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Inhalt
1. Zur Begrifflichkeit
"links" im arabischen Raum
2. Zwischen
Zersplitterung, Radikalisierung und Marginalisierung: Charakterisierung
der linken Opposition
3. Panarabismus und
Revolution: Der Bund der Arabischen Nationalisten (BdAN)
4. Von der
Kommunistischen Partei bis zur Volksfront zur Befreiung Palästinas: Die
einzelnen Gruppierungen der Palästinensischen Linken
4.1. Die Volksfront
zut Befreiung Palästinas (PFLP)
4.2. Die Volksfront
zur Befreiung Paläsinas-Generalkommando (PFLP-GC)
4.3. Die Demokratische
Front zur Befreiung Palästinas (DFLP)
4.4. Die "Fida"
4.5. Die Revolutionäre
Volksfront zur Befreiung Palästinas (RPFLP)
4.6. Die Palästinensische
Kommunistische Partei (PCP)
4.7. As-Sa´iqa
4.8. Die Palästinensische
Befreiungsfront (PLF) und die Arabische Befreiungsfront (ALF)
4.9.
Al-Fatah-Provisional Command
4.10.
Al-Fatah-Revolutionsrat
4.11. Jabat al Nidal
5.
Frauenorganisationen und Gewerkschaften
6. Intellektuelle
Kritik an Yassir Arafat
1. Zur Begrifflichkeit von
"links" im Arabischen Raum
In
Westeuropa und den USA wird unter den Begrifflichkeiten "rechts"
und "links" eine ganze Reihe verschiedener politischer
Positionen subsumiert die in dieser Weise nicht weltweit zusammentreffen.
In
Europa werden unter "rechts" im allgemeinen politische
Gruppierungen verstanden die wirtschaftspolitisch für eine
kapitalistische Marktwirtschaft eintreten, nach außen wie nach innen
national oder nationalistisch agieren, autoritäre Denkmuster und
Staatsideen haben und gesellschaftspolitisch für eine möglichst
restriktive Politik sind.
"Linke"
hingegen sind wiederum tendenziell antikapitalistisch,
gesellschaftspolitisch offener, weniger autoritär und zumindest in den
letzten Jahren eher antinationaler.
Diese
politischen Ausrichtungen treffen in dieser Weise im Nahen Osten nicht
aufeinander.
In
den meisten Staaten des Trikont haben am Ende der Kolonialzeit
insbesondere antikapitalistische Gruppierungen den - vielfach auch
bewaffneten - Kampf mit den Kolonialherren aufgenommen. Dem Europäischen
Kolonialismus setzten sie hier oft einen eigenen "Nationalismus"
ihrer neuen Nationalstaaten entgegen.
Da
der Europäische und US-Amerikanische Imperialismus mit dem Ende der
Kolonialzeit und der Unabhängigkeit der arabischen Staaten, der Staaten
Afrikas und Asiens jedoch keineswegs zu Ende war und die Menschen des
Trikont heute noch unter Ausbeutung UN-Embargos, Militärinterventionen,...
zu leiden haben sind Formen des Nationalismus in den meisten Staaten des Südens
integraler Bestandteil revolutionärer und linker Gruppierungen geblieben,
während sich konservative Regierungen immer wieder zu Handlangern Europäischer
und Nordamerikanischer Kapitalinteressen machten und machen.
Auch
heute beziehen sich noch eine ganze Reihe von bewaffneten
Befreiungsbewegungen des Trikont - von der Kurdischen Arbeiterpartei PKK
bis zu den Befreiungstigern von Tamil Elam (LTTE) - auf eine
"Nation".
Selbst
"postmoderne" Guerillas wie die ZapatistInnen in Mexiko mit
ihrem Namen "Ejercito Zapatista de Liberacion Nacional" (EZLN=
Zapatistische Armee der nationalen Befreiung) haben den "Gringos"
immer wieder die "Mexikanische Nation" entgegenzusetzen.
Auch
wenn im Nahen Osten von "linken" Gruppierungen die Rede ist kann
dies nicht geschehen ohne das Wort "links" in diesem Kontext zu
sehen und es vom Europäischen Begriff von "links" abzugrenzen.
Im arabischen Kontext - insbesondere in Palästina und unter den ExilpalästinenserInnen
sind progressive gesellschaftspolitische Vorstellungen und
Antikapitalismus beinahe ausnahmslos mit Nationalismus und Panarabismus
verbunden.
Wenn
hier also von der "Linken Opposition" in der PLO und den
besetzten Gebieten die Rede ist ist damit genau diese in Palästina
verwendete Begrifflichkeit gemeint, unabhängig davon was der Autor über
diese Verbindung von Nationalismus mit revolutionärer oder linker Politik
denkt.
2. Zwischen Zersplitterung,
Radikalisierung und Marginalisierung: eine Charakteriesierung der linken
Opposition
Die
linke Opposition in Palästina - insbesondere aber jene im Exil - ist von
einer sehr starken Zersplitterung und einer vielfachen Ausrichtung auf
einzelne Persönlichkeiten gekennzeichnet.
Was
Helga Baumgarten über die Spaltung der PFLP schreibt kann durchaus für
die gesamte zersplitterte Palästinensische Linke eine gewisse Geltung
beanspruchen:
"Die
idesologischen Unterschiede zwischen den beiden neuen Repräsentanten
einer palästinensischen Linken sind allerdings für den Nichteingeweihten
kaum zu erkennnen. Zur Abspaltung der Minderheit um Hawatmeh von der von
Habash angeführten Mehrheit war es also nicht so sehr aus prinzipiellen
ideologisch-programmatischen Divergenzen gekommen, sondern vor allem in
der Folge eines persönlich-politischen Machtkampfes zwischen dem jüngeren
Qaumiyun-Militanten Hawatmeh und George Habash als dem Repräsentanten der
Gründer-Generation." (BAUMGARTEN, 1991: 223)
Ideologische
Etikettierungen - obwohl sie auch einiges an Richtigkeit besitzen -
"versperren nur den Blick auf eine palästinensische Praxis, die viel
komplexer ist", als daß von Europäischen Ideologiebegriffen
sinnvoll umrissen werden könnte. "So gehen die politischen und
ideologischen Richtungskämpfe quer durch die einzelnen
Widerstandsbewegungen hindurch. Allein in der Al Fatah gibt es eine
marxistische Gruppe, eine nasseristische, eine saudi-arabische, eine
baathistische und eine pro-algerische Gruppe nichtmarxistischer
Ausrichtung."(HOLLSTEIN, 1984: 235)
Insgesamt
gibt es eine Reihe von Faktoren die die Zersplitterung der Palästinensischen
Linken massiv begünstigen:
+
Die ExilpalästinenserInnen leben in weit verstreuten Teilen der
arabischen Welt, teilweise auch in Europa und den USA. Durch diese
regionale Zerstreuung entstehen auch regionale Diskurse welche es begünstigen,
daß sich die Exilgemeinde in verschiedenen Staaten auch verschieden
entwickelt.
+
Persönliche Rivalitäten einzelner Führungspersönlichkeiten führen
ebenso oft zu Spaltungen.
+
Verschiedene arabische Staaten mischen sich immer wieder in die palästinensische
"Innenpolitik" ein und versuchen sich palästinensische
Organisationen als verlängerte Arme ihrer eigenen Politik zu halten bzw.
zu fördern. Insbesondere Syrien wird von verschiedenen anderen PalästinenserInnengruppen
vorgeworfen die in der "Salvation Front" zusammengeschlossenen
kleinen Organisationen für ihre eigenen Zwecke zu benutzen.
3. Panarabismus und Revolution: Der Bund
der Arabischen Nationalisten (BdAN)
Der
Bund der Arabischen Nationalisten (BdAN) löste sich zwar bereits Ende der
Sechzigerjahre in seine einzelnen nationalstaatlich organisieten Teile
auf, ist aber für die Entstehung eines großen Teils der palästinensischen
Linken von einer so großen Bedeutung, daß seine Geschichte hier kurz
geschildert werden soll.
Der
Kern des späteren BdAN beldete sich unter den Studenten der
amerikanischen Universität in Beirut heraus. "Constantine Zurayek,
Professor an der amerikanischen Universität in Beirut, lieferte den
Aktivisten der BdAN zunächst das wesentliche ideologische Fundament. In
seiner Arbeit >Die Bedeutung der Katastrophe< erläuterte er die Gründe
für die Niederlage der arabischen Staaten gegen Israel im Jahre
1948." (BAUER, 1993: 24)
Dabei
deutete er diese Niederlage als "allgemeine Rückständigkeit der
arabischen Welt gegenüber dem Westen." (BAUER, 1993: 24)
Bereits
im März 1949 einigten sich verschiedene Kleinstgruppen von
nationalistischen Studenten "ihre Gruppen zu einer Geheimorganisation
zu vereinigen, der sie den Namen "Phalanxen der Arabischen
Aufopferung" (Kata`ib al-fida` al
arabi) gaben. Ihr dreiköpfiges Leitungsgremium bestand aus
la-Hindi, Dahi und Taufiq; später kamen noch Habas und der Ägypter
Abd al-Qadir Amir hinzu". (HÖPP, 1986: 3)
Die
Phalanxen verübten bereits in ihrer ersten "Operation" am 6.
August 1949 einen "Bombenanschlag auf die Synagoge von Damaskus;
dabei kamen 12 Menschen ums Leben." (HÖPP, 1986: 4)
Obwohl
Habas in späteren Jahren "attacks on Diaspora Jews" (STEINBERG,
1988: 24) ausschloß "erkannten Habas und seine Freunde" damals
"keinen Unterschied zwischen Israel, Zionismus und Judentum, und
dieser tragische Irrtum begleitete ihren Kampf noch jahrelang." (HÖPP,
1986:4)
Die
Phalanxen zerbrachen jedoch schon bald wieder und das Schwergewicht der
Gruppe um Habas verlagerte sich zu einer Organisation in der
StundentInnenschaft der Amerikanischen Universität in Beirut (AUB).
Wie
bereits oben ausgeführt unterrichteten an der AUB eine Reihe
nationalistischer Professoren. An der Universität studierten seit ihrer
Gründung im Jahre 1866 StudentInnen aus 95 verschiedenen Staaten. In den
vierziger und fünfziger Jahren studierten dort junge AraberInnen von
Marokko bis zum Iraq, vom Jemen bis Syrien denen mit der Gesellschaft
"Unauflösliches Band" (Gam iyat al- urwa al-wutqa) ein
wichtiges gemeinsames Forum für politische und philosophische Diskurse
zur Verfügung stand.
"Diese
studentische Vereinigung [...] deren Gründungsdatum in der Mitte der dreißiger
Jahre liegt, war als politisch nicht festgelegte, gemäßigt-nationalistische
Bildungsgemeinschaft ins Leben getreten." (HÖPP, 1986: 7)
Die
arabische Niederlage von 1948 schlug sich jedoch bereits im Studienjahr
1948/49 in einer geänderten Verfassung des "Unauflöslichen
Bandes" nieder "dem nunmehr die Aufgabe gestellt wurde >den
nationalen Geist unter den arabischen Studenten zu entwickeln und zu
pflegen<" (HÖPP, 1986: 8) Im selben Jahr wurden Habas zum
stellvertretenden Vorsitzenden und al-Hindi zum Mitglied des
Redaktionskomitees der Zeitschrift des "Unauflöslichen Bandes"
gewählt. "Im Studienjahr 1949/50 kandidierte Habas gegen eine Liste
der Kommunisten und der >Syrischen sozialen Nationalen Partei< bei
den Wahlen zum Vorstand des >Unauflöslichen Bandes< und wurde mit
großer Mehrheit zum Vorsitzenden des Exekutivkomitees gewählt". (HÖPP.
1986: 9)
Zu
Beginn der fünfziger Jahre gelang es dem Kreis um Habas und al-Hindi das
"Unauflosliche Band" endgültig unter ihre Kontrolle zu bekommen
und zu einem Herzstück der neuen "Bewegung der Arabischen
Nationalisten" (BdAN) zu machen.
Die
Gam iyat al- urwa al-wutqa blieb "bis zu ihrer Auflösung 1955 der
libanesische Zweig der BAN, der als "Jugend der Vergeltung" (sabab
al-ta`r) aktiv wurde und dessen Organisationsform sich am Vorbild der frühen
nationalistischen Geheimgesellschaften orientierte." (HÖPP, 1978:
319)
"Die
Gründung der BdAN fand etwa 1952 statt, als die Studenten aus dem Kreise
von al-´Urwa [das "Unauflöslichen Bandes, Anm.] ihr Studium
abgeschlossen hatten. [...] Das Hauptquartier wurde nach Amman gelegt, wo
Habash und Haddad nach dem Abschluß ihres Medizinstudiums als Ärzte
arbeiteten."(BAUMGARTEN, 1991: 97)
Zunächst
war die BdAN auch "besonders in Jordanien sehr erfolgreich" und
gründete im Sommer 1954 auch "in Amman eine
arabisch-nationalistische Zeitung >ar-Rai< (die Meinung). Diese
sollte dazu beitragen, die arabische Einheit voranzutreiben. Schon nach
wenigen Monaten wurde die Zeitung allerdings von der jordanischen
Regierung verboten. George Habash mußte Amman verlassen und ging nach
Damaskus." (BAUER, 1993: 26)
Aber
auch außerhalb Jordaniens konnte der BdAN im Laufe der fünfziger Jahre
Organisationan aufbauen und somit seinem Anspruch eine panarabische
Organisation zu sein weitgehend gerecht werden. Ahmad al-Khatib baute 1953
einen Zweig in Kuwait auf. "Im Libanon spielte Hani al-Hindi Anfang
der fünfziger Jahre die führende Rolle, zusammen mit den Südlibanesen
Mushin Ibrahim und Muhammad az-Zayat sowie einigen palästinensischen
Lehrern aus den Flüchtlingslagern in Saida und Beirut." (BAUMGARTEN,
1991: 98)
1954
wurden in Ägypten und Syrien Sektionen des BdAN aufgebaut, 1955 folgte
der Iraq, 1958 Bahrain, 1959 der Jemen, 1960 Libyen, Qatar und Oman und
1962 schließlich Saudi-Arabien.
Die
Führung der BdAN war von Beginn an von Männern aus dem gehobenen Bürgertum
geprägt. "Ihrer Herkunft nach waren sechs Söhne von Großhändlern
und Geschäftsleuten, gehörten also der bereits erwähnten Handels- und
Finanzbourgeosie an, die sich an der Mittelmeerküste Palästinas und des
Libanon gebildet hatte. Fünf stammten aus Familien von leitenden
Angestellten, höheren Beamten, religiösen Funktionären und
freiberuflich Tätigen." (BAUMGARTEN, 1991: 99)
"Ideologisch
standen sie im Bann des bürgerlichen Nationalismus [...] was sich
besonders in der von ihnen vertretenen "Zwei-Stadien-Theorie" äußerte,
die eine starre Trennung zwischen nationalem und sozialem Befreiungskampf
vornahm und dem ersteren absoluten Vorrang einräumt." (HÖPP, 1978:
321)
"Erst
gegen Ende dieser Phase traten die antiimperialistischen Potenzen der
Organisation stärker hervor. Sie reihte sich in den Strom der
Massenproteste gegen den proimperialistischen Bagdad-Pakt (1955) ein,
unterstützte die fortschrittliche jordanische Regierung Nablusi
(1956-57), verteidigte die Nationalisierung des Suez-Kanals und
mobilisierte ihre Mitglieder gegen die imperialistische Dreieragression
(1956)." (HÖPP, 1978: 321)
Mit
diesen Protesten bahnte sich bereits eine Veränderung des Verhältnisses
der BdAN zu Ägypten und dem Nasserismus an. Ab dem Ende der fünfziger
Jahre wendete sich die BdAN immer mehr vom bürgerlichen Nationalismus ab
und nasseristischen Ideen zu. Schließlich folgte sie "die nächsten
zehn Jahre kritiklos dem ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser, der
die Einigung der Arabischen Nation, den Pan-Arabismus, propagierte"
(BAUER, 1993: 28) und diesen mit sozialistischem Gedankengut eng
verknüpfte.
Die
BdAN wurde so in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre und in der
ersten Hälfte der sechziger Jahre zu einem der Träger des Nasserismus
und schloß sich in Ägypten, dem Iraq und Syrien den dort bereits aktiven
nasseristischen Parteien, der "Arabischen Sozialistischen Union"
(ASU) an.
Ab
1963 schließlich "ist durch die Annäherung der Mehrheit der
BAN-Kader an Positionen des wissenschaftlichen Sozialismus" - wie es
Gerhard Höpp ganz in DDR-Diktion schreibt - eine "zunehmende
ideologische Differenzierung" und eine
"politisch-organisatorische Diversifizierung" (HÖPP, 1978: 324)
zu beobachten.
"Insbesondere
studentische Mitglieder sahen in Anlehnung an Maos Schriften Bauern,
Arbeiter, revolutionäre Intellektuelle und Soldaten als die wirklichen Träger
der arabischen Revolution an.
Sprecher
dieser neuen Strömungen waren vor allem Nayef Hawathme und Muhsin
Ibrahim." (BAUER, 1993: 28)
Muhsin
Ibrahim war bereits seit 1959 Herausgeber der neuen BdAN-Zeitung >Die
Freiheit< die schnell zum wichtigsten Organ der neuen Strömung wurde.
Unter dem Einfluß des linken Flügels trennten sich die
BdAN-Regionalkommandos Ägyptens, Iraqs und Syriens wieder von der ASU.
Der Richtungskampf zwischen den "Historikern" um Habas und dem
linken Flügel führte 1963 in Jordanien zur Abspaltung der
"Historiker", in Kuwait zur Abspaltung der "Volksrevolutionären
Bewegung", sowie 1966 zu einer Spaltung des Regionalkommandos Libyen.
Habas
gründete 1964 "als Reaktion auf die Gründung der PLO das
Regionalkommando Palästina und dessen militärischer Arm >Jugend der
Vergeltung<".(HÖPP, 1978: 327)
Nach
der großen Niederlage der arabischen Staaten im Krieg von 1967 schloß
sich dieses Regionalkommando mit der >Jugend der Vergeltung< und
einigen kleineren Gruppen zur "Volksfront zur Befreiung Palästinas"
(PFLP) zusammen. Zuvor hatten sich die Palästinenser immer in den
Regionalkommandos der jeweiligen Gastländer organisiert.
"Die
1968 beginnende vierte Phase der BAN ist durch die umfassende
politisch-organisatorische Diversivizierung infolge sich vertiefender
ideologischer Meinungsverschiedenheiten und abweichender
strategisch-taktischer Konzeptionen charakterisiert. Vor allem die
sozialistische Orientierung der VDR Jemen (1969), der Tod Nasserns (1970),
die Profilierung der PLO sowie der arabisch-israelische Krieg 1973
geeinflußten diesen Prozeß, der zur faktischen Auflösung der BAN führte."
(HÖPP, 1978: 329)
4. Von der Kommunistischen Partei bis zur
Volksfront zur Befreiung Palästinas: Die einzelnen Gruppierungen der Palästinensischen
Linken
Wie
bereits Eingangs beschrieben ist die gegenwärtige Situation der Palästinensischen
Linken durch eine starke Zersplitterung und eine Vielzahl an
Organisationen gekennzeichnet. Eine ganze Reihe davon sind allerdings von
nur geringer Bedeutung und so kann es nicht Ziel dieser Arbeit sein jede
Kleinstgruppe hier aufzuzählen. Die größeren Gruppierungen der Palästinensischen
Linken sollen hier aber doch kurz beschrieben werden.
4.1. Die Volksfront zur Befreiung Palästinas
(PFLP)
Nach
der Niederlage der Arabischen Staaten im Sechstagekrieg der "11.500
Ägyptern, etwa 6.000 Jordaniern und 1.000 Syrern das Leben gekostet"
(GLASNECK/TIMM, 1994: 150) hatte und Israel in der Folge eine Fläche von
66.278 Quadratkilometern mit über einer Million Einwohnern besetzen
konnte, stand die gesamte Arabische Welt unter Schock.
Unter
dem Eindruck dieser verheerenden Niederlage schlossen sich am 10. Dezember
1967 das BdAN-Regionalkommando Palästina, die mit der BdAN "liierten
Organisationen >Jugend der Vergeltung< und >Helden der Rückkehr<
sowie die von Ahmad Gibril geleitete >Palästinensische
Befreiungsfront< [...] zusammen." (HÖPP, 1986: 217)
Die
neue, von Habas bis heute geleitete Organisation hieß "Volksfront
zur Befreiung Palästinas" (al-Gabha as-sa biya li-tahrir Filastin),
PFLP.
Bereits
kurz nach der Gründung der neuen Organisation gingen jedoch die Flügelkämpfe
die die alte BdAN beschäftigt hatten in der PFLP weiter. Bereits im
September 1968 spaltete sich Ahmad Gibril mit der "Volksfront zur
Befreiung Palästinas-Generalkommando" PFLP-GC wieder von der PFLP
ab.
Die
Flügelkämpfe zwischen den "Historikern" um Habas und den
"Linken" um Nayef Hawatmeh waren damit jedoch nicht beendet. Als
Habas im April 1968 wegen eines Anschlags von den syrischen Behörden
verhaftet wurde und bis zum 4. November 1968 in Damaskus inhaftiert war
nutzten die "Linken" "die Gunst der Stunde und beriefen im
August den 1. Kongreß der PFLP in das jordanische Garas ein, um das Kräfteverhältnis
in der Front für sich zu entscheiden.
In
dem vorgelegten Politischen Grundsatzbericht rechneten die
>Progressiven< in scharfen Formulierungen mit den arabischen Regimes
und den Führungen der arabischen nationalen Befreiungsbewegung
ab."(HÖPP, 1986: 218)
Sie
forderten die mit dem kapitalistischen Weltmarkt verbundene
feudal-bourgeoise Wirtschaft niederzureißen und durch Agrarreform und
Industrialisierung eine nationale Wirtschaft zu errichten, die auf eigenen
Füßen stehe und nicht vom Weltmarkt abhängig sei.
Der
Bericht übte auch Kritik an der PLO und forderte statt einer Beteiligung
der PFLP an der PLO eine "Einheit der revolutionär kämpfenden Kräfte
unter einer Führung, die die politischen und Klassenkämpfe in einer
breiten nationalen Befreiungsfront organisiert" (HÖPP, 1986: 219)
Nachdem
Habas im November 1968 aus der Haft zurückkehrte brachen die Flügelkämpfe
zwischen den "Historikern" und den "Progressiven"
erneut los. Dabei ging es weder um wirklich ideologische Differenzen, noch
um die Strategie der Front die von beiden getragen wurde und auch nach dem
Austritt der Gruppe um Hawatmeh beibehalten wurde. De facto ging es nur um
taktische Detailfragen und "-das war letztendlich entscheidend - um
die auch von persönlichen, zum Teil schwer objektivierbaren Bestrebungen
belastete Hegemoniefrage".(HÖPP, 1986: 220)
Wenn
die Differenzen zwischen den "Historikern" und den
"Progressiven" an einer inhaltlichen Frage festzumachen sind,
dann handelte es sich vor allem um die Frage des Verhältnisses zwischen
revolutionärem Kampf und seiner Führung durch eine avantgardistische
Organisation. An der kubanischen, chinesischen und vietnamesischen
Revolution orientiert votierten Habas und die "Historiker" für
das "Primat des bewaffneten Kampfes" durch den die Massen
mobilisiert werden sollten, während Hawatmeh zuerst den Aufbau einer
"organisierten Avantgarde" und in umgekehrter Reihenfolge für
den bewaffneten Kampf votierte.
"Die
Auseinandersetzungen, in denen es den "Historikern" vor allem um
die Wiederherstellung des Kräfteverhältnisses zu ihren Gunsten ging,
nahmen Anfang des Jahres 1969 in Jordanien gewaltsame Formen an; dabei
stellten sich die "Progressiven" unter den Schutz der
Widerstandsorganisation Fatah.
Kurz
vor dem von den "Historikern" angestrebten 2. Kongreß der PFLP,
in der auch eine Korrektur in der Führung der Front erfolgen sollte,
trennten sich die "Progressiven" von der PFLP und proklamierten
am 22. Februar 1969 die Gründung der >Volksdemokratischen Front zur
Befreiung Palästinas< (al Gabha as-sa biya ad-dimuqratiya li-tahrir
Filastin, engl. Abk. PDFLP), die sich seit Mitte 1974 "Demokratische
Front zur Befreiung Palästinas (engl. Abk. DFLP) nennt."(HÖPP,
1986: 221)
Die
PFLP bedauerte das Ausscheiden der "Progressiven" die der
Organisation wichtige und erfahrene Mitglieder kostete, warf den Abtrünnigen
aber "linke Kinderei" vor.
Der
2. Kongreß der PFLP präzesierte die Festlegungen des 1. Kongresses,
verwarf die damals von den "Progressiven" dominierten Beschlüsse
nicht.
"Durch
erhöhte Mobilisierung der Arbeiter und armen Bauern sowie im Bündnis mit
dem Kleinbürgertum und unter Führung >einer politischen Organisation,
die der Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus verpflichtet ist<,
wollte sie auf dem Wege des >langfristigen Krieges, der mit dem
Guerilla-Krieg beginnt und sich zu einem zum Sieg entschlossenen
Volkskrieg entwickelt<, die technologische Überlegenheit des Gegners
überwinden"(HÖPP, 1986: 224)
">Die
Volksfront für die Befreiung Palästinas<, heißt es in den Beschlüssen
ihres 2. Kongresses, >übernimmt den Marxismus-Leninismus als
grundlegende strategische Linie für den Aufbau der revolutionären
Partei<"(HÖPP, 1986: 226)
Der
Kongreß warnte aber auch vor einer "idealistischen und
mechanischen" Auffassung des Marxismus-Leninismus, da er dann seine Fähigkeit
verlöre eine lebendige Wirklichkeit zu deuten. Genau diesen Umgang mit
dem Marxismus-Leninismus warf die PFLP den Kommunistischen Parteien der
arabischen Staaten von.
Für
die PFLP war immer nur eine Maximallösung der "Befreiung ganz Palästinas"
Ziel der Politik gegenüber Israel. Für Habas gibt es nur ein
"Zionist empire" oder die "Arabische Einheit":
"In this region either a Zionist empire will be created, or a united
Arab society" (zit. nach STEINBERG, 1988: 4). Die Rückgabe der
Besetzten Gebiete konnte nur ein erster Schritt für die Befreiung Palästinas
sein.
Die
PFLP hielt zwar "practical cooperations against Zionism and
Inperialism with certain trends in Israel, such as the Israeli Communist
Party (Rakah)"(STEINBERG, 1988: 25) für möglich, unterschied aber
im Gegensatz zur Fatah nie zwischen verschiedenen Richtungen des
Zionismus.
Die
Ideologie der PFLP fußt auf den drei Säulen Palästinenertum, Arabismus
und Marxismus-Leninismus. Im Gegensatz zur Fatah, die sich nicht in die
Innenpolitik ihrer Gastländer einmischte, kämpfte die PFLP immer
dezidiert auch gegen die reaktionären, feudalistischen, arabischen Regime
in Jordanien, Saudi-Arabien oder am Golf.
International
bekannt wurde die PFLP vor allem durch spektakuläre Aktionen in den späten
sechziger und siebziger Jahren, insbesondere die Flugzeugentführungen der
Organisation. Am 23. Juli 1968 gelang es einem Kommando der PFLP erstmals
eine Maschine der israelischen Fluglinie El Al auf dem Flug von Rom nach
Tel Aviv unter seine Kontrolle zu bekommen.
Die
PFLP löste damit in Israel einen Schock aus und konnte Israel erfolgreich
zu Verhandlungen zwingen. "Widerstrebend erklärte sich Israel zu
Verhandlungen bereit und tauschte nach langen Gesprächen, bei denen
Vermittler eingeschaltet wurden, eine Gruppe von Terroristen, die in
Israel im Gefängnis saßen, gegen die entführten Israelis
aus."(BAR-ZOHAR, 1991: 66f)
Die
ganzen siebziger Jahre hindurch sollten weitere Flugzeugentführungen
folgen.
Obwohl
Habas heute "attacks on Diaspora Jews"(STEINBERG, 1988: 24)
ausschließt verübte auch die PFLP in den siebziger Jahren noch
vereinzelt Anschläge auf jüdische Bevölkerung außerhalb Israels. So
wurde etwa "in einem jüdischen Altenheim in München ein Feuer
[gelegt] bei dem sieben Menschen ums Leben kamen"(BAR-ZOHAR, 1991:
67)
Trotz
massiver Kritik an Arafat und der Fatah hat sich die PFLP immer wieder als
Teil der PLO verstanden und auch an den meisten Sitzungen des Palästinensischen
Nationalrates teilgenommen. 1971 hatte die PFLP im Palästinensischen
Nationalrat 12 Sitze. Die Fatah Arafats stellte 33, die Sa´iqa und die
PLA je 12, die DFLP 8 und die PFLP-GC 4 Sitze.
"An
diesem Kräfteverhältnis änderte sich auch in den folgenden Jahren
nichts grundsätzlich. Im Entscheidungszentrum der PLO, dem
Exikutivkomitee, sind seit dem IX Nationalkongreß von 1971 Al Fatah mit
4, die Sa´iqa mit 2 Sitzen" (HOLLSTEIN, 1984: 235) und die PFLP,
DFLP und FLA mit einem Sitz vertreten.
Die
PFLP betrieb bis heute immer eine Art "loyale Opposition" gegenüber
Arafat. Einerseits übte die PFLP immer wieder harte Kritik an der
"konservativen" und "reaktionären" Fatah und deren
Kompromißbereitschaft gegenüber Israel, andererseits bestand sie aber
auch immer auf der Existenz einer unabhängigen und möglichst
einheitlichen PLO.
So
ist es seit sich in Damaskus Mitte der achziger Jahre als Opposition zur
PLO die weitgehend von Syrien abhängige und von der PFLP-GC, der Sa´iqa
und einigen kleineren Palästinenserorganisationen getragene Rettungsfront
etabliert hat, über die Frage des Beitritts der PFLP zu dieser
Konkurrenz-PLO zu heftigen internen Richtungskämpfen in der PFLP
gekommen.
Ahmad
al-Yamani (Codename: Abu-Mahir) "has close ties with Syria and it was
not by chance that he was appointed secretary of the Salvation
Front."(STEINBERG, 1988: 16) Während Ahmad al-Yamani für den
Eintritt der PFLP in die Rettungsfront eintrat votierte eine Gruppe um
Bassam Abu-Sharif, dem ehemaligen Sprecher und Herausgeber von "al
Hadaf", für eine größere Distanz zu Syrien. Schlußendlich verließ
Abu-Sharif Damaskus und die PFLP und wurde enger Berater Arafats.
Während
der Intifada arbeitete die PFLP noch gemeinsam mit der Fatah in der
Vereinigten Nationalen Führung des Aufstandes (United National Leadership
of the Uprising, UNLU).
"The
UNLU was made up of representatives from Fateh, the Popular Front for the
Liberation of Palestine (PFLP), the Democratic Front for the Liberation of
Palestine (DFLP) and the Palestine Communist Party (PCP). In Gaza they
coordinated with the Islamic Jihad from time to time." (HEACOCK/NASSAR,
1990: 191)
Mit
dem Beginn des sogenannten "Friedensprozesses" nahm die Kritik
der PFLP an Arafat wieder zu. Wie viele Gruppierungen der PLO - sogar
innerhalb Arafats Fatah - sieht die PFLP darin eine Kapitulation und
keinen Friedensprozeß. Die PFLP beteiligte sich deshalb auch nicht an den
Wahlen zur Palästinensischen Autonomiebehörde.
Obwohl
immer mehr PalästinenserInnen mit dem "Friedensprozeß" nicht
mehr einverstanden sind konnte die PFLP davon nicht wirklich profitieren.
Die unzufriedenen Massen laufen zwischenzeitlich eher zur Hamas und
anderen islamistischen Gruppierungen über. Nach Umfragen der CPRS in
Nablus verlor die PFLP sogar an Unterstützung (BAUMGARTEN, 1995: 9) und
hat heute nicht einmal mehr 10% der Bevölkerung hinter sich.
Was
interne Flügelkämpfe der PFLP betrifft gilt jedoch weiterhin was Matti
Steinberg 1988 schrieb:
"Although
the actual balance of forces within the PFLP is a closed book, there is no
doubt that as long as Habas is alive and active - however poor his health
- he will go on calling the shots."(STEINBERG, 1988: 17)
4.2. Die Volksfront zur Befreiung Palästinas-Generalkommando
(PFLP-GC)
Ahmad
Gibril - der sich erst 1967 mit seiner Organisation der "Palästinensischen
Befreiungsfront" der PFLP angeschlossen hatte - spaltete sich schon
im September 1968 "mit seinen Kämpfern als >Volksfront zur
Befreiung Palästinas-Generalkommando< (PFLP-GC) wieder ab."
(BAUMGARTEN, 1991: 220)
Gibrils
PFLP-GC blieb immer deutlich kleiner als die PFLP und deren spätere
Abspaltung DFLP, machte aber ebenfalls durch besondere Radikalität und
spektakuläre Aktionen von sich reden.
"The
PFLP-GC commando who flew on a hang glider into an Israeli military camp
in late November 1987 is seen by many as one of the catalysts contributing
to the eruption of the intifada." (HEACOCK/NASSAR, 1990: 194)
Die
PFLP-GC feuerte die Intifada von Syrien aus mit einem eigenen
Radioprogramm an. "The PFLP-GC on January 1, 1988 began to transmit a
test program on a new clandestine Radio al-Quds, >the Palestinian-Arab
radio on the road of liberating the land and the people,< hoping to
mount a serious challenge to Arafat´s leadership of the
PLO."(BAUMGARTEN, 1990: 219f)
Der
Sitz der PFLP-GC ist in Damaskus wo sie auch wichtiger Teil der
Rettungsfront wurde.
4.3. Die Demokratische Front zur
Befreiung Palästinas (DFLP)
Die
Abspaltung der "Progressiven" von den "Historikern"
der PFLP führte am 22. Februar 1969 zur Gründung der
"Volksdemokratischen Front zur Befreiung Palästinas" (PDFLP),
welche sich seit 1974 "Demokratische Front zur Befreiung Palästinas"
(DFLP) nennt.
Ihr
der neben dem Generalsekretär der neuen Organisation Nayef Hawatmeh"
u.a. auch Yasir Abd Rabbih,
Abd al Karim Hamad und Bilal al-Hasan angehörten [...] schlossen
sich im Juni desselben Jahres Mitglieder einiger kleiner linksradikalen
Gruppen an, darunter die der >Volksorganisation für die Befreiung Palästinas<
[...] POLP und der >Liga der Palästinensischen Revolutionären
Linken<."(HÖPP, 1986: 221f)
Auch
die DFLP bekannte sich ideologisch zum Marxismus-Leninismus und war der
Meinung, "daß das >historische Schicksal Palästinas mit dem
Schicksal der Palästina umgebenden Gebiete entschieden< wird. Dieses
Palästina, seinem Charakter nach "volksdemokratisch" - Habas
hielt sich hier noch zurück -, sei nur denklbar als Ergebnis und >Teil
einer großen arabischen sozialistischen Föderation, in der die Macht,
die ganze Macht, von den Räten der Arbeiter, armen Bauern und Soldaten
ausgeübt wird<; der Weg dahin bestünde in >bewaffnetem Kampf und
dem Volksbefreiungskrieg gegen Zionismus, Imperialismus und
Reaktion<." (HÖPP, 1986: 261f)
Wenn
sich PFLP und DFLP auch in ihren ideologischen Grundlagen stark glichen,
so gab es doch unterschiedliche Positionen in der Frage der Methoden des
bewaffneten Kampfes.
"Die
PDFLP übte von Anfang an harte Kritik an den Flugzeugentführungen, die
sie aus >humanitären Gründen< ablehnte, da sie sich gegen
>Personen, die nicht mit dem Konflikt zwischen Palästinensern und
Zionisten zu tun haben<, richte." (BAUMGARTEN, 1991: 225)
Im
Gegensatz zu "individuellem Terror" wurden bewafnnete
Operationen in Israel "als Antwort auf israelische Aktionen gegen
arabische Zivilisten gerechtfertigt, allerdings mit der einschränkenden
Bedingung, daß sie mit dem Massenwiderstand in den besetzten Gebieten
verknüpft sein müßten."(BAUMGARTEN,1991: 225)
Auch
die DFLP versuchte ähnlich der PFLP eine "loyale Opposition" zu
Arafats Fatah zu bilden und blieb fast immer in den PLO-Gremien vertreten.
Seit
1974 baute die DFLP aber auch ihre "besonderen Beziehungen" zur
UdSSR aus, was ihren Einfluß in der PLO verstärkte.
Erst
der "Friedensprozeß" brachte die DFLP in stärkere Opposition
zu Arafat, was auch zur Abspaltung einer Arafattreuen Gruppe, der "Fida"
führte. Die DFLP selbst beteiligte sich wie die PFLP nicht an den Wahlen
zur Palästinensischen Autonomiebehörde.
In
den Besetzten Gebieten versuchte die DFLP ihr elitäres Imige zu bekämpfen
indem sie einge Reihe von Frontorganisationen gründete. Diese
Frontorganisationen - wie Gewerkschaften, Jugend- und
Frauenorganisationen,... - "are open to all and have done away with
the strict membership terms generally applied to candidates for DFLP
membership."(STEINBERG, 1989: 32)
Die
Debatte um die Methoden des Kampfes wurde von PFLP und PDFLP vor allem
nach dem "Schwarzen September 1970 intensiviert als der Jordanische König
Hussein nach der Entführung von 3 internationalen Flugzeugen durch
die PFLP in Amman ein Blutbad unter den PalästinenserInnen Jordaniens
anrichtete und im Juni 1971 die letzten Fida´iyun-Verbände palästinensischer
Militanter im Norden des Landes massakrierte.
Auch
der DFLP gelang es nicht aus der Unzufriedenheit der palästinensischen
Bevölkerung mit dem "Friedensprozeß" Kapital zu schlagen. Sie
verlor in den Besetzten Gebieten deutlich an Anhängerschaft und hatte im
Dezember 1994 Umfragen zufolge nur mehr 1,4% der Bevölkerung hinter sich
(BAUMGARTEN, 1995: 9). Der DFLP machte auch der Wegfall ihres wichtigen
Verbündeten - der Sowjetunion - deutlich zu schaffen.
4.4. Die Fida
Jener
Teil der DFLP der für den das Oslo-Abkommen und eine Beteiligung an der
Palästinensischen Autonomiebehörde eintrat, spaltete sich "unter
der Führung von Yassir Abed-Rabbo" (Baumgarten, 1995: 8) von der
Mutterpartei ab und beteiligt sich seither als kleiner Koalitionspartner
an der von Fatah geführten Regierung.
Die
relativ unkritische Haltung der Fida gegenüber Arafat bescheerte ihr
jedoch keinen anhaltenden Erfolg in der Bevölkerung. Hatten sie zu Beginn
noch 3% der PalästinenserInnen unterstüzt, so liegen ihre neueren
Umfragewerte auf unter 1%.
4.5. Die Revolutionäre Volksfront zur
Befreiung Palästinas (RPFLP)
Im
Februar 1972 spitzten sich interne Richtungskämpfe in der PFLP erneut so
weit zu, daß sich eine "linke" Gruppe mit Salim Darduna - dem
militärischen Verantwortlichen der PFLP für den Südlibanon - von der
Organisation trennte und die "Revolutionäre Volksfront zur Befreiung
Palästinas" (RPFLP) gründete.
"Die
Abspaltung der etwa 150 Personen zählenden RPFLP, die - zumindest am
Anfang - Hilfe von Fatah erhielt"(HÖPP, 1986: 274) war wenig
erfolgreich und spielte nie einge bedeutendere Rolle im palästinensischen
Widerstand.
4.6. Die Palästinensische Kommunistische
Partei (PCP)
Die
Palästinensische Kommunistische Partei (PCP) entwickelte sich aus den
Teilen der Jordanischen KP die im Westjordanland nach dem Sechstagekrieg
unter israelische Besatzung kamen. So wurde sie "die älteste
politische Organisation in den besetzten Gebieten." (FLORES, 1988:
88)
Auch
die Palästinensische KP hat in ihrem Programm die "nationale
Befreiung" der PalästinenserInnen zu einem ihrer Hauptanliegen
gemacht und forderte "schon sehr früh klar einen palästinensischen
Staat in der Westbank und im Gazastreifen".(FLORES, 1988: 88)
Im
Gegensatz zu PFLP, DFLP und PFLP-GC war die PCP immer mehr auf die Bevölkerung
in den besetzten Gebieten ausgerichtet und weniger in der palästinensischen
Diaspora vertreten. In der PLO ist sie erst seit den achziger Jahren
vertreten. Die übertriebene Betonung des bewaffneten Kampfes hat die PCP
nie mitgemacht.
Große
Teile der PCP-Kader haben in der Sowjetunion ein Studium absolviert und
sind dadurch mit dem Kommunismus in Berührung gekommen. Unter diesen in
der Sowjetunion ausgebildeten AkademikerInnen befinden sich besonders
viele ÄrztInnen aus den Besetzten Gebieten. Die wichtigste Organisation
zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung der Westbank und des
Gazastreifens - die "Union of Palestinian Medical Relief Comitees"
- die als Vorfeldorganisation der PCP gegründet wurde ist deshalb heute
noch von (ehemaligen) KommunistInnen dominiert.
Nach
dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Beginn des
"Friedensprozesses" benannte sich die Palästinensische
Kommunistische Partei wie viele ihrer Schwesterparteien in Europa um. Sie
heißt nun Palästinensische
Volkspartei (PPP) und beteiligte sich teilweise sehr erfolgreich an
den Wahlen zur Palästinensischen Autonomiebehörde.
Eine
Abspaltung der PCP arbeitet weiter unter diesem Namen vor allem im Exil in
Damaskus und ist Teil der Rettungsfront von PFLP-GC, As-Sa´iqa,...
4.7. As-Sa´iqa
Die
As-Sa´iqa ist eigentlich nur der militärische Arm der "Vanguards of the Popular Liberation War" (VPLW), der Name
As-Sa´iqa ist allerdings in der Öffentlichkeit wesentlich bekannter.
Die
VPLW ist im wesentlichen ein Ableger der syrischen Baath-Partei. Sie
arbeitete lange in den Institutionen der PLO mit, bildet aber seit der
Etablierung der Salvation Front in Damaskus eine der wichtigsten Säulen
dieser Anti-Arafat-Koalition und lehnt das Oslo-Abkommen grundsätzlich
ab.
4.8. Die Palästinensische
Befreiungsfront (PLF) und die Arabische Befreiungsfront (ALF)
Die
Palästinensische Befreiungsfront ist wie die Arabische Befreiungsfront
(ALF) ein kleiner Ableger der iraqischen Baath-Partei. Beide
Organisationen arbeiteten in der Vergangeneheit in PLO-Gremien mit, lehnen
den aktuellen "Friedensprozeß" aber ab.
4.9. Al-Fatah-Provisional Command
Teile
der AL-Fatah revoltierten 1983 im Libanesische Bekaa-Tal gegen die Fatah-Führung
Yassir Arafats. Die DissidentInnen um Abu Musa treten seither unter dem
Namen "Al-Fatah-Provisorisches Kommando" auf und sind Teil der
Salvation Front "in der auch die [...] As-Saíqa, die PFLP-GC und die
PPSF-Volksfront vereinigt waren."(PRADER, 1988: 217)
Auch
die Al-Fatah-Provisional Command lehnt den "Friedensprozeß"
Arafats ab.
4.10.
Al-Fatah-Revolutionsrat
Auch
beim Al-Fatah-Revolutionsrat handelt es sich um eine Abspaltung von der
Al-Fatah Yassir Arafats. Obwohl sich die Al-Fatah-Revolutionsrat unter der
Führung des weltweit berüchtigten Terroristen Abu Nidal als besonders
revolutionär betrachtet, wird diese Auffassung von keiner anderen PalästinenserInnengruppierung
geteilt.
Die
besonders blutigen Exzesse gegen Zivilbevölkerung - u. a. auch die Schießerei
vor dem El Al-Schalter am Flughaven Schwechat - und der offene
Antisemitismus Abu Nidals brachten der "Al-Fatah-Revolutionsrat"
die Feindschaft aller anderen Gruppierungen und Abu Nidal selbst ein
Todesurteil der PLO ein.
"Die
Abu Nidal Gruppe war eine Terroristenorganisation, die Anschläge auf
>gemäßigte< PLO Mitglieder sowie Synagogen und jüdische
Einrichtungen in Europa durchführte. Es wurde sogar unterstellt, daß die
Abu Nidal Gruppe für den israelischen Geheimdienst arbeitete." (O´BRIEN,
1988: 390)
Diese
Verbindungen konnten zwar nie bewiesen werden, zeigen aber wie tief der Haß
der anderen Organisationen gegenüber der menschenverachtenden Politik Abu
Nidals - der zwischenzeitlich schon längere Zeit nicht mehr aufgetaucht
ist - war.
4.11. Jabat al Nidal
Die
kleine Gruppe des "Befreiungskommandos" Jabat al Nidal hat sich
angesichts des "Friedensprozesses" in eine arafatfreundliche und
eine oppositionelle Gruppierung gespalten.
5. Frauenorganisationen und
Gewerkschaften
Neben
diesen quasi als politische Parteien fungierenden Organisationen des Palästinensischen
Widerstandes gibt es natürlich eine Reihe verschiedener Organisationen
bestimmter Gesellschaftssegmente die insbesondere in den besetzten
Gebieten aktiv sind.
Besonders
die linken Organisationen haben immer wieder versucht Gewerkschaften,
Jugend- und Frauenorganisationen im Gazastreifen und der Westbank
aufzubauen. Im Gewerkschaftsbereich waren dabei insbesondere die DFLP und
die PCP erfolgreich.
Auch
die Frauenorganisationen leisten einen wichtigen Beitrag im Widerstand der
PalästinenserInnen, sowie im sozialen und charitativen Bereich.
"Die
>neue< Frauenbewegung wurde am internationalen Frauentag 1978 bei
einem Treffen in Ramallah gegründet. Eine Gruppe von ungefähr fünfzig
Studentinnen und jungen berufstätigen Frauen etablierte das
>Arbeiterinnenkomitee<".(RAWI, 1994: 40)
In
den darauffolgenden Jahren entstanden in den Städten und Dörfern eine
Vielzahl von Frauenorganisationen die meist mit einer der linken Parteien
verbunden waren, teilweise aber auch unabhängig von ihnen existierten.
Den
Frauenorganisationen ging es dabei sowohl um den Kampf gegen die
Israelische Besatzung, als auch darum die Rolle der Frauen in der Palästinensischen
Gesellschaft zu thematisieren. So ist im Laufe der Jahre auch in Palästina
eine starke feministische Bewegung entstanden, die sich aber angesichts
der Unterdrückung von Männern und Frauen nicht nur der Befreiung der
Frauen widmet.
6. Intellektuelle Kritik an Yassir Arafat
Die
fortschrittliche Opposition gegen die Führung der PLO und der Palästinensischen
Autonomiebehörde beschränkt sich jedoch keineswegs auf organisierte
Parteien und Organisationen. Besonders "das undemokratische
Zustandekommen der >Declaration of Principles< und der ihr
nachfolgenden israelisch-palästinensischen Vereinbarungen haben vielfältige
Kritik hervorgerufen".(SCHERB, 1995: 470)
Auch
die immer autoritärere "Staatsführung" Yassir Arafats sorgt
immer mehr für Kritik in den eigenen Reihen der Fatah und unter den
Intellektuellen Palästinas.
"Der
durch die Abkommen erzielte diplomatische Erfolg Israels ist nur etwas
geringer zu bewerten als jener der Staatsgründung von 1948. Die
Niederlage der Palästinenser dagegen ist total."(WATZAL, 1996: 28)
Die
konkreten Lebensumstände der Bevölkerung haben sich seit den Abkommen
nicht nur nicht verbessert, sondern vielfach noch verschlechtert. Die
Kleinstgebiete unter Palästinensischer Verwaltung erinnern immer mehr
BeobachterInnen an die Bantustans Südafrikas. Die Palästinensischen
Verwaltungsbehörden dürfen primär Sicherheitsaufgaben für Israel übernehmen
und je nach bedarf können die Gebiete einfach abgeriegelt werden.
Der
Autor Hilal Khashan, Professor an der Amerikanischen Universität in
Beirut meint dazu: "Viele Araber sehen im Friedensprozeß nicht den
Weg zum Ende des Konflikts mit Israel, sondern nur dessen Transformation.
Sie halten den Frieden (wie ihn die Israelis mit amerikanischer Unterstützung
erstreben) für Kapitulation."(CERHA, 1997: IV)
Wie
Khashan sehen es viele palästinensische Intellektuelle. Einer der
prominentesten fortschrittlichen Intellektuellen, der in der USA lebende
Edward W. Said, hat zwischenzeitlich wieder die Diskussion um einen
binationalen Staat in Palästina eingebracht. ">Es gibt keine
andere Lösung.< Eine solche Forderung bedeutet logisch das Ende der
Staatsideologie Israels, das Zionismus."(STEINBERGER, 1997)
Said
kritisiert sowohl Arafats Kapitulationspolitik als auch dessen autoritäre
Staatsführung. Aber Said denkt wie viele Palästinensische Intellektuelle
nicht nur über Israel und den Westen, sondern auch über die eigenen,
arabische Gesellschaft nach. Said will beide verändern und denkt dabei an
die Zukunft:
"The
challenge of Israel is the challenge of our own societies. We are now
unequal to task because we are still chained to methods and attitudes that
belong to an earlier time. The struggle of the twenty first century is the
struggle to achieve self-liberation and self-decolonisation. And then
Israel can be properly adressed." (SAID, 1989: 5)
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