Erstveröffentlichung bei: kgforum.forenet.org
Scherge hat einen billigen Keuschheitsguertel auf ebay erworben. Haendler wie Frank Gerecke beschweren sich über die Billigkonkurrenz.
| Zitat: für ein bißchen gepreßtes und geklebtes Plastik |
Da stellt sich natürlich auch gleich die Frage nach den Stückzahlen. Wie viele CB2K wurden wohl schon verkauft? Darüber muss ja schließlich die Maschine finanziert werden, mit der das Plastik in Form gepresst wird. Das kann man sicher nicht mit den Stückzahlen für Kugelschreiber und Plastiklöffel vergleichen. Entsprechend muss auch in jedem Einzelstück ein höherer Anteil für die Fertigung einkalkuliert werden.
Weiterhin denke ich, dass die Automatisierung beim CB2K noch nicht vollkommen ist. Das hängt wieder an den Stückzahlen. Hier lohnt sich die Automatisierung noch nicht. Also müssen irgendwelche Handarbeiter die KG's zum Beispiel verpacken. Und die wollen auch ihren Tariflohn sehen.
Noch mal zum Perversenzuschlag: Hier sehe ich vor allem die Spanne zwischen verschiedenen Händlern, die unter gleichen Bedingungen Fantasiepreise nehmen. So kann man für ein Paar Standard-Handschellen im Sexshop um die Ecke gut und gerne 50 Euro oder sogar mehr lassen. Im Military-Internetshop sieht man das gleiche Modell dann für 15 Euro. Aber trotzdem zahlen beide Steuern davon. Nur, dass das eine Paar Handschellen wahrscheinlich schon seit drei Jahren im Sexshop rumlag, während das andere vor ein paar Wochen frisch aus Taiwan kam.
Es liegt also einzig und allein in der Verantwortung von uns als Kunden, das günstigste Angebot zu finden und Fantasiepreise zu boykottieren. Der Händler muss einzig abschätzen, ob er seien Profit über die Dummheit einzelner Kunden, oder über die Masse zufriedener Kunden machen will. Dafür kann der Händler prinzipiell jeden Preis verlangen, solange er im gesetzlichen Rahmen bleibt (Stichwort Wucher). Das ist nur möglich, wegen dieser Faktoren:
Der Kunde will anonym bleiben, weil es vermeintlich pervers ist. Deswegen steht er dem Händler meist vollkommen allein gegenüber und ist nervös. Alles soll schnell gehen und bloß nicht ansprechen lassen. Oder wer von Euch hat mit seinem Vater mal den aktuellen Handschellenpreis diskutiert?
Der Kunde hat eine persönliche, sehr hohe Wertvorstellung für seinen Fetisch, die fast losgelöst scheint vom Warenwert.
Sexartikel sind noch nicht alltäglich. Besonders, wenn man als junger Erwachsener erst in diese Welt hineinwaechst. Es besteht also keine vernünftige Preisvorstellung beim Kunden.
Sexartikel werden meist nur einmal fürs Leben angeschafft. Wer einmal die Woche Milch kauft, regt sich über drei Cent Preiserhöhung auf. Bei Sexartikeln fehlt die ständige Marktanalyse, um Schwankungen und Schnäppchen zu erkennen.
Aus dem selben Grund fehlt das Gefühl für Qualität. Der Kunde bemerkt erst zu Hause, was er sich für einen Ramsch andrehen lassen hat.
Warum kommen die Handschellen eigentlich aus Taiwan? Na, um einmal bei den Handarbeitern und zum anderen bei den Steuern zu sparen. Wenn die Stückzahlen des CB2K irgendwann mal die erste Milliarde voll machen, wenn also ein CB2K auf drei Männer der Erdbevölkerung kommt, wenn der Herstellungsprozess vollkommen automatisiert ist, und die Produktion in ein Billiglohnland verlagert wurde, wenn der Aldi uns am Mittwoch mit einem Supersonderangebot versorgt, dann bin ich fest davon überzeugt, dass man den CB2K tatsächlich auf seinen Materialwert reduzieren kann. Aber das ist wohl noch ein langer Weg ...
Im übrigen halte ich den Shut oder andere Produkte von Gerecke auch nicht für viel komplizierter als eine Handschelle. Wenn also erst mal eine Maschine steht, die Franks Lebens-Produktion an KG's in der Stunde auswirft, dann werden auch da die Preise ins Bodenlose purzeln. Aber soweit wird es wohl nicht kommen...
Und so bezahlen wir auch weiterhin für seine Handarbeit und seine innovativen Ideen zusammen mit den angebotenen Serviceleistungen. Wie schon erwähnt kann sich da der Hobbybastler, der sich vor dem Finanzamt drückt zwar manchmal durch mogeln Aber auf Dauer wird das keine Gefahr für Euch Händler und Hersteller sein! Hat sich mal irgendjemand gefragt, warum der Schmied von Scherge kein Interesse hat, noch so ein Ding zum Studentenpreis zu basteln? Wahrscheinlich hat er sich finanziell mächtig verrechnet und noch drauf gezahlt in Form von Überstunden. Außerdem steigt mit jedem schwarz verkauften KG sein Risiko beträchtlich.
Wie hießt es so schön: "Freie Marktwirtschaft", alles eine Frage von "Angebot und Nachfrage". Anstatt also über Preise zu lamentieren, sollten wir Kunden mit unsere Nachfrage das Angebot nach unseren Vorstellungen formen. Wer Glück hat, bekommt ein gutes Angebot wie Scherge, wer zu viel riskiert, fällt damit auf die Nase. Wer auf der anderen Seite sich nicht informiert, der zahlt drauf. Das war schon immer so. Und noch ein Gesetz, das man schon mal gehört hat ist: "Qualität hat ihren Preis!" Manchmal schlägt es sich im edlen Material nieder. Dann wieder hängt es von der Verarbeitung, im Speziellen also der Handarbeit ab.