Erstveröffentlichung im geschützten Bereich des: Leuchtturm
Als Träger eines Keuschheitsgürtels muss ich mich auch damit auseinander setzen, wann denn nun wieder aufgeschlossen wird. Per se gehört es zum Spiel, dass die Schlüsselhalterin immer lange Tragezeiten androht. Und als Sub muss ich mich dann entscheiden, was zu lang ist.
Anfangs wollte ich mir einen Orgasmus innerhalb einer gewissen Frist geradezu vertraglich zusichern lassen. Aber ich habe schnell eingesehen, dass da gar keine Freude am Spiel aufkommt. Also habe ich mir ein festes Reinigungsritual versprechen lassen mit kurzem Aufschluss einmal die Woche.
In der Ehe habe ich eher nach längeren Tragezeiten verlangt, die meine Frau gar nicht bereit war mir zu gewähren, weil sie viel mehr gesundheitliche Bedenken hatte als ich selbst. Leider haben wir für meinen Geschmack zu selten mit dem KG gespielt.
Jetzt, wo das alles in die Grütze gegangen ist, habe ich den KG wieder aus dem Schrank geholt und verwalte die Schlüssel selbst.
Zum einen habe ich in den vergangenen Monaten unzählige Tage und Wochen Erfahrungen gesammelt, und zum anderen habe ich mich auch mit meinen Wünschen und der Theorie dahinter erneut auseinander gesetzt.
Prinzipiell will ich immer noch keinen Dauerverschluss und habe nach wie vor Angst davor. Doch auf der anderen Seite, will ich auch den ultimativen Kick, absolut nicht mehr gefragt zu werden.
So versuche ich gerade, zum einen praktisch um den Freigang zur Grundreinigung herum zukommen. Es ist nicht wirklich so, dass man sich als Verschlossener nicht sauber halten könnte. Und mit der Zeit lerne ich mich immer besser mit und in dem KG zurechtzufinden. Ein Vollbad ist wirklich gleichwertig zu einer Öffnung mit anschließendem Duschen.
Aber besonders für mein Denken ist das ein enormer Schritt. So werden zum einen wirklich unbegrenzte Verschlusszeiten möglich, wie sie mich in der Fantasie sehr anmachen und wie ich sie doch so sehr fürchte.
Weiter habe ich keinerlei Anspruch mehr auf eine Öffnung. Das ist besonders brisant, weil ich bisher tief im Hinterkopf noch eine Notbremse darin gesehen habe. Eine Woche ist eine überschaubare Zeit und bei jedem Aufschluss könnte ich dann erneut bewusst für die nächste Woche zustimmen. Dazu müsst ihr wissen, dass niemand mir den KG gegen meinen Willen richtig anlegen kann. Also könnte auch niemand mich wieder hineinzwingen.
Es ist jetzt nicht so, dass ich mich damit total aufgebe, denn das Ganze steht natürlich innerhalb eines SSC Rahmen. Allerdings ist so bedeutsam daran, dass ich den letzten "legalen" Weg innerhalb des BDSM-Spiels aufgebe, einen Aufschluss einzufordern.
Unangetastet und vom Kopfkino gern ausgeblendet bleibt natürlich der medizinische Notfall, genauso wie ein Ausbruch aus dem Spiel selbst oder gar die Zerstörung des KG.
Jetzt fehlt eigentlich nur noch, ein letztes Schlupfloch zu stopfen. Wenn ich durch Langzeit-Tragen mir und meiner zukünftigen Schlüsselhalterin beweisen könnte, dass ich den KG wirklich auf Dauer ohne Schaden (er-)tragen kann, dann könnte ich keine medizinischen Zwischenfälle mehr faken, um so einen Aufschluss zu erzwingen, denn es wäre dann ja eindeutig meine eigene Schuld, dass es soweit gekommen ist und entsprechend könnte ich es nicht auf die Unzulänglichkeiten des KG schieben. Die Strafe müsste dann entsprechend drakonisch ausfallen: Zum Beispiel 6 Monate KG-Entzug ... das würde mich glaube ich schwerer treffen, als 6 Monate Dauerverschluss.
Eigentlich war die Frist von einer Woche bislang keine physiologische Grenze, sondern eine willkürlich gesteckte Obergrenze aus Angst vor der Unendlichkeit, die dahinter lauert. Ich musste wohl erst in einem kleinen Becken das schwimmen lernen, bevor ich mich mit den Dimensionen eines Ozean auseinander setze.
Rein praktisch weiß ich jetzt schon, nach nur wenigen Wochen Dauerverschluss, dass da nicht mehr viel spannendes kommen kann. Insofern halte ich meine bisherigen Erfahrungen für durchaus skalierbar auf längere Perioden. Aber Probieren geht bekanntlich über Studieren. Und so lasse ich in Zukunft immer mehr "Grundreinigungen" ausfallen, um nicht der Versuchung zu erliegen, trotz Keuschheitsgürtels an mir rum zuspielen ;-)
Rückblickend habe ich mich drei Monate durchgehend verschlossen und musste auch dann keineswegs abbrechen. Vielmehr fand ich es an der Zeit, dass ich mir endlich einen Orgasmus verdient habe. Außerdem möchte ich gar kein olympisches Fieber ausbrechen lassen; keine Jagd nach immer längeren Rekorden.
Ein Erlebnis der ganz besonderen Art ist auch, dass ich jetzt tatsächlich nach etwa eineinhalb bis zwei Monaten feuchte Träume erlebt habe, trotz Keuschheitsgürtel! Den Orgasmus selbst habe ich verpennt, bzw. nur noch das letzte Auspumpen im Halbschlaf mitbekommen. Dafür war die Schweinerei, die unten aus dem Urinabfluss tropfte um so eindeutiger.
Es waren durchweg außergewöhnliche Nächte, denen jeweils ein heißer Chat oder auch eine zusätzliche Selfbondage in Kombination mit einer heißen Geschichte voran ging. Ich will damit nicht sagen, dass ich auf diese Weise einen Orgasmus trotz KG bewusst herbeiführen kann. Es sind lediglich begünstigende Faktoren neben der Dauer. Bei Bewusstsein baut sich sofort eine halbe Erektion auf, die durch den Druck die Harnröhre abklemmt. Ich kann nur spekulieren, dass in der Nacht entweder der erotische Traum so überwältigend plötzlich ist, dass keine Zeit mehr für eine Erektion bleibt; oder aber, dass nach Wochen so viel Sperma angestaut ist, dass es auch ohne große sexuelle Stimulation einfach ausläuft.
Es war übrigens seltsam zu sehen, dass sich doch tatsächlich eine Staubschicht auf dem Schlüssel abgelegt hatte.
Jetzt, da die Skala so weit aufgespannt ist, ist noch eine andere Angst gefallen. Über solche Zeiträume ließ sich die intensive Konfrontation mit Familie und Verwandten nicht vermeiden. Auch wenn ich bereits genügend Erfahrungen mit anonymer Öffentlichkeit gesammelt hatte, so war es doch ein besonderer Kick, dass Menschen mit denen man mehrere Tage am Stück zusammen lebt, es nicht merken; trotz Gartenarbeit und anderer anspruchsvoller Tätigkeiten. Sogar meine Neffen hatte ich auf dem Arm.
Fazit: Dauerverschluss ist problemarm machbar und keineswegs utopisch. Allerdings wird es nach einer Woche ohne entsprechende Stimulation schnell langweilig.