Kurzgeschichte
der Seelsorge für Tschechen und Slowaken in Linz
von
P. Dr. Michal Kaplánek SDB
Nach der Besatzung der Tschechoslowakei durch die
Militärkräfte des damaligen
Warschauer Pakts (21.08.1968) begann die zweite
Auswanderungswelle in der
Geschichte Tschechoslowakeis nach dem 2. Weltkrieg. Die erste war
gleich nach dem
kommunistischen Putsch 1948. Unter dem Eindruck der sowohl
seelischen als auch
materiellen Not, die unter den tschechischen und slowakischen
Einwanderern aus dem
Jahre 1968 herrschte, setzte sich ein tschechischer
Salesianer-Pater Dr. Josef Valerián
für die Entstehung einer Seelsorgestelle für Tschechen und
Slowaken in Linz ein. Diese
Seelsorgestelle funktioniert seit 1969 bis heute mit
unterschiedlichen Schwerpunkten
nach der aktuellen Situation der in der Diözese Linz lebenden
Tschechen und Slowaken.
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Die erste Periode: 1969-1989 – Unter dem Schatten der Totalität
P. Josef Valerián suchte unermüdlich seine Landsleute unter
den Asylbewerbern aus
der Tschechoslowakei aus. Er leistete vielen große materielle
Hilfe. Außerdem begann
er Gottesdienste in der tschechischen Sprache zu feiern, zuerst
in der Pfarrkirche St.
Severin in Linz und auch auf verschiedenen Orten der Diözese, wo
die Einwanderer
konzentriert wurden.
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Die zweite Periode: 1989-2003 – Eine kleine Herde der Treuen
Nach der Öffnung der Grenzen zwischen damaligen
Tschechoslowakei und Österreich,
änderte sich langsam auch die Situation der früheren
tschechischen und slowakischen
Einwanderer. Viele von ihnen wurden in die österreichische
Gesellschaft und Kirche voll
integriert, daher nahmen sie immer weniger an dem Kirchenleben
der
tschechisch/slowakischen Gemeinschaft teil. Doch P. Valerián
pflegte weiter mit ihnen
sowohl schriftliche als auch persönliche Kontakte. Daneben kümmerte
er sich auch für
Asylanten aus anderen slawischen Sprachgruppen.
Inzwischen kamen nach Österreich weitere Tschechen und
Slowaken, die aber
meistens nicht als Einwanderer zu bezeichnen sind. Es handelte
sich um Studierenden
in Austauschprogrammen oder Au-pair-Mädchen, bzw. Fachleute für
bestimmte Berufe,
z. B. Ärzte. Diese lebten dann in Österreich nur kurzfristig (1
bis 3 Jahre). Einige von
ihnen (Einzelfälle) fanden in Österreich ihre neue Heimat und
blieben hier auf Dauer.
Zu Besonderheiten der Seelsorge für Tschechen und Slowaken
in Linz gehört die
Tatsache, dass die Seelsorge weiterhin gemeinsam für Tschechen
und Slowaken
getrieben wird, auch nach der Trennung des gemeinsamen Staates
1993.
>> Die dritte Periode: 2003 bis heute
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Eine Seelsorge und eine Betreuung
Nach dem Tod von P. Valerián übernahm die
Verantwortung für die Seelsorge für
Tschechen und Slowaken sein Mitbruder P. Dr. Michal Kaplánek SDB, der hauptberuflich
auf der Theologischen Fakultät in Budweis tätig ist und regelmäßig
zwischen Linz und
Budweis pendelt (100
Km). In Jahren 2003-2004 half ihm bei seelsorgischen Aufgaben
ein slowakischer Zisterzienser-Pater. In diesem Zeit war auch in
der Seelsorge der
Theologiestudent Mag. Michal Opatrný tätig, der ehrenamtlich
viele seelsorgerische
Aufgaben ausübt (Katechesen, Liturgievorbereitung, Bürostunden,
Sorge für Bibliothek
und einzelne Gruppen) und wurde so zu einer Kontaktperson, die
auch unter der Woche
in Linz erreichbar ist.
Da die Kontakte der ehemaligen Flüchtlingen aus der
Tschechoslowakei persönlich an
P.Valerián gebunden waren, blieben nur ganz wenige, die immerhin
einen lebendigen
Kontakt mit der Gemeinde haben. Alle bekommen aber etwa 3-mal pro
Jahr schriftliche
Informationen über die Neuigkeiten in der Gemeinde.
Darum verlagerte sich der Schwerpunkt der Seelsorge
auf Tschechen und Slowaken, die
kurz- oder mittelfristig in Linz leben, d.h. Au-pair-Mädchen,
Studierenden, ArbeiterInnen,
insb. in Pflegeberufen. Viele unter ihnen leben unter schwierigen
Lebensbedingungen
(Pendeln, geringer Gehalt, soziale Isolation), manche haben
geringe Deutschkenntnisse,
die ihnen nicht erlauben an den Gottesdiensten in österreichischen
Pfarren wirklich aktiv
teil zu nehmen. Wieder andere erleben in einer für sie fremden
Kultur eine Glaubenskrise,
die aber auch – unter Umständen - zu einer Glaubenserneuerung
führen kann.
Nach 3 Jahre seiner seelsorglichen Tätigkeit wurde P.Dr.
Michal Kaplánek SDB durch die
Provinzleitung in Prag für andere Aufgaben abberufen.
Ab September 2006 bis Ende Jänner 2008
war der Leiter der Seelsorge P.Mag. Jaroslaw
Platunski OFMCap.
Mit 1.02.2008 übernahm die Verantwortung für die Seelsorge
P.Dr. Jan Horák SDB,
der als Oberseelsorger der Tschechen in Österreich tätig ist.
Ehrenamtlicher
Mitarbeiter, Gesangsleiter und Kontaktperson ist Herr
Viktor Kraus. Er war immer mit
diesem Werk eng verbunden.
Für das Jahr 2009 wird das Jubiläum 40 Jahre der
Seelsorge für Tschechen und
Slowaken in Linz vorbereitet.
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