Erstveröffentlichung im geschützten Bereich des: Leuchtturm
Hallo Keuschlinge und solche, die es werden wollen :-)
Da muss ich doch mal gleich aufräumen. Keuschheitsgürtel wurden im Mittelalter höchstwahrscheinlich NICHT getragen, sofern sie überhaupt bekannt waren. Zum einen erlaubten die Materialien so etwas nicht, weil der Rost schon bald die Haut verletzt hätte und mit den damaligen hygienischen Standards wäre das ein Todesurteil.
Aber auch, die Tragedauern, die nötig sind, damit der Ritter in der Zeit einen Kreuzzug absolvieren kann werden heute nur von Hardcore-KG-Trägern erduldet.
Sollte es sie gegeben haben, dann wohl eher, weil sich die Damen als Vergewaltigungsschutz selbst (stundenweise) verschlossen haben für die Reise oder in der heißen Phase einer Belagerung.
Viele der vermeintlich "uralten" Gürtel sind Nachbauten aus dem 19. Jahrhundert, als das Thema Keuschheit zum gesellschaftsfähigen Umweg wurde, um doch über Sex reden zu können.
Ach und zu der Frau im Flugzeug fällt mir noch ein: Es gibt verschiedene Modelle ganz aus Plastik unsichtbar für Metalldetektoren.
Aber auch die würden auffallen, wenn es zu einer Abtastung kommen würde. Eigentlich werden dabei die untersuchenden Beamten bewusst mit der eigenen, etwas anderen Sexualität konfrontiert. Und das finde ich daran nicht in Ordnung. Nur weil ich SMler bin stelle ich mich auch nicht in die Fußgängerzone und halte meine Session ab. Somit habe ich "moralische" Probleme mit dieser Anwendung.
Hygiene ist natürlich auch heute bei den modernen Modellen ein kontrovers diskutiertes Problem. Das hängt aber inzwischen sehr vom persönlichen Empfinden ab, denn verschiedene Leute haben mich schon sehr glaubhaft davon überzeugt, dass eine echte Langzeitanwendung machbar ist. Das deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen. Gerade in letzter Zeit beschäftige ich mich mit der Frage nach einer prinzipiellen Ober-Grenze und gleichzeitig erweitere ich meine "Rekord-Dauer" auf inzwischen über einen Monat.
Der Begriff Keuschhaltung ist irreführend, denn man kann wohl eher von "Geilhaltung" reden. Mit einem Keuschheitsgürtel (KG) läuft das größte Geschlechtsorgan, das Gehirn, zur Höchstleistung auf. Es ist, als würde man über Tage kurz vor einem Orgasmus gehalten.
Das mit der Dauer ist auch so eine Sache. Für wenige Stunden, bis zu einem Abend ist alles noch harmlos, weil man das Ende ja sehr wohl absehen kann. Da lohnt sich die Anschaffung eines "richtigen KG" bei den Preisen nicht. Für diese kurzen Zeiten reicht auch ein Ledergeschirr. Toilettenfunktion ist auch nicht nötig, denn so eine kleine Desperation ist doch auch mal amüsant.
Aber auch zu lange sollte der Verschluss nicht dauern, denn individuell hat jeder Träger eine Resignationsschwelle, ab der weitere Tage oder Wochen einfach egal werden. Es kommt soweit, dass eine weitere Androhung von zusätzlicher Zeit, wie auch das in Aussicht stellen eines zu entfernten Aufschlusses unwirklich und nicht greifbar sind.
Merke: Abschließen und Schlüssel weg werfen ist langweilig! Statt dessen muss die Schlüsselhalterin es verstehen, virtuos mit diesem Instrument zu spielen, um den Träger durch Himmel und Hölle zu schicken. Absolut wichtig ist dazu, dass zum einen kein Einfluss auf eine Dauer-Verkürzung genommen werden kann und zum anderen, dass der nächste Aufschluss nicht vorhersehbar ist und prinzipiell jederzeit anstehen könnte. Besonders genial ist es, wenn man kurz vor dem Orgasmus unvermittelt den KG wieder angezogen bekommt.
Zur Unterscheidung:
Für die "richtigen" KG's kannst Du zum einen mal auf meine homepage sehen. Mein Reinholds ist allerdings aus GFK mit entsprechenden Vor- und Nachteilen.
Edelstahl gibt es zu sehen (und kaufen) bei Latowski, Goethals, neosteel und mysteel.
Als KS mit anhängendem Gürtel, aber ohne String am Po gibts dann auch noch Chastity Steel.
Soweit der europäische Markt. Bei den Amerikanern muss man noch AccessDenied und Jones erwähnen.
Auch ich bin noch nicht so weit hin, dass ich ganz auf den Orgasmus verzichten will. Ich wäre lediglich bereit die Kontrolle über das "WANN" in verantwortungsvolle Hände zu legen. Leider lässt sich das dann nicht mehr vom "OB ÜBERHAUPT" trennen :-) Und genau dass ist wohl der erotische Kick daran: Kontrollverlust!
Es ist sicher sofort einsichtig, dass das Kopfkino bei vielen sehr viel extremer ist, als die Realität. Da liest man im "Graf von Monte-Cristo", wie er die Jahre der Einzelhaft so meistert, phantasiert sich in seine Zelle. Aber real eingesperrt wird es einem schon nach wenigen Stunden unheimlich.
So ist das wohl auch zum großen Teil eine Fantasie-Seifenblase, um den Moment des Einschlusses noch dramatischer zu machen. Wenn man dann zum dritten Mal bis an sein Lebensende verschlossen wird, leidet allerdings die Glaubwürdigkeit der Prognosen :-)
Aber man muss sich vielleicht auch etwas differenzierter mit den Vor- und Nachteilen von Keuschheit auseinander setzen, um den Widerspruch aufzulösen, warum jemand freiwillig auf etwas positives wie einen Orgasmus verzichtet.
Nur, weil das Schloss einrastet, heißt das nicht, dass die Sonne nicht mehr scheint. Der Verschluss ist in keiner weise negativ belegt, vergleiche auch Vanilla-Ansichten zu Bondage mit unserer BDSM-eigenen Einstellung zum Freiheitsentzug. Der KG ist nur eine extreme Art von Bondage.
Der KG ist vielmehr die ideale Verbindung von einer Session zur nächsten. Und wer hätte nicht gerne 24/7 die Hand seiner Herrin in der Hose. Der KG springt halt nur ein, wenn SIE gerade frei hat :-) und diktiert mit eiserner Faust ihren Willen. Unabhängig von Entfernung und unnachgiebig, wie es ein Mensch nicht sein könnte.
Soweit die Ideologie der KG-Träger. Aber es gibt auch noch ganz handfeste Vorteile für ihn bei einer kritischeren Betrachtung. Dazu verweise ich auf einen älteren Text von mir.