Martin
Bolkovac:
DIE
SLOWENISCHEN PARTISANEN IN KÄRNTEN
EINLEITUNG
Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt in der
Darstellung der slowenischen Partisanenbewegung in Kärnten während des Zweiten
Weltkrieges. Besondere Berücksichtigung finden dabei die Ereignisse der Jahre
1944/45, die nicht nur das Ende der nationalsozialistischen
Schreckensherrschaft markierten, sondern gleichzeitig den Höhepunkt des
Partisanenkampfes darstellten. Weiters werden auch der historische Kontext in
Form der Geschichte der Kärntner Slowenen seit der Volksabstimmung von 1920 und
die weitere Entwicklung in der Nachkriegszeit behandelt.
Die Gebietsbezeichnungen „Slowenien“ und
„Kärnten“ beziehen sich auf deren heute bestehenden Grenzen. Mangels
entsprechender Computertastatur mußte bedauerlicher Weise auf die korrekte
slowenische Schreibweise der angeführten Personen verzichtet werden.
1. Von der Volksabstimmung zur Vertreibung
Eines der folgenschwersten Ereignisse der
Zwischenkriegszeit war zweifelsohne die Kärntner Volksabstimmung von 1920.
Obwohl die Kärntner Slowenen der sogenannten Abstimmungszone A überwiegend für
einen Verbleib bei Österreich gestimmt hatten, so daß die Abstimmung in der
Zone B nicht mehr durchgeführt wurde, setzte eine starke Repression des Staates
ein. Slowenen, die sich zu ihrer Identität bekannten, wurden etwa mit
Berufsverboten belegt, was vor allem Angehörige der Intelligenz betraf.
Slowenisch wurde in den Schulen zum Freigegenstand reduziert, die Ausbildung
der Lehrer in slowenischer Unterrichtssprache wurde damit ebenfalls
überflüssig. Darüber hinaus wurde Slowenisch auch als Amtssprache nicht mehr
zugelassen, die meisten zweisprachigen Tafeln wurden entfernt.[1]Die
damalige Kärntner Landesregierung setzte sich das Ziel, die slowenische
Volksgruppe vollständig zu assimilieren. Es kam auch zu bewaffneten Übergriffen
aufgehetzter Deutschkärntner auf Angehörige der Slowenischen Minderheit, vor
allem auf jene, die für Jugoslawien gestimmt hatten. Vor allem der „Kärntner
Heimatdienst“, dem bis 1924 auch die Sozialdemokraten angehörten, trat mit
antislowenischer Propaganda an die Öffentlichkeit. Es gelang die Spaltung der
slowenischsprachigen Kärntner in deutschfreundliche „Windischsprachige“ und
Projugoslawische. Erstere sprächen eine Mischsprache mit vielen deutschen
Ausdrücken. Sie galten als Freunde der Deutschkärntner und wurden von diesen
auch mit Krediten und anderen Unterstützungen bedacht. Gleichzeitig verkaufte
man ehemalige slowenische Besitzungen an Reichsdeutsche, was die Assimilierung
vorantreiben sollte. Alle Verhandlungen zwischen Slowenenvertretern und den
deutschsprachigen Landtagsparteien verliefen zu dieser Zeit ergebnislos. Der ab
1933 bestehende „Ständestaat“ erhöhte die Zahl der slowenischen Abgeordneten
zwar von zwei auf drei, gleichzeitig wurden aber massive Fälschungen bei der
Volkszählung aufgedeckt.[2]
Nach dem „Anschluß“ Österreichs an das Deutsche
Reich und der Volksabstimmung im April 1938 begannen die Nationalsozialisten
sogleich mit einer radikalen Eindeutschungspolitik in Kärntner Schulen und
Kindergärten. Viele slowenische Vereine wurden auf der Stelle verboten, die
anderen unterwarf man einer strengen Kontrolle. Politisch unzuverlässige
Personen wurden verhaftet.[3]
Vor dem Überfall auf Jugoslawien im April 1941 bestand aus außenpolitischer
Kalkulation und Taktik noch eine gewisse Rücksichtnahme gegenüber der
slowenischen Minderheit. Später wurden große Aussiedlungsmaßnahmen initiiert.
Die Betriebe angeblich „volks- und staatsfeindlicher“ slowenischer Familien
sollten an Angehörige der deutschen Volksgruppe fallen. Besondere
Berücksichtigung bei der Zwangsaussiedlung fanden folglich die
Vermögensverhältnisse der Slowenen. Es wird berichtet, daß Besitzlose oft auch
dann von den Listen gestrichen wurden, wenn sie zuvor von NSDAP-Funktionären darauf gesetzt worden waren. Die erste und
größte Aussiedlungsaktion wurde dann am 14.4.1942 gestartet. Über 1000 Personen
wurden auf Omnibussen und Lastwägen zunächst ins Zwischenlager Ebenthal und
anschließend in Lager der sogenannten „Volksdeutschen Mittelstelle“ gebracht,
wo sie Zwangsarbeit für die deutsche Rüstungsindustrie leisten mußten. Dabei
hatte man den völlig überraschten Betroffenen nicht einmal genug Zeit gelassen,
ihre notwendigsten Sachen zusammen-zupacken.[4]
Durch solche Deportationen und Verhaftungen wurde der Widerstandsgeist
innerhalb der slowenischen Minderheit verständlicher Weise noch weiter
angeheizt. Die entstehende Partisanenbewegung fand breite Unterstützung durch
die Kärntner Slowenen, was die Kontrolle über den „Reichsgau“ Kärnten erheblich
erschwerte und behinderte.
2. DIE
ENTSTEHUNG DER PARTISANENBEWEGUNG
Von 1941 an entwickelte sich der bewaffnete
Kampf gegen die Okkupanten in allen von Deutschland besetzten Gebieten. Auch im
Gebiet des im April überfallenen Staates Jugoslawien bildeten sich bald kleine
Widerstandsgruppen, die fast ausschließlich aus Kommunisten bestanden.[5]
Ohne Impulse und Unterstützung aus Jugoslawien hätte sich kaum eine effektive
Partisanenbewegung in Kärnten bilden können. Die jugoslawischen Partisanen konnten
mangels ausreichendem Materials weder einheitliche Uniformen noch einheitliche
Bewaffnung tragen. Das einzige gemeinsame Zeichen war der rote fünfzackige
Stern auf ihrer Kopfbedeckung.[6]
Die Alliierten unterstützten zunächst nur die Verbände des Monarchisten
Mihailovic mit finanziellen Mitteln, Waffen und Ausrüstung. Später halfen sie
aber den Partisanen, und im Jahre 1944 gelang es ihnen unter ihrem Führer Josip
Broz Tito fast ganz Jugoslawien zu befreien.[7]
In Slowenien war die „Osvobodilna Fronta“, die slowenische Befreiungsfront
gegründet worden. Bereits im Sommer 1941 führte sie Sabotageaktionen und
Überfälle auf Einrichtungen der Nazis durch. Im Herbst drangen die Partisanen
schließlich zum ersten Mal auf Kärntner Gebiet vor. Die Kärntner Widerstandskämpfer
waren anfangs noch zu schwach für bewaffnete Aktionen und beschränkten sich
zunächst auf Aufrufe an die einheimische Bevölkerung. Slowenische
Politaktivisten, darunter u. a. Matija Verdnik-Tomaz, überzeugten die meisten
Aktivisten von der Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes und der Eingliederung
in die OF und gründeten in der Folge erste Ortsausschüsse. Unter den Kärntner
Partisanen befanden sich vor allem slowenische Angehörige der Deutschen
Wehrmacht, die nach einem Heimaturlaub nicht mehr an die Front zurückgekehrt
waren. Aus diesem Grund wurde dann von den Nationalsozialisten im Juli 1943
eine Urlaubssperre für das gemischtsprachige Gebiet südlich der Drau verhängt. Die Partisanen bildeten den sogenannten
Westkärntner Verband, der im Oktober 1943 über ca. 40 Mann verfügte. Sie
beschränkten sich vorerst fast ausschließlich auf Propagandatätigkeiten.[8]
Auch der Ostkärntner Verband entstand im Jahre 1942, allerdings auf Initiative
eines Einheimischen, nämlich Ivan Zupanc-Johans aus Ebriach. Er wuchs noch im
selben Jahr zu einer Stärke von ca. 200 Menschen heran. Der wesentliche Anstoß
zum bewaffneten Kampf kam freilich auch hier von der OF, welche die 1. Kärntner
Einheit gründete. Im Mai 1943 gliederte sich dieses Bataillon in drei
Kompanien, die kleinere Aktionen wie Requirierung von Nahrungsmitteln, Kleidung
und Waffen oder Überfälle auf Faschisten durchführten. Im Sommer 1943 wurde das
1. Kärntner Bataillon abberufen und der sogenannten Slander-Brigade zugeteilt.
Die in Kärnten zurückbleibende, ca. 20 Mann starke Truppe wuchs aber innerhalb
kürzester Zeit wieder zur Bataillonsstärke an.[9]
Der Hinterhalt und der Nachtkampf waren auf
Grund der zahlenmäßigen Überlegenheit der Nationalsozialisten eine häufige und
notwendige Kampfform der Partisanen. Entscheidende, mit hohen Verlusten
verbundene Schlachten sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Von den
Ortsausschüssen, in denen die Kommunisten die führende Kraft bildeten, wurden
die praktische und theoretische Ausbildung der Partisanen und eine medizinische
Versorgung organisiert, man richtete sogar Partisanenkrankenhäuser ein. Zum
Teil wurden die Verwundeten auf beschwerlichen Bergwegen über Felsen dorthin
gebracht. Jeder Freiwillige, der zu den Partisanen stieß, wurde einer strengen
Untersuchung hinsichtlich seiner Verläßlichkeit unterzogen, um Unterwanderungen
durch Nazis soweit wie möglich zu verhindern. Um die Gefahr der Bestrafung für
die Angehörigen zu verringern wurden vor Zeugen inszenierte
Zwangsrekrutierungen durchgeführt. Bei den Partisanen herrschte strenge
Disziplin. Wenn jemand mehrmals während des Wachdienstes einschlief oder etwas
stahl, wurde er vor Gericht gestellt. Wenn sich die Meisten in der Kompanie für
ein Todesurteil aussprachen, wurde der Verurteilte hingerichtet.[10]
3. DIE
JAHRE 1944/45
3.1. Der
Höhepunkt des Partisanenkampfes
Nachdem der Westkärntner Verband Material vom
Slowenischen Hauptstab erhalten hatte, konnte er seine Aktivitäten zu Beginn
des Jahres 1944 erheblich steigern. Es wurden Gendarmerieposten überfallen,
Eisenbahnschienen gesprengt, Telegraphen- und Telefonmasten gefällt,
Nationalsozialisten liquidiert bzw. Flugzettel verstreut und Plakate
angebracht. Die ungefähr 20 westkärntner Ortsausschüsse der Befreiungsfront
wurden im „Kreiskomitee der Befreiungsfront“ vereint. Man knüpfte Verbindungen
zu zahlreichen österreichischen Antifaschisten und erhielt so zuverlässige
Nachrichten über die Bewegungen der deutschen Wehrmacht. Die
Nationalsozialisten entfernten aus Angst vor einer weiteren Zunahme der
Sabotagetätigkeit die slowenischen Arbeiter aus den Kärntner Rüstungsbetrieben
und installierten einen verstärkten Werkschutz.[11]
Die Aktionen des Ostkärntner Verbandes waren zu dieser Zeit
sehr ähnlich. Auch hier fanden zahlreiche Überfälle auf nationalsozialistische
Posten oder Einrichtungen statt. Weiters sollte der Abtransport von Holz
verhindert werden, weswegen die Holzarbeiter ultimativ aufgefordert wurden, die
Wälder zu verlassen, ansonsten würden sie erschossen.[12]
Erst Ende April 1944 gelang es, aus den bis dahin eigenständig operierenden
Verbänden in West- und Ostkärnten die sogenannte „Kärntner Verbändegruppe“ zu
formieren.[13] Zuvor war
Karel Prusnik bereits als Sekretär des Gebietsausschusses für ganz
Slowenisch-Kärnten eingesetzt worden. Über den Winter 1943/44 war auch die
erste effektive Druckerei oberhalb von Matschach eingerichtet worden. Die
Verbreitung von Flugblättern und sogar regelmäßig erscheinenden Broschüren
wurde so erheblich erleichtert und nahm im Laufe des Jahres 44 ständig zu.[14]
Die Partisanen wandten sich in ihren Druckwerken an die slowenisch- und
deutschsprachige Zivilbevölkerung, aber auch an die deutschen Soldaten: „Das
Hitlerreich geht der unvermeidlichen Niederlage entgegen, der Sieg der
vereinigten freiheitsliebenden Völker ist nahe. ... Niemals wurden wir, unsere
Kinder und Frauen so schamlos ausgebeutet und ausgesaugt, als heute durch die
deutschfaschistischen Monopolherren im Hitlerreich. Niemals hat es ein
reaktionäreres, betrügerischeres und grausameres Regime gegeben als das, dass
der deutsche Faschismus über uns errichtet hat.“[15]
In den Schriften der Partisanen wird die Organisation des Befreiungskampfes
erläutert und zum Widerstand gegen das NS-Regime aufgerufen, teilweise forderte
man auch die Vereinigung des Slowenischen Volkes: „Mit diesem seinem Kampf,
durch die Schüsse der Partisanengewehre, hat das Kärntner Volk das
verbrecherische Plebiszit und die unrechtmäßigen Gesetze außer Kraft gesetzt.
Kärnten hat sich dem neuen Jugoslawien angeschlossen.“[16]
Eine besonders wichtige und gefährliche Funktion erfüllten die Kuriere. Neben
der Verbindung zwischen den einzelnen Stützpunkten und dem Transport von
Lebensmitteln ins Partisanenlazarett „Amerika“ zählte auch die Verbreitung des
Propagandamaterials zu ihren Aufgaben. Die Aufrechterhaltung dieser
Verbindungen war vor allem im Winter mit größten Schwierigkeiten verbunden.
Aber auch das Früjahrstauwetter forderte durch Schneelawinen seine Opfer.[17]
Im Juli 1944 nahmen die bewaffneten
Auseinandersetzungen und Sabotageaktionen des Westkärntner Verbandes stark zu,
nachdem die ersten Fallschirmsendungen der Alliierten eingetroffen waren. Zum
Beispiel wurden in Maria Elend einige Meter Eisenbahnschienen zerstört und der
Damm und die Rohrleitung des Feistritzer Kraftwerkes beschädigt.[18]
Aufgrund der hohen Anzahl an Kämpfern waren die Aktionen der Ostkärntner
Partisanen bedeutend umfangreicher. Durch britische Fallschirmabwürfe war eine
ziemlich gute Bewaffnung erreicht worden. Man verfügte über Gewehre,
Maschinengewehre, Maschinenpistolen und sogar Granatwerfer. Es kam in der Folge
zu mehreren schweren Gefechten mit deutschen Kräften.[19]
Im Frühjahr 1944 hatten westkärntner Partisanenabteilungen die Drau
überschritten und sich im schwer zugänglichen Gebiet der Saualpe festgesetzt.
Der englische Major Cahusac, ein Verbindungsoffizier der alliierten
Militärmission, der später in einem Gefecht mit der deutschen Polizei fiel,
hatte sich den Partisanen angeschlossen.[20]
Drei Monate nach den Westkärntnern unternahmen die ostkärntner Partisanen im
Juni 44 ebenfalls einen erfolgreichen Vorstoß ins Gebiet nördlich der Drau, wo
der Gegner durch zahlreiche Aktionen überrascht werden konnte. Im Juli wurde
allerdings der Versuch, weitere Verstärkung über die Drau zu senden, von den
Deutschen verhindert.[21]
Ohne direkte Verbindung zu den Südkärntner Abteilungen ist im Sommer 1944 eine
weitere Partisanengruppe im Gailtal entstanden. Sie zog vor allem Arbeiter aus
Arnoldstein an, die zur Wehrmacht eingezogen werden sollten. Die vorerst nur
äußerst unzureichend bewaffneten Partisanen verschafften sich zunächst durch
Überfälle auf abgelegene SS- und Gendarmerieposten Gewehre. Die Arnoldsteiner
Kommunistische Partei beauftragte schließlich die Gruppe, fluchtbereite
Zwangsarbeiter über die Grenze zu bringen. Monatelang kam es dabei zu keinen
ernsthaften Zwischenfällen, weil sich die Gruppe der Unterstützung der
ansässigen Bevölkerung sicher sein konnte und alle Schleichpfade durch die
Berglandschaft kannte. Durch den Wintereinbruch 1944/45 wurden sie aber
gezwungen, sich im Tal einzurichten, nämlich in der Schütt. Die später deswegen
auch „Schütt-Partisanen“ genannten Widerstandskämpfer errichteten an einer
Wasserstelle einen Bunker, der überdacht und mit Pritschen ausgestattet wurde.
Von hier aus wurden Aktionen gegen das NS-Regime gestartet. Erst im April 1945
hatten Gestapo und Wehrmacht den Aufenthaltsort ihrer Gegner ausfindig gemacht.
Der Bunker wurde nicht gestürmt, vielmehr sollten die ca. 50 Partisanen
ausgehungert werden. Diese wagten jedoch einen Ausbruch, bei dem drei Partisanen
getötet wurden.[22]Eine weitere
im Verband der Slowenischen Befreiungsfront organisierte Widerstandsgruppe war
das sogenannte „1. Österreichische Bataillon“, das auf Initiative zahlreicher
österreichischer Antifaschisten im November 1944 gegründet wurde. Bei einer
Zusammenkunft mit führenden slowenischen Vertretern wurden einige Grundsätze
festgelegt: „Angehöriger des Österreichischen Bataillons ist jeder
Österreicher, der bereit ist, mit der Waffe in der Hand für die Befreiung
Österreichs von der deutschen Okkupation zu kämpfen und sich freiwillig der
Disziplin der Slowenischen Befreiungsarmee unterzuordnen.“[23]
Im März und April des Folgejahres konnten noch ein zweites und drittes
Österreichisches Bataillon formiert werden. Eine wichtige Unterstützung für die
Partisanen waren auch die in zahlreichen Orten entstandenen Frauengruppen. Sie
organisierten Nahrung, Medikamente, Verbandszeug, Kleidung, Papier und andere
für die Versorgung der Widerstandskämpfer unentbehrliche Dinge. Die Frauen
arbeiteten auch als Botinnen oder stellten Aufklärungsmaterial her. Andere
schlossen sich überhaupt den Partisanen an und gingen mit ihnen als
Sanitäterinnen, Köchinnen oder Funkerinnen in die Wälder.[24]
3.2. Die
Bekämpfung der Partisanen
Im Sommer 1944 hatte Heinrich Himmler Teile von
Kärnten zum „Bandenkampfgebiet“ erklären lassen. Wie Slowenien durfte auch
dieses Gebiet ab diesem Zeitpunkt nur mehr mit einer Sondergenehmigung betreten
werden. Die Partisanenbekämpfung sollte mit allen Mitteln erfolgen. So wurde
zum Beispiel Gift an die Bauern verteilt, daß diese den Partisanen ins Essen
schütten sollten, wenn sie vorbeikämen. Einigen Nazispitzeln gelang es auch,
sich für einige Zeit den Partisanen anzuschließen, ihr Vertrauen zu gewinnen
und Namen von Antifaschisten und Sympathisanten in Erfahrung zu bringen.
Daneben gab es auch Provokateure in Partisanenkleidung, die von Haus zu Haus
zogen, um die Reaktionen der Bewohner zu testen. Diese waren ja verpflichtet,
jedes Auftauchen von Partisanen sofort zu melden. Vor allem im Winter lagen die
Vorteile klar auf der Seite der Nationalsozialisten. Sie verfolgten ihre Gegner
mit beweglichen Schitrupps und moderner Ausrüstung, während die Partisanen
unter Mangel an Munition, Medikamenten und Nahrungsmitteln litten und
zusätzlich durch tiefen Schnee behindert wurden. Zur Abwehr legten sie Minen in
ihre frischen Spuren.[25]
Die Nazis gingen bei der Bekämpfung der Antifaschisten also mit äußerster
Brutalität vor. Viele Verletzte, die keine Chance hatten, ein Krankenhaus zu
erreichen, erschossen sich lieber, bevor sie den Nazis in die Hände fielen.
Taten sie es doch, ging es ihnen schlecht. „Dem Sorli Ciril hatten sie auch die
Beine in die Kohle geworfen, der war nackt, ausgezogen, der war dick und die
Beine waren ihm geschmolzen, das Fett rann weg, er war furchtbar zugerichtet.
Aufgeschnitten, der Bauch aufgeschnitten, die Gedärme lagen daneben, so lag er
dort, die Geschlechtsorgane weggeschnitten. Einer hatte ihm noch die Arme zu
den Schultern dazugelegt, aber als wir ihn begruben, sahen wir, daß der Arm
abgeschnitten war.“[26]
„Allen, jeden einzelnen legten sie Daumenschrauben an, die kannten kein Pardon,
auch bei den Frauen nicht. Die Zelle in Dravograd war furchtbar `fein´, ein
Betonboden, die Wände herunter rann unablässig Wasser, da war extra so eine
Leitung gelegt, so daß du dich nirgendwo anlehnen konntest, du mußtest hocken.
Die Zelle hatte kein Fenster. Acht Tage lang wurde ich unablässig verhört. Die
schlugen dich mit Fäusten, mit der Peitsche, mit allem, was sie gerade bei der
Hand hatten.“[27] Im Februar
1945 wurden zur Abschreckung der Bevölkerung die Körper acht mißhandelter
Partisanen einige Tage lang in St. Jakob im Rosental aufgehängt.
Aber nicht nur die Partisanen, auch deren
angebliche und tatsächliche Unterstützer und Angehörigen wurden von den Nazis
verhaftet, mißhandelt und ermordet. Nach nationalsozialistischer Sippenhaftung
haftete die ganze Familie für jedes einzelne Familienmitglied. Wenn ein
Familienangehöriger mit den Partisanen zusammenarbeitete, konnte dessen gesamte
Familie ins Konzentrationslager gesteckt werden.[28]
Am 25. April überfiel eine SS-Patrouille nach einem Gefecht mit Antifaschisten
den einsam gelegenen Persman-Hof in Koprein-Petzen. Der slowenische Bauer Luka
Sadovnik war ein Sympathisant der Partisanen, sein Hof zählte zu den ersten
Stützpunkten der Kärntner Widerstandskämpfer. Die Nazis töteten den Bauern und
zehn weitere Mitglieder seiner Familie, vom Kleinkind bis zur Großmutter.
Anschließend wurde der Hof niedergebrannt. Nur zwei Mädchen überlebten dieses
Massaker.[29] „Als wir am
folgenden Tag ankamen, bot sich uns ein schreckliches Bild: Schon von weitem
rochen wir den Rauch, der aus den Trümmern aufstieg. Es stank nach verbranntem
Fleisch. Nanci lag erschlagen auf dem Hof, ihr jüngstes Töchterl in den Händen.
Ungefähr vier Meter entfernt lag die Leiche Katras, der Schwester des
Besitzers. Neben ihr lagen der älteste Sohn Persmans und sein elfjähriges
Schwesterl. Luka und die Großmutter, die im Haus ermordet worden waren, waren
verbrannt.“[30]
3.3. Die
Situation zu Kriegsende
Im September 1944 hatte der slowenische
Hauptstab beschlossen, seine 14. Division mit den Kärntner Partisanen
aufzufüllen, dafür wurden die beiden Kärntner Verbände aufgelöst und ein großer
Teil ihrer Mannschaft nach Slowenien abgezogen. Immerhin verblieben insgesamt
noch etwa 500 Mann auf Kärntner Boden. Die Lage der Partisanen verschlechterte
sich allerdings im Winter 1944/45 sehr, denn zusätzlich zum Abzug wichtiger
Kämpfer wurde die Kampfkraft ihrer deutschen Gegner durch ihre aus dem Balkan
zurückkehrenden Truppenverbände und die Volkssturmeinheiten erheblich
verstärkt. Dazu kamen noch die unerträgliche Kälte, der Schnee und der
beginnende Nahrungsmittelmangel.[31]
Dieser Winter war mit hohen Verlusten für die Partisanen verbunden, viele
Kuriere liefen in deutsche Fallen oder wurden unter Lawinen begraben. Die
Verbindung zwischen dem Stab des Verbandes und den einzelnen Einheiten konnte
nur mit größter Mühe aufrechterhalten werden. Die meisten angekündigten
Materiallieferungen der Alliierten trafen nicht ein, neue freiwillige Kämpfer
waren kaum anzuwerben. Im Früjahr 1945 bildeten die Slowenen außerdem nur mehr
eine Minderheit unter den Partisanen, eine große Rolle spielten befreite
russische Kriegsgefangene. Gegen Ende des Krieges wurde der Gebietsausschuß der
OF von der Koschuta auf die Matzen verlegt, wo auch die Flugblätter und
Zeitschriften der Partisanen verfaßt und gedruckt wurden. Zu den neuen
Verstecken konnte man nur durch vom Tal aus unsichtbare Bergpfade gelangen,
ansässige Bauern unterstützten die Partisanen. In der Nacht vom 4. zum 5. April
45 entzündeten die Kärntner Widerstandskämpfer auf mehreren Bergen
Freudenfeuer, nachdem bekannt geworden war, daß die Rote Armee slowenischen
Boden betreten hatte. Um diese Zeit gingen die Widerstandskämpfer nach einer
langen Defensivphase auch wieder zum Angriff über. Es wurden u. a. ein
SS-Stützpunkt auf der Saualpe niedergebrannt, Traktoren vernichtet, etliche
Telefonmasten und ein Teil der Bahnstrecke
zwischen Kühnsdorf und Eisenkappel zerstört bzw. einige
Nationalsozialisten liquidiert.[32]
Anfang Mai wurde der Kärntner Verband schließlich beauftragt, nach Ferlach zu
gehen, um den Übergang über die Drau zu überwachen und den Abzug feindlicher
Truppen entlang der Loiblstraße zu verhindern. Ferlach wurde rasch eingenommen
und unter die Verwaltung eines „Antifaschistischen Komitees“ gestellt. Einige
deutsche Regimenter übergaben ihre Waffen freiwillig an die Partisanen, andere
griffen deren Posten an, um Ferlach wieder zurückzuerobern. In den Mittagsstunden
des 11. Mai verweigerte wieder eine größere Einheit die Auslieferung der
Waffen. Ihre Verbündeten, darunter auch Cetniks und eine Ustascha-Division,
rückten mit Panzern Richtung Ferlach vor. Deutschland hatte zu dieser Zeit
bereits kapituliert, aber man wollte sich nicht den Partisanen ausliefern,
sondern zumindest in britische Gefangenschaft gelangen. Die Briten entschlossen
sich, auf Seite der Partisanen in die Kämpfe einzugreifen, dennoch sind in den
Kämpfen um Ferlach an die 180 Partisanen ums Leben gekommen.[33]
Die Nazis und ihre Verbündeten hatten auch nach dem offiziellen Kriegsende am
8. Mai noch mit unverminderter Brutalität zugeschlagen. Brandgranaten wurden
auf Häuser geschleudert, Verwundete totgeprügelt und ihre Leichen in die Drau
geworfen.[34]
Neben den Engländern waren im Mai auch die
Truppen Marschall Titos Richtung Klagenfurt marschiert, um die jugoslawischen
Gebietsansprüche zu untermauern. Die Gebietsforderungen wurden auch mit den
großen Opfern, die von den slowenischen Partisanen während der
nationalsozialistischen Okkupation gebracht worden waren, begründet. Briten und
Jugoslawen beschlagnahmten Gebäude und führten Verhaftungen durch. Mittels
vorbereiteter Listen wurden einige hundert Personen aus Kärnten von
jugoslawischen Soldaten verhaftet und zum Teil auch über die Grenze
verschleppt, wo sie hingerichtet oder in Anhaltelager gebracht wurden. Die aus
Vertretern der ehemaligen österreichischen Parteien bestehende Kärntner
Landesregierung, der Gauleiter Rainer kurz vor der deutschen Kapitulation die
Macht übergeben hatte, war nicht bereit, sich Titos Kommando zu unterstellen.
Schließlich konnte die Krise durch direkte Verhandlungen zwischen den
Alliierten beigelegt werden. Stalin befahl den jugoslawischen Einheiten den
sofortigen Rückzug aus Kärnten, der bis zum 25. Mai realisiert wurde.
Jugoslawien hielt seine Gebietsansprüche allerdings auch nach dem Abzug aus
Kärnten noch eine Zeit lang aufrecht.[35]
Der Partisanenkampf in Kärnten hatte einige
tausend Mann gebunden, von den Mannschaften der Gendarmerieposten und des
Werkschutzes bis zu den SA- und SS-Abteilungen. Diese mußten vielfach extra
nach Kärnten verlegt werden und wurden so einer anderen Verwendung entzogen.
Die Bedeutung des bewaffneten Widerstandskampfes der Kärntner Partisanen bei
der Zerstörung der nationalsozialistischen Herrschaft ist nicht zu
unterschätzen. „Mögen auch über die moralische Vertretbarkeit des
Partisanenkampfes grundsätzliche Auffassungsunterschiede bestehen,
unbestreitbar ist jedenfalls, daß die Partisanen in Kärnten durch die
Beschädigung oder Zerstörung zahlreicher Verkehrs- und
Kommunikationseinrichtungen (Geleise, Brücken, Post- und Telegrafenmasten und
Leitungen, Lokomotiven und Waggons, Straßenfahrzeuge usw.), sowie durch
teilweise erfolgreiche Angriffe auf E-Werke, Sägewerke, Fabriken, Bergwerke
(überwiegend im Mießtal) und deren Energiezufuhr die Kriegswirtschaft und damit
die militärischen Anstrengungen des `Dritten Reiches´ in ihrem begrenzten
Einsatzgebiet beeinträchtigten.“[36]
4. DIE
SLOWENEN IN DER ZWEITEN REPUBLIK
Auch nach dem Ende des Hitlerregimes waren die
Slowenen weiterhin mit großen Problemen und antislowenischen Ressentiments
konfrontiert. Obwohl die Alliierten ausdrücklich einen eigenständigen Beitrag
Österreichs zur Beseitigung des NS-Regimes verlangt hatten und die Kärntner
Partisanen diesen Beitrag geleistet haben, wurden die slowenischen
Antifaschisten sogar von Vertretern der Regierungsparteien als „Verräter“
gebrandmarkt. Als besonders minderheitenfeindlich erwies sich der 1949 in den
Kärntner Landtag und ins Bundesparlament einziehende deutschnationale „Verband
der Unabhängigen“. Die ersten Schwierigkeiten ergaben sich aber schon bei der
Heimkehr der Vertriebenen. Die ersten Rückkehrer wollten die Engländer und die
österreichische Polizei überhaupt nicht nach Kärnten weiterreisen lassen,
sondern nach Deutschland zurückschicken. Erst nach massiven Protestaktionen und
der persönlichen Intervention des Kärntner Landeshauptmannes Piesch wurde die
Weiterfahrt genehmigt.[37]
Die Heimkehrer waren in erster Linie auf die Gutwilligkeit der englischen
Besatzungsmacht und der österreichischen Behörden angewiesen. Die Engländer
hatten die Partisanen sofort abgesetzt und die vor 1938 in Kärnten existierende
Verwaltung wieder einberufen, obwohl es sich dabei fast ausschließlich um
Deutschnationale handelte. Die von den Deutschen bewohnten Höfe der
Vertriebenen wurden größtenteils noch nicht freigemacht oder befanden sich in
einem abgewirtschafteten und desolaten Zustand. Die
Wiedergutmachungskommissionen sprachen den dadurch geschädigten Slowenen nur
unzureichende Beträge, mit denen der tatsächliche Schaden kaum abgedeckt werden
konnte, zu. Noch unzureichender waren die Haftentschädigungen. Der Aufenthalt
in den Lagern der „Volksdeutschen Mittelstelle“ ist lange Zeit nicht
angerechnet worden, nur Haftzeiten in NS-Gefängnissen und Konzentrationslagern
wurden abgegolten. Vielen Slowenen wurden aber auch die ihnen gesetzlich
zustehenden Leistungen einfach verwehrt. Ein Beispiel dafür sind etwa die Fälle
der beiden Frauen Maria G. und Wilhelmine R. (Jahrgang 1926), die nachweisbar
vollkommen gesund in das Frauengefängnis Waldheim bzw. das Konzentrationslager
Ravensbrück eingeliefert worden waren und schwer erkrankt zurückkamen. Ihre
Leiden wurden von einem Arzt als „altersbedingt“ bzw. „anlagebedingt“
eingestuft und damit der Bezug der Opferrente verwehrt.[38]
1957 wurden dagegen alle Nationalsozialisten, die zu weniger als acht Jahren
schweren Kerkers verurteilt worden waren, amnestiert. Ihre Bezüge sind
nachgezahlt und die Dienstzeiten im NS-Staat voll angerechnet worden.
Der Partisanenführer Karel Prusnik wurde vom
englischen Okkupationsgericht zu zwei Haftstrafen in Karlau verurteilt, die er
von April bis Juli 1947 und ab November 1947 für zwölf Monate absitzen mußte.
Letztere Strafe wurde wegen einer Rede bei der Eröffnung des Partisanendenkmals
bei St. Ruprecht bei Bleiburg für 85 auf der Saualm gefallene Partisanen
verhängt.[39] Auch Teile
der Bevölkerung gingen zu dieser Zeit gegen die slowenische Minderheit vor. Sie
bildeten antislowenische Gruppen, die Veranstaltungen der Volksgruppe störten
oder verhinderten, Türen und Scheiben einschlugen und slowenische
Veranstaltungsteilnehmer schwer mißhandelten. „Diese Wurfkommandos existierten
bis 1949/50. Daß jemand von denen bestraft worden wäre, davon hörte ich nichts.
Wenn du in der Nacht eine über den Schädel bekamst, konntest du nicht einmal
etwas beweisen, und wenn so eine Gruppe auftauchte, dann hieß es, es war eine
Wirtshausrauferei. Die Engländer hielten sich aus diesen Sachen heraus.“[40]
1953 wurde das St. Ruprechter Partisanendenkmal von unbekannten Tätern
gesprengt. Nach Kriegsende hatte die „Osvobodilna Fronta“ beim Alliierten Rat
um Zulassung als politische Partei angesucht, um bei den ersten freien Wahlen
der Zweiten Republik im November 1945 antreten zu können. Die Zustimmung wurde
mit der Forderung verknüpft, sich voll und ganz zum Staat Österreich zu
bekennen. Das Provinzialplenum der OF lehnte es ab, die geforderte Erklärung
abzugeben, weswegen der Befreiungsfront jegliche politische Betätigung
untersagt wurde. Die OF gab daraufhin eine Wahlempfehlung für die KPÖ ab, was
zur politisch-ideologischen Spaltung der Kärntner Slowenen beitrug. Ein
erheblicher Teil begann seine Mitarbeit in der SPÖ und der ÖVP, die viele
christlich-konservative Slowenen anzog. Als Gegengewicht zur zunächst in
„Demokratische Front des werktätigen Volkes“ umbenannten Befreiungsfront
bildete sich der ÖVP-nahe „Rat der Kärntner Slowenen“. Etwas grotesk wurde die
Situation, als die sowjettreue KPÖ nach dem Bruch Jugoslawiens mit Stalin
mehrere hundert slowenische Kommunisten aus der Partei ausschloß.[41]
1955 wurde schließlich die Sammelorganisation „Zentralverband Slowenischer
Organisationen“ gegründet, die Wahlempfehlungen für die SPÖ abgab und zusammen
mit dem „Rat der Kärntner Slowenen“ einen aus Vetretern beider Fraktionen
zusammengesetzten Koordinationsausschuß bildete, der zumindest bei für die
Volksgruppe besonders wichtigen Angelegenheiten tätig wurde.
1955 war auch in anderer Hinsicht ein
entscheidendes Jahr für die Slowenen. Auf Druck der Alliierten wurden den
österreichischen Minderheiten im Artikel 7 des Staatsvertrages vom 15. Mai 55
über die Vorstellungen der österreichischen Regierung hinausgehende, umfassende
Rechte gesetzlich zugesichert. Die Slowenen erhielten u. a. das Recht auf
Unterricht in ihrer Muttersprache und auf eigene Mittelschulen festgeschrieben.
Auch sollte slowenisch in allen gemischtsprachigen Gebieten Amtssprache sein.
Die topographischen Bezeichnungen sollten in diesen Gebieten auch in slowenisch
angeschrieben werden. Organisationen, die darauf abzielen, den Slowenen ihre
Minderheitenrechte zu nehmen sollten in Zukunft verboten werden.[42]
Die Gesetzgebung legte die Vorgaben des Staatsvertrages allerdings sehr weit
aus. Zwar wurde 1957 in Klagenfurt die erste Allgemeinbildende Höhere Schule
für Kärntner Slowenen gegründet, doch 1959 wurde der bis dahin in den
gemischtsprachigen Gebieten bestehende obligatorische zweisprachige Unterricht
aufgehoben. Die Eltern mußten ab jetzt ihre Kinder extra zum
Slowenisch-Unterricht anmelden, wenn ihre Kinder diese Sprache lernen sollten,
eine Maßnahme, welche die Gräben zwischen slowenisch- und deutschsprachigen
Kindern wieder aufriß. Die staatsvertraglichen Verpflichtungen hinsichtlich der
zweisprachigen topographischen Bezeichnungen konnten erst im Jahr 1972
eingelöst werden. Die SPÖ-Alleinregierung unter Bruno Kreisky mußte dafür die
Abgeordneten der ÖVP und der FPÖ überstimmen. Das „Ortstafelgesetz“ sah die
Aufstellung von 205 zweisprachigen Bezeichnungen vor und wurde von den
slowenischen Organisationen begrüßt. Doch schon kurze Zeit später sollte es zu
einem weiteren schweren Rückschlag für die österreichische Minderheitenpolitik
kommen. Noch im selben Jahr wurden alle Tafeln von einem aufgehetzten,
deutschnationalen Mob zerstört, Bundeskanzler Kreisky wurde bei einem Besuch in
Kärnten sogar tätlich angegriffen. Die daraufhin einberufene
„Ortstafelkommission“[43]
wurde von den Vertretern der slowenischen Volksgruppe boykottiert, weil die ÖVP
den stellvertretenden Obmann des Kärntner Heimatdienstes nominiert hatte. Eine
Wiedererrichtung der Ortstafeln erfolgte nur mehr in sehr bescheidenem Rahmen
und nur in Gebieten mit sehr hohem Prozentsatz an slowenischer Bevölkerung.[44]
Als die FPÖ, die ideologische Nachfolgepartei des Verbandes der Unabhängigen,
mit Jörg Haider zum ersten Mal den Landeshauptmann stellte, spitzten sich die
Auseinandersetzungen ,vor allem im Bereich des Schulwesens, weiter zu. Bereits
1984 hatte die FPÖ ein vom Kärntner Heimatdienst initiiertes Volksbegehren
gegen das mehrsprachige Schulsystem unterstützt. 1990 weigerte sich Haider
außerdem, vom Bundespräsidenten verliehene Ehrenzeichen für Verdienste um die
Befreiung Österreichs an Widerstandskämpfer zu übergeben.[45]
Des öfteren stellt der FPÖ-Chef seine Abneigung gegenüber den
antifaschistischen Befreiungskämpfern zur Schau und demonstriert in gleicher
Weise seine Sympathie für die Angehörigen der Deutschen Wehrmacht. Mit einem
Erstummen antislowenischer Stimmen in Kärnten ist wohl noch lange nicht zu
rechnen.
FAZIT
Der Partisanenkampf in Kärnten war der größte
Widerstandskampf gegen das NS-Regime auf österreichischem Boden. Angesichts
jahrzehntelanger Diskriminierung und Assimilierung, zu denen zuletzt auch noch
die Vertreibung aus der Heimat kam, ist die der Befreiungsbewegung von der
slowenischen Bevölkerung entgegengebrachte Sympathie nur allzu logisch und
verständlich. Auch wenn so mancher Aktivist für die Vereinigung aller Slowenen
gekämpft hat, so waren doch alle Partisanen in erster Linie Kämpfer für die
Beseitigung der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft. Und zur
Erreichung dieses Zieles haben die Kärntner Widerstandskämpfer einen wichtigen
und unbestreitbaren Beitrag geleistet.
Die deutschnationale Grundstimmung innerhalb
großer Teile der Kärntner Bevölkerung führte auch in der Zweiten Republik zu
einer bis heute anhaltenden antislowenischen Kontinuität, die durch Übergriffe,
den Schulsprachenstreit, den „Ortstafelsturm“, und nicht zuletzt auch durch die Politik Jörg Haiders zum Ausdruck
kam.
Literaturverzeichnis
* Dokumentationsarchiv des österreichischen
Widerstandes (Hg.), Spurensuche. Erzählte Geschichte der Kärntner Slowenen
(Wien 1990)
* Irene Rath, Die Partisanenbewegung in Kärnten
1942-1945 (Diplomarbeit an der Universität Wien 1986)
* Josef Rausch, Der Partisanenkampf in Kärnten
im Zweiten Weltkrieg (=Militärhistorische Schriftenreihe Heft 39/40-1997)
* Karel Prusnik-Gasper, Gemsen auf der Lawine.
Der Kärntner Partisanenkampf (Ljubjana/Klagenfurt 19813)
* Verband der Kärntner Partisanen,
Antifaschistischer Widerstand in Kärnten (Klagenfurt 1994)
* Kärntner Tageszeitung 3.5.1995 (Der Weltkrieg
erreicht Kärnten)
* Mirko Bogotaj, Die Kärntner Slowenen
(Klagenfurt/Wien 1989)
* Hans-Henning Scharsach, Haiders Kampf (Wien
1992)
verwendete Akten des
Dokumentationsarchives des Österreichischen Widerstandes
DÖW 80
DÖW 3755
DÖW 4082
[1]
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.), Spurensuche.
Erzählte Geschichte der Kärntner Slowenen
(Wien 1990) S. 17f.
[2] Ebd. S.
19-25.
[3] Ebd. S.
92f.
[4] DÖW,
Spurensuche S. 146f.
[5] Das
Gebiet Oberkrain, das bis vor Ljubjana reichte, wurde dem „Gau Kärnten“
angeschlossen.
[6] Irene
Rath, Die Partisanenbewegung in Kärnten 1942-1945 (Diplomarbeit an der
Universität Wien 1986) S. 26ff.
[7] Ebd. S.
55ff.
[8] Ebd. S.
68ff.
[9] Ebd. S.
77ff.
[10]DÖW,
Spurensuche S. 311.
[11]Rath,
Partisanenbewegung S. 73ff.
[12]Ebd. S.
85.
[13]Josef
Rausch, Der Partisanenkampf in Kärnten im Zweiten Weltkrieg (=
Militärhistorische Schriftenreihe Heft 39/40-1979) S. 42.
[14]Rath,
Partisanenkampf S. 92.
[15]DÖW 80
[16]DÖW 4082
[17]Karel
Prusnik-Gasper, Gemsen auf der Lawine. Der Kärntner Partisanenkampf
(Ljubjana/Klagenfurt 19813) S. 331f. u. S. 357.
[18]Rausch,
Partisanenkampf S. 47f.
[19]Ebd. S.
57f.
[20]DÖW 3755
[21]Prusnik,
Gemsen S. 288ff.
[22]Rath,
Partisanenbewegung S. 98f.
[23]Prusnik-Gasper,
Gemsen S. 341.
[24]Rath,
Partisanenbewegung S. 82f.
[25]Rausch,
Partisanenbewegung S. 70.
[26]DÖW,
Spurensuche (Stefan Paul) S. 314.
[27]DÖW,
Spurensuche (Milan Piskernik) S. 320.
[28]Verband
der Kärntner Partisanen, Antifaschistischer Widerstand in Kärnten (Klagenfurt
1994) S. 36.
[29]Ebd. S.
43f.
[30]Prusnik-Gasper,
Gemsen S. 367.
[31]Rausch,
Partisanenkampf S. 65ff.
[32]Ebd. S.
71./76.
[33]Verband
d. Kärntner Partisanen, Widerstand S. 79ff.
[34]Prusnik-Gasper,
Gemsen S. 379ff.
[35]Kärntner
Tageszeitung 3.5.1995 (Der Weltkrieg erreicht Kärnten)
[36]Rausch,
Partisanenkampf S. 84.
[37]Mirko
Bogotaj, Die Kärntner Slowenen (Klagenfurt/Wien 1989) S. 112.
[38]DÖW 80
[39]Karel
Prusnik-Gasper, Gemsen S. 404.
[40]DÖW,
Spurensuche (Milena Gröblacher-Vanda) S. 381.
[41]Bogotaj,
Kärntner Slowenen S. 113-115.
[42]Ebd. S.
123.
[43]korrekt:
„Studienkommission für Probleme der Slowenischen Volksgruppe beim
Bundeskanzleramt“
[44]Bogotaj,
Kärntner Slowenen S. 137-139.
[45]Hans-Henning
Scharsach, Haiders Kampf (Wien 1992) S. 163ff.