Rezeptvorschlag für ein ganzes Jahr
Man nehme zwölf Monate, putze sie ganz sauber von Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und Angst und zerlege jeden Monat in 30 oder 31 Teile, so dass der Vorrat genau für ein Jahr reicht. Es wird jeder Tag einzeln angerichtet aus
- einem Teil Arbeit und
- zwei Teilen Frohsinn und Humor.
Man füge
- drei gehäufte Eßlöffel Optimismus,
- einen Teelöffel Toleranz,
- ein Körnchen Ironie und
- eine Prise Takt hinzu.
Dann wird die Masse sehr reichlich mit Liebe übergossen. Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten und serviere es täglich mit Heiterkeit - und mit einer guten, erquickenden Tasse Tee.
Gott, der mir von Jugend an so viel Gnade erwiesen hat, der wird schon ein Plätzchen aussuchen, wo ich meine alten Tage ruhig und zufrieden beschließen kann. Ich freue mich des Lebens, ich suche keine Dornen, hasche die kleinen Freuden. Sind die Türen niedrig, so bücke ich mich; kann ich den Stein aus dem Weg tun, so tu ich's; ist er zu schwer, so gehe ich um ihn herum, und so finde ich alle Tage etwas, das mich freut. Und der Schlussstein, der Glaube an Gott, der macht mein Herz froh und mein Angesicht fröhlich.
Goethes Mutter Katherina Elisabeth 
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