Erstveröffentlichung bei: Janina

Vorangegangen war die Idee, bei Kontaktanzeigen fuer SMler eine Rubrik fuer "Switcher" neben "Top sucht sub" und "sub sucht Top" einzufuehren.

Was ist denn ein "Switcher"

Was andere als Switcher bezeichnen ist mir relativ egal. Ob nun Teilzeitswitcher, oder ob man nur fuer einige Stunden es mal ausprobiert, oder aber mit der neuen Parnerin eine neue Rolle findet. Du hast schon recht, dass es ein Widerspruch ist, dass man nicht gleichzeitig dominant und devot fuehlen kann. Und genau dieser Wechsel wird ja durch das Wort "Switch" wunderbar zum Ausdruck gebracht. Einzig interessant sind doch die Fragen, wie oft, wie und bei welcher Gelegenheit der Uebergang erfolgt. Eigentlich sollte jeder Sklave mal ausprobiert haben, wie es auf der anderen Seite der Peitsche aussieht. Und auch jeder Top sollte sich mal seine eigene Behandlung gefallen lassen. Das foerdert nicht nur das Verstaendnis, sondern macht auch alle SMler, die es mal ausprobiert haben zum Switcher (per mathematischer Definition:-)

Mich reizt besonders der Moment, in dem beide auf Augenhoehe miteinander ringen und dann ausreizen, wer in welche Rolle faellt. Wann immer vorher feststeht, wer gewinnt, dann finde ich das einfach nur langweilig. Mit einer kriecherischen, sklavischen, willenlosen Untergebenheit kann ich nicht so richtig was anfangen, genauso, wie ich selber immer "aufmuepfig" bin. Im Grunde brauche ich eine Widersacherin, die meine Schwaechen sieht und sich von der Skalvin zur Domina erhebt. Anderherum nutze ich dann aber auch ihr Schwaecheln, um selber wieder Herr der Lage zu werden. So ein Switch kann gerne in die Session eingebaut werden. Deswegen sehe ich mich selbst als Switcher.

Ein Switch ist dabei keineswegs eine Respektlosigkeit, sondern ein Angebot an die Partnerin: "Hey, Du bringst es gerade nicht, darf/soll ich?" Wenn ich bockig bin, dann ist das die nonverbale Frage gleichen Inhalts. Entscheidend ist ihre Reaktion darauf. Entweder es wird getauscht, oder sie dreht noch mal richtig auf oder aber (und das ist ganz subtil) sie ignoriert es und setzt sich so keinerlei Leistungsdruck aus.

Viele "normale" SMler sehen darin ein "topping from the bottom". Ich finde, der Unterschied liegt darin, dass ich sie nicht manipulieren will, a la: "Irgendwo habe ich doch auch noch Fussschellen?!?" und so hinterhaeltig um eine strengere Fesslung bettel. Vielmehr habe ich gerade selbst eine dominante Phase, liege aber in Ketten. Spannend wird es, wenn beide gleichzeitig ihre Phase kriegen. Wollen beide gerade beherrschen, dann kommt es zu einer Art Kampf. Sind beide devot drauf, wird daraus leicht ein kuschliges Bluemchensexerlebnis. So eroeffnet sich meines Erachtens nur dem Switcher die volle Breite aller Moeglichkeiten. Dafuer lebt man mit dem Vorwurf, nirgendwo in die Tiefe gehen zu koennen.

Als Reaktion habe ich darauf schon so einiges gelesen. Zum Beispiel wird man (geruechteweise) als SMler nicht fuer voll genommen, weil Switcher zum einen nicht gerade bekannt sind fuer die haertesten Praktiken (sie muessen ja fuerchten, dass sich die SklavIn raecht:-). Im gleichen Atemzug wird dann auch noch abgesprochen, dass ein Switcher diese Dinge ueberhaupt ertragen koennte. Ausserdem heisst es ab und zu, man koenne sich nicht richtig entscheiden, wie ein ewiger Anfaenger, der immer noch am Ausprobieren ist. Woher dieser Eindruck kommt, kann ich nicht verstehen... Und begruenden kann es auch keiner, oder?

Und dann wieder habe ich Reaktionen gefunden, von Leuten, die durchaus tolerant anerkennen, dass ich machen kann, was ich will. Aber bei dem Gedanken, sie muessten es mir gleich tun und in die andere Rolle wechseln, drehte sich ihnen der Magen um. Sie haben die Vorstellung, dass ein Switcher nur mit einem anderen Switcher gluecklich werden kann und daraus leiten sie zwangslaeufig ab, dass sie niemals zu einem Switcher passen koennten. Aber ich sehe darin keinen Grund, einen Switcher abzulehnen. Vielmehr ist er doch eigentlich zu allen kompatibel, egal ob devot oder dominant. Und wenn sich eine Beziehung entwickelt, dann kann es ja durchaus vorkommen, dass man sich immer mehr auf eine Rolle festlegt. Und irgendwann weiss keiner mehr, dass es auch einmal andere Seiten gab. Vielleicht ist das Chamaeleon Euch aber auch unheimlich?

Ich sage ja gar nicht, dass es mir nicht tierisch fehlen wuerde mal wechseln zu koennen; wenigstens im Moment. Aber auf der anderen Seite, koennte ich mir auch vorstellen, dass ich mich weiterentwickle, oder aber *DIE EINE RICHTIGE* mir meine Flausen austreibt:-) Ob das das Ende des Switchens ist, weiss man genauso wenig, wie man beantworten kann, ob die Beziehung wirklich bis in den Tod haelt. Bis es zu so einer Festlegung kommt, kann es doch auch mal frischen Wind bringen, weil der Switcher von Natur aus dem Spiel mit dem Spiel aufgeschlossen ist. Ich behaupte, mit mir kann man so ziemlich alles machen. Anderherum biete ich auch die volle Palette dessen, was moeglich ist. Ich kann nur mutmassen, dass das den "eindimensionalen" SMler schlicht und ergreifend ueberfordert.

Das Spektrum reicht also von Ablehnung ueber Ekel bis zu Toleranz und friedlicher Koexistenz. Dummerweise ist mein persoenlicher Eindruck, dass der Switcher damit innerhalb der Randgruppe SMler noch mal eine Minderheit bildet.

Auf der anderen Seite gibt es Kontaktanzeigen mit den vorgefertigten Rubriken "devot" und "DOMINANT". Ich vermute, dass eine Rubrik "SwItCh" sich nicht lohnen wuerde, weil rein zahlenmaessig nicht das Interesse besteht. Hier kommt es sicher auf den Versuch an.

Im kgforum wurde erst letzten Monat der Status Switcher eingefuehrt. Dennoch bleibt die Unsicherheit, wie man mit uns umgehen soll. Im Moment haben die Switcher Zugang zu den geheimen Sub-boards. Wer natuerlich von der dominanten Seite kommt vermisst dann die Diskussionen im geheimen Board der Tops.

Deine Vermutung, dass ein so enormer Prozentsatz gerne devot sein wuerde, kann ich nicht bestaetigen. Natuerlich kann man als Sub alle Verantwortung abgeben und ist jeglicher Plannungs- und Vorbereitungspflichen enthoben. Aber andersherum empfinde ich das nicht als laestige Pflicht eine Session vorzubereiten. Im Gegenteil, es beschaeftigt meine Fantasie schon lange vorher und bereitet mir ein diebisches Vergnuegen, der Partnerin z.B. eine Falle zu stellen.

Dennoch gebe ich zu, dass es fuer eine "konvertierte" Vanilla leichter ist in die passive Rolle zu finden (vielleicht aus Mangel an einschlaegigen Fantasien). Und da wir ja an chronischem Frauenmangel leiden, mag sich so auch Dein Eindruck erklaeren. Mancher "Not-Top" (dt. "Not" nicht engl. "nicht") sagt sich, besser eine Vanilla als gar keine (Spiel-)Partnerin.

Fazit: Ich suche sowohl bei den Dommes, wie auch bei den Subbies und verdopple somit die fuer mich moeglichen Kontakte. Vordergruendig wichtig ist mir dabei, dass sie weiblich ist und eine feste Beziehung sucht.

Soweit mein Appel an die Damen, Switcher nicht nur zu tolerieren, sondern auch als potentielle Partner zu akzeptieren.

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