Nach einem mail der ÖKOLI, in dem zwei Artikel in der Herbstnummer der Bahamas kritisiert wurden, entwickelte sich im Widerstandsmund, dem elektronischen Info- und Diskussionsorgan der Protestbewegung gegen schwarzblau eine Diskussion über Rassismus, Antiislamismus, und Antifeminismus:
Widerstandsmund, 27. 11. 2000:
Rassistische und NS-verharmlosende Bahamas
gepostet von: OEKOLI_Wien@gmx.net
Mit der jüngsten Ausgabe der BAHAMAS (Nr. 33, Herbst 2000), hat sich diese
einst antinationale Zeitschrift zu einem rassistischen und
NS-verharmlosenden Sudelblatt gewandelt.
Wer unsere Aussendungen zum Thema Antisemitismus (in der Linken) und
unsere Texte zum Konflikt im Nahen Osten gelesen hat, weiß, daß wir immer
gegen
jeden Antisemitismus massiv aufgetreten sind und immer versucht haben den
Konflik im Nahen Osten so differenziert wie möglich zu betrachten und nicht
in
völkischen Kollektiven, weder in palästinensischen noch in israelischen zu
denken. Wenn wir nun aber die RKL wochenlang für ihren Antisemitismus
kritisieren, dann müssen wir nun auch die in der hiesigen Szene ebenfalls
beliebte
¼ jährlich in Berlin erscheinende Zeitschrift BAHAMAS kritisieren.
Horst Pankow schreibt unter dem Titel “Kindermörder” einiges
zusammen, was nicht nur einen aggressiven antiarabischen Rassismus verrät,
sondern auch den nationalsozialistischen Vernichtungsantisemitismus mit dem
sehr oft (aber nicht immer) antisemitischen Kampf palästinensischer Guppen
gleichsetzt. Er schreibt u.a.:
„Mit den sogenannten Palästinensern steht Israel das derzeit
aggressivste antisemitische Kollektiv gegenüber. [...] Ähnlich wie der
nationalsozialistische Vernichtungs-Antisemitismus scheut auch dessen
aktuelle
palästinensische Variante kein persönliches Opfer und schreckt auch nicht
vor der
zynischen Aufopferung der eigenen Gefolgschaft zurück. Wenn es nur das Ziel
der
Vernichtung der Juden voranbringt, werden selbst Kinder massenhaft in den
„Märtyrer“-Tod geschickt. Die palästinensischen Judenhasser
treiben dabei eine Methode auf die Spitze, die bereits im Bosnien-Krieg von
ihren
muslimischen Glaubensbrüdern praktiziert wurde: Muslimische Stellungen
feuern aus Krankenhäusern, Kindergärten und Schulen auf die serbischen
„Belagerer“ Sarajewos und wenn diese dann zurückschossen, hatte
man die
von den westlichen Fernsehteams sehnsüchtig erwarteten „unschuldigen
Opfer“.“
Wer mit solchem Zynismus die Staatsmacht, deren Armee es immer noch ist,
die auf die angesprochenen palästinensischen Kinder schießt, von jeder
Schuld
freispricht und behaupten will, daß „Araber“ nun mal alle ihre
eigenen Kinder aufopfern würden um nur Jüdinnen und Juden vernichten zu
können und dann noch glaubt, all dieses halluzinierte Zeug als die
„aktuelle palästinensische Variante“ des
„nationalsozialistischen
Vernichtungs-Antisemitismus“ bezeichnen zu müssen, ist nicht nur
Rassist,
sondern auch ein Verharmloser der Schoa.
Insofern ist es kein Wunder, wenn Horst Pankow im Einklang mit Ariel
Sharon und rechtsextremen Siedlerverbänden, der israelischen Regierung
Folgendes
empfiehlt: „Der israelische Staat kann sich der palästinensischen
Vernichtungswut, die Selbstvernichtung achselzuckend in Kauf nimmt, nur
durch
äußerste Härte erwehren.“
Horst Pankow ist aber kein verbaler Einzeltäter, sondern befindet sich im
Einklang mit den anderen Autoren dieser Bahamas-Nummer. Unter dem Titel
„Beruf: Palästinenser“ schreibt Justus Wertmüller u.a.:
„Zwar wird es unbegreiflich bleiben, was das für Mütter, Väter oder
ältere Geschwister sind, die diesen Halbwüchsigen ihr lebensgefährliches
Agieren erlauben. Daß die Hinopferung der Kinder politisches Kapital fürs
völkische Projekt ist, läßt sich schwer bestreiten.“
Und auch Wertmüller spricht vom Pogrom, nämlich vom Pogrom der
Palästinenser an den Israelis, und schildert uns, daß der „islamische
Pogromist“ noch schlimmer ist als alle anderen, also wohl auch als der
deutsche:
“Das zur Stiftung nationaler Identität verewigte Pogrom kennt,
anders als das klassische, die Vergänglichkeit der bösen Leidenschaft nicht
mehr.
Der mörderischen Aufwallung folgt keineswegs die Erschlaffung im gestillten
Blutdurst, da es der islamische Pogromist noch nicht einmal zum
Pogrombürger bringen will, der sich nach vollbrachter Bluttat wieder damit
beschäftigt,
seinen Nachbarn zu übervorteilen. Weil er dem Nachbarn gleich ist und ihm
bestenfalls „jüdischer Schandtaten“ überführen kann, wie der
Unzucht oder der Menschenscheue, gerät ihm die Leidenschaft des Mordens zur
ständigen Gefühlsäußerung.“
So viel geballter Rassismus auf einmal macht den „islamischen
Pogromisten“ gleich zum noch größeren Ungeheuer als den guten
deutschen „Pogrombürger“, der Juden ja nicht mit der
„Leidenschaft des Mordens“ zu Millionen vernichtet hat, sondern
mit deutscher Gründlichkeit industriell-bürokratisch vergast hat.
Ökologische Linke (ÖKOLI), Postfach 28, A-1153 Wien, e-milio:
oekoli_wien@gmx.net, Visite our Website: http://www.oekoli.cjb.net
Widerstandsmund, 28. 11. 2000:
Zur "Bahamas"-Schelte der ÖKOLI
gepostet von: Stephan Grigat, contextXXI@mediaweb.at
Von Stephan Grigat
Hätte sich die ÖKOLI darüber gewundert, daß in einer Zeitschrift, die
bisher auch sie wohl nicht für die schlechteste gehalten hat, in einigen
Artikeln Formulierungen vorkommen, die ihr rassistisch vorkommen und das
in ihrem näheren Umfeld verbreitet und zur Diskussion gestellt hätte,
hätte man sich zwar auch ärgern müssen, aber das Ganze wäre im üblichen
Rahmen von Reaktionen geblieben, die eine Zeitschrift wie die BAHAMAS in
ihrer polemisch-kritischen Art nun mal regelmäßig hervorruft. Die ÖKOLI
fährt aber ganz andere Geschütze auf. Daher macht es auch keinen Sinn, auf
ihr als aggressive Aversion geäußertes Unbehagen einzugehen. Kritisiert
werden kann nur der hinter derartigen Angriffen zu vermutende Antrieb.
Der bewußtlose Reflex, mit dem eine der letzten bei Trost gebliebenen
Zeitschriften-Redaktionen im deutschsprachigen Raum von der ÖKOLI im MUND
vor einem Massenpublikum, das die BAHAMAS mehrheitlich gar nicht kennen
dürfte, eben nicht wegen einiger als unangemessen empfundener
Formulierungen kritisiert, sondern als rassistisches Sudelblatt diffamiert
wird, läßt sich nur aus einem unartikulierten Bedürfnis nach Identität
erklären. Eine Identität, die sich auf einen konsequenten
Antinationalismus beruft, akademisch-differenziert daherkommen möchte und
daher im Begriff ist, die eigene Kritik in einen Wald-und
Wiesen-Antinationalismus aufzulösen. Vermutlich stößt sich die ÖKOLI
daran, daß die BAHAMAS antinationale und antideutsche Kritik nicht als
identitätsstiftendes Ideologieversatzstück vor sich her trägt, wie es in
einigen linken Wiener Zusammenhängen mittlerweile üblich geworden ist,
sondern die paradoxe Konsequenz jedes ernstzunehmenden Antinationalismus
ausspricht: das notwendige Eintreten für die gewaltsame Verteidigung des
israelischen Staates. Die Bedrohung dieses Staates geht zur Zeit
vornämlich von einem palästinensisch-arabischen Kollektiv aus, von dem
zwar kaum wer genau sagen kann, wie stark der Antisemitismus in ihm
verwurzelt ist, daß aber momentan offenen Vernichtungsantisemitismus, der
- worauf die BAHAMAS hingewiesen hat - in einigen Punkten an den
Antisemitismus des Nationalsozialismus erinnert, als völlig legitim
betrachtet und Aufrufe zum Judenmord im Fernsehen sendet.
Der Antinationalismus der ÖKOLI scheint sich darauf zu beschränken,
unverbesserlichen Naturalisten wieder und wieder zu erklären, daß Völker
und Nationen "Konstrukte" sind. Viel gesagt hat man damit über die Nation
als naturalisierten und homogenisierten Produktionsraum des Kapitals und
über das Volk als kollektivierter und sich selbst kollektivierender Masse,
als bewußtloser wie fanatischer massenhafter Reflex auf den Zwang zu
Staatsloyalität und Kapitalproduktivität, die ebenso konstruiert wie real
und notwendig - und damit im Sinne einer zweiten Natur: natürlich - sind,
noch nicht.
Das sich solcherart Antinationalismus auf die BAHAMAS stürzt verrät vor
allem die Sucht nach Anschlußfähigkeit, die mittels Differenzierung
erreicht werden soll. So erscheint die ÖKOLI als theoretischer Souverän,
der allen, denen ihre Kritik am linken Antisemitismus schon immer ein
wenig zu weit ging, ein Angebot macht, indem nun auf jene verbal
eingeprügelt wird, die in letzter Zeit auch tatsächlich tätlich auf ihren
Veranstaltungen angegriffen und verletzt werden. Die ÖKOLI wird sich also
neue Freunde bei jenen gemacht haben, für die Rassismus und Sexismus schon
immer auf den BAHAMAS zu Hause waren, sich aber beharrlich weigern, einen
Begriff vom Gegenstand ihrer Kritik zu entwickeln. Dafür wäre nämlich
kritisches Denken von Nöten, nicht identitätsstiftende Verlautbarungen,
die sich am jeweils durchgesetzten mainstream in der Linken orientieren.
Im übrigen erscheint die BAHAMAS nicht jährlich, wie die ÖKOLI schreibt,
sondern geht allen Traditionslinken wie eben auch allen verhinderten
Minipolitikern aus der antinationalen Szene drei bis viermal jährlich auf
die Nerven: BAHAMAS, Postfach 62 06 28, D- 10796 Berlin,
bahamas@mail.nadir.org
Stephan Grigat
Widerstandsmund, 29. 11. 2000:
Zur ÖKOLI-Kritik von Stephan Grigat
From: OEKOLI_Wien@gmx.net OEKOLI_Wien@gmx.net
Lieber Stephan!
Deinem Text vom gestrigen Mund können wir nur in einem einzigen Punkt
folgen. Vielleicht hast Du in Deiner Kritik recht, daß wir für unsere Kritik an
der neuen Nummer der Bahamas, sie wäre rassistisch und NS-verharmlosend, das
falsche Forum gewählt haben. Da die Bahamas üblicherweise aber keine
LeserInnenbriefe veröffentlicht und die Bahamas eben auch in Wien fleissig gelesen
wird, hielten wir es für richtig, diese beiden Artikel, die wir nun einmal
für rassistisch und NS-relativierend halten, mittels einer Aussendung zu
kritisieren. Jedenfalls bekam die Bahamas-Redaktion diese genauso zugesendet
und hätten wir darauf eine Antwort bekommen, hätten wir diese auch dem selben
Verteilerkreis zugänglich gemacht.
Da Du es in Deinem Text nicht für notwendig hältst zu erklären warum
unsere Kritik, daß die zitierten Passagen rassistisch und den
nationalsozialistischen Antisemitismus verharmlosend sind, falsch sein soll,
werden wir darauf nicht nochmals allzuviel eingehen,
sondern stattdessen auf Deinen Text
eingehen. Dazu einige Punkte:
1. Weshalb unser Antinationalismus "akademisch-differenziert daherkommen
möchte und daher im Begriff ist, die eigene Kritik in einen Wald- und Wiesen
Antinationalismus aufzulösen" hätten wir ebenso gerne erklärt bekommen wie
was denn eine "antinationale und antideutsche Kritik" sein soll, die "als
identitätsstiftendes Ideologieversatzstück" vor sich hergetragen würde "wie es
in einigen linken Wiener Zusammenhängen mittlwereile üblich geworden ist".
Was für eine Identität soll hier von wem mit antinationaler und antideutscher
Kritik gestiftet werden?
2. Wenn wir die Bahamas für ihre rassistischen Artikel kritisieren, tun
wir dies sicher nicht, wie Du vermutest, aus einer "Sucht nach
Anschlußfähigkeit, die mittels Differenzierung erreicht werden soll" heraus. Was soll daran
bitte schlecht sein, einen komplizierten Konflikt, wie den Nahost-Konflikt
differenziert zu sehen? Warum müssen sich bei militärischen
Auseinandersetzungen selbst wertkritische Linke, die einmal "Antipolitik" machen wollten,
mit Hurrapatriotismus voll und ganz auf eine Seite der Kriegsparteien
schlagen? Wer sind denn bitte die "verhinderten Minipolitiker aus der antinationalen
Szene" und wer glaubt Staaten militärstragetische Tips geben zu müssen? Wir
oder die Bahamas?
3. Wenn Du glaubst, wir würden nun von der falschen Seite Applaus bekommen
und uns "neue Freunde bei jenen gemacht haben, für die Rassismus und
Sexismus schon immer bei den BAHAMAS zu Hause waren" und "sich beharrlich weigern,
einen Begriff vom Gegenstand ihrer Kritik zu entwickeln", so liegst du
damit sicher falsch. Daß wir mit unserer Bahamas-Kritik nicht auf die Seite von
RKL oder Ast gewechselt sind oder uns auch nur Applaus aus dieser Ecke
erwarten, hatten wir bereits zu Beginn unseres Textes klar herausgestrichen. Auch
in innerlinken Auseinandersetzungen müssen sich nicht die Streitparteien zu
ideologisch geschlossenen, einheitlichen Heeren zusammenschließen. Wenn wir
die linken AntisemitInnen kritisieren, dann heißt das nicht, daß wir die
BAHAMAS nicht krisisieren dürfen und umgekehrt. Wir weigern uns diese
Kriegslogik in der Linken anzuwenden und werden weiterhin kritisieren, wen wir für
krisisierenswert halten.
4. Daß wir in unserem Text auf jene "verbal eingeprügelt" haben, "die in
letzter Zeit auch tatsächlich tätlich auf ihren Veranstaltungen angegriffen
und verletzt" worden sind, mag vielleicht nicht nett sein, aber dafür, daß
die Bahamas-RedakteurInnen im Zusammenhang mit einem Konflikt eines
Sexismus-Vorwurfes an die Bahamas tätlich angegriffen wurden, können wir nun wirklich
nichts. Wir haben die Bahamas RedakteurInnen jedenfalls nicht verprügelt und
wir beschäftigen uns auch nicht mit jeder Berliner Szeneauseinandersetzung.
Es genügt uns Texte zu lesen und diese eben gegebenenfalls zu kritisieren.
5. Daß du es notwendig findest "für die gewaltsame Verteidigung des
israelischen Staates" eintreten zu müssen, haben wir in unserer Bahamas-Kritik
nicht bemängelt. Es liegt - nonaned - in der Natur eines Staates, daß er sich
"gewaltsam verteidigen" muß, will er bestehen, v.a. dann, wenn er von
feindlichen Staaten umgeben ist, die sich ebenfalls "gewaltsam verteidigen". Wir
kritisieren Israel nicht speziell für etwas was jeder bürgerliche
Nationalstaat tut, deshalb müssen wir aber noch lange nicht mit Horst Pankow der
israelischen Regierung empfehlen mit "äußerster Härte" gegen die Palästinenser
vorzugehen. Das sind immer noch zwei ganz verschiedene Sachen.
6. Wir hatten in unserem mail geschrieben, die Bahamas erscheine
1/4jährlich, wenn das viertel durch Konvertierungsprobleme beim Mund nicht so
angekommen sein sollte korrigieren wir das natürlich, also viermal im Jahr kommt
sie, die Bahamas, deren Artikel wir nach deinem mail immer noch um keine Spur
weniger rassistisch und NS-verharmlosend finden wie zuvor.
Tut uns leid, wir wollen eben immer noch keine Staaten, schon gar keine
Nationalstaaten und ohne die Sonderstellung Israels, dessen Existenzrecht wir,
solange es ebensolche Nationalstaaten und Antisemitismus noch gibt,
verteidigen, zu vergessen, können wir eben auch dem Kriegsgeschrei der Bahams
nichts abgewinnen, sondern werden uns weiterhin im Rahmen unserer Möglichkeiten
sowohl gegen jeden Antisemitismus, als auch gegen jeden Rassismus zur Wehr
setzen.
Ökologische Linke Wien
--
Ökologische Linke (ÖKOLI)
Postfach 28
A-1153 Wien
e-milio: oekoli_wien@gmx.net
Visite our Website: http://www.oekoli.cjb.net
Wenn ihr an unseren spanischen/französischen/englischen Aussendungen
interessiert seid, um Infos weiterzuverbreiten, meldet euch!
Noch ganz 'bei Trost' auf den bahamas?
From: Roland Atzmuller Msassra2@fs1.ec.man.ac.uk
Hallo!
anbei eine kleine Anmerkung zu einem Beitrag im gestrigen mund
ZU: Zur "Bahamas"-Schelte der ÖKOLI Von Stephan Grigat, mund vom 28.11.00
Noch ganz 'bei Trost' auf den bahamas?
Man muss sich also aergern, wenn der bahamas Rassismus vorgeworfen
wird, soll aber die Zensuren, die umgkehrt Zeitschriften, wie die bahamas
und Autoren (sichtbare AutorInnen gibt es da ja eher selten) aus ihrem
Umfeld so gern verteilen, als Bewusstseinserweiterung annehmen. Auf
Kritik aber braucht man nicht eingehen, wie Stefan Grigat gestern als
Antwort auf einen Oekloli-Beitrag dargelegt hat. Na ja, wozu denn auch,
sie ist ja bewusstlos und bloss 'agressive Aversion', in der sich
'Unbehagen' aeussert, dem natuerlich ein (unartikulierter) 'Antrieb' eine
'Sucht nach Identitaet' zugrundeliegen muss. Identitaet, das sind bei den
Werttheoretikern immer die anderen, denn in der bahamas, da hat man ja
Bewusstsein - man muss sich ja irgendwie abgrenzen. Da koennt' ja ein
jeder kommen und das in irgendwelchen Medien wie dem Mund
veroeffentlichen.
Der Vorwurf an KritikerInnen der bahamas und der von ihr vertretenen
Positionen sie seien 'bewusstlos' (mitunter ergaenzt um so grausliche
Sachen, wie Begeisterung), ist das, was in antiautoritaeren Zeiten der
Linken mal als dogmatisch bezeichnet wurde. Anstatt sich mit Inhalten
der Kritik auseinanderzusetzen, wird unterstellt die KritikerInnen
wuerden nicht denken, sondern molluskenartig mit irgendwelchen
Reflexen reagieren. Dogmatisch ist das weiters, weil unterstellt wird, es
gaebe nur eine Form des Denkens und Bewusstseins, naemlich das der
bahamas und befreundeter Autoren. Alle anderen Formen intellektueller
Positionen sind damit folgerichtig 'bewusstlos'. Wuerde man daher
weiters versuchen, Bewusstsein zu erlangen, waere Kritik an der
bahamas, der Verkoerperung des Bewusstseins, nicht mehr moeglich,
denn es wuerde einem wie Schuppen von den Augen oder sonstwo
fallen.
Hat ein bissschen was von Zeugen Jehovas, diese Logik, nur nennen's
die halt Erleuchtung, ihre Zeitschrift Wachturm und ihre Gegner
unglaeubig.
Die Wehleidigkeit aus werttheoretischer Ecke im Falle von Kritik ist
erstaunlich. Stefan muesste statt dunkler Andeutungen halt auch sagen,
warum die bahamas in der letzten Zeit angegriffen und eine ihrer
Veranstaltungen gesprengt wurden. Aber wozu, nachdem den
LeserInnen des Mund die bahamas eh nicht zu Bewusstsein gelangt ist,
weswegen sie sich ja auch nur von dem einen Begriff machen sollen, was
Stefan mitteilt.
Nun, worum geht es? Zwei Autoren der bahamas hatten sich mit einem
Artikel in eine Auseinandersetzung in der Berliner Autonomen und
Antifa-Szene, um einen Vergewaltigungsfall in der AAB
(Antifaschistische Aktion Berlin) eingemischt (bahamas, Nr. 32, die
Diskussion ist nachzulessen unter www.trend.partisan.net). In diesem
Artikel entbloedeten sie sich unter anderem nicht, den von der
betroffenen Frau als Vergewaltigung definierten Vorfall als
"Verfuehrung" und "Lust machen" abzutun. Worauf sie in ihrer
persoenlichen Einschaetzung beharrte und also Subjektstatus
beanspruchte, erscheint den Autoren als "Geruecht" im "Jammer des
Geschlechter- und Liebeskriegs". Zitat: "Das hierin hypostasierte Selbst
kann jedoch unmöglich einen Begriff von Realität vermitteln – und will es
auch nicht. Unentwirrbar werden Tatsache und individuelle
Verarbeitung. Statt kritischer Bemühung oder emanzipatorischer Absicht
wirkt hier ein selbstherrliches Subjekt, dessen Integrität und
Unbestechlichkeit jeder Verunsicherung durch die Außenwelt
widersteht. Dabei ist nichts so unsicher wie die individuelle
Unterscheidung zwischen innen und außen, zwischen Ich und dem
anderen".
So nennt man(n) mit 'Bewusstsein' das, wenn sich die Frau halt nicht so
haben soll.
In bezug auf die weitere Argumentation des bahamas Artikel, moecht
ich's grigatisch machen und nicht weiter darauf eingehen, konzentrieren
sich die Autoren doch auf eine mit Adorno und Freud argumentierte
Mythologisierung von Lust und Eros in der buergerlichen Gesellschaft
und ihrem unangepassten Charakter, wohl weil's anscheinend bei
Vergewaltigungen tatsaechlich um sowas geht.
Wer es wagt, das zu kritisieren und eine oeffentliche Diskussion unter
den Bedingungen der bahamas zu verhindern, wird als deutscher Mob
und dergleichen beschimpft und muss sich auf koerperliche
Auseinandersetzungen mit der AAB gefasst machen. Was war alsoin
dieser Diskussion der 'Antrieb' der bahamas Autoren, wo sie doch
sichtlich keinen Begriff hat von Sexismus und Patriarchat haben?
Suchten sie gar 'Anschlussfaehigkeit' zu maennerbuendischen
Strukturen? Welche 'Reflexe' fanden ihren Weg in Feder und Tastatur als
sie Vergewaltigung hoerten und Verfuehrung verstanden? Und was
machen bahamas Autoren sich sonst noch, ausser einen 'Begriff vom
Gegenstand ihrer Kritik'? Und tuns sie das oefter als vierteljaehrlich?
Fragen ueber Fragen, die Stefan offenlaesst.
Roland Atzmueller
Roland Atzmüller
C.R.I.C.
Tom Lupton Suite. The University of Manchester
University Precinct Centre, Oxford Road
Manchester, M13 9QH
Tel.: +44/161/275 7804
1, Bankfield Av./Victoria Pk.
Manchester, M13 0YQ
United Kingdom
Tel.: +44/161/225 3608
Bahamas-Streit
From: Claudia Volgger volgger@yline.com
für alle, die lieber intelligente linke Analysen lesen als
stalinistisch inspirierte Haßanfälle:
www.nadir.org/nadir/periodika/bahamas
Zum Ausfall der Ökologischen Linken: "Mit der jüngsten Ausgabe der
BAHAMAS (Nr. 33, Herbst 2000), hat sich diese einst antinationale
Zeitschrift zu einem rassistischen und NS-verharmlosenden
Sudelblatt gewandelt." Der erste Satz macht klar: Hier geht es
nicht mehr um Kritik. Das schreibt auch kein denkender Mensch mehr.
Das ist DIE PARTEI, die da spricht, nämlich (Todes-)Urteile. Und so
wird dann auch argumentiert. Wenn Horst Pankow eine Medienstrategie
beschreibt, durch die eine Armee, die tut, was sie soll, nämlich
töten, dazu gebracht wird, die "Falschen" zu töten, nämlich nicht
die Kämpfer, die die Armee beschießen, sondern die Kinder, die die
Kämpfer vorschieben: schreit die Ökologische Linke moralisch empört
auf, wie zynisch es sei, die Armee von jeder "Schuld"
freizusprechen. Stellt sich also bewußt blöd, um dann im nächsten
Satz "und behaupten will, daß "Araber" nun mal alle ihre eigenen
Kinder aufopfern würden um nur Jüdinnen und Juden vernichten zu
können" auf intellektuell zutiefst unredliche Art dem Autor eine
Pauschalierung zu unterstellen, die allein auf dem Mist der
Ökologischen Linken gewachsen ist. Als nächstes muß ihm dann noch
unterstellt werden, er sei ein "Verharmloser der Shoa": ebenfalls
reine Konstruktion, über die Shoa hatte er nicht geschrieben.
Sondern über die Motivation bestimmter Taten. Die Art und Weise,
wie die Ökologische Linke bestimmte topoi der Kritik völlig
reflexionsfrei als Marker verwendet, um eine ihr mißliebige Haltung
zu denunzieren, wäre da schon eher anzugreifen: als eine Schwächung
dieser Kritik nämlich, durch Beliebigkeit. Und um Justus Wertmüller
ein anderes ebenfalls bekanntes Argument über die Rübe ziehen zu
können, nämlich, er relativiere deutsche Schuld durch Übertreibung
der Untaten anderer, muß die Ökologische Linke zunächst einen
"deutschen Pogromisten" einführen und somit hinter ihren eigenen
Wissensstand zurückgehen, daß nämlich der deutsche Massenmörder
Schreibtischtäter und/oder Ingenieur oder Soldat war, jedenfalls
sehr im Gegensatz zum Pogromisten einer geordneten Tätigkeit
nachging. Um dann die Schleife zu ziehen und den nächsten Tritt von
der anderen Seite anzubringen, Wertmüller halte diesen ordentlichen
deutschen Mörder wohl für irgendwie besser als den von ihm
beschriebenen Pogrom-Typ. So kann man natürlich auch Empörung
verordnen, ohne in die Verlegenheit zu kommen, gegen das, was
tatsächlich dasteht, argumentieren zu müssen. Gratulation. Claudia
Volgger
Widerstandsmund, 30. 11. 2000
Todesurteile der ÖKOLI
Tja, nun hat uns Claudia Volgger im letzten Mund endlich enttarnt. Sie weiß:
"Hier geht es nicht mehr um Kritik. Das schreibt auch kein denkender
Mensch mehr. Das ist DIE PARTEI, die da spricht, nämlich (Todes-)Urteile."
Wir gestehen! Unser Revolutionsgericht veruteilt einmal die Woche
politische Gegner zum Tode. In unserem Büro befindet sich eine Guillotine, die
beretis von unserem politischen Vorbild Robespierre benutzt wurde. Jede Woche
wird hier, in schöner Abwechslung, damit es gerecht ist, ein Funktionär der
RKL
und ein Redakteur der Bahamas hingerichtet. Die zerstückelten Leichen
werden dann bei den Orgien der Ökolis verspeist, bei denen wir ja bekanntlich
kein Gemüse sondern nur tote Tiere konsumieren. Laut TATblatt gehören dazu
natürlich auch Redakteure der Bahamas und Funktionäre der RKL.
Exekutivkomitee der Ökologischen Linke (ÖKOLI), Wien
Widerstandsmund, 2. 12. 2000
From: Heidi Niederkofler, Heidi.Niederkofler@reflex.at
hi
eine kurze replik zur bahamas-diskussion
sexismus-vorwurf an die bahamas
ohne mich inhaltlich in die oekoli-, antinationalismus-,
antisemitismusdiskussion und was weiss ich noch was einmischen zu wollen,
finde ich die verkuerzung, die stephan grigat in seinem beitrag (mund,
28.11.00) vornimmt, bedenklich.
die bahamas bzw. die redaktion wird in folgender beschreibung: indem nun
auf jene verbal eingeprügelt wird, die in letzter Zeit auch tatsächlich
tätlich auf ihren Veranstaltungen angegriffen und verletzt werden als
opfer hingestellt, ohne den kontext zu erwaehnen. der kontext, den grigat
jedooch hier herstellt, laesst vermuten, dass linke, versteckt bzw. offen
antisemitische gruppierungen die bahamas angegriffen haetten.
dass dem nicht so war, sondern dass die stoerung der veranstaltung der
bahamas durch eine vergewaltitungsfall in der aab (antifaschistische
aktion berlin) und die verharmlosung und absprache des definitionsrechtes
der frau in der bahamas motiviert war, erwaehnt dankenswerterweise roland
atzmueller.
am 17. oktober stuermte eine frauenlesbengruppe die veranstaltung der
bahamas, wo ueber sexismus, den vergewaltigungsfall usw. haette diskutiert
werden sollen, die - dafuer waren sie sich anscheinend nicht zu bloed -
unter dem titel infantile inquisition" lief. dass, wie grigat schreibt,
dabei einige von der bahamas verletzt worden sind, mag richtig sein, es
sollte jedoch auch erwaehnt werden, dass dies bei den stuermerinnen auch
der fall war ...
dass bei dieser lueckenhaften darstellung der sexismusvorwurf und die
-kritik an der bahamas aussen vor bleibt, ist sowohl an stephan grigats
beitrag wie auch an der auseinandersetzung in der wiener linken (so wie
sie sich im mund abspielt), zu kritisieren
heidi niederkofler
Postscriptum: Im Jänner 2001 entwickelte sich ebenfalls im Widerstandsmund eine Debatte über den Antifeminismus der Bahamas. Nach dem der Postfaschismuskongreß von Basisgruppe Politikwissenschaft und Kritischem Kreis angekündigt worden war auf dem nur (männliche) Bahamas-Redakteure sprechen sollten folgten folgende mails im MUND:
Widerstandsmund,
11.1.2001:
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07 Re:
Postfaschismus-Kongreß
von :
augustine leisch <augustine.leisch@gmx.at>
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Mesdames
messieurs, die Sie alle das mail vom Herrn Grigat erhalten haben,
Mir fallen natürlich
sofort fünf bis sieben mindestens so interessante
Saludos
Tina Leisch
>wenn ihr
nicht die durchaus unseriöse angewohnheit
>mitadressatinnen
eurer mails für alle lesbar zu lassen,
>ihr
kenntet
>gruß tina
>Tina
Leisch
Liebe Tina,
auch der Uli
eignet sich leider nicht zur Quote, ist
Schöne Grüße
Stephan
Widerstandsmund,
13.1.2001:
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07 Reaktion
auf: Postfaschismus-Kongreß 1
=========================================
dieser beitrag
wurde gepostet von: rosemarie ortner,
rosemarie.ortner@reflex.at
uli krug ist
also tatsächlich männlich. wie alle anderen referenten des
der gute mann
ist auch sonst 'einschlägig' bekannt.
was danach
noch so alles kommt über 'lust' und 'verdrängung' und feminismus,
zur folge
hatte dieser sexistische artikel in berlin, wo die bahamas
bitte klärts
uns auf, wie ihr euch das gedacht habts!
r*
=========================================
08 Reaktion
auf: Postfaschismus-Kongreß 2
=========================================
Dieser beitrag
wurde gepostet von: Simone Dinah Hartmann,
simone@iguwnext.tuwien.ac.at
immerhin in
die volksstimme geschafft hat, auf die diskutantinnenliste zu setzen.
ja, ich habe
meine grundschulung in feminismus, wie er in den
dieser
feminismus ist einer, der von den eigentlichen inhalten
vielleicht
bedienen sich all jene aufschreierinnnen der
vermutlich ist
es die zurecht zu erwartende denunziation des
mfg Simone
Dinah Hartmann
=========================================
09 Reaktion
auf: Postfaschismus-Kongreß 3
=========================================
gepostet von:
Sylvia Koechl, sylvia_koechl@yahoo.de
das ist eine
wirklich erstaunliche antwort. da ist die
liebe grüsse
von sylvia
Widerstandsmund, 16. 1. 2001:
================================================
07 reaktion auf simone zu postfaschismus kongress
From: BETTINA HAIDINGER <h9303282@gutemine.wu-wien.ac.at>
================================================
Postfaschismus-kongress
Ich bin eine derjenigen feministinnen, die sich permanent an der
manchmal durchaus sinnvollen zusammenarbeit mit der männerschaft
aufreiben muß (Angst haben ist wohl ein etwas ungluecklich gewaehlter
ausdruck), auch wenn es mir absolut legitim erscheint von der
männerschaft nix mehr wissen zu wollen. Die grundschulung im feminismus
hielt daher ich eigentlich fuer relativ brauchbar, denn sowohl
mackerhaftes redeverhalten als auch die aufrechterhaltung von
maennerbuendischen strukturen ( zum beispiel auf einem podium zu
postfaschismus) finde ich nicht nur toedlich nervend, sondern auch ein
strukturelles problem der linken, das wohl nicht an der oberflaeche
kratzt, sondern ans eingemachte gesellschaftlicher strukturen geht.
(die "angst vor vergewaltigern" in diesem kontext anzufuehren finde ich
mehr als geschmacklos, deswegen habe ich keine lust mich darauf zu
beziehen). Aber ich habe auch mehr gelernt als das in der "grundschule
des feminismus" und deswegen wuerde es mir auch nicht einfallen
claudia von werlhof oder alice schwarzer zu einem postfaschismus
kongress einzuladen. Das waere wohl eine ziemliche fehlbesetzung (nicht
nur auf dem, sondern auf jedem linken, antinationalen podium). Des
weiteren erstaunt es mich, dass euch nicht eine einzige frau, die
einschlaegig zu diesem thema arbeitet, eingefallen ist. Euer repertoire
an theoretikerInnen duerfte demnach nicht sehr gross sein. Die 100%
männerquote des podiums ist ausserdem in diesem zusammenhang meiner
meinung nach sehrwohl eine inhaltliche ausrichtung, weil es hierin um
die nicht-beruecksichtigung einer wichtigen gesellschafts- und
machtpolitischen dimension geht: naemlich um die kritik am patriarchat.
Ich glaube nicht , dass einer der eingeladenen herren am podium dazu
viel zu sagen haette ( oder kann man mich da eines besseren belehren?).
der kongress wird ja dazu dienen - und diese vorstellung erfreut mich -
herrschaftsmechanismen und herrschaftsverhältnisse von demokratie,
staat, nation und kapital einer grundlegenden kritik zu unterziehen.
Ein sehr ambitioniertes programm, muss ich sagen aber habt ihr nicht
eine kleinigkeit vergessen? Anscheinend interressiert
patriarchatskritik nicht (mehr) oder vielleicht liegt es daran, dass
die maenner und frauen, die diesen kongress organisieren, nicht mit
ihrer eigenen einbindung in dieses herrschaftsverhältnis konfrontiert
werden wollen? Ist dieser eindruck falsch oder wollt ihr eben dieser
diskussion ausweichen? Wieso wird die berechtigte kritik an der
konzeption dieses kongresses zum bumerang fuer diejenigen frauen (und
maenner), die sie ausueben? Wieso wird die analyse des
geschlechterverhältnisses in eure grundlegende kritik nicht
eingebunden?
Das argument, daß ansonsten eine 100%ige maennerquote nicht kritisiert
wird ist schlichtweg falsch. Ausserdem ist dies nicht irgendeine von
1000 unwichtigen diskussionsveranstaltungen , sondern ein kongress, der
sich ueber tage erstreckt. Fuer eine veranstaltung dieser dimension ist
eine 100% männerrquote jedenfalls aeusserst selten. Die rechtfertigung,
daß keine kompetenten und in der postfaschismus analyse firmen frauen
gefunden werden konnten, ist nicht nur sehr duerftig sondern eine
unglaubliche ignoranz gegenüber den frauen, die diese arbeit sehr wohl
bewerkstelligen. Feministische positionen auf diejenige von werlhof und
schwarzer zu reduzieren, fasse ich als feministin als beleidigung auf.
Diese gleichsetzung macht mich wahrlich sprachlos und zeugt von
ziemlicher peinlicher unwissenheit.
Die naexte ungeheuerlichkeit war wohl die aussage "im grunde genommen
verhalten sich diese feministinnen wie die staatliche ordnungsmacht".
Das kannst du doch nicht ernst meinen oder? Diese aussage erinnert mich
im uebrigen sehr an den von rosemarie angesprochenen artikel der
bahamas ueber die sich "im visier des volkszorns befindenden
vergewaltiger", auf den ich jetzt kurz noch zu sprechen kommen will:
Zufälligerweise ist uli(ulrich) krug autor dieses artikels "infantile
inquisition", der eigentlich schon jenseits ernstzunehmender
argumentationen liegt. Leider koennen diese ansicht nicht alle- und vor
allem nicht die veranstalterInnen dieses kongresses teilen - denn
ansonsten waeren sie nicht auf die idee gekommen diesen von freud
(sigmund), lust und lustvoller grenzueberschreitung schwafelnden
schreiberling einzuladen, der darueberhinaus eine reaktionäre
antifeministische position bezieht, die nicht mehr das alberne gezeter
eines pseudo-psychologen ist, sondern vehementest zurückzuweisen ist.
Ein Mann, der solche positionen vertritt, hat auf einem kongress, der
sich kritisch-radikal mit gesellschaftstheorie auseinandersetzt ,
nichts verloren.
Bettina von der pc-polizei, abteilung "eine dieser feministinnen".
Subject:
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08 weiterleitung für h.kleist - postfaschismus-kongress
From: rosa parks <rosa-parks@gmx.net>
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nach mehreren nicht erfolgreichen mailversuchen wurde ich ersucht,
folgendes mail für h. kleist an den mund zu schicken:
zur diskussion rund um den geplanten "Postfaschismus-Kongress", Bahamas
usw.
der beitrag von simone im MUND vom samstag hat mich doch etwas verbluefft.
Ich dachte nicht, dass es heutzutage noch leute gibt, die in den
kategorien haupt- und nebenwiderspruch denken. simone erklaert uns, dass wir uns
gefaelligst mit den wichtigen sachen (staat, nation) beschaeftigen
sollen und nicht mit nebensaechlichkeiten, wie sexismus und frauenverachtung.
leider nur ein weiteres beispiel, wie durchgeknallt viele linke und linksradikale
sind.
ich denke mir aber, sollen sie doch spinnen, solange sie andere in ruhe
lassen (ich kann mich ja nicht mit jeder linken splittergruppe beschaeftigen).
die einladung von bahamas-redakteur uli krug ist jedoch als eine
gezielte provokation zu verstehen. die organisatorInnen des kongresses wissen
genau, dass (hoffentlich!) viele leute es nicht akzeptieren werden, dass diese
person in wien einen vortrag haelt. eine auseinandersetzung ist
vorprogrammiert. da stellt sich schon die frage, warum die kongress-veranstalterInnen eine
solche provozieren wollen. das geht ueber die lust, linke grundsaetze
und tabus brechen zu wollen, doch weit hinaus. daher moechte ich hier an die
organisatorInnen des kongresses appellieren, die sache nochmal zu
ueberdenken und die teilnahme von uli krug abzusagen (ihr koennt dann jahrelang behaupten,
ihr musstet der gewalt weichen usw.). sollte uli krug doch kommen, werden
wir alle wohl mit den konsequenzen leben muessen.
im uebrigen bin ich der meinung, dass dieser kongress verhindert werden
muss, wenn uli krug einen vortrag haelt.
keine toleranz gegenueber frauenverachtung!
Widerstandsmund: 17.1.2001
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14
Postfaschismus-Diskussion
beim
postfaschismus kongress werden nur männer sprechen. das da ein
wenn
es kritik daran gibt, dann ist das noch nicht die forderung nach
es
gibt, zum glück, schon eine relativ breite bewegung die erkannt
ich
stelle mir nun die frage ob tatsächlich der mittelpunkt der
da
fällt mir ein kleiner witz ein:
"kürzlich
kam meine 4 jährige tochter ganz erstaunt aus dem
so
weit ist es her mit der freudschen analyse. die ist durchaus
den
text von uli krug und justus wertmüller mit dem titel "infantile
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15
Geistige Vergewaltigung
Ich
bin eine Frau, verfüge also nach Berliner Szenenrecht, das
Widerstandsmund: 20.1.2001:
06 Postfaschismuskongreß
Von: Thomas Schmidinger <thomas_schmidinger@hotmail.com>
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Ich frage mich schon woher manche DiskutantInnen der Debatte um den
Postfaschismuskongreß ihre Sicherheiten nehmen. Da hat es teilweise
natürlich sehr vernünftige Diskussionsbeiträge wie jenen von Bettina
gegeben, aber auch welche, die nur mehr linker Identitätsbildung auf welcher
Seite auch immer dienen und wohl nur mehr wenig mit dem Gegenstand der
Diskussion zu tun haben, bzw. in keiner Relation dazu stehen.
Ich selbst bin mir da nicht so sicher. Das einzige was für mich feststeht
ist vorerst einmal folgendes:
1. Der Artikel von Uli Krug und Justus Wertmüller, der unter dem Titel
"Infantile Iquisition" erschienen ist, kann von mir keinerlei Unterstützung
finden.
2. Daß den VeranstalterInnen keine Frauen für das Podium eingefallen sind,
die zu genau diesem Thema kompetent sind, nämlich zum Thema Postfaschismus
und nicht zu irgendwelchen Faschismustheorien, ist ein Armutszeugnis.
Allerdings nicht (nur) für die VeranstalterInnen, sondern für die Strukturen
in denen Linke Politik und Theorieproduktion stattfindet. Darüber würde es
sich sehr lohnen einmal öffentlich nachzudenken.
3. Auf der vorläufigen Ankündigung zum Postfaschismuskongreß stehen
ansonsten sehr kompetente Leute drauf, soweit ich diese kenne und ich möchte
mir nicht die Gelegenheit entgehen lassen einen Agnoli, der aufgrund seines
hohen Alters vermutlich nie wieder in Wien zu hören sein wird, durch
irgendwelche Sturmangriffe auf den Kongreß oder andere angekündigte
Verhinderungsaktionen zu hören.
Des weiteren vermischen sich hier die letzten Tage einige Diskussionen zu
einem recht undefinierbaren Cocktail, die wieder zu entwirren wären. Die
eine Diskussion ist die Frage der Inhalte des geplanten Kongresses, die ich
sehr wichtig finde und denen hier auch ein Podium geboten werden soll. Die
zweite Diskussion ist die Frage warum Frauen im öffentlichen (linken) Raum
und in der wissenschaftlichen Theorieproduktion noch immer
unterrepräsentiert sind und die dritte Debatte ist jene über den Artikel von
Uli Krug und Justus Wertmüller.
Für fatal halte ich auf jeden Fall eine Diskussion, bei der ein Teil der
DiskutantInnen ausgerechnet einen Postfaschismuskongreß stürmen will, wo es
mehr als genug sexistische, rassistische, antisemitische,... Veranstaltungen
gibt, die alle nicht angegriffen werden, während dann Claudia Voggler wieder
einmal keine besseren Bahamas-Verteidigungsstrategien einfallen als sich
über Vergewaltigung lustig zu machen und die Methoden der eben beschriebenen
potentiellen StörerInnen gleich als "SA-Methoden" zu bezeichnen und die SA
damit zu TomatenwerferInnen zu verniedlichen.
Solche "Argumente" können wohl kaum einer inhaltlichen Diskussion dienen,
sehr wohl aber einer identitätsstiftenden Kampfesformierung. Die zentralen
Fragen sind für mich andere:
Warum sind Frauen in der linken Politik und Theorieproduktion
unterrepräsentiert? Ist ein verwerflicher Artikel eines Autors Grund diesen
lebenslänglich aus der Szene auszuschließen, bzw. wie muß ein solcher
Artikel beschaffen sein, um jemanden aus der Szene auszuschließen, bzw. ihm
keine Foren mehr zu bieten? Wo ist hier die Grenze? Das wären für mich halt
die interessanten Fragen, deren Diskussion mehr bringen würde, als die
beidseitige Ausarbeitung von Schlachtplänen für den Kongreß.
07 Schmidinger hat recht. Doch nicht rächen. Kreuzigen!
Von: Claudia Volgger
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Ja ja, eigentlich haben wir´s doch immer schon gewußt: aus dem Feminismus kann erst dann was werden, wenn
intellektuell hochstehende Antipats ihn in bewährte Hände nehmen.
Zur Verdeutlichung, falls da noch wer was mißverstanden haben sollte: was mich an den Debatten über ein
"Definitionsrecht der Frau", diesen Humbug von einer mißglückten (oder gerade geglückten?) Umkehrung
männlich/phallischer Definitionsmacht, so wütend macht, ist gerade auch die ihr innewohnende Tendenz zur
Verharmlosung sexueller Gewalt: direkt, indem auf ein subjektives Gefühl statt auf einen manifesten Tatbestand
rekurriert und damit eine Benennung bis zur völligen Bedeutungslosigkeit überdehnt wird, indirekt, indem die
Instant-Solidarisierung wirkliche Auseinandersetzung mit der (auch eigenen) Verkorkstheit und deren Gründen
vermeidet und ersetzt.
Aber selbstverständlich setze ich voraus, daß Herr Schmidinger die Kompetenz, mit der er das Objekt der
Verhöhnung gnadenlos erkennt, doch sicherlich erworben hat, indem er sich mindestens so lange mit männlicher
(sexueller) Gewalt in Wort und Tat auseinandergesetzt hat wie ich mich mit den daraus folgenden
Traumatisierungen (und den Strategien zu deren Überwindung).
Ein wenig betrüblicher sieht es schon mit der historischen Kompetenz aus: durch Einschüchterung, Lärmen und
Provokation von Saalschlachten linke Veranstaltungen zu sprengen, war eben eine der Aufgaben der SA vor der
Machtergreifung, so sorry.
Interessanter hätte ich schon eine inhaltliche Begründung dafür gefunden, was denn nun an dem inkriminierten
Artikel so verwerflich sein soll; das auch mir sehr lästige Nebenwiderspruchsgewaber, das sich durch die letzten
Abschnitte zieht, wird´s ja wohl kaum gewesen sein bei so viel Aufregung.
Ach ja: der Anregung, die Ebenen der Diskussion wieder ein wenig trennen, schließe ich mich an.
Claudia Volgger
Der
Diskussionbeginn und -verlauf kann im MUND-Archiv unter
http://www.no-racism.net/MUND/ nachgelesen werden.