ spiegelt
sich nicht nur die gesamte Vielfalt eines sehr wiedersprüchlichen und teilweise
sehr taktisch bestimmten Verhältnisses der gesamten Neuen Rechten gegenüber
"Europa" wieder. Die jeweilige Europapolitik der FPÖ ist aufgund des
Charakters der FPÖ als populistische Massenbewegung auch sehr stark von kurz-
und mittelfristigen realpolitischen Überlegungen geprägt, die sich einerseits
an populistischen Stimmenmaximierungen vor Wahlen, andererseits aber dann auch
wieder von ökonomischen Interessen der Partei nahestehender Industrieller und
Wirtschaftstreibender leiten läßt.
Möglicherweise lassen sich damit zumindest
ansatzweise die relativ ruckartigen Veränderungen und die geringe Stringenz in
den Positionen der FPÖ gegenüber der EU erklären.
Trotzdem ergibt sich bei genauerer
Lektüre verschiedener FPÖ-Publikationen ein Europabild der FPÖ, das sich zwar
in verschiedenen taktischen und strategischen Überlegungen unterscheidet aber
auch viele Gemeinsamkeiten besitzt.
Europa und die "Neue Rechte"
Eine wichtige Rolle spielte dabei bis
zur Machtübernahme Jörg Haiders die relativ starke Heterogenität der Partei, die
versuchte, verschiedenste Strömungen der „neuen“ und „alten“ Rechten unter ein
Dach zu bringen. Die unterschiedlichen Europastrategien der europäischen
Rechten spiegeln sich so auch in der Ideologiegeschichte der FPÖ wieder.
Die Bedeutung des Kampfbegriffes
"Europa" ist dabei in der gesamten Europäischen Rechten und extremen
Rechten sehr unterschiedlich: "Als
Abendland wird es vom konservativen Flügel angerufen, als Deutsches Reich vom
deutschnationalen und die dazwischenliegende neurechte Intelligenz strapeziert
Europa als zu befreiende Kolonie raumfremder Mächte." (SCHIEDEL, 1995:
68)
Während neuheidnische Strömungen der
extremen Rechten den Zeitpunkt dieser Kolonialisierung bereits zur
Christianisierung Europas zurückverlegen, sehen die meisten VertreterInnen der
"Neuen Rechten" in der militärischen Niederlage Nazideutschlands und
der folgenden "Teilung Europas" zwischen NATO und Warschauer Pakt den
Beginn dieser "Kolonialisierung Europas". Nach der Niederlage des
Warschauer Paktes lenkt diese Strömung des Europäischen Rechtsextremismus ihr
Hauptaugenmerk folgerichtig auf einen Kampf gegen die Vereinigten Staaten von
Amerika in denen sie die glauben eine verbliebene Superkolonialmacht
wahrzunehmen.
Bei diesem Antiamerikanismus setzen
teilweise auch verschiedene Querfrontstrategien ein, die - teilweise
erfolgreich – versuchen, ebenso antiamerikanisch eingestellte Linke für die
"Neue Rechte" zu vereinnahmen bzw. Bündnisse mit diesen einzugehen.
Die neurechten VertreterInnen eines
"nationalen Befreiungskampfes" gegen die Hegemonei der USA legen
dabei einen großen Wert auf den Kampf gegen US-Amerikanische Kultureinflüsse
und die "kulturelle Emanzipation" Europas.
"Bei der angesagten geistigen Emanzipation Europas kommt - wenig
überraschend - Großdeutschland wieder zentraler Stellenwert zu: Die ersehnte
unabhängige "Nation Europa" habe bei ihren germanischen Ursprüngen
anzuknüpfen, liege doch in der vorchristlichen Blut- und Bodenreligion das
durchzusetzende Abstammungs und Identitätsprinzip begründet." (SCHIEDEL,1998: 23)
Eine solche Ideologie einer
"Nation Europa" geht bereits auf den britischen Faschistenführer Sir
Oswald Mosley zurück, der ehemalige Führer der Britisch Union of Fashists
(BUF), der bereits unmittelbar nach 1945 seine Aktiviäten ungehindert fortsetzte,
ehe "The 43 Group" dem Treiben seiner neugegründeten
Faschistengruppen in einem langwierigen Kampf ein Ende setzte. (siehe BECKMAN,
1992)
Bereits 1951 versammelte sich in Malmö "die faschistische Elite Europas, um
die "Europäische Soziale Bewegung" (ESB) ins Leben zu rufen. In der
BRD gründete der vormalige SS-"Sturmbannführer" und oberste
"Bandenbekämpfer" Hitlers, Arthur Erhardt, die bis heute
erscheinende, zentrale Zeitschrift "Nation (und) Europa. Monatsschrift in
Dienste der europäischen Neuordnung"" (SCHIEDEL, 1998: 24), die
noch heute als ideologische Stichwortgeberin des europäischen Rechtsextremismus
fungiert.
Die "Neue Rechte" bekämpft
seither die EU und seit Maastrich insbesondere die Verträge von Maastricht als
amerikanisierten "Multikulti- Einheitsbrei" und setzt dieser je nach
Strömung ein "Europa der Vaterländer" und/oder ein "Europa der
Regionen" entgegen. Entscheidend in deren Argumentation sind dabei
angeblich "naturwüchsige" Einheiten, die in völkischen Kategorien
gedachte "Regionen" oder "Vaterländer" bilden.
"Europa" wird dabei primär
als Kampfbegriff gegen die USA, gegen die Islamische Welt oder andere
Weltregionen gesehen von denen eine vermeintliche Bedrohung für die
"Nation Europa" ausgehe. Die Europäsiceh "Innenpolitik" wird
hingegen eher als Konföderation völkischer Blut-und-Boden-Gemeinschaften
gesehen, denn als politische Union.
Europa der Regionen und Vaterländer
Dieses Konzept eines "Europa der
Regionen" oder eines "Europa der Vaterländer" spielte dabei auch
in der europapolitischen Argumentation der FPÖ immer eine wichtige Rolle und
läßt sich als "Brauner Faden" durch die verschiedenen taktischen
Schwenks der europapolitischen Positionen der FPÖ sehen.
Bis relativ kurz vor der
Volksabstimmung über den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union (EU) läßt
sich die FPÖ als die EU-beitrittswillige Partei Österreichs schlechthin
beschreiben, die als erste aller österreichischen Parlamentsparteien einen
Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft (EG) befürwortete. Im alten Parteiprogramm
der FPÖ von 1985 hört sich diese europapolitische Position der FPÖ schließlich
so an:
"[...] Den letzten Schritt zur Vollendung des von uns angestrebten
Einigungswerkes erblicken wir in der Schaffung einer europäischen
Konföderation. In dieser soll jedes Volk auf der Grundlage von Selbstbestimmung
seine Eigenart bewahren können" (FPÖ, 1995:
1.4)
Was darunter zu verstehen ist stellt
bereits diese Programm - das noch in der "liberalen" Steger-Ära
beschlossen wurde unter dem Kapitel "Volk, Heimat" fest:
"Wir halten das Bestehen ethnischer Gemeinschaften für notwendig, auch
und gerade in einer Zeit übernationaler und überregionaler
Zusammenschlüsse." (FPÖ, 1995: 3.14)
Wie sehr dieses Europa als
deutsch-dominiertes Europa gesehen wurde macht bereits ein Blick in das Ausseer
Programm der Vorgängerpartei der FPÖ, dem Verband der Unabhängigen (VdU) von
1954 klar:
"Österreich ist ein deutscher Staat. Seine Politik muß dem gesamten
deutschen Volk dienen und darf nie gegen einen anderen deutschen Staat gerichtet
sein. Wir fordern die Einigung der europäischen Völker auf Grundlage voller
Gleichberechtigung." (zit. nach REITER, 1993: 589)
Folgerichtig sieht schließlich auch
Erich Reiter, der im Jahrbuch der FPÖ-Bildungsorganisatione
"Freiheitliches Bildungswerk" die Europaprogramme der FPÖ analysieren
darf, im Jahr 1945, dem Jahr der militärischen Niederlage Nazideutschlands, und
nicht im Jahr 1933, der Machtübernahme Hitlers in Deutschland, eine europäische
Tragödie:
"Das Jahr 1945 war nicht nur eine deutsche, sondern auch eine
europäische Tragödie" (REITER, 1993: 589)
Die Strategie der Mehrheit der
österreichischen Bevölkerung nach 1945 war jedoch eine andere. Nach den
Verbrechen des deutschen Faschismus, wollte die überwiegende Mehrheit der
Bevölkerung nichts mehr davon wissen, daß sie sich noch bis vor kurzem als Teil
der "Deutschen Nation" gesehen hatte und folgte willig der Schaffung
einer "Österreichischen Nation", die wie bereits beschrieben mit der
"gesamtdeutschen" Vergangeneheit nichts mehr zu tun haben wollte. Mit
diesem zunehmenden Bekenntnis der ÖsterreicherInnen zur "Österreichischen
Nation" wurde auch die offene Deutschtümelei der FPÖ zunehmend
unattraktiver, was zu sukzessiven Entschärfungen des Deutschbekenntnisses der
Partei führte. Im Parteiprogramm von 1985 findet sich neben der Definition vom "Volk als natürliche Gemeinschaft [das]
durch Abstammung und geschichtliche Entwicklung verbunden" ist und "gemeinsame Wesenszüge"
aufweist (FPÖ, 1985: 1.3) immerhin noch der Hinweis auf die "Zugehörigkeit
der ÖsterreicherInnen zur deutschen "Volks- und Kulturgemeinschaft":
"Die bei weitem überwiegende Mehrheit der Österreicher gehört der
deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft an. Diese Tatsache bleibt bestehen,
obwohl sie als Folge eines verhängnisvollen Kapitels deutscher Geschichte in
Österreich vielfach verdrängt wird. Wir wollen, daß Österreich, eingebettet in
den deutschen Volks- und Kulturraum, auch in Zukunft dessen Entwicklung
eigenständig mitgestaltet." (FPÖ, 1985:
1.3)
Während Jörg Haider zu Beginn seiner
FPÖ-Obmannschaft diese klassisch deutschnationale Position weiter vertrat,
schwenkte er ab Mitte der Neunzigerjahre zunehmend auf eine
Österreich-patriotische Linie um, was einer der taktisch wesentlichen Schritte
war, die WählerInnenschaft der FPÖ weit über das verbliebene deutschnationale
Potential zu verbreitern und für jene postnationalsozialistischen DemokratInnen
attraktiv zu werden, die den Deutschnationalismus durch das
Zugehörigkeitsgefühl zum immerwährenden "armen Opfer Österreich" ersetzt
hatten.
Auch die Europaargumentation der FPÖ
wurde zunehmen ethnopluralistischer und legte immer mehr Wert auf
"Kultur", denn auf "Volk", auf die "Region", denn
auf die "Nation.
"Europa" wird dabei vor allem
dort als Einheit gesehen, wo es um die Abgenzug zu Asien, Nordafrika,... geht
und dort als in ethnopluralistische Regionen aufzuteilende Konföderation, wo es
um die interne Abgrenzung der verschiedenen "Heimaten" geht.
Die FPÖ nähert sich mit dieser Position
teilweise jenen RegionalistInnen an die einerseits als Vorbild für dieses neue
Europa das alte "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" sehen,
anderseits aber mit dem "Eruopa der Regionen"-Konzept auch an
alternativ-ökologische Diskurse anknüpfen.
Im aktuellen Parteiprogramm der FPÖ von
1997 hört sich die Idee eines nach Innen ethnopluralistischen und nach Außen
hin zur Festung gewordenen Europas unter der Überschrift
"Schicksalsgemeinschaft Europa" so an:
"Europa ist mehr als ein geographischer Begriff. Es gründet in der
christlich-abendländischen Wertegemeinschaft. Die durch gemeinsame Schicksale
verbundenen Völker und ihr kulturelles Erbe bilden und tragen Europa. [...]
Der Reichtum Europas liegt in der Vielfalt seiner Völker und Volksgruppen.
Die christlich-abendländische Wertegemeinschaft räumt der Freiheit des
Einzelnen und der Freiehit der Völker einen besonders hohen Stellenwert ein,
einen höheren als dies in anderen Kulturkreisen der Fall ist.
[...]
Das künftige Schicksal Europas muß von der Gestaltungsfreiheit seiner
Völker geprägt sein. Dabei sind die durch die Geschichte entstandene Vielfalt
und das kulturelle Erbe zu bewahren und weiterzuentwickeln."
(http://fpoe.at/bb/programm97/art6.htm)
Und da die FPÖ - zumindest nach Außen
hin - ihren Deutschnationalismus weitgehend durch einen eher in
austrofaschistischer Tradition stehenden Österreich-Patriotismus ersetzt hat,
muß im katholischen Alpenlande natürlich auch für das "Christliche
Abendland" eine Lanze gebrochen werden. Ein eigenes Kapitel
"Christentum - Fundament Europas" markiert im neuen Parteiprogramm
die Abkehr vom ehemals antiklerikalen Deutschnationalismus und die Annäherung
zu katholischen IntegralistInnen und austropatriotischen
AbendlandsverteidigerInnen:
"Die vom Christentum und antiker Welt geprägte Wertordnung bildet das
wichtigste geistige Fundament Europas. Darauf beruhen die wesentlichen
geistigen Strömungen vom Humanismus bis zur Aufklärung.
[...]
Die Bewahrung der geistigen Grundlagen des Abendlandes erfordert ein
Christentum, das seine Werte verteidigt. Im Bestreben um den Erhalt dieser
Grundlagen Europas sehen sich die Freiheitlichen als ideelle Partner der
christlichen Kirchen, auch wenn es zu verschiedenen politischen Fragen
unterschiedliche Standpunkte gibt.
[...]
Durch vielfältige Strömungen sind diese Grundlagen [Europas] gefährdet. Der
zunehmende Fundamentalismus eines radikalen Islams und dessen Vordringen nach
Europa, aber auch ein hedonistischer Konsumismus, ein aggressiver Kapitalismus,
das Zunehmen des Okkultismus und pseudoreligiöser Sekten und schließlich ein in
allen Lebensbereichen vermehrt feststellbarer Nihilismus bedrohen den
Wertekonsens, der deshalb verlorenzugehen droht."
(http://
www.fpoe.at/bb/programm97/art5.htm)
Die EG wurde bis zu den Verträgen von
Maastricht von der FPÖ offensichtlich noch als Entwicklungsmöglichkeit hin zu
einem ethnopluralistischen Abendland gesehen. Jedenfalls schwenkte Jörg Haider
- wohl auch aus Gründen einer vermeintlich besseren Stimmenmaximierung bei den
nächsten Wahlen - erst relativ kurz vor der EU-Volksabstimmung 1994 vom
kämpferischen Befürworter eines EU-Beitrittes zu einer populistischen
Gegnerschaft der EU um. Mit Angstargumenten, die von der
"Ausländerflut" oder angeblichem Stierblut in der Schokolade über
Schildläuse im Erdbeerjoghurt oder den Ausverkauf der Alpen an holländische
oder deutsche FerienhausbesitzerInnen bis zum Export des guten Österreichischen
Wassers an "die Portugiesen" gingen, versuchte sich die FPÖ im
Vorfeld der Volksabstimmung als EU-Gegnerpartei zu etablieren.
Dieser Schwenk machte es für linke
EU-GegnerInnen teilweise sehr schwer mit sachlichen Argumenten gegen einen
EU-Beitritt aufzutreten. ManchE fortschrittlicheR EU-GegnerIn flüchtete vor
Haiders EU-Kampagne gar in das Lager der EU-BefürworterInnen um sich nicht in
eine Reihe mit einem xenophoben Populismus wiederzufinden.
Kurzfristig ging die Rechnung der FPÖ
aber kaum auf. Bei der EU-Volksabstimmung entschieden sich 2/3 aller
Wahlberechtigten für einen Beitritt zur EU. Der Schwenk der Partei war neben
der offen ausländerfeindlichen Mobilisierung des
"Ausländervolksegehrens" einer der Hauptgründe für die Spaltung der
Partei und die Gründung des "Liberalen Forums", das sich in der Folge
v.a. als Anti-FPÖ profilieren sollte und die letzten Liberalen in der Partei
mitnahm.
Mittelfristig konnte die FPÖ hingegen
von ihrem Schwenk zur Anti-EU-Partei profitieren. Da sich viele
ÖsterreicherInnen von den Versprechungen der sozialdemokratisch-konservativen
Koalitionsregierung, die im Falle eines EU-Beitrittes das Blaue vom Himmel
versprochen hatte, betrogen fühlten und in der Bevölkerung bereits vor der
Werbekampagne der Bundesregierung eine latent europafeindliche Stimmung
geherrscht hatte, änderte sich die Meinung zur EU bereits innerhalb des ersten
Mitgliedsjahres Österreichs in der EU dramatisch. Bereits Ende 1995 stimmten
fast alle Meinungsumfragen darin überein, daß sich nun 2/3 der Bevölkerung
gegen die EU aussprachen und nur noch 1/3 dafür. Von diesem Meinungsumschwung
konnte primär die FPÖ profitieren.
Die FPÖ tut sich seither immer wieder
als EU-feindliche Partei hervor, was gemeinsam mit ihrem offenen Rassismus und
ihrem latenten Antisemitismus von Wahl zu Wahl mehr WählerInnen in ihre Arme
trieb.
Besonders relevant wurde diese
EU-feindliche Haltung der FPÖ seit diese Partei gemeinsam mit der konservativen
Österreichsichen Volkspartei (ÖVP) die Regierung übernahm und innerhalb
kürzester Zeit die gesamte EU gegen sich aufbrachte.
Die vermeintlichen bilateralen
"Sanktionen" der EU-14 gegen die österreichsiche Rechtsregierung,
sind seither nicht nur ständig präsentes Thema in allen Nachrichtensendungen,
sondern insbesonder DAS Thema der FPÖ, mit dem nicht nur von der konkreten
Regierungsarbeit, insbesondere vom einschneidenden Sozialabbau und der
Demontage der Gewerkschaften abgelenkt wird, sondern auch eine immer
militantere antieuropäische Agitation betrieben wird.
Der FPÖ ist es dabei auch gelungen,
ihren ehemals geradezu EUphorischen Koalitionspartner ÖVP auf eine ebenso
EU-feindliche Linie einzuschwören. Die Bundesregierung plante für den Fall, daß
der Bericht der EU-Weisen nicht zur Aufhebung dieser
"Sanktionen"geführt hätte, für den Herbst sogar eine Volksabstimmung
über die Aufhebung der Sanktionen.
Um diesen nationalen Konsens nur weiter
beibehalten zu können, versuchte die FPÖ, in der Hoffnung auf Beibehaltung des
gemeinsamen Feindes, noch Öl ins Feuer zu gießen. Für den Herbst kündigte
Andreas Mölzer, der deutschnationale Chefideloge der Partei und Herausgeber der
rechtsextremen Wochenzeitung "Zur Zeit", bereits an, ein großes Treffen
europäischer RechtsextremistInnen in Österreich veranstalten zu wollen. Mit
dabei sollen neben der FPÖ auch Vertreter des Flaams Block aus Belgien, des MNR
aus Frankreich, sowie Italienische Neofaschisten und Regionalisten in Wien
erscheinen.
Thomas Schmidinger
Bibliographie:
BAILER, Brigitte / NEUGEBAUER,
Wolfgang: Die FPÖ: Vom Liberalismus zum Rechtsextremismus
in:
DOKUMENTATIONSARCHIV des
Österreichischen Widerstands: Handbuch des Österreichsichen Rechtsextremismus,
Wien 1993; S 327 - 429
BECKMAN, Morris: The 43 Group
London, 1992
GRATZER, Christian: Der Schoß ist
fruchtbar noch..., NSDAP (1920 - 1933) - FPÖ (1986 - 1998), Kontinuitäten,
Parallelen, Ähnlichkeiten
Wien, 1998
FPÖ: Österreich politisch erneuern.
Programm der Freiheitlichen Partei Österreichs
Salzburg, 1985
LUTHER, Kurt Richard: Die Freiheitliche
Partei Österreichs
in:
DACHS/GERLICH u.a.: Handbuch des
Politischen Systems Österreichs
Wien, 1992
REITER, Erich: Ein neues Europaprogramm
für die FPÖ?
in:
FREIHEITLICHES BILDUNGSWERK: Freiheit
und Verantwortung. Jahrbuch für politische Erneuerung 1994
Wien, 1993; S 583 - 598
SCHIEDEL, Heribert: Die extreme Rechte
"Im Dienst der Europäischen Neuordnung"
in:
PURTSCHELLER, Wolfgang: Die Rechte in
Bewegung, Seilschaften und Vernetzungen der "Neuen Rechten"
Wien, 1995; S 68 - 99
SCHIEDEL, Heribert: Europäischer
Rechtsextremismus
in: Zoom 6+7, 1998; S 22 - 33
>KASTEN<
Europa als christliches Reich?
Als wichtige ideologische Bastion einer
europäischen Reichsidee dient seit Jahrzehnten die Paneuropabewegung, deren Vorsitzender Otto Habsburg seit Jahren
eine EU als "christliches Abendland" propagiert.
In seine Fußstapfen tritt seit einigen
Jahren dessen weniger erfolgreiche Sohn, Karl Habsburg, der für die letzten
EU-Wahlen eine eigene christlich-integralistische Rechtsaussenpartei, die CSA (Christlichsoziale Allianz)
gründete. Nach einer fatalen Wahlniederlage zog sich zwar der Kaisersprößling
aus der Politik zurück, unter der Führung von Rüdiger Petrini und Carl Albert
Waldstein arbeitet die Partei jedoch weiter und kündigte im vergangenen Juli
an, gemeinsam mit Alexander Schmidingers CSU
(Christlichsoziale Union) wieder zu Wahlen antreten zu wollen.