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   2 Die IL-28 in der DDR
Auf Befehl des Ministers für Nationale Verteidigung wurde im Jahr 1959 für die NVA eine spezielle Zieldarstellungsstaffel gebildet und mit dem Flugzeugtyp IL-28 ausgerüstet. Ihre Aufgabe bestand zunächst darin, für diesen Typ die entsprechenden Besatzungen auszubilden, um später für die Jagdfliegerkräfte als Luftziele - insbesondere in geringen Höhen - zu handeln.
In erster Linie war jedoch die Zieldarstellung für die Truppenluftabwehr sicherzustellen. Dazu flogen die IL-28 dieser Zweckbestimmung mit einem Luftsack im Schlepp, auf den die Fla-Waffen vom Kaliber 14,5 mm bis 100 mm scharf schossen.
Die ersten Luftsackschleppflüge begannen im Frühjahr 1960. Für diese Aufgabe führte die IL-28 im Bombenschacht - in die standardmäßige Vorrichtung eingeklinkt - einen zusammengerollten textilen Luftsack mit. Ausgerollt stellte er eine 8 m lange und 1 m dicke zigarrenförmige Stoffhülle dar. Außer dem Luftsack befand sich im Bombenschacht eine Trommel mit einem 2000 m langen und 4 bis 5 mm starken Stahlseil.
Hatte das Flugzeug den Handlungsraum erreicht, fuhr der Flugzeugführer die Landeklappen auf die Stellung 15° aus und verringerte die Fluggeschwindigkeit auf 280 km/h. Damit sollte verhindert werden, dass der sich entfaltende Luftsack abreißt oder selbst zerreißt. Durch Betätigung des Bombenknopfes löste der in der Bugkanzel sitzende Navigator das Ausfahren des Luftsackes aus. Mit diesem zusammen zog sich das Seil heraus. Mit Hilfe einer Fliehkraftbremse an der Seiltrommel wurde einem zu starken Entfaltungsstoß entgegengewirkt. Nach zwei bis drei Minuten konnte der Schütze in der Heckkanzel melden, dass sich das Seil mit dem Luftsack voll ausgerollt hatte. Danach konnte der Flugzeugführer die Geschwindigkeit auf 400 bis 420 km/h erhöhen und die Flak-Stellung anfliegen.
il-28_1.jpg Da die 57-mm-Flak S 60 mit der Geschützrichtstation automatisch feuerte, waren im Luftsack Aluminium-Kegel eingelassen, um die benötigte reflektierende Fläche zu schaffen. Mehrmals ist von der sehr präzise feuernden Flak der Luftsack abgeschossen worden.
Selbstverständlich gab es Festlegungen, um die Sicherheit der Flugzeugbesatzungen unter allen Bedingungen zu gewährleisten. Bis zur Außerdienststellung der letzten IL-28 dieser Zieldarstellungsstaffel im Oktober 1982 ist es deshalb auch zu keinem ernsthaften Zwischenfall gekommen.
Hatte die IL-28 ihre Aufgabe erfüllt, flog sie den eigenen Flugplatz an und warf an der dafür vorgesehenen Stelle das Seil mit dem dranhängenden Luftsack mittels einer pneumatischen Vorrichtung (für den Notfall gab es eine pyrotechnische Kappeinrichtung) ab. Das Seil konnte für einen erneuten Flug aufgetrommelt werden. War der Luftsack nicht zu stark beschädigt, ließ sich auch dieser erneut verwenden.
Als genügend Erfahrungen vorhanden waren, flogen die IL-28 für die Fla-Waffen der Schiffe der Volksmarine ebenfalls Zieldarstellung. Außerdem warfen sie Leuchtbomben ab, die zum Training von Fla-Waffen-Bedienung im scharfen Schuss dienten.
Eine weitere Aufgabe der IL-28-Besatzungen bestand zeitweilig darin, Fallschirme zu erproben. Dazu wurden mit Sand gefüllte Blechpuppen samt Fallschirmen in dem Bombenraum gehängt und aus unterschiedlichen Höhen, bei verschiedenen Lagen und Geschwindigkeiten abgeworfen, bevor mit den Schirmen eine Mensch absprang. Die für alle hier genannten Aufgaben verwendeten Flugzeuge wurden im Originalzustand geflogen. Einen Umbau für die Zieldarstellung gab es nicht. Alle von dieser Staffel verwendeten Modifikationen (siehe Versionen) wurden von den ehemaligen Besatzungen als äußerst zuverlässige, robuste, einfach zu bedienende und zu wartende Maschinen bezeichnet.
Die letzte IL-28 der NVA ist am 20. Oktober 1982 von ihrem Einsatzflugplatz zur Offiziershochschule des LSK/LV für Militärflieger überführt worden, wo sie an der Traditionsvorstartlinie ausgestellt war. In der NVA hat die L-39V später die Aufgaben der IL-28 übernahm.

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